Moses Mendelssohn am Lessing-Denkmal

Moses Mendelssohn

Dieser Beitrag ist Teil 1 von 3 der Beitragsserie "Moses Mendelssohn"

Moses Mendelssohn
Schriftsteller und Philosoph
Geboren am 6. September 1729 in Dessau
Gestorben am 4. Januar 1786 in Berlin


Moses Mendelssohn - Kupferstich von Anton Graff
Moses Mendelssohn, Kupferstich nach einem Gemälde von Anton Graff.
Quelle: Wikimedia Commons, Künstler: Anton Graff, Lizenz: gemeinfrei, da urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen.

So heißt es im „Berliner Biographischen Lexikon“ von 1993. Die berufliche Bezeichnung stimmt natürlich, alle Quellen sprechen davon. Richtig ist aber auch, daß er Jude war, Aufklärer und Freund Lessings und Nicolais. Eine besonders schöne Charakterisierung fand Heinz Knobloch in seinem Buch „Herr Moses in Berlin“, wo es im Untertitel heißt: „Auf den Spuren eines Menschenfreundes“. Diesem Buch verdanken wir unsere erste “Begegnung mit Herrn Moses”, und es sei gleich zu Beginn allen Lesern dieser Zeilen empfohlen, die sich umfassender über Moses Mendelssohn und seine Zeit informieren wollen. Im folgenden soll aus Gründen der Vereinfachung meist nur der Name Moses verwendet werden. Über diesen Menschen, der also vor 280 Jahren geboren wurde, gibt es viele gesicherte Lebensdaten, aber auch einige unsichere Angaben, die vor allem seine Kindheit und seinen Weg nach Berlin betreffen.

In Dessau wird er geboren als Sohn des Mendel Heymann und seiner Ehefrau Bella Rahel Sara. Der Vater arbeitet als Küster und Elementarlehrer. Die Familie lebt in ärmlichen Verhältnissen. Der Junge erhält aber schon in frühen Jahren, zunächst durch seinen Vater und später durch seinen Lehrer, Rabbiner David Fränkel, eine gute Ausbildung. Letzterer erkennt offensichtlich die Begabungen des Jungen, und er vermittelt ihm Wissen, was über das damals übliche weit hinaus geht. Als David Fränkel aus Dessau 1743 abberufen wird – er soll zunächst nach Frankfurt/Oder als Rabbiner, wird aber schon kurze Zeit später Oberrabbiner in Berlin – will der inzwischen 14jährige Moses gern mitgehen. Diesem Lehrer verdankt er auch die Kenntnis über den berühmten jüdischen Philosophen und Arzt Maimonides (1135-1204), dessen religionsphilosophische Schriften er gründlich studiert, wobei er sich, wie er selbst später sagt, sogar körperlich geschädigt hat:

Diesem Maimonides habe ich es zuzuschreiben, daß ich einen so verwachsenen Körper bekommen; er allein ist die Ursache davon; aber deswegen liebe ich ihn doch, denn der Mann hat mir manche trübe Stunde meines Lebens versüßt, und so auf der einen Seite mich zehnfach für das entschädigt, um was er mich in Betracht meines Körpers gebracht.
(zitiert nach Heinz Knobloch: „Herr Moses in Berlin“)

Moses war also nicht nur Jude, er war von der Natur auch noch körperlich benachteiligt worden. Er war klein und bucklig, aber von großem Geist. Hierzu sei Heinz Knobloch nochmals zitiert:

Ich erzähle von Moses Mendelssohn, der krumm war, aber nur äußerlich, was ihn unterschied von anderen Berlinern, die unter dem Preußenkönig lebten,…
(zitiert nach Heinz Knobloch: „Herr Moses in Berlin“)

Liest man diese Zeilen, fragt man sich unwillkürlich, wie viele Menschen es wohl heute immer noch gibt, die sich so von Moses Mendelssohn unterscheiden würden? Jeder muß sich darauf selbst eine Antwort geben.

Als sein Lehrer von Dessau fortgeht, gibt es wohl in dieser Stadt keinen annähernden Ersatz, bei dem Moses hätte weiterlernen können. So ist anzunehmen, daß dieser Umstand ihn bewogen haben muß, seinem Lehrer nach Berlin zu folgen.

Er kommt also 1743 zu Fuß von Dessau und durch das Rosenthaler Tor nach Berlin. Er soll zunächst am Halleschen Tor abgewiesen worden sein (es wäre logisch gewesen, daß er es dort versucht hat, wenn er aus südwestlicher Richtung kommt), und er wird auch nicht durch das Potsdamer oder andere Tore eingelassen, denn zu den damals geltenden Bestimmungen, die nicht gerade judenfreundlich zu nennen sind, dürfen fremde Juden Berlin nur durch das Rosenthaler Tor betreten (es stand dort, wo sich heute der Rosenthaler Platz befindet). Daß er zu Fuß kam, ist wohl nicht eindeutig verbürgt. Regina Scheer schreibt dazu in „Mausche mi-Dessau“:

Der erste Bericht „Er ging zu Fuß nach Berlin“ war von dem ihn schwärmerisch verehrenden, vier Jahre jüngeren Buchhändler Friedrich Nicolai, der dies 1759 an den damals bekannten Dichter Johann Peter Utz schrieb.

Regina Scheer meint, daß diese Behauptung seither in allen Biographien zu finden, jedoch ebenso wenig bewiesen sei wie eine genaue Beschreibung des Weges, den er genommen habe. Das ist sicher richtig, leider gibt es dazu auch von Moses selbst keine überlieferten Angaben.

Moses gibt als Grund, in die Stadt zu wollen, an, bei dem Oberrabbiner Fränkel zu wohnen und von ihm unterrichtet zu werden. Das bringt ihm die Erlaubnis zum Betreten der Stadt. Zu dieser Zeit ließ man keine sogenannten Betteljuden in die Stadt. Die Jüdische Gemeinde hatte deshalb einen Beamten zu stellen, der dafür zu sorgen hatte, daß nur solche Personen die Stadt betraten, die angeben konnten, zu welchem Zweck und wie lange sie sich hier aufhalten wollten. In den Journalen der Wache findet sich für den betreffenden Oktobertag 1743 die folgende Eintragung:

Heute passierten das Rosenthaler Tor sechs Ochsen, sieben Schweine, ein Jude.
(zitiert nach Julius H. Schoeps: „Moses Mendelssohn“).

Oberrabiner Fränkel nimmt Moses auch auf und vermittelt ihm vermutlich sein erstes Quartier in der Stadt, in der Probstgasse nahe der Nikolaikirche (im heutigen Bezirk Mitte) gelegen. Hier wohnt er bei dem Juden Chajim (Heimann) Bamberger in einer Dachkammer. Nach einer Gedenktafel für Moses sucht man in dieser Straße heute leider vergebens.

Zu der Zeit nennt er sich noch Mausche (Mausche mi-Dessau, was Moses aus Dessau bedeutet), und erst hier in Berlin wird daraus Moses. Später nennen ihn seine Freunde Lessing und Nicolai, und wohl auch andere Freunde „Herr Moses“, was ganz sicher ihr Ausdruck von Achtung und Wertschätzung für seine Person war.

Er lebt in diesen Anfangsjahren in sehr ärmlichen Verhältnissen. Regina Scheer schreibt:

Es sah so aus, als hätte sein Weg aus Dessau in die streng reglementierte jüdische Gemeinde Berlins von der Armut ins Elend, von einer Dunkelheit in die andere geführt, aber Mausche oder Moses brachte sein eigenes Licht mit. Er selbst wurde zur Brücke zwischen der engen Welt des Ghettos und dem aufgeklärten Judentum, zwischen dem Halbdunkel der Lehrhäuser und dem Reichtum jüdischer Überlieferung, zwischen dem jüdischen Selbstverständnis und dem Hauptstrom der europäischen Kultur, zwischen Religion und Vernunft, zwischen Juden und Christen.

Als Moses nach Berlin kommt, ist Friedrich II., den man später den Großen nennt, schon rund drei Jahre König. Er, der als aufgeklärter Monarch gilt, hat die diskriminierenden Einschränkungen (wirtschaftlicher, sozialer, vor allem auch beruflicher Art u. a.) für Juden nicht abgeschafft, ja auch nicht abschaffen wollen. So besteht für Moses die Gefahr, daß er nach Abschluß seines Studiums die Stadt wieder verlassen muß. Er studiert sehr intensiv Philosophie, Sprachen, Mathematik – teils bei seinen Lehrern und zum Teil auch autodidaktisch. Er hat dann Glück, denn als 21-Jähriger wird er als Hauslehrer bei dem Seidenfabrikanten Isaak Bernhard angestellt und unterrichtet dessen Kinder vier Jahre lang. Danach stellt Bernhard ihn als Buchhalter und später als Geschäftsführer ein, was ihm den weiteren Aufenthalt in Berlin sichert und auch bisheriger Sorgen um seinen Lebensunterhalt enthebt.

Das ist im Jahre 1754, in dem auch die Freundschaft mit Lessing und Nicolai beginnt. Diese Freundschaft und enge Zusammenarbeit ist für alle Beteiligten fruchtbar und daraus resultierende Werke wirken bis in unsere Zeit. Auch als Lessing 1755 nach Leipzig geht, bleibt ihre Freundschaft, wenn nun auch vornehmlich durch Briefwechsel, bestehen. Und es ist in diesem Zusammenhang ganz sicher kein Zufall, daß alle Quellen darin übereinstimmen, daß manches von der Weisheit Mendelssohns in Lessings „Nathan der Weise“ eingeflossen ist, wenngleich man sicher davon ausgehen muß, daß in diesem Werk Lessings Ideen zum Ausdruck kommen.

In diesen und den folgenden Jahren erscheinen Arbeiten von Moses, die ihn nach und nach in Berlin, Deutschland und weit darüber hinaus bekanntmachen. Es beginnt 1755 mit den „Philosophischen Gesprächen“, die noch unter Pseudonym veröffentlicht und von Lessing herausgegeben werden. Er arbeitet auch an der von Nicolai herausgegebenen „Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste“ mit sowie an den „Briefe[n], die neueste Literatur betreffend“, die von Nicolai und Lessing wöchentlich herausgegeben werden. Weitere herausragende Werke sind, um nur zwei zu nennen: „Phädon oder Über die Unsterblichkeit der Seele“ (1767) und „Jerusalem oder Über die religiöse Macht und Judentum“ (1783). Bereits 1763 erscheint „Über die Evidenz in metaphysischen Wissenschaften“, wofür er den ersten Preis der Berliner Akademie erhält, die diese Arbeit einer des Philosophen Immanuel Kant vorzieht. In Anerkennung seines hervorragenden Wirkens wird Moses 1771 in eben diese Berliner Akademie gewählt. Der „aufgeklärte Philosoph auf dem Thron“, König Friedrich II., verweigert ihm jedoch seine Zustimmung. Es stellt sich die Frage, ob der König Moses ablehnte, weil dieser Jude war, oder weil er französische Philosophen mehr schätzte (Maupertuis war der Präsident der Akademie, Voltaire weilte längere Zeit in Sanssouci) als jene aus dem eigenen Land? Vielleicht trifft beides zu und es gibt möglicherweise noch weitere Gründe. War es, weil Moses es gewagt hatte, Gedichte des Königs kritisch zu beurteilen? Heinrich Heine schreibt in seinem Werk „Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland“ über den König:

Ihr wißt, daß er französische Verse machte, sehr gut die Flöte blies, die Schlacht bei Roßbach gewann, viel Tabak schnupfte und nur an Kanonen glaubte. Einige von euch haben gewiß auch Sanssouci besucht…

Und weiter heißt es:

Wegen solcher Vorliebe für ausländische Talente konnte nun freilich Friedrich der Große keinen allzu großen Einfluß auf den deutschen Geist gewinnen.

Es lohnt sich, das genannte Werk von Heine zu lesen, wo er auch zu Moses Mendelssohn und überhaupt zu den Aufklärern Interessantes anzumerken hat.

Auch in der Jüdischen Gemeinde Berlins findet Moses zunehmend Anerkennung. So wählt sie ihn 1780 zu ihrem Schatzmeister und 1784 zu einem ihrer Repräsentanten.

Fromet Mendelssohn geb Gugenheim
Bildnis von Fromet Mendelssohn, geb. Gugenheim, der Ehefrau Moses Mendelssohns.
Quelle: Wikimedia Commons, Künstler: unbekannt, Lizenz: gemeinfrei, da urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen.

Auch seine familiäre Situation ändert sich in jener Zeit. 1761 weilt Moses in Hamburg. Er besucht dort seinen Freund, den Augenarzt Aron Emmerich Gumpertz. Hier verliebt er sich in Fromet, die Tochter des Abraham Gugenheim. Bereits am 22. Juni 1762 findet die Hochzeit statt. Aus der Ehe gehen zehn Kinder hervor, sechs bleiben am Leben. Wer mehr darüber erfahren möchte, dem sei erneut das schon genannte Buch von Heinz Knobloch empfohlen.

Ein Problem für Moses ist ganz sicher, daß er noch immer als rechtloser Jude mit beschränkter Aufenthaltserlaubnis in Berlin lebt. Er schafft es erst 1763 (wer weiß, wie viele Bittschriften er verfaßt haben mag), einen Schutzbrief zu erhalten, der ihn vor willkürlicher Ausweisung bewahrt. Dieses Privileg gilt jedoch nicht für seine Frau und die Kinder, die zu diesem Recht erst nach seinem Tode 1786 gelangen.

1766 war sein Vater in Dessau verstorben. Daß er sich seitdem nach dem Vornamen des Vaters, Mendel (Mendels Sohn = Mendelssohn) nennt, sieht Regina Scheer in oben genanntem Buch so:

Moses setzte ihm durch seinen Namen ein Denkmal. Er war nun Mendels Sohn und alle seine berühmten Nachfahren trugen den Namen des schlichten Mannes aus Dessau weiter.

Übrigens gehörte es zur jüdischen Tradition, daß Söhne den Namen des Vaters auf diese Weise führten. Erst im 19. Jahrhundert wird per Gesetz die Pflicht für Juden eingeführt, einen Familiennamen zu führen.

Nach seiner Heirat wohnt Moses mit seiner Familie in der Spandauer Straße 68. Dieses Haus soll etwa da gestanden haben, wo sich heute die Kreuzung von Spandauer Straße und Karl-Liebknecht-Straße befindet. Einer, der es noch gesehen hat, war Julius Rodenberg, der Ende des 19. Jahrhunderts auf seinen Berliner Spaziergängen auch die Mitte Berlins durchstreifte, und zwar zu jener Zeit, als gerade viele alte Gebäude dem Neubau der Kaiser-Wilhelm-Straße bzw. deren Verbreiterung zum Opfer fielen. In seinem diesbezüglichen Bericht „Im Herzen von Berlin (April bis August 1886)“ heißt es:

Verschwunden ist das ganze Stadtkarree, welches einst von der Kleinen Burg- bis zur Heiligegeistgasse reichte; jedoch auch das, was hier herum in der alten Gegend noch steht, erscheint bedroht; … So das Haus Nr. 68 in der Spandauer Straße – das Haus der Mendelssohns. Da steht es noch, wie es gestanden hat vor hundert Jahren; der Baum freilich, unter welchem vor der Türe der gute Mann oftmals sinnend und sorgend in seinen letzten Jahren gesessen, ist nicht mehr da. Doch das Haus mit seinen vier Fenstern Front, seinen zwei bescheidenen Stockwerken und dem Dachkämmerchen darüber, der Schauplatz eines äußerlich stillen, aber an inneren Kämpfen reichen und trotzdem glücklichen Lebens, ist noch unverändert.

Die Gedenktafel für Moses Mendelssohn, die einst an seinem Wohnhaus in der Spandauer Straße hing. Heute befindet sie sich in einer Ausstellung zur Geschichte der Familie Mendelssohn in einer Trauerkapelle auf dem Friedhof I der Dreifaltigkeitsgemeinde.
Fotograf: Alexander Glintschert (2015), Lizenz: Creative Commons BY-NC-CD 2.0.

Rodenberg erwähnt auch die Gedenktafel, die über der Tür des Hauses angebracht ist und auf der er liest:

Hier lebte und wirkte Unsterbliches Moses Mendelssohn.

Wilhelm und Alexander von Humboldt empfangen hier ihren ersten Unterricht. Das Haus steht dann tatsächlich nicht mehr lange. Neue Gebäude werden errichtet, und an dem mit der Nr. 68 wird wieder eine Gedenktafel angebracht mit dem oben genanntem Text. Allerdings fällt auch dieses Haus, wie fast die gesamte Mitte Berlins, den Bomben im Zweiten Weltkrieg zum Opfer. So erinnerte lange Zeit nichts mehr an den berühmten Moses. Um den ungefähren Standort des Hauses heute zu erahnen, liest man bei Heinz Knobloch:

Wie dem auch sei, wir stehen auf historischem Boden, wenn wir an der Ecke Spandauer Straße auf grünes Licht warten. Im Rücken den Fernsehturm, vor den Augen den Palast der Republik.

Nun, letzterer ist auch schon nicht mehr da. Gegenwärtig wird hier das Humboldt-Forum errichtet. Aber wir finden seit 2016 an der Stelle, wo sich die Nummer 68 befand, etwas sehr Erfreuliches, was wir bis dahin immer schmerzlich vermißt hatten. Es handelt sich um ein Denkmal für Moses, das der israelische Künstler Micha Ullmann geschaffen hat, eine begehbare Bodenskulptur, die an das Haus, in dem Moses seit 1762 wohnte, erinnert. Die Hausfront mit 12 Fenstern, der Tür und der oben genannten Gedenktafel ist am historischen Ort im Verhältnis Eins zu Eins auf die Bodenfläche geklappt. Zu hoffen und zu wünschen ist, daß viele Menschen, die diesen Ort passieren, innehalten, den Text der nebenstehenden Informationsstele lesen und des großen Philosophen und Aufklärers gedenken.

Das von Micha Ullman geschaffene Bodendenkmal für Moses Mendelssohn an der Stelle seines früheren Wohnhauses in der Spandauer Straße 68. Gut zu erkennen sind die Bodenplatten, die die Fenster und den Hauseingang symbolisieren, sowie die Replik der Gedenktafel, die einst an dem Gebäude hing.
Fotograf: Alexander Glintschert (2015), Lizenz: Creative Commons BY-NC-CD 2.0.

Die Einweihung dieses Denkmals fand am 14. Juni 2016 in Anwesenheit des Künstlers und weiterer Persönlichkeiten statt. Übrigens hatte Micha Ullmann bereits 2012 seine Pläne für das Kunstwerk im Rahmen eines Kongresses und Treffens mit Nachkommen Moses Mendelssohns in Berlin vorgestellt. Wir wollen auch darauf hinweisen, daß der Künstler 1995 das beeindruckende Mahnmal zur Bücherverbrennung durch die Faschisten im Mai 1933, die unterirdische Bibliothek auf dem Bebelplatz in Berlin-Mitte, deren weiße, leere Regale durch eine Glasplatte zu sehen sind, geschaffen hat. Es gehört sicher zu seinen bekanntesten und eindringlichsten Werken. Im Jahr 2010 erhielt Micha Ullmann den „Moses-Mendelssohn-Preis zur Förderung der Toleranz gegenüber Andersdenkenden und zwischen den Völkern und Religionen“ vom Land Berlin.

Beschäftigt man sich mit der Geschichte der Spandauer Straße, so kann man auf viele Spuren interessanter und verdienstvoller Menschen stoßen, die einmal dort lebten. So zum Beispiel auch Nicolai und Lessing, die vor Moses sogar in dem gleichen Haus gewohnt hatten. Jedoch findet man aus baulicher Sicht heute keine Hinweise mehr. Immerhin steht hier noch das älteste Gebäude Berlins. Es existierte also schon zu Moses Zeiten, er muß wohl oft daran vorbeigegangen sein. Es handelt sich um die Heilig-Geist-Kapelle, die um 1300 erbaut und in den Jahren 2003-2004 restauriert wurde, wie eine Gedenktafel an dem Gebäude mitteilt.

Alter Jüdischer Friedhof
Der Alte Jüdische Friedhof in der Großen Hamburger Straße.
Fotograf: Alexander Glintschert (2003), Lizenz: Creative Commons BY-NC-CD 2.0.

Das bringt uns zu der Frage, welche weiteren konkreten Spuren oder Hinweise von Moses Mendelssohn man heute überhaupt in Berlin findet. In erster Linie ist sein Grab auf dem Alten Jüdischen Friedhof in der Großen Hamburger Straße zu nennen. Ein Friedhof ist es schon seit den unseligen Zeiten der Faschisten nicht mehr, er wurde von ihnen verwüstet. Und damit auch die Gräber von Isaak Bernhard, der Moses Arbeit und damit Existenzsicherheit gab, und David Fränkel, seinem berühmten Lehrer, die in seiner Nähe beerdigt wurden, und natürlich die unzähligen anderen Gräber. Insgesamt sollen auf diesem Friedhof etwa 12.000 Tote geruht haben. An seinem Eingang stand früher das erste Altersheim der Jüdischen Gemeinde, das von den Faschisten zu dem berüchtigten Sammellager umfunktioniert wurde, von dem aus über 50.000 jüdische Menschen in die Vernichtungslager verschleppt und ermordet wurden. 1943 wurde es zerstört. An der Stelle mahnen ein Gedenkstein und eine Figurengruppe des Bildhauers Will Lammert an diese Verbrechen. Die Grundmauern des Altersheimes sind heute durch Ziegelreihen dargestellt, die Flächen dazwischen mit Schotter gefüllt. So ist zu hoffen, daß die Vorübergehenden beziehungsweise die hoffentlich auch dort Verweilenden an diese Greuel erinnert und zu stillem Gedenken angeregt werden und auch zu der Erkenntnis, daß sich so etwas nie wiederholen darf.

Mit dem Friedhof wurde auch ein unersetzliches Kulturgut vernichtet, von dem heutige Generationen kaum noch etwas wissen. Eine großartige Beschreibung dieses Friedhofes findet man in den oben genannten Berliner Spaziergängen von Julius Rodenberg. Darin ist auch zu lesen, daß damals (der Friedhof war offensichtlich etwas vernachlässigt worden) annähernd 3.000 Grabsteine wieder renoviert und aufgerichtet worden waren. Abschließend heißt es dann:

Ein Grab aber hebt von allen Gräbern sich leuchtend ab – es ist von einem Gitter umschlossen, mit Efeu bewachsen, und auf dem Grabstein steht oben in hebräischer Schrift, unten in goldenen deutschen Lettern:

Moses Mendelssohn
geb. zu Dessau den 6. September 1729
gest. zu Berlin den 4. Januar 1786.

Übrigens war das das zweite Grabmal für Moses, errichtet um 1880. Es ist ebenso wie der gesamte Friedhof nicht mehr vorhanden.

Grabstein Moses Mendelssohn - Hebräische Seite
Der heutige Grabstein für Moses Mendelssohn mit der hebräischen Inschrift.
Fotograf: Alexander Glintschert (2003), Lizenz: Creative Commons BY-NC-CD 2.0.

Heute gehört dieser Friedhof wieder der Jüdischen Gemeinde und wird wieder als Jüdischer Friedhof behandelt. Ein einziges Grab gibt es ebenfalls wieder, nämlich das von Moses Mendelssohn. Es wurde nach dem Zweiten Weltkrieg an der Stelle neu angelegt, an der sich wahrscheinlich sein ursprüngliches Grab befunden hat. Auf dem Grabstein lautet die hebräische Inschrift:

Hier ist beerdigt
Der Gelehrte Rabbi Moses aus Dessau
geb. 12w. Elul 5489
gestorben am Mittwoch, 5. Schwat und beerdigt am
folgenden Tag, am Donnerstag, dem 6. desselben, 5546.

Möge seine Seele eingebunden sein in den Bund des ewigen Lebens.

Die andere, deutsch beschriftete Seite, enthält nur, daß es sich um Moses Mendelssohn handelt, geboren am 6. September 1729 in Dessau, gestorben am 4. Januar 1786 in Berlin. Ein schlichter Stein an der Stelle, wo das Grab vermutet wurde, errichtet nach 1945. Nachkommen der Familie haben sich bemüht, die hebräische Inschrift des ersten Grabsteins auf dem vorläufig letzten, am 23. Mai 1990 enthüllten Grabstein zu wiederholen.
(Zitiert nach Hermann Simon: „Moses Mendelssohn“).

Hinzuzufügen ist, daß im Jahre 2009 noch weitere Grabtafeln an der Friedhofsmauer angebracht wurden, die auf anderen Begräbnisplätzen aufgefunden worden waren.

Wendet man sich vom ehemaligen Friedhof nach links, so findet man in der Großen Hamburger Straße 27 ein Gebäude, in dem sich heute wieder ein jüdisches Gymnasium befindet. Früher gab es hier schon einmal eine jüdische Schule, und zwar seit 1863. Es handelt sich um die 1826 geschaffene jüdische Knabenschule. Sie ist damals Nachfolgerin der jüdischen Freischule, an deren Gründung Moses maßgeblich beteiligt war. 1906 wird die Schule so errichtet, wie wir sie heute noch sehen. Über dem Eingang steht noch lesbar “Knabenschule der Jüdischen Gemeinde”. Diese Schule pflegte bis zu ihrer zwangsweisen Auflösung 1942 durch die Nazis das Erbe Mendelssohns, wie Hermann Simon schreibt:

Nach außen hin dokumentierte sie das durch das Aufstellen einer Mendelssohn-Büste im Vorgarten.

Gedenktafel für Moses Mendelssohn
Diese Gedenktafel für den jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn befindet sich an der Jüdischen Knabenschule in der Großen Hamburger Straße in Berlin.
Fotograf: Alexander Glintschert (2010), Lizenz: Creative Commons BY-NC-CD 2.0.

Die Faschisten zertrümmerten auch dieses Denkmal. Heute kann man an dem Gebäude zumindest eine Gedenktafel für Moses mit einem Porträtrelief des Philosophen sehen, geschaffen von dem Berliner Künstler Gerhard Thieme im Jahre 1983. Ergänzt wird sie durch eine Tafel von Götz Dorl mit den Worten:

Nach Wahrheit forschen, Schönheit lieben, Gutes wollen, das Beste tun.

Das war Mendelssohns Credo sein Leben lang und er hat es gelebt.

Wie bereits oben erwähnt, befand sich am Haus Spandauer Str. 68 früher eine Gedenktafel für Moses. Sie existiert noch. Sie wurde erfreulicherweise gerettet und später im Hof der Synagoge in der Oranienburger Straße ausgestellt. Heute befindet sie sich in der Gedenk- und Dokumentationsstätte in der ehemaligen Kapelle auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof I vor dem Halleschen Tor. Hier gibt es auch eine sehr gelungene und aussagekräftige Dauerausstellung, die am 3. November 2013 eröffnet wurde und die das geistige, künstlerische und wirtschaftliche Leben der Familie Mendelssohn zeigt. Sie hat sowohl die Geschichte der Familie als auch das bürgerliche Leben in Berlin zu dieser Zeit zum Inhalt. Der Besuch dieser Ausstellung sowie des Friedhofes sei allen Interessierten sehr empfohlen. Auf letzterem befinden sich auch die Gräber von Moses‘ Sohn, Abraham Ernst Mendelssohn-Bartholdy, und seiner Frau Felicia Pauline sowie die ihrer Kinder, der Enkel von Moses, Felix Mendelssohn-Bartholdy (wer kennt nicht diesen berühmten Komponisten?) und seiner Schwester Fanny Hensel (auch als Komponistin berühmt). Auch das Grab des Malers Wilhelm Hensel, Fannys Ehemann, sowie die weiterer Familienangehöriger sind hier zu finden. Auch wenn es viele Interessierte schon kennen, so wollen auch wir nicht darauf verzichten wiederzugeben, was wir in verschiedenen Quellen als Ausspruch Abraham Mendelssohns lesen, der gesagt haben soll:

Erst war ich der Sohn eines berühmten Vaters und jetzt bin ich der Vater eines berühmten Sohnes.

Am Lessing-Denkmal - Moses Mendelssohn
Das Lessing-Denkmal im Berliner Tiergarten an der Lennéstraße wurde von Otto Lessing, einem Urgroßneffen des Dichters, zwischen 1887 und 1890 geschaffen. Auf der rechten Seite des Denkmals befindet sich das Portrait Moses Mendelssohns, Freund und Mitstreiter Lessings.
Fotograf: Alexander Glintschert (2009), Lizenz: Creative Commons BY-NC-CD 2.0.

Eine Erinnerung an Moses findet sich auch im Tiergarten. Kommt man vom Brandenburger Tor, am Rande des Tiergartens die Ebertstraße entlang, vorbei am Goethe-Denkmal, so findet man unweit des Potsdamer Platzes an der Lennéstraße ein Lessing-Denkmal. Es ist eine Marmorstatue des Bildhauers Otto Lessing, eines Urgroßneffen des Dichters. Sie wurde am 14. Oktober 1890 eingeweiht. Am Sockel des Denkmals sind vier Bronzetafeln angebracht: der Name Lessings und drei Porträts, und zwar von Moses Mendelssohn, Friedrich Nicolai und Ewald von Kleist. Diese vier Tafeln haben wohl eine besondere Geschichte, denn sie wurden offensichtlich in der Zeit des Faschismus vernichtet. Heinz Knobloch konnte sie bei seinen Recherchen 1977, als er das Lessing-Denkmal aufsuchte, nicht sehen, denn sie waren herausgerissen. Heute sind sie, wahrscheinlich als Kopien, wieder angebracht.

Unbedingt zu verweisen ist auch noch auf eine Marmorbüste Moses Mendelssohns, die von Jean-Pierre-Antoine Tassaert stammt, der damals Hofbildhauer in Berlin war und am Alexanderplatz lebte. Sie konnte vor der Vernichtung durch die Faschisten gerettet werden. Die Originalbüste befindet sich seit 1964 im Gemeindehaus der Jüdischen Gemeinde in der Fasanenstraße. Eine Kopie, von Arnold Zadikow im Auftrag der Familie Mendelssohn 1930 geschaffen, befindet sich in der Neuen Synagoge – Centrum Judaicum in der Oranienburger Straße. Diese Büste steht auf dem bei Ausgrabungsarbeiten auf dem Gelände der Neuen Synagoge gefundenen Originalsockel. Die Inschrift auf ihm lautet:

Moses Mendelssohn
geboren in Dessau im Jahre 1729 von jüdischen Eltern,
ein Weiser wie Sokrates, den Gesetzen der Väter ergeben,
Unsterblichkeit lehrend und unsterblich wie er.

Wer über die wechselvolle Geschichte dieser Büste Näheres erfahren möchte, dem sei das Buch „Das Berliner Jüdische Museum in der Oranienburger Straße – Geschichte einer zerstörten Kulturstätte“ von Hermann Simon empfohlen.

Haus Mendelssohn in der Jägerstraße
Der Eingang zum Mendelssohn-Haus in der Jägerstraße.
Fotograf: Johannes Glintschert (2009), Lizenz: Creative Commons BY-NC-CD 2.0.

Eine wichtige Adresse, um sich über die Familie Mendelssohn zu informieren, ist die Mendelssohn-Remise in der Jägerstraße 51, dem Stammhaus der Mendelssohn-Bank, im Stadtbezirk Mitte. Vor dem Haus stehen Informationstafeln zur „Geschichtsmeile Jägerstraße“. Dort wird berichtet, daß die Söhne des Philosophen Moses Mendelssohn, Joseph und Abraham, die Mendelssohn-Bank gründeten, die sich in der Jägerstraße befand. In der Remise im Hof des Gebäudes findet man die ständige Ausstellung „Die Mendelssohns in der Jägerstraße“, in der sehr schön und informativ, ausgehend vom „Stammvater“ Moses Mendelssohn, über dessen Nachkommen und deren Wirken berichtet wird. In dieser Ausstellung befindet sich auch eine Büste Moses Mendelssohns von Tassaert. Hierbei handelt es sich um einen

Gipsabguß nach dem originalen Gipsmodell der Marmorfassung von 1785 in der Alten Nationalgalerie SMB PK
Leihgabe von Eva Ghosh

wie es in der neben der Büste befindlichen Erklärung heißt.

In der Remise findet man auch Informationen zu weiteren Orten in Berlin mit Bezügen zu den Mendelssohns. In einem Informationsblatt sind insgesamt zwanzig aufgeführt. Wer sich über Leben und Wirken Moses Mendelssohns informieren will, findet natürlich auch in den Werken von und den Büchern über ihn, die sich in den Bibliotheken befinden und damit für den interessierten Leser verfügbar sind, viel Interessantes.

Das Straßenschild des Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platzes.
Fotograf: Alexander Glintschert (2017), Lizenz: Creative Commons BY-NC-CD 2.0.

Und nicht zuletzt soll noch auf die sehr erfreuliche Tatsache hingewiesen werden, daß es inzwischen in unserer Stadt einen Fromet-und Moses-Mendelssohn-Platz gibt. Er befindet sich am Jüdischen Museum in Berlin-Kreuzberg. Es hat lange gedauert bis es zur Namensgebung kam und wir wollen hier nicht auf die Probleme eingehen, die zu einer längeren Verzögerung geführt hatten. Freuen wir uns einfach richtig über den Fakt, daß es einen solchen Platz jetzt gibt.

Weitere Erinnerungen in Berlin an Moses Mendelssohn sind uns zur Zeit nicht bekannt. Eine Mendelssohnstraße und ein U-Bahnhof Mendelssohn-Bartholdy-Park erinnern an seinen berühmten Enkel Felix, der zusätzlich den Namen Bartholdy führte. Da hier von Berlin die Rede ist, sind wir auf sicher vorhandene Spuren in der Geburtsstadt Moses Mendelssohns, Dessau, nicht eingegangen.

Es sei aber noch auf ein Buch von Carola Stern mit dem Titel „Ich möchte mir Flügel wünschen“ verwiesen, in dem die Autorin über Moses’ Tochter Brendel schreibt, aus der später Dorothea wird und die mit Friedrich Schlegel lebt. Aufmerksam wurden wir auf dieses Buch wiederum durch Heinz Knobloch, der, als er 1990 noch für die Zeitschrift „Wochenpost“ schrieb, in deren Nummer 30/1990 über das Erscheinen dieses Buches informierte.

Wie soll man in wenigen Worten zusammenfassen, welche Bedeutung Moses Mendelssohn zu seinen Lebzeiten und auch heute noch zukommt? Dazu sei aus dem Berliner Biographischen Lexikon zitiert:

In klaren, durchdringenden Gedanken und eingängiger Sprache hat Mendelssohn für die Verbreitung aufklärerischer Ideen (Deismus, Toleranz, Gleichberechtigung der Konfessionen, Emanzipation der Juden, Gewissensfreiheit u. a.) gewirkt. Dabei verband er seine ästhetischen Auffassungen eng mit der Aufklärungsmoral.

Sehr prägnant hat Martin Pfeideler im Vorwort zu den von ihm 1979 herausgegebenen „Selbstzeugnissen Moses Mendelssohns“ dessen Bedeutung für die heutige Zeit beschrieben. Bezugnehmend auf einen Brief, den Herder an Mendelssohn schrieb und in dem er betont hatte, daß Deutschland Mendelssohn brauche, schreibt Pfeideler:

Deutschland braucht Mendelssohn auch heute, gerade jetzt, wo der eitle Glauben an Wachstum und Fortschritt ins Wanken geraten ist, wo die hochgepriesenen zivilisatorischen „Errungenschaften“ uns ihre beängstigende Kehrseite zuzuwenden beginnen, wo in Asien, in Afrika, im Nahen Osten Blut vergossen wird und Europa fast täglich unter Terroranschlägen bebt.

Man bedenke, daß dies vor fast vierzig Jahren geschrieben wurde. Pfeideler bezieht sich auf die Leistungen Lessings und Mendelssohns zur Veränderung ihrer Zeit und schreibt:

Wird aber in den Schulen, an den Universitäten noch darüber gesprochen, daß die beiden Freunde gemeinsam ihre Zeit veränderten? Sie waren es, die die Juden aus dem Ghetto führten. Sie trugen seine Mauern ab, Lessing von „außen“, Mendelssohn von „innen“ her. […] Diese entscheidende Entwicklung brachte der geistigen Welt einen Zuwachs von hohen und höchsten Begabungen, von Heinrich Heine bis Albert Einstein, denen Deutschland im 19. und bis zum ersten Drittel des 20. Jahrhunderts seinen Ruf als Land der Wissenschaften und der Künste in hohem Grade mit zu verdanken hatte. Es vollzog sich daraufhin ein Wandel in Deutschland und in Europa, hin zur Gleichberechtigung, zur Emanzipation der Juden.

Und nach einigen Beispielen dazu fährt er fort:

Zwei Jahrhunderte sind seitdem vergangen und was haben sie gebracht? Nicht nur Richard Wagners antisemitisches Pamphlet über „Das Judentum in der Musik“, sie brachten die Reichskristallnacht und Auschwitz. Und bis heute wird auf der Welt Haß gepredigt, sind Unterdrückung, Folter und Verfolgung an der Tagesordnung.

Und daran hat sich leider bis in die Gegenwart zu Beginn des 21. Jahrhunderts nicht viel geändert. Und so ist auch Pfeidelers Frage von vor dreißig Jahren noch aktuell:

Müssen noch einmal 200 Jahre vergehen? Oder erweisen sich die Postulate Mendelssohns und Lessings, Schillers und vieler anderer als Utopie? Oder wird erst eine der Sintflut gleichende Katastrophe die Überlebenden zu ändern vermögen?

Lessings und Mendelssohns Wirken für Toleranz sollte doch für uns heute von vorbildhafter Wirkung sein. Dafür bedürfte es aber vieler solcher Aufklärer. Wir wollen nicht gerade behaupten, es gäbe niemanden, der für diese Ideale eintritt, aber eine große Wirkung angesichts so vieler intoleranter, ausländerfeindlicher und auch sogar wieder antisemitischer Tendenzen sehen wir gegenwärtig nicht.

Heinz Knobloch erinnert am Ende seines Buches an Worte des Freundes Mendelssohns, Karl Philipp Moritz, der sagte:

In seiner Gegenwart war einem wohl. Man fühlte schon durch seinen Anblick sich gehoben und ermuntert, und nie ist vielleicht einer ungebessert von ihm gegangen.

Und Knobloch fügt hinzu:

So einen möchte man kennen.

Ja, so einen möchte man kennen, und es ist hinzuzufügen, daß es doch schön wäre, wenn es auch heute viele solcher Menschen gäbe, die man kennen möchte. Vielleicht erinnert man sich bald wieder stärker an Herrn Moses. Es wäre dringend nötig. Man darf sehr gespannt sein…

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