Grand-Hôtel Alexanderplatz - 1903

Das Grand-Hôtel Alexanderplatz

Grand-Hôtel am Alexanderplatz im Jahre 1910
Das Grand-Hôtel Alexanderplatz um 1910, mit Blick in die Neue Königstraße.
Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-G0313-0203-001, Fotograf: unbekannt, Lizenz: Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0 Germany.

Im Jahr 1884 öffnet an der Stelle, an der einst das Wirtshaus “Stelzenkrug” stand, ein neues Hotel seine Pforten. Am Alexanderplatz, genauer an der Ecke Alexanderstraße und Neue Königstraße (der heutigen Otto-Braun-Straße), erhebt sich nun nach knapp zwei Jahren Bauzeit das prächtige Grand-Hôtel Alexanderplatz, das nach dem “Kaiserhof” in der Wilhelmstraße, errichtet zwischen 1873 und 1875, und dem “Central-Hotel” direkt am Bahnhof Friedrichstraße, errichtet von 1879 bis 1880, der dritte große Hotelbau in Berlin ist.

Seine Fassade zeigt die Abkehr von der ruhigen klassizistischen Architektur und den Übergang zum Prunk der  wilhelminischen Ära mit seinen vielen Erkern, Giebeln und Türmchen, dem Stil der sogenannten Neorenaissance. Die Entwürfe dafür liefern die Architekten Wilhelm Martens, Matthias von Holst und Carl Zaar. Die meisten ihrer Berliner Gebäude wurden im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört. Von Zaar sind lediglich noch einige Zoobauten wie das Portal und das Aquarium erhalten geblieben.

Auf vier Etagen bietet das Hotel insgesamt 185 Gästezimmer, die in den ersten Jahren hauptsächlich von Geschäftsreisenden gebucht werden. An den Straßen beherbergt das Gebäude Läden, ein Café, später auch eine Gaststätte. Doch schon bald verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage des Hotels rapide. Noch in der Kaiserzeit müssen Räume für andere Gewerbe abgegeben werden, da das Hotel nicht mehr ausgebucht ist.

Blick auf den Alexanderplatz mit der Berolina um 1903, im Hintergrund das Grand-Hôtel Alexanderplatz.
Quelle: Wikimedia Commons, Fotograf: unbekannt, Lizenz: gemeinfrei, da urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen

So eröffnet am 4. September 1909 im Großen Saal des Grand-Hôtel das Union-Theater, oft kurz auch als U. T. bezeichnet, ein Kino. Dieser vom Frankfurter Unternehmer Paul Davidson geführte Kinobetrieb richtet in den Folgejahren weitere Kinos in Berlin ein. Dasjenige im Grand-Hôtel besteht bis 1943 – als Ufa-Kino.

Nach dem Ersten Weltkrieg, noch im Jahr 1919, wird das Hotel schließlich endgültig geschlossen. Das Gebäude wandelt man in ein Büro- und Geschäftshaus um. Dem großen Abriß am Alexanderplatz am Ende der 1920er Jahre entgeht das Hotel, da es weder den geplanten Neubauten noch der U-Bahn im Wege steht. So steht es in den dreißiger Jahren immer noch, ist allerdings schon recht zerfallen und schmutzig, als es schließlich in den Besitz der Engelhardt-Brauerei übergeht. Diese verliert es allerdings im Zuge der von den Faschisten vorangetriebenen „Arisierung“ und der anschließenden Judenverfolgung wieder, auch wenn ihr Name aus Werbegründen erhalten bleibt. Der Zweite Weltkrieg jedoch bereitet mit seinem Bombenhagel auf das Zentrum der Stadt in den letzten Kriegsjahren auch dem Grand-Hôtel Alexanderplatz ein trauriges Ende.

Grand-Hôtel Alexanderplatz

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