Die Uffelnsche Bastion und das Heilig-Geist-Spital mit dem Spandauer Tor - Plan von Gabriel Bodenehr. (Banner)

Die erste Garnisonkirche: Von den Anfängen der Garnisongemeinde

Dieser Beitrag ist Teil 2 von 3 der Beitragsserie "Die Berliner Garnisonkirche"

Es ist ein herrlich blauer, wolkenloser Himmel, der sich an diesem Sonntag des Jahres 1680, einem sonnigen Sommertag, über den Dächern Berlins wölbt. Bereits seit geraumer Zeit ertönt das laute, durchdringende Geläut der Glocken des nahen Sankt Marien über der Stadt. Von etwas weiter weg und somit hier in der Spandauer Straße etwas leiser zu vernehmen, tun die Glocken von Sankt Nikolai es ihnen nach. Gemeinsam rufen sie die Gläubigen zur Kirche. Und auch die Glocke der kleinen Kapelle des ehrwürdigen Heilig-Geist-Hospitals mischt ihre Stimme nach Kräften unter die ihrer großen Schwestern. Auf dem Kirchhof des Hospitals, direkt unter den drei großen Lindenbäumen, die ihre mächtigen Baumkronen weit über den Platz ausbreiten und ihn so zu großen Teilen wie ein lebendes grünes Gewölbe beschatten, stehen zahlreiche Stühle und Bänke, alle einer zentral aufgestellten Kanzel zugewandt, auf der jedoch noch niemand predigt. Auch die meisten der Sitze sind noch unbesetzt, als Johann den Platz betritt. Schnell wirft er einen Blick in die Runde.
‚Gott sei es gedankt‘, denkt er, als er den noch weitestgehend menschenleeren Platz gewahrt. ‚Sie sind noch nicht da.‘

In Gedanken schickt er ein kurzes Stoßgebet gen Himmel und preist den Herrn. Sein Dank gilt zum einen dem sonnigen Wetter, das es ermöglicht, den Gottesdienst auch heute wieder im Freien abzuhalten und nicht in die Kapelle gehen zu müssen, die für die inzwischen stark angewachsene Gemeinde mittlerweile viel zu klein ist, als daß deren Mitglieder alle darin Platz finden würden. Zum anderen bedankt er sich für die Noch-Abwesenheit der Soldaten. So bleibt ihm noch ein wenig Zeit, um seine Gedanken zu ordnen und im Geiste noch einmal die für den heutigen Sonntag vorgesehenen Lieder durchzugehen, die er der Gemeinde in wenigen Augenblicken während des Gottesdienstes vorzusingen hat. Diesen Teil empfindet Johann als den bei weitem Anstrengendsten an seiner Aufgabe als Garnisonküster. Noch immer bereitet er ihm eine erhebliche nervliche Anspannung und sorgt für nicht unbeträchtliche Aufregung, obwohl er der Garnisongemeinde nun schon im dritten Jahr in dieser Funktion dient. Doch keinesfalls will er sich vor all den Menschen blamieren, indem er beispielsweise die Zeilen verwechselt oder gar ganz vergißt. Noch ist ihm das glücklicherweise nicht passiert, auch wenn es ihm die Mitglieder der Gemeinde nicht immer leicht machen. In der Mehrzahl einfache, meist ungebildete Soldaten, haben sie oft nicht allzuviel übrig für Predigt und Gesänge. Wohl wissend, daß sie während des Gottesdienstes nicht die ungeteilte Aufmerksamkeit ihrer vorgesetzten Offiziere befürchten müssen, suchen einige der frecheren Gemüter stets Zerstreuung in allerlei Schabernack und Unfug.

Mit Grausen erinnert sich Johann an den noch gar nicht so lange zurückliegenden Sonntag in der Kapelle, als mitten in seinem Gesang plötzlich dröhnendes Gelächter ausbrach, so daß er sich unwillkürlich und irritiert unterbrechen mußte. Was war passiert? Hatte er sich versungen? Im Text geirrt? Er weiß noch ganz genau, wie ihm ganz plötzlich kalter Schweiß auf der Stirne gestanden hatte und wie unendlich erleichtert er gewesen war – ein bißchen schämt er sich heute noch bei diesem Gedanken -, als er feststellte, daß die um sich greifende Erheiterung nicht ihm, sondern dem unglücklichen Kadetten galt, der vergessen hatte, während des Gottesdienstes seinen Hut vom Kopfe zu nehmen. Diesen hatten ihm seine derben Scherzen nicht abholden Kumpane kurzerhand an den Ecken angekokelt. Darüber heftig erschrocken, war er unwillkürlich aufgesprungen, hatte sich laut fluchend die Bedeckung vom Kopfe gerissen und sie zu Boden geworfen – sehr zur ungezügelten Erheiterung aller Umstehenden. Diese ebbte erst ab, als einer der Offiziere barsch dazwischenging und den armen Kerl kurzerhand hinausbeförderte – und einige der besonderes laut sich Freuenden gleich dazu.
‚Hoffentlich‘, denkt Johann, ‚hoffentlich gibt’s heute nicht solche Aufregung.‘

Gerade hat er im Geiste alle seine Lieder für den heutigen Tag noch einmal rekapituliert, da wird ihm bewußt, daß das Glockengeläut der umliegenden Kirchen nach und nach abebbt. Gleichzeitig nähert sich ein neues Geräusch dem Platze. Tam-tam-tam. Tam-tam-tam. Lauter und lauter wird der rhythmische Schlag der Trommel, und mit ihr dringt nun auch das Geräusch sich nähernder Gleichschritte einer großen Menschengruppe an sein Ohr. Und da biegen sie auch schon um die Ecke der Kapelle – in schönster gleichförmiger Parade marschieren die Soldaten der Garnison, angeführt von ihren Offizieren, auf den Kirchhof. Und eben als sie ihn erreichen und sich, durch den Befehl ihrer Vorgesetzten dazu aufgefordert, auf die Stühle und Bänke zu verteilen beginnen, tritt der ehrwürdige Garnisonprediger aus der Kapelle und nähert sich der Kanzel. Johann drückt unwillkürlich den Rücken durch und richtet sich auf, faßt sich und harrt konzentriert der Dinge, die nun folgen würden. Der Gottesdienst der Garnisongemeinde beginnt.

Berlin bekommt eine Garnison

Gute dreißig Jahre zuvor, in der Mitte des 17. Jahrhunderts, ist an eine solche Szene noch gar nicht zu denken. Die Mark Brandenburg leidet zu dieser Zeit noch unter den schweren Beeinträchtigungen und Zerstörungen, die sie im gerade zu Ende gegangenen Dreißigjährigen Krieg erlitten hat. Die Bevölkerung ist arg dezimiert, ganze Ortschaften liegen verlassen[1]Dieter Weigert: Miles Perpetuus – 350 Jahre stehendes Heer in der Mark, In: Barbara Kündiger & Dieter Weigert: Der Adler weicht der Sonne nicht – 300 Jahre Berliner Garnisonkirche, 1. Auflage 2004, Berlin Edition in der Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin, ISBN 3-8148-0128-8, Seite 24.[2]Doris Tüsselmann: Die Garnisongemeinde in Berlin und ihre „verlorene“ Kirche, In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, Jahrgang 2010, Heft 1, Seite 319..

Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg - Gemälde von Frans Luycx, um 1650/1651
Friedrich Wilhelm (1620-1688), Kurfürst von Brandenburg.
Gemälde von Frans Luycx, um 1650/1651.
Quelle: Kunsthistorisches Museum WienGemäldegalerie.
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Das ist für den regierenden Kurfürsten Friedrich Wilhelm Anlaß, neben den unmittelbaren Fragen, die die Wiederherstellung seines Landes betreffen, besonders darüber nachzudenken, wie sich dessen territoriale Integrität wirksam sicherstellen läßt. Seine und seiner Berater Schlußfolgerung ist, daß das Militärwesen des preußischen Staates weiterentwickelt werden muß. Angeheuerte Söldnertruppen, die den Krieg als Handwerk gegen Geld betreiben und denen es weitestgehend egal ist, wer sie bezahlt, werden als nicht mehr ausreichend angesehen. Stattdessen wünscht sich der Kurfürst ein Heer, das eine hohe Loyalität zum Kurfürstentum Brandenburg-Preußen empfindet und sich mit dem Land und dessen Obrigkeit, insbesondere aber mit dem Herrscher identifiziert. In der Folge baut der Große Kurfürst, wie Friedrich Wilhelm später auch genannt wird, als erster ein stehendes Heer auf. Es dürfte kaum verwundern, daß in diesem die Führung dem Adel vorbehalten ist, die einfachen Untertanen aber das Gros der Soldaten zu stellen haben[3]Klaus Duntze: Ob auch Kriegsleute seligen Standes sein können (Martin Luther), In: Barbara Kündiger & Dieter Weigert: Der Adler weicht der Sonne nicht – 300 Jahre Berliner Garnisonkirche, 1. Auflage 2004, Berlin Edition in der Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin, ISBN 3-8148-0128-8, Seite 9.[4]Tüsselmann, Die Garnisongemeinde in Berlin, 2010, Seite 319..

Natürlich ist das nicht so einfach, wie sich der Kurfürst das anfangs vorgestellt haben mag. Insbesondere die Stände der Mark haben enorme Vorbehalte gegen das stehende Heer oder vielmehr die Unterhaltung der Soldaten, für deren Kosten sie vom Staate herangezogen werden sollen, denn diese will der Kurfürst schließlich nicht alleine tragen. So sperren sie sich nach Kräften dagegen. Im Sommer 1653 gelingt es dem Herrscher jedoch, ihren Widerstand zu brechen, indem er einen Kompromiß mit dem Landtag eingeht. Dieser sieht vor, daß die Stände jährlich 530.000 Taler zum Unterhalt des Heeres aufbringen und im Gegenzug die adligen Grundbesitzer alle ständischen Privilegien erhalten. Dazu gehört die Befreiung von Steuern und Zoll ebenso wie das Recht, die Obrigkeit über die Bauern auszuüben und über deren Frondienste verfügen zu dürfen. Auch die bestehenden Verhältnisse der Leibeigenschaft werden dauerhaft festgeschrieben. Mit dem nun zur Verfügung stehenden Geld richtet Friedrich Wilhelm eine sogenannte „Churfürstliche Kriegskasse“ ein, die sämtliche Kosten der Regimenter bestreitet, vom Sold über die Bezüge der Offiziere bis hin zu Waffen und Ausrüstung[5]Weigert, Miles Perpetuus, 2004, Seiten 24 f..

Doch wo sollen all die Soldaten, die nun auch in Friedenszeiten unterhalten werden müssen, untergebracht werden? Dafür kommen letztlich nur größere Ortschaften in Frage, und so richtet man in vielen preußischen Städten nach und nach sogenannte Garnisonen ein. Auch Berlin, die Hauptstadt des Landes, bekommt im Jahre 1655 eine solche und avanciert damit zur Garnisonstadt, in der, wie man nun sagt, die Soldaten garnisoniert sind[6]Über das Jahr der Gründung sind sich die Quellen nicht hundertprozentig einig. Das Jahr 1655 wird von Dieter Weigert genannt, während Heinz Berg das Jahr 1657 nennt. Siehe Weigert, Miles Perpetuus, 2004, Seite 24 und Heinz Berg: Zur Geschichte der evangelischen Garnisongemeinde diesseits vom Spandauer Tor, In: Der Alte Berliner Garnisonfriedhof im Spannungsfeld zwischen Scheunenviertel und Monbijou, herausgegeben vom Förderverein Alter Berliner Garnisonfriedhof, 1. Auflage, Haude & Spenersche Verlagsbuchhandlung GmbH, Berlin, 1995, ISBN 3-7759-0399-2[7]Dr. Friedrich Mentzel: Feldprediger als Lehrer, Neue Zeit, Jahrgang 43, Ausgabe 126 vom 30. Mai 1987, Seite 6. Der verlinkte Artikel ist nur mit einem Account beim ZEFYS Zeitungsinformationssystem der Staatsbibliothek zu Berlin erreichbar.[8]Max Müller: Auf den Spuren des preußischen Militärs, Berliner Morgenpost vom 20. November 2019.. Das bringt für die Bürgerschaft der Hauptstadt die Verpflichtung mit sich, einen zusätzlichen Beitrag zur Kriegskasse zu leisten, indem sie ein sogenanntes „Quartiergeld“ für das stationierte Militär als Abgabe aufzubringen hat[9]Weigert, Miles Perpetuus, 2004, Seite 25..

Die Berliner Garnison, deren Stamm das wechselnd zwischen vier und zwölf Kompanien starke Churfürstliche Leibregiment und die „Leibgarde zu Roß“ bilden, ist nicht die erste, die im Kurfürstentum Brandenburg-Preußen entsteht. So gab es beispielsweise bereits seit 1650 in Bernau und in Fürstenwalde an der Spree jeweils eine solche[10]Weigert, Miles Perpetuus, 2004, Seite 24.. Die Militärkontingente, die in Berlin und Cölln stationiert sind, gehören allerdings – anders als die der früher gegründeten Garnisonen in der umgebenden Mark – zur regulären Feldarmee, was bedeutet, daß sie im Kriegsfall nicht am Ort bleiben, sondern im Feld eingesetzt werden würden. Auch obliegen ihnen als sogenannte Gardeeinheiten zahlreiche Repräsentationspflichten. Diese mehrfachen Aufgaben erfordern eine vergleichsweise große Zahl Soldaten und haben auch einen gewissen Einfluß auf die soziale Zusammensetzung der Truppe[11]Berg, Geschichte der evangelischen Garnisongemeinde, 1995.[12]Tüsselmann, Die Garnisongemeinde in Berlin, 2010, Seite 319..

Schnell entwickelt sich Berlin zum größten Militärstandort des Kurfürstentums Brandenburg-Preußen. Doch nicht nur in der Hauptstadt, sondern in der ganzen Mark ergibt sich daraus ein neues Problem: es wird eine gewisse Infrastruktur benötigt, um all die nun dauerhaft in den Garnisonen stationierten Soldaten zu versorgen und auch zu betreuen. Und weil dazu auch der religiöse Aspekt gehört, erfordert das nicht zuletzt auch ein geordnetes Militärkirchenwesen. Bei den bisherigen Söldnerheeren hatte man das so gehandhabt, daß die Betreuung der Truppen in Sachen Religion von zufällig mitziehenden Feldpredigern übernommen wurde, die von den Regimentschefs ausgewählt und vom Generalstabsfeldprediger unterwiesen wurden, den man im Kriegsfall kurzfristig einsetzte und der im Umfeld des Kurfürsten verblieb[13]Duntze, Kriegsleute, 2004, Seite 9.[14]Weigert, Miles Perpetuus, 2004, Seite 25.. Dieses Arrangement reicht für ein stehendes Heer natürlich nicht mehr aus, denn nun hat man auch in Friedenszeiten Soldaten, um deren religiöse Angelegenheiten sich jemand kümmern muß. Diese Aufgabe übernehmen nun fest angestellte Feldprediger – protestantische Geistliche, die jedoch nicht einer Ortsgemeinde, sondern einem Regiment zugeordnet sind und ein klar umrissenes Tätigkeitsfeld besitzen: sie haben für eine geistliche Ordnung hinsichtlich Gottesdienst und Kirchgang zu sorgen. Jedes Regiment erhält so einen Feldprediger zugewiesen. In der Folge entstehen auf diese Weise die ersten eigenen Gemeinden von Offizieren und Soldaten[15]Duntze, Kriegsleute, 2004, Seite 9.[16]Weigert, Miles Perpetuus, 2004, Seite 26.[17]Beatrice Falk & Bärbel Holtz: Das Schicksal der Alten Berliner Garnisonkirche, In: Der Alte Berliner Garnisonfriedhof im Spannungsfeld zwischen Scheunenviertel und Monbijou, herausgegeben vom Förderverein Alter Berliner Garnisonfriedhof, 1. Auflage, Haude & Spenersche Verlagsbuchhandlung GmbH, Berlin, 1995, ISBN 3-7759-0399-2.. Von seinen Soldaten verlangt der Kurfürst zwei Dinge: zum einen sollten sie dem Staate Brandenburg-Preußen gegenüber loyal, also „gut brandenburgisch“ sein, zum anderen aber auch „gut protestantisch“. Dabei spielt die Frage des Bekenntnisses jedoch nur eine untergeordnete Rolle, was insbesondere damit zu tun hat, daß der Kurfürst selbst der reformierten Konfession anhängt, während seine Untertanen in der Mehrzahl Lutheraner sind[18]Werner Schwipps: Die Garnisonkirchen von Berlin und Potsdam, Berlinische Reminiszenzen 6, 1. Auflage 1964, Haude & Spenersche Verlagsbuchhandlung GmbH, Berlin.[19]Georg Goens: Geschichte der Königlichen Berlinischen Garnisonkirche, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Königliche Hofbuchhandlung, Berlin, 1897, Seite 4..

Eine neue Gemeinde entsteht

Mit der Errichtung der Berliner Garnison wird 1655 durch eine Order des Kurfürsten Friedrich Wilhelm auch die Berlin-Cöllner Garnisongemeinde gegründet – ein Akt, durch den die Kurfürstliche Garde zur ersten ordentlichen protestantischen Militärgemeinde nicht nur in Berlin, sondern auch in Brandenburg avanciert. Möglicherweise ist sie sogar die erste ihrer Art im Deutschen Reich[20]Berg, Geschichte der evangelischen Garnisongemeinde, 1995.[21]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seiten 4 f.. Dieser Gemeinde, die dem Bekenntnis nach lutherisch ist, gehören die Offiziere, Unteroffiziere und einfachen Soldaten ebenso an wie ihre Ehefrauen und Kinder[22]Weigert, Miles Perpetuus, 2004, Seiten 25 f.. Da zu dieser Zeit noch keine Kasernen existieren, nehmen die Soldaten in Bürgerhäusern Quartier, was dazu führt, daß wenigstens die Hälfte von ihnen verheiratet ist oder zumindest in einer Beziehung lebt – was man damals „beweibt sein“ nennt. Daß die meisten auch eine mehr oder weniger große Zahl Kinder haben, muß da nicht verwundern[23]Mentzel, Feldprediger als Lehrer, 1987.. Zur Gemeinde gehören darüberhinaus aber auch Personen, die als Bedienstete in Militärfamilien oder bei einzelnen Militärs angestellt sind[24]Weigert, Miles Perpetuus, 2004, Seite 26. Während ihrer gesamten Existenz besteht die Berliner Garnisongemeinde als reine Personalgemeinde, das heißt, sie war nie als Parochie organisiert, also einem bestimmten geographischen Gebiet zugeordnet[25]Berg, Geschichte der evangelischen Garnisongemeinde, 1995.[26]Tüsselmann, Die Garnisongemeinde in Berlin, 2010, Seite 320..

Da jede Gemeinde auch einen Pfarrer benötigt, ernennt Friedrich Wilhelm im selben Jahr für die Berliner Garnison einen „Churfürstlich brandenburgischen Garnisonprediger“[27]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 4.[28]Falk, Holtz, Alte Berliner Garnisonkirche, 1995.. Er bleibt nicht der einzige, denn ab diesem Jahr beruft der Kurfürst auch für die anderen Garnisonen in Preußen entsprechende Geistliche. Er bestimmt sie aus den Reihen der Feldprediger, die den Garde-Regimentern zugeordnet sind[29]Dieter Weigert: Berliner Feldprediger unter dem Soldatenkönig, In: Barbara Kündiger & Dieter Weigert: Der Adler weicht der Sonne nicht – 300 Jahre Berliner Garnisonkirche, 1. Auflage 2004, Berlin Edition in der Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin, ISBN 3-8148-0128-8, Seite 53.[30]Schwipps, Garnisonkirchen Berlin und Potsdam, 1964.. Weil die Berliner Garnisongemeinde lutherisch geprägt ist, amtieren von da an in der Haupt- und Residenzstadt ausschließlich Lutheraner in dieser Position[31]Weigert, Miles Perpetuus, 2004, Seite 25.[32]Schwipps, Garnisonkirchen Berlin und Potsdam, 1964..

David Hanisius im Jahr 1676.
David Hanisius im Jahr 1676.
Quelle: Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig.
Signatur: P-Slg AB 3.1667.
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Der erste Prediger in diesem Amt ist David Hanisius. Geboren in Paplitz bei Baruth in der Mark, stammte er aus einer Familie von Predigern[33]Sein Vater, Johann Hanisius, war Prediger in Paplitz, während sein Großvater, Caspar Hanisius, Pastor und Superintendent in Baruth gewesen war, wie Georg Gottfried Küster berichtet. Siehe Georg Gottfried Küster (Hrsg.): Fortgeseztes Altes und Neues Berlin. Darinnen die Historie der Kirchen zu Marien, Petri, im grauen Kloster, der Garnison, auf dem Friedrichswerder, Dorotheen- und Friedrichsstadt, wie auch der Hospitäler, Waysenhäuser und Gymnasiorum in Berlin von ihrem Anfang biß auf itzige Zeiten aus zuverlässigen Nachrichten erzehlet wird, Haude- und Spenerische Buchhandlung, Berlin, 1752, Seiten 607 ff., hatte in Königsberg und im lutherischen Wittenberg studiert[34]Jüngere Quellen geben an, Hanisius sei in Wittenberg als Pfarrer tätig gewesen, beispielsweise Falk, Holtz, Alte Berliner Garnisonkirche, 1995 und Weigert, Miles Perpetuus, 2004, Seite 26., bevor er bei König Friedrich III. von Dänemark Feldprediger wurde[35]Bei Georg Goens und sich auf ihn beziehenden jüngeren Quellen ist zu lesen, Hanisius habe in Dänemark als Garnisonprediger und Feldsuperintendent gewirkt. Woher Goens diese Information hat, ist leider nicht klar. Als Quelle gibt er selbst lediglich Georg Gottfried Küster an, wo aber nur von der Stellung eines Feldpredigers die Rede ist. Siehe Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 7 und Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seiten 607 ff.. Von hier aus kam er schließlich nach Berlin[36]Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seiten 607 ff.[37]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 7.. In der Residenz des Großen Kurfürsten wird Hanisius sowohl zum Feldprediger der kurfürstlichen Leibgarde als auch zum Garnisonprediger ernannt – eine Personalunion, die für die kommenden knapp fünfzig Jahre auch auf seine Nachfolger übergeht[38]Weigert, Miles Perpetuus, 2004, Seite 26[39]Bericht über den Vortrag von Divisionspfarrer Schildt aus Torgau „Die Garnisonkirche, ein Denkmal preußischer Geschichte“ vom 5. Mai 1893 in der Berliner Garnisonkirche, In: Mittheilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, Jahrgang 1893, Heft 5, Seiten 47 f..

Nun gibt es also eine neue Gemeinde. Und sie hat auch einen eigenen Prediger. Was ihr jedoch fehlt, ist ein Ort, an dem sie zusammenkommen kann, um gemeinsam Gottesdienste zu feiern und all die Amtshandlungen durchzuführen, die in einer lebendigen Gemeinde notwendig sind, wie beispielsweise Taufen, Hochzeiten oder auch Trauerfeiern. Kurz gesagt: die frisch gegründete Garnisongemeinde steht ohne eigene Kirche da. Weil nun aber die Bürger der Stadt den Soldaten des gerade erst geschaffenen stehenden preußischen Heeres mit gesunder Skepsis gegenüberstehen, und sich die bedeutenden Berliner Bürgergemeinden daher beharrlich weigern, ihre großen Hallenkirchen der Garnisongemeinde als Heimstatt zu öffnen, muß eine andere Lösung her. Und diese ist bald gefunden. Man verweist die Soldaten an den Rand der Stadt. Dort, in der Spandauer Straße, befindet sich ein Quarantäne-Hospital, in dem Zureisende, bei denen man eine Krankheit festgestellt hat, und jegliche sonstige Ausgegrenzte untergebracht werden. Dieses Heilig-Geist-Spital verfügt über eine kleine Kapelle, der man die neue Garnisongemeinde angliedert[40]Berg, Geschichte der evangelischen Garnisongemeinde, 1995..

So finden also die Amtshandlungen der Gemeinde in dieser Kapelle statt, desgleichen die Gottesdienste in der kalten Jahreszeit. In den Sommermonaten nutzt man dafür jedoch den zum Hospital benachbarten Lindenhof, der als Kirchhof dient[41]Johann Friedrich Walther: Die gute Hand Gottes über die Garnison-Kirch- und Schul-Anstallten, in der Königlichen Preußischen Residentz Berlin, oder Historische Nachricht, Wenn und wie die Garnison-Kirche und Schule zuerst gestifftet und Deroselben Anstallten unter Göttlichem Segen bis auf gegenwärtige Zeit erhalten worden. Wobey derer Merckwürdigsten Fälle und Veränderungen so diese Anstallten von Ao. 1663 bis itzo betroffen, und insonderheit der, Ao. 1720 geschehenen Zerspringung eines alten Pulver-Thurns, umständlich gedacht wird. Als auch von denen Gebäuden, Patronen und andern Bedienten bey der Kirche und Schule, Meldung geschiehet. Endlich aber Eine genaue Verzeichniß aller, bis hieher in der Garnison-Kirche ordinirten Feld- und Garnison-Prediger bey der gantzen Königl. Armeé, auch wohin, und wozu dieselben befordert worden, mit eingeführet ist, So wol aus gewissen Uhrkunden als eigner Erfahrung aufgesetzet, auch mit Neun Kupffern erläutert von Johann Friedrich Walther, Organist und Collega Ordin. der Garnison-Kirche und Schule., Samuel König, Berlin, 1737, Seite 3.[42]Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 605.[43]Barbara Kündiger: Der erste Kirchenbau für die Garnison, In: Barbara Kündiger & Dieter Weigert: Der Adler weicht der Sonne nicht – 300 Jahre Berliner Garnisonkirche, 1. Auflage 2004, Berlin Edition in der Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin, ISBN 3-8148-0128-8, Seite 32.. Die kleine Kapelle ist einfach nicht groß genug, um alle Teilnehmer der Gottesdienste aufzunehmen[44]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 5.. Benannt ist der Kirchhof nach drei schattenspendenden Linden, die von Bänken und Chören umgeben sind, ausgerichtet auf eine Kanzel, die ihren Platz in der Nähe der Kapelle hat. Dieser einer Waldkirche nicht unähnliche Ort wird von Johann Friedrich Walther, dem ersten Chronisten der Berliner Garnisonkirche, im Jahre 1737 so beschrieben:

Von dem Kirchhofe nur etwas weniges zu gedencken; so war solcher Platz mit dreyen grossen Linden besetzt, welche ihrem Gewächse nach, recht Wunderns-würdig waren, indem ihre Stämme unter sich in die Erde, die Wurzeln aber als über sich ausgeschlagen, anzusehen waren, welche auch in so vielen Zweigen sich ausgebreitet, daß sie fast den gantzen Kirchhof bedeckten, weßwegen dieselben mit Unterzügen von Bauholtz, unterstützet und in die Höhe gezogen werden müssen. […]

Unter mehr gedachten Linden war eine Cantzel, nebst unterschiedlichen Chören auch vielen Stühlen und Bäncken erbauet, damit zu Sommers-Zeiten und bey gutem Wetter, die hiesige Garnison (weil [die] heilige Geist-Kirche sehr klein) den Gottesdienst daselbst halten können. Nachhero aber sind die Linden wegen Alterthum (maßen dieselben über 200 Jahr gestanden haben sollen) nach und nach eingegangen, auch die Cantzel, Chöre und Stühle weggenommen worden.[45]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 3 f.

Hospital und Kirche zum Heiligen Geist im Jahre 1804, von Leopold Ludwig Müller.
Das Hospital und die Kirche zum Heiligen Geist an der Spandauer Straße unter der Regierung Friedrich Wilhelms III., 1804.
Auch wenn diese Zeichnung mehr als einhundert Jahre nach den hier beschriebenen Ereignissen entstanden ist, vermittelt sie doch einen Eindruck vom Aussehen des Hospitals und seiner Kapelle in jener Zeit, denn noch waren die Veränderungen nicht so groß.
Quelle: Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz – SMB-digital, Kupferstichkabinett.
Zeichnung: Leopold Ludwig Müller.
Fotograf: Dietmar Katz.
Bearbeitet: Alexander Glintschert.
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Georg Goens, ein späterer Garnisonpfarrer, der sich auch als Chronist der Berliner Garnisonkirche betätigt hat, gibt an, daß dieser Kirchhof einst der Friedhof des Hospitals gewesen war. Um die Gräber zu beschatten, hatten die Mitglieder der pflegenden Bruderschaft einst die drei Linden gepflanzt. Weil nun aber die Stadt mehr und mehr an das Hospital herangerückt war, hatte man den Friedhof schließlich in einen Kirchhof umgewandelt und unter dem Dach der inzwischen zu mächtigen Bäumen herangewachsenen Linden die Waldkirche errichtet[46]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seiten 4 f.. Der merkwürdige Wuchs der drei Bäume, deren Äste sich derart in die Breite streckten, daß die Kronen den gesamten Kirchhof nahezu vollständig überdeckten, gab auch Anlaß zur Entstehung einer Sage, auf die Johann Friedrich Walther in seiner Beschreibung des Kirchhofs Bezug nimmt. Dieser zufolge hatten vor vielen Jahren in Berlin drei Brüder gelebt, die einander in herzlichster Liebe verbunden waren. Als einer von ihnen plötzlich des Mordes angeklagt und, obwohl er nicht gestanden hatte, auch zum Tode verurteilt wurde, erschienen seine Brüder vor dem Richter und bekannten sich beide des Mordes für schuldig. Als daraufhin auch der Angeklagte den Mord gestand, wagte es der Richter nicht, seinen eigenen Urteilsspruch vollstrecken zu lassen. Um das Problem zu lösen, ordnete der Kurfürst, dem der Fall vorgelegt worden war, ein Gottesurteil an, das darin bestehen sollte, daß jeder der drei Brüder eine Linde pflanzte, wobei die Baumkrone im Erdreich zu versenken war, so daß die Wurzeln in die Luft ragen würden. Wessen Baum vertrocknete, wäre durch Gott als Täter entlarvt. So verfuhr man. Und als im Frühjahr die Bäume auf dem Kirchhof des Heilig-Geist-Hospitals gepflanzt wurden, trieben alle drei kurze Zeit später aus und wuchsen zu kräftigen Bäumen heran. Die Unschuld aller drei Brüder war erwiesen[47]Siegfried Neumann: Sagenhaftes Berlin – Historien, Sagen und Anekdoten rund um die deutsche Hauptstadt, Heinrich Hugendubel Verlag (Diederichs), Kreuzlingen/München, 2000, ISBN 3-7205-2170-2, Seiten 125 f.[48]Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seiten 32 f..

Wie auch immer die genaue Entstehungsgeschichte des Kirchhofs letztlich war, als Friedhof dient er zur Zeit der Anfänge der Garnisongemeinde nicht. Dennoch verfügt das Hospital über einen eigenen Gottesacker, den aller Wahrscheinlichkeit nach zunächst auch die neue Gemeinde für die Bestattung ihrer Verstorbenen nutzt. Er liegt ganz in der Nähe des Hospitals im Bereich der heutigen Anna-Louisa-Karsch-Straße[49]Berg, Geschichte der evangelischen Garnisongemeinde, 1995.[50]Tüsselmann, Die Garnisongemeinde in Berlin, 2010, Seite 320..

Daß die Heilig-Geist-Kapelle für die Garnisongemeinde sehr schnell viel zu klein ist, wird klar, wenn man auf das Jahr 1657 schaut. Nach gerade einmal zwei Jahren ihrer Existenz ist die Garnison und damit die Gemeinde auf 1.500 Soldaten angewachsen, zu denen rund 600 Familien gehören[51]Berg, Geschichte der evangelischen Garnisongemeinde, 1995.[52]Tüsselmann, Die Garnisongemeinde in Berlin, 2010, Seiten 319 f.. Dennoch muß die Gemeinde mit diesem Zustand noch eine lange Zeit zurechtkommen. Erst einmal sind andere Dinge wichtiger.

Berlin wird zur Festung

Die Gründung der Garnison und der zugehörigen Gemeinde ist nicht die einzige Veränderung im militärischen Bereich, die Berlin in dieser Zeit erfährt. Um sein erklärtes Ziel zu erreichen, die territoriale Integrität seines Landes sicherzustellen, läßt der Große Kurfürst auch die militärischen Einrichtungen ausbauen. Berlin ist zu dieser Zeit immer noch von der alten Stadtmauer umgeben, die zu Beginn des 14. Jahrhunderts aus Feldsteinen errichtet wurde[53]Dr. C. Brecht: Die Garnison-Kirche in Berlin. Zur Erinnerung an die 150jährige Einweihungs-Feier derselben am 2. Juni 1872, A. W. Hayn’s Erben, Berlin, 1872, Seite 1.[54]Schwipps, Garnisonkirchen Berlin und Potsdam, 1964.. In der Gegend der Spandauer Straße zieht sie sich zwischen Spree und Rosenstraße etwa dort entlang, wo heute die Anna-Louisa-Karsch-Straße verläuft. Gäbe es sie heute noch, stünde die Mauer vom Fluß aus gesehen auf der rechten Seite der heutigen Straße, während an deren Stelle einer der von der Spree aus die alte Stadtmauer umschließenden beiden Wallgräben verliefe. In der Zeit seit ihrer Errichtung hatte man die Mauer durch mehrere große Verteidigungstürme weiter befestigt. Einer davon steht um 1655 noch immer am Ausgang der Spandauer Straße, direkt neben dem Spandauer Tor, durch das die Straße hindurch- und über eine steinerne Brücke hin zur sogenannten Spandauer Landstraße führt. Ein weiterer ist nicht weit davon an der Rosenstraße zu finden[55]Brecht, Die Garnison-Kirche, 1872, Seite 1..

Die Spandower Straße, das Spandower Thor, und der Pulverthurm im Jahr 1700, von Leopold Ludwig Müller.
Die Spandower Straße, das Spandower Thor, und der Pulverthurm im Jahr 1700.
Quelle: Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz – SMB-digital, Kupferstichkabinett.
Zeichnung: Leopold Ludwig Müller.
Fotograf: Dietmar Katz.
Bearbeitet: Alexander Glintschert.
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Diese mittelalterliche Stadtmauer ist nun, in der Mitte des 17. Jahrhunderts, nurmehr ein Relikt. Den Schutz der Stadt kann sie nicht mehr gewährleisten. So entschließt sich der Große Kurfürst im Jahre 1658 dazu, Berlin und Cölln militärisch zu befestigen. Die Bauarbeiten beginnen noch im selben Jahr[56]Friedrich Nicolai, Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, aller daselbst befindlicher Merkwürdigkeiten, und der umliegenden Gegend, Erster Band, 3. völlig umgearbeitete Auflage 1786, Friedrich Nicolai, Berlin, Seite LI.. Unter der Leitung von Johann Gregor Memhardt wird Berlin in der Folgezeit von einer Festungsanlage nach altniederländischem System umgeben, bestehend aus dreizehn Bastionen und sechs Toren[57]Berg, Geschichte der evangelischen Garnisongemeinde, 1995.[58]Tüsselmann, Die Garnisongemeinde in Berlin, 2010, Seiten 320.. Umschlossen werden die Bollwerke von zwei neuen Festungsgräben, die jeweils von der Spree ausgehen und um die Festungsanlagen herum zu dieser zurückführen. Die beiden Wallgräben der mittelalterlichen Stadtmauer schüttet man zu[59]Brecht, Die Garnison-Kirche, 1872, Seite 1.. Darauf entstehen auf der Stadtseite der Wälle, zwischen Spree und Spandauer Straße, alsbald niedrige Häuser, die teils vom Wallmeister bewohnt und teils als Materialkammern während der mehrere Jahrzehnte andauernden Festungsbauarbeiten benutzt werden[60]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 5..

Die Churfürstlich Brandenburgisch nun Königlich Preussische Residenz Statt : Berlin und Cölln an der Spree sampt Fridrichswerder und Dorotheenstatt, Plan von Gabriel Bodenehr.
Die Churfürstlich Brandenburgisch, nun Königlich Preussische Residenz Statt: Berlin und Cölln an der Spree sampt Fridrichswerder und Dorotheenstatt, Plan von Gabriel Bodenehr, 1695.
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Vor dem alten Spandauer Tor entsteht nun die zwölfte der dreizehn Bastionen – das sogenannte Uffelnsche Bollwerk[61]In der einschlägigen Literatur ist die Bastion XII der Festung Berlin auch unter den Namen Spandauer Bollwerk und Batterie hinter dem Schmidt erwähnt. Siehe dazu Richard Borrmann: Garnisonkirche, In: Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Verlag von Julius Springer, Berlin, 1893, Seite 174 und A. Heinze: Die Ruhestätten der Berliner Garnisonkirche, In: Illustrirte Berliner Wochenschrift Der Bär – Eine Chronik für’s Haus, Jahrgang 12, Ausgabe 19 vom 6. Februar 1886, Seite 232.. Benannt wird es nach Heinrich von Uffeln, dem Generalwachtmeister und Gouverneur von Berlin sowie ersten militärischen Kommandanten der Stadt[62]Georg Goens berichtet, daß von Uffeln zu jener Zeit auf Befehl des Großen Kurfürsten einen Festungsbauplan für Berlin und Cölln entwirft, der vier Jahre später, also 1662, auf der Berliner Seite und insbesondere am Spandauer Tor, dessen Bastion seinen Namen erhält, bereits ausgeführt ist. Siehe dazu Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 11 und auch Dr. Hans Jahn: Berlin im Todesjahr des Großen Kurfürsten – Erläuterungen zum Perspektivplan von Johann Bernhard Schultz aus dem Jahre 1688, Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins, Heft 55, Verlag des Vereins für die Geschichte Berlins, Berlin, 1935, Seite 14.. Für dieses Bollwerk reißt man eine alte Schmiede sowie einige andere Gebäude ab, die bis dahin an dieser Stelle ihren Platz hatten. Der von der Bastion in ihrem Inneren umschlossene Raum bleibt allerdings zunächst leer[63]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 6..

Die neue Bastion ist so ausgerichtet, daß die Spandauer Straße genau auf ihre Spitze zuläuft, die aber von der Straße aus nicht uneingeschränkt zu sehen ist, weil man das mittelalterliche Spandauer Tor, das durch die neuen Festungsanlagen seine Bedeutung komplett verliert, an seinem Platze stehenläßt. Mit ihm bleiben der große Turm sowie ein Teil der alten Stadtmauer erhalten, mit deren Abriß man in der Folgezeit beginnt. So dient das alte Tor nur noch dem Zugang zu der neuen Bastion. Auf deren anfangs leerem Hof zimmert man etwas später aus einfachen Brettern ein paar Schuppen und einen Stall, in dem man die für den Festungsbau eingesetzten Pferde unterbringt. Für den Festungsbaukommissar Jänicke wird hingegen ein Dienstgebäude errichtet[64]Brecht, Die Garnison-Kirche, 1872, Seite 1.. Dieses steht so, daß es die heutige Anna-Louisa-Karsch-Straße quer abschließen würde. Ein kleiner Durchgang erlaubt es jedoch, die dahinterstehenden Häuser und schließlich die Spree zu erreichen[65]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 5.. Weil nun aber die neue Bastion den einstigen Verkehrsweg zur Spandauer Landstraße blockiert, wird gegenüber der östlich gelegenen Rosenstraße ein neuer Durchgang in die alte Stadtmauer gebrochen. Durch diesen führt nun der Weg zu einem neuen Tor im auch als Kurtine bezeichneten Festungswall, der die zwölfte mit der benachbarten elften Bastion verbindet, und durch dieses hindurch über eine den Festungsgraben überquerende Brücke zur Spandauer Landstraße[66]Borrmann, Garnisonkirche, 1893, Seite 174.[67]Brecht, Die Garnison-Kirche, 1872, Seiten 1 f..

Die Uffelnsche Bastion und das Heilig-Geist-Spital mit dem Spandauer Tor - Plan von Gabriel Bodenehr.
Das Uffelnsche Bollwerk, das Heilig-Geist-Spital (mit b bezeichnet) und das (neue) Spandauer Tor (vor der Brücke über den Festungsgraben).
Ausschnitt aus dem Stadtplan „Die Churfürstlich Brandenburgisch nun Königlich Preussische Residenz Statt: Berlin und Cölln an der Spree sampt Fridrichswerder und Dorotheenstatt“ von Gabriel Bodenehr, 1685.
Quelle: Digitale Landesbibliothek Berlin.
Digitalisiert durch die Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2019.
Bearbeitet: Alexander Glintschert.
Gemeinfrei, da urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen.

Die ersten Jahre der Garnisongemeinde

Das Jahr 1663 bringt für die noch junge Gemeinde die erste schwere Erschütterung, als sie in die Auseinandersetzungen zwischen der reformierten und der lutherischen Konfession gerät. Wie bereits erwähnt, ist der Kurfürst selbst ein Anhänger der reformierten Konfession, während seine Untertanen mehrheitlich Lutheraner sind. Auch die Garnisongemeinde und ihr Garnisonprediger David Hanisius hängen dem lutherischen Glauben an. Als der Große Kurfürst 1663 anordnet, daß sich die Prediger hinsichtlich dieses Konfessionsstreites auf der Kanzel jeglicher Polemik für die eine oder andere Richtung zu enthalten hätten, und schließlich von den Berliner lutherischen Pfarrern auch noch eine Toleranzerklärung gegenüber den Reformierten fordert, erweist sich Hanisius als streitbarer Mann. Er weigert sich rundweg, diese Erklärung zu unterzeichnen, und kündigt damit als Lutheraner den Gehorsam seinem Landesherrn gegenüber auf. Daß sich jener dies natürlich nicht bieten läßt, wird kaum verwundern. Ein Übergreifen solchen Protestes auf die zivile Geistlichkeit des Landes kann und will der Kurfürst nicht riskieren. In der Konsequenz wird Hanisius noch im selben Jahr seines Amtes als Garnisonprediger enthoben[68]Hanisius verläßt Georg Goens zufolge Berlin kurze Zeit darauf. 1665 wird er beim schwedischen Grafen Magnus de la Garde als Hofprediger und Bibliothekar angestellt, zieht jedoch bereits ein Jahr später nach Wolfenbüttel weiter, wo er vom Herzog August von Braunschweig-Lüneburg als erster Bibliothekar der dortigen Bibliothek angestellt wird. In dieser Stellung, die später auch Gotthold Ephraim Lessing zeitweilig innehaben wird, unternimmt er Reisen zunächst nach Holland und dann nach England, wo er sogar in die gelehrte Gesellschaft zu London aufgenommen wird. Er behält die Stelle bis zu seinem Lebensende im Jahre 1682. Siehe Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 7 und Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seiten 608 f.. Zu seinem Nachfolger wird der in der Altstadt Brandenburg geborene Georg Jordan bestimmt[69]Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 609..

Nach wie vor ist die Garnisongemeinde in der Heilig-Geist-Kapelle zu Gast. Ihren größten Teil bilden die einfachen Soldaten der Garnison, denen die Pflicht auferlegt ist, sonntags den Vormittagsgottesdienst zu besuchen. Doch nicht jedem von ihnen liegt etwas daran, und so nutzen nicht wenige die Tatsache aus, daß die Kapelle sowieso viel zu klein ist, um die gesamte Gemeinde zu fassen, und entziehen sich der für sie leidigen Pflicht nach Kräften. Das ist dem Kurfürsten, dem daran gelegen ist, die Kontrolle über seine Soldaten auszuüben, und der sich bei ihnen auch eine gewisse Gottesfürchtigkeit wünscht, alsbald ein solcher Dorn im Auge, daß er um 1670 herum die sogenannte Kirchenparade einführt. Er schreibt vor, daß die Soldaten von nun an geordnet und gesittet zur Heilig-Geist-Kapelle zu marschieren haben, um gemeinsam den Vormittagsgottesdienst zu besuchen. Demgegenüber sind die Regelungen für den Besuch des Nachmittagsgottesdienstes freier. Weil die Gemeinde nur einen Prediger hat, findet nachmittags keine Predigt statt, sondern es wird „catechisiret“, das heißt Religionsunterricht erteilt. Den Soldaten ist es freigestellt, ob sie an diesem teilnehmen oder aber eine andere Kirche in der Stadt aufsuchen wollen, um in dieser die Predigt zu hören[70]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 8 und Seite 37.[71]Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 32.. Daß diese Maßnahme nicht unbedingt von Erfolg gekrönt ist und es trotz ihrer nicht immer uneingeschränkt gesittet zugeht bei den Gottesdiensten der Garnisongemeinde, erzählt Johann Friedrich Walther:

Unsere Garnison-Gemeine [sic!] betreffend, so hatte dieselbe […] bey Verrichtung ihres Gottesdienstes, in einer sehr kleinen Kirche sich bishero behelfen müssen. […] diese Kirche [konnte] kaum den dritten Theil der Gemeine in sich fassen […], da die übrigen indessen, (ohnerachtet sie […] ordentlich in Parade zur Kirche geführet wurden) sich hin und wieder zerstreueten, auch einige freche Gemüther, sich bey solcher Gelegenheit wol gar dem Gehör göttlichen Worts entzogen, und unter währendem Gottesdienst, allerley Unordnungen trieben […].[72]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 18 f.

Als 1672 der Garnisonprediger Georg Jordan nach neun Jahren im Amt verstirbt[73]Georg Goens weiß zu berichten, daß Jordan der letzte Garnisonprediger ist, der die Kirchenbücher in lateinischer Sprache führt. Und Georg Gottfried Küster gibt an, daß Jordan nach dem Tode seiner Tochter dieser in der Heilig-Geist-Kapelle eine Grabinschrift hat setzen lassen. Siehe Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 609 und Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 7., beginnt für die Garnisongemeinde eine unruhige Zeit. Die Garnisonprediger geben sich nun förmlich die Klinke in die Hand. Es beginnt mit Johann Melchior Stenger, der die Nachfolge Jordans auf der Stelle des Garnisonpredigers noch im selben Jahr antritt, diese allerdings von vornherein nur interimistisch ausfüllt[74]Johann Melchior Stenger wurde am 9. Oktober 1638 in Erfurt geboren. Sein Vater M. Nicolaus Stenger war Pastor an der Kaufmannskirche und Theologieprofessor an der Erfurter Universität. Seine Mutter Maria Apollonia Cappin war die Tochter von Michael Cappii, Kammerdiener von König Heinrich IV. von Frankreich und später Wachtmeister und Stadtmajor in Mainz. Johann Melchior Stenger besuchte die Universitäten von Jena, Leipzig, Wittenberg, Erfurt und Straßburg. Bevor er nach Berlin kam, hatte er die Stelle eines Diakons an der Erfurter Predigerkirche inne, die er jedoch wegen einiger Konflikte aufgeben mußte, die in seinen Schriften ihre Ursache hatten. Siehe Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seiten 609 ff. und Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 8.. Bereits im Folgejahr nimmt er eine Beförderung zum Superintendenten[75]Als Superintendent bezeichnet man den Inhaber eines Leitungsamtes in evangelischen Kirchen. Eine andere Bezeichnung, die man in Quellen jener Zeit auch gelegentlich findet, ist Inspektor. in Storkow an und verläßt Berlin wieder[76]Wiederum drei Jahre später, 1866, geht Johann Melchior Stenger als Pastor und Superintendent nach Wittstock, wo er am 7. März 1710 verstirbt. Siehe Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seiten 609 ff. und Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 8.. Neuer Garnisonprediger wird nun der aus Berlin stammende Theodor Martin Berchelmann[77]Berchelmann, dessen Name in manchen Quellen auch als Berckelmann wiedergegeben wird, wurde am 11. Juni 1647 in Berlin geboren. Siehe Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 9 und Falk, Holtz, Alte Berliner Garnisonkirche, 1995.. Doch auch dieser bleibt nicht lange. Wiederum ein Jahr später, 1674, beruft man ihn an die Nikolaikirche nach Potsdam[78]Theodor Martin Berchelmann wird 1688 Oberpfarrer an der Potsdamer Nikolaikirche, was er bis zu seinem Tode am 17. März 1702 bleibt. Siehe Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 611 und Falk, Holtz, Alte Berliner Garnisonkirche, 1995., so daß François du Bois ihm im Amt folgt[79]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 13.. Obwohl dieser nun für die nächsten sieben Jahre der Gemeinde als Garnisonprediger dient, hat er in ihrem Geschichtsbuch kaum nennenswerte Spuren hinterlassen. Über ihn ist so gut wie nichts bekannt. In seine Zeit fällt allerdings die Anstellung des ersten Garnisonküsters, Johann Lehmann, im Jahre 1678. Weil es in der Heilig-Geist-Kapelle keine Orgel gibt, fällt ihm die Aufgabe zu, der Gemeinde bei den Gottesdiensten vorzusingen[80]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 13.[81]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 10..

Porträt von Johann Melchior Stenger
Porträt von Johann Melchior Stenger, um 1680.
Quelle: Rijksmuseum Amsterdam via Wikimedia Commons.
Urheber: Andreas Schmid (Zeichnung) & Heinrich Jakob Otto (Kupferstich)
Lizenz: gemeinfrei, da urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen.

Drei Jahre später hat die Gemeinde wieder einen neuen Garnisonprediger. Der am 22. August 1657[82]Diese Angabe geht auf Georg Gottfried Küster zurück, der die Aufschrift auf dem Grabstein Nagels in der Heilig-Geist-Kapelle zitiert, auf dem dieses Datum genannt ist, gemeinsam mit der Angabe, daß Nagel im Januar 1699 „im 41. Jahr seines Alters“ verstarb. Merkwürdigerweise gibt Georg Gottfried Küster an anderer Stelle als Geburtstag Nagels den 20. August 1658 an. Leider ist nicht zuverlässig zu entscheiden, welche Angabe richtig ist, denn je nach Interpretation des „41. Jahres seines Alters“ (bereits vollendet oder begonnen) kann das eine oder das andere Jahr korrekt sein (vom genauen Tag einmal abgesehen). Siehe Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 612. in Gudnick in Ost-Preußen geborene Christoph Nagel, der in Königsberg studiert hatte und 1679 Pfarrer in Rudow[83]Auch diese Angabe geht auf Georg Gottfried Küster zurück. Zwar schreibt er, der Antritt der Pfarrstelle in Rudow durch Nagel sei 1676 gewesen, doch ist das ziemlich sicher ein Druckfehler, da er die entsprechende Darstellung mit der Angabe einleitet, Nagel habe 1679 von Berlin zurück nach Preußen gehen wollen. Dann setzt er damit fort, daß Nagel durch diese Anstellung in Rudow davon abgehalten worden sei. Siehe Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 612. geworden war, hatte 1681 gerade eine Stelle als Feldprediger bei der Leibgarde zu Fuß angetreten, als er vom Berliner Gouverneur, General Adolph von Goetze, zum Garnisonprediger in Berlin berufen wird[84]Christoph Nagel war der Sohn des in Gudnick, einem Ortsteil von Langheim, ansässigen Schullehrers Johann Nagel und dessen Ehefrau Dorothea, geborene Fischer. Siehe Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seiten 8 f.[85]Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 611 f.. In dieser Stellung erlebt er eine bedeutende Entwicklung hautnah mit, die das gesamte Militärkirchenwesen des Landes betrifft.

Noch im Jahre 1691 bekräftigt der mittlerweile regierende Kurfürst Friedrich III., daß der Berliner Garnisonprediger dem Kirchenkonsistorium zu Cölln unterstellt sei – einer zivilen Kirchenbehörde also. Doch bereits im Jahr darauf ändert er seine Meinung. Und dabei macht er Nägel mit Köpfen. Er regelt die das Militär betreffenden kirchlichen Angelegenheiten nicht nur für seine Residenzstadt, sondern gleich für das ganze Land, und setzt das Kriegskonsistorium als oberste militärkirchliche Behörde ein, der nun alle vormals der Landeskirche zugeordneten Garnison- und Feldprediger unterstehen. Doch damit nicht genug – gleichzeitig sind die Geistlichen auch noch militärische Untergebene ihres jeweiligen Regimentskommandeurs beziehungsweise des Gouverneurs. Sie werden damit vollumfänglich aus jeglichen zivilen Abhängigkeiten herausgelöst[86]Weigert, Berliner Feldprediger, 2004, Seite 53.[87]Falk, Holtz, Alte Berliner Garnisonkirche, 1995.. In Berlin hat damit nun der Militärgouverneur das gesamte Militärkirchenwesen der Stadt unter sich[88]Tüsselmann, Die Garnisongemeinde in Berlin, 2010, Seite 320.[89]Berg, Geschichte der evangelischen Garnisongemeinde, 1995..

Eine für die Gemeinde wichtige Neuerung bringt das Jahr 1692. Unter der Amtsführung Christoph Nagels wird in diesem Jahr eine Garnisonschule gegründet. In der Anfangszeit ist sie allerdings weniger eine Gemeindeschule, da die vielfach mit den Bürgerfamilien verschwägerten Soldaten ihre Kinder meist in die nächstgelegene Volksschule schicken. Zunächst ist die Schule stattdessen eher als Anstalt für die Ärmsten gedacht, so daß – zu ihrer Unterstützung – deren Eltern auch kein Schulgeld bezahlen müssen. Daher ist die Schule auch recht klein – nur fünfzig Soldatenkinder werden hier von einem Lehrer unterrichtet, den die Gemeinde aus der sogenannten Traubüchse bezahlt. Daß diese dafür immer gefüllt ist, müssen alle Soldaten sicherstellen, die sich verheiraten wollen. Sie haben zu diesem glückseligen Anlaß etwas zum Inhalt dieser Sammelbüchse beizutragen. Bereits ein Jahr später werden weitere fünfzig Kinder in die Schule aufgenommen, so daß die Anstellung eines zweiten Lehrers erforderlich wird. Untergebracht ist die Schule in zwei Baracken nahe dem Spandauer Tor. Schulstube und Lehrerwohnung liegen darin direkt nebeneinander[90]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 9 f.[91]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seiten 9 f.. Sowohl die Schule als auch die Gemeinde werden vom Gouverneur der Stadt und natürlich vom Garnisonprediger geleitet und überwacht[92]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 10.[93]Duntze, Kriegsleute, 2004, Seite 10..

Der 15. Januar 1699 ist für die Berliner Garnisongemeinde ein trauriger Tag. Der Garnisonprediger Christoph Nagel stirbt. Man bestattet ihn in einer Gruft vor dem Altar der Heilig-Geist-Kapelle[94]Zitiert nach Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 612.. Noch fast zweihundert Jahre später[95]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seiten 8 f. bezeugt ein Leichenstein in der südlichen Innenmauer der Kapelle:

Hier schläft Herr Christoph Nagel, Churfürstl. Brandenb. Garnisonprediger zu Berlin
ein Sohn Herrn Johann Nagels, wohlverdienten Schulcollegen in Langenhayne, welcher gebohren zu Gudnicken in Preußen
den 22. Aug. ft. n. 1657. Dem achtzigjährigen Vater war in seinem Alter nichts schmerzlicher als der Todt seines einzigen, wohlerzogenen Kindes
der in und ausserhalb des Vaterlandes nebst der wahren Gottseligkeit eine gründliche Gelehrsamkeit erlanget
seinem Gott in Lehr- und Predigamt [sic!] zwey Jahr auf dem Lande in Rudo und Schönefeld und achtzehen Jahr bey der Churfürstl. Leib-Garde hier in der Garnison treulich gedienet. Im Ehestande mit Frau Margarethen Dameroin, Herrn Hans Jürgen Damero, Churf. Hof Goldarbeiters und Gerichts-Assessoris in der Churfürstl. Residenz Cöln hinterlassenen eheleiblichen Tochter
19 Jahre liebreich und vergnügt gelebet. Nachdem er 6 Kinder Vater
und 1 Kindes Großvater worden
hat er zwey Söhne und eine Tochter in die ewige Seligkeit voran geschickt
deren Cörper neben seinem ihre Ruhestätte hier haben
und die übrigen der Vorsorge Gottes und seiner herzlich geliebtesten in der Zeitlichkeit hinterlassen. Er selbst ist durch einen sel. und sanften Abschied abgefodert [sic!] am 15. Jan. 1699 im 41. Jahr seines Alters. Der Geist spricht: daß er ruhe von seiner Arbeit.[96]Zitiert nach Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 612.

Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts bringt man den Stein in die Garnisonkirche, mit deren Zerstörung er schließlich verschollen ist. Anstelle des Originals plaziert man einen Abguß des Steins am Eingang der Heilig-Geist-Kapelle[97]Heinrich Lange: Adolph Menzels „alte Bekannte“, In: Berlinische Monatsschrift 9/98, Luisenstädtischer Bildungsverein e.V., Berlin, 1998, Seiten 51 f.. Dieser ist heute noch vorhanden[98]Jürgen Wetzel: Hospital zum Heiligen Geist, In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, Jahrgang 2010, Heft 1, Seite 316..

Die Nachfolge Nagels tritt noch im selben Jahr Johann Ernst Rosenthal an. Auch er hinterläßt keine bedeutenderen Erinnerungen im Gedächtnis der Gemeinde, so daß über ihn ebenso viel oder besser wenig bekannt ist wie über seinen einstigen Vorgänger du Bois[99]Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 612..

Endlich: Eine eigene Kirche!

Das Jahr 1700 reift heran, und mit ihm kündigt sich die Wende zum 18. Jahrhundert an. Fast ein halbes Jahrhundert ist die Garnisongemeinde nun alt, und noch immer verfügt sie über kein eigenes Gotteshaus, sondern ist für ihre Gottesdienste in der Heilig-Geist-Kapelle zu Gast. Mittlerweise hat sie jedoch eine Größe erreicht, daß diese kleine Kirche sie nur noch zu etwa einem Drittel aufnehmen kann. Ein unhaltbarer Zustand[100]Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 605.[101]Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 33..

Nachdem es schon zu Zeiten des Großen Kurfürsten immer wieder einmal Anregungen gegeben hatte, der Garnisongemeinde eine eigene Kirche zu gewähren[102]Bericht über den Vortrag von Divisionspfarrer Schildt, 1893, Seiten 47 f., ergreifen am 18. April des Jahres 1701 Offiziere der Berliner Garnison erneut die Initiative. Sie setzen ein Gesuch auf, in dem sie um die Erlaubnis bitten, ein eigenständiges militärisches Gotteshaus errichten und dafür eine Kollekte durchführen zu dürfen. Dieses richten sie an König Friedrich I. in Preußen, der sich als einstiger brandenburg-preußischer Kurfürst Friedrich III. am 18. Januar 1701 in Königsberg selbst die Krone auf das Haupt gesetzt hatte[103]Falk, Holtz, Alte Berliner Garnisonkirche, 1995..

Porträt von Friedrich I. in Preußen um 1710.
Porträt Friedrichs I. in Preußen, um 1710 von David van der Plas.
Quelle: Rijksmuseum Amsterdam via Wikimedia Commons.
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Während der frischgebackene König darüber nachdenkt, ändert sich die Situation in der Gemeinde erneut. Am 15. Mai verstirbt ihr Garnisonprediger Johann Ernst Rosenthal und wird drei Tage später in der Heilig-Geist-Kapelle beigesetzt[104]Interessant ist, daß sich die historischen Quellen bezüglich des Todestages Rosenthals nicht einig sind. Georg Gottfried Küster gibt den 15. Mai an, während Johann Friedrich Walther den 30. April benennt. Nachfolgend erschienene Literatur über die Garnisonkirche folgt mal dem einen, mal dem anderen der beiden Autoren. Leider war, wie Goens schreibt, bereits 1897 der Grabstein Rosenthals schon nicht mehr zu entziffern, so daß auch von ihm keine Aufklärung zu erwarten ist. Wir geben den 15. Mai an und orientieren uns damit an Küster, der zusätzlich den Beisetzungstag benennt. Siehe Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 612 und Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 9 sowie Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seiten 9 f.. Zu seinem Nachfolger wird von Generalfeldmarschall Johann Albrecht Reichsgraf von Barfus, der als Gouverneur Berlins gleichzeitig der Patron der Gemeinde ist, unmittelbar Christoph Naumann bestimmt, der in Helmstedt studiert hatte, zunächst Pfarrer in Klein Freden an der Leine gewesen war und ab 1700 im brandenburgischen Cossenblat[105]Heute Kossenblatt. predigte[106]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 39.[107]Falk, Holtz, Alte Berliner Garnisonkirche, 1995..

Rosenthal sollte der letzte Garnisonprediger sein, der während seiner gesamten Amtszeit auf dem Kirchhof und in der Kapelle des Heilig-Geist-Hospitals Gottesdienste abhielt[108]Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 32.. Denn in der Zwischenzeit und damit vergleichsweise schnell ist der König hinsichtlich des Gesuchs der Offiziere bezüglich einer eigenen Kirche für die Garnisongemeinde zu einem Entschluß gekommen. Er zeigt sich dieser Idee sehr gewogen und fördert im Juli des Jahres das Anliegen der Militärs ganz offiziell, indem er die Bürger Berlins auffordert, ihren Beitrag zur Errichtung einer Garnisonkirche zu leisten[109]Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 33.. Zur gleichen Zeit unterbreiten das Gouvernement der Stadt und der gerade erst ins Amt gelangte Garnisonprediger Naumann den Vorschlag, als Platz für die neue Kirche den Innenraum des Uffelnschen Bollwerks auszuwählen – einen Platz, der innerhalb der Befestigungsanlagen am Heilig-Geist-Viertel, nahe am Spandauer Tor gelegen ist und direkt an den Weg hinter der alten Stadtmauer anschließt, der sie von den Festungsanlagen trennt. Auf diesem Grundstück stehen zu jener Zeit nur die wenigen Gebäude, die im Zuge des Festungsbaus nach und nach entstanden waren: ein paar Schuppen und Remisen für Proviant- und andere Wagen, ein Stall, der einst die Festungsbaupferde beherbergt hatte, und das Dienstgebäude des Festungsbaukommissars[110]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 6 f. und 19.[111]Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 35.. Weil das Land der Krone gehört, bedeutet es für den König weder Aufwand noch Kosten, über dieses Grundstück zu verfügen[112]Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 35., und so stimmt er dem Vorschlag zu und schenkt das Gelände der Gemeinde kurzerhand[113]Berg, Geschichte der evangelischen Garnisongemeinde, 1995..

Plan des Heilig-Geist-Viertels in Anno 1700 von Johann Friedrich Walther
Ein Plan des Heilig-Geist-Viertels im Jahre 1700, gezeichnet von Johann Friedrich Walther und in Kupfer gestochen von Georg Paul Busch 1737. Die Legende des Planes erklärt die wichtigsten Bauten. Interessant ist, daß Walther die Garnisonschule nicht erwähnt und eingezeichnet hat.
Quelle: Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 4 f.
Lizenz: gemeinfrei, da urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen.

Nun werden alle alten Gebäude eines nach dem anderen abgerissen. Verschont bleibt nur der alte Stall[114]Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 35.. Er steht dem neuen Kirchenbau nicht im Wege, und überdies hat man für ihn andere Pläne. Nachdem die Vorbereitungen soweit gediehen sind, ist schließlich alles bereit. Und so bricht am Morgen des 24. September 1701 der große Tag für die Gemeinde an: der Grundstein für die erste Berliner Garnisonkirche wird auf Veranlassung Friedrichs I. auf dem ausgewählten Areal gelegt. Dafür hat man am Rand des Platzes, wo er von dem Weg zwischen alter Stadtmauer und Festungswall begrenzt wird, ein Geviert von einhundert Fuß[115]Diese entsprechen 31,4 Metern. im Quadrat abgesteckt und darin den Raum für das Fundament des neuen Gotteshauses ausgehoben. In der Mitte des Platzes steht ein einsames Zelt, und darunter liegt in der Mitte das Objekt der allgemeinen Aufmerksamkeit: der Grundstein. Und diese Aufmerksamkeit ist groß! Die ganze Garnison ist angetreten, um dem Festakt mit militärischem Zeremoniell beizuwohnen. Auf dem Platz stehen all die Generäle und höheren Offiziere sowie einige Soldaten, während die übrigen auf den umliegenden Wällen Aufstellung genommen haben. Nachdem die Feier mit Gesang und Gebet ihren Anfang genommen hat, tritt der Garnisonprediger Christoph Naumann vor und hält eine Predigt, der er den Vers 11 aus dem 3. Kapitel des ersten Briefs an die Korinther zugrundelegt:

Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

Unmittelbar nachdem der Prediger geendet hat, treten die Hauptleute Gerlach und Ludewig sowie der Leutnant Weinreich und der Baukommissar Jänicke an den Grundstein, heben ihn hoch, tragen ihn zu dem abgegrenzten Geviert und legen ihn in das Fundament. Dann ist die Reihe an dem dreizehn Jahre alten Kronprinzen, dem späteren König Friedrich Wilhelm I., die Zeremonie zu vollenden. Ob er dabei die üblichen drei Hammerschläge ausführt, Kalk auf den Stein wirft oder diesen selbst setzt, darüber sind die historischen Quellen unterschiedlicher Meinung[116]Während beispielsweise C. Brecht die drei Hammerschläge erwähnt, spricht Johann Friedrich Walther lediglich davon, der Kronprinz habe den Grundstein gelegt. Barbara Kündiger führt wenigstens eine weitere Quelle an, die den Akt des Kalkwerfens beschreibt. Siehe Brecht, Die Garnison-Kirche, 1872, Seite 2 und Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 20 sowie Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 35.. Nachdem er jedoch seinen Teil getan, beschließen die Anwesenden die Zeremonie, wie sie sie begonnen haben – mit Gesang und Gebet[117]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 19 f.[118]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seiten 11 f.[119]Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 35..

In der Folgezeit gehen die Arbeiten an dem Kirchenbau eifrig voran. Es ist noch nicht Winter, da ragen die Mauern schon nahezu in Mannesgröße in die Höhe – also etwa sechs Fuß. Im Fundament sind sie ebenso dick, während sie es über der Erde nur auf drei Fuß Dicke bringen[120]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 20.[121]Brecht, Die Garnison-Kirche, 1872, Seite 2.. Über den Baumeister der Kirche haben sich leider keine Urkunden erhalten[122]Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 35., doch Johann Friedrich Walther berichtet, daß Martin Grünberg die Entwürfe dazu liefert[123]Walther ist nicht nur der erste Chronist der Berliner Garnisonkirche, er hat sie auch noch selbst gekannt, wie wir noch sehen werden. Insofern darf sein Wort hier durchaus als Bezeugung der Richtigkeit dieser Aussage gelten. Doch auch Friedrich Nicolai bestätigt sie. Siehe Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 22 und Nicolai, Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, Erster Band, 1786, Seite 22.. Der im Jahre 1655 geborene Grünberg, der ein Mitarbeiter Andreas Schlüters war[124]Berg, Geschichte der evangelischen Garnisongemeinde, 1995., hatte sich vom einfachen Bauschreiber zum Hofbaumeister hochgearbeitet. Seit 1699 war er königlicher Baudirektor – ein Amt, daß er bis zu seinem Tod im Jahre 1706 bekleidet. Im Laufe seiner Tätigkeit wirkt er nicht nur am Charlottenburger Schloß und am Zeughaus mit, sondern liefert auch die Entwürfe für die Parochialkirche, die Sebastiankirche, die erste Friedrichwerdersche Kirche und die deutsche Kirche am Gendarmenmarkt[125]Falk, Holtz, Alte Berliner Garnisonkirche, 1995..

Während man im Frühjahr 1702 mit den Bauarbeiten fortfährt, die rasche Fortschritte machen, erhält die Garnisongemeinde Zuwachs. Weil ein Bataillon der Garde nach Brabant geschickt wird, was die Begleitung durch einen Feldprediger erfordert, Christoph Naumann als Garnisonprediger aber in Berlin unabkömmlich ist, entscheidet man sich dafür, einen weiteren Prediger zu berufen, der zwar offiziell den Posten des zweiten Garnisonpredigers bekleidet, den man aber als Feldprediger mit dem Bataillon auf den Weg schickt[126]Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 613.[127]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 39.. Diese Stelle wird dem 1666 in der Neustadt Brandenburg geborenen Heinrich Krüger übertragen[128]Krüger hatte in Berlin, Frankfurt an der Oder und Leipzig studiert. Im Jahr seiner Berufung nach Berlin feiert er sein zehnjähriges Jubiläum als Sub- und Conrektor in seiner Geburtsstadt. Siehe Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 613.. Mit seiner Berufung wird die Personalunion aus Garnisonprediger und Feldprediger der kurfürstlichen Leibgarde, die seit dem Amtsantritt des ersten Garnisonpredigers David Hanisius bestanden hatte, aufgehoben[129]Weigert, Miles Perpetuus, 2004, Seite 26..

Zum heilsamen Gebrauch und Übung der Gottseligkeit

Kurz vor dem Michaelistag am 29. September 1702, ein Jahr nach der Grundsteinlegung, sind die Arbeiten am Kirchenbau soweit fortgeschritten, daß dieser einschließlich des Daches aufgerichtet ist und man Richtfest feiern kann. Es dauert noch bis zum Ende des Jahres, dann ist das neue Gotteshaus fertiggestellt[130]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 20.. Anstelle des einst recht wüsten Platzes im Inneren der Bastion XII der Festung erhebt sich nun ein schönes Kirchengebäude in der Gestalt eines griechischen Kreuzes. Baumeister Martin Grünberg hatte sich bei seiner Gestaltung an holländischen Vorbildern orientiert[131]Falk, Holtz, Alte Berliner Garnisonkirche, 1995.. Im Grundriß also ein gleicharmiges Kreuz, ist die Kirche ein nach allen vier Achsen vollkommen symmetrischer Zentralbau[132]Borrmann, Garnisonkirche, 1893, Seite 174.[133]Kirchen, In: Berlin und seine Bauten – II. und III.: Der Hochbau, herausgegeben vom Architekten-Verein zu Berlin und der Vereinigung Berliner Architekten, Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin, 1896, Seite 154.. Die bei der Grundsteinlegung abgesteckten einhundert Fuß im Quadrat hat man peinlich genau eingehalten. Jede Seite des Gotteshauses besitzt genau diese Länge[134]Barbara Kündiger: Die neue Kirche, In: Barbara Kündiger & Dieter Weigert: Der Adler weicht der Sonne nicht – 300 Jahre Berliner Garnisonkirche, 1. Auflage 2004, Berlin Edition in der Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin, ISBN 3-8148-0128-8, Seite 74..

Grünberg hat bei der Gestaltung des Kirchenbaus in erster Linie Wert darauf gelegt, daß dieser zweckmäßig und funktional ist. So fehlen üppige Schnörkel und Verzierung weitestgehend vollständig. Gedeckt mit einem Walmdach, also einem Dach, das an allen Seiten geneigte Flächen besitzt, ist das dreißig Fuß[135]Das sind etwa 9,50 Meter. hohe Gotteshaus gänzlich aus Packsteinen errichtet und kommt ohne jegliche Pfeiler aus[136]Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 37.[137]Tüsselmann, Die Garnisongemeinde in Berlin, 2010, Seite 320.[138]Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 606.. Um dem Zweck einer Militärkirche gerecht zu werden, hat Grünberg es mit einer ungewöhnlich hohen Anzahl von Eingängen versehen, die den geordneten Einzug der während der Kirchenparade in geordneter Formation einrückenden Soldaten gestatten[139]Falk, Holtz, Alte Berliner Garnisonkirche, 1995.. An den Frontseiten der Arme des die Grundform der Kirche bildenden Kreuzes befinden sich jeweils drei Türen, deren mittlere mit einem direkt darüber angeordneten Fenster in einem Mittelrisaliten[140]Ein Risalit ist ein horizontal aus der Hauswand beziehungsweise Fluchtlinie hervorspringender Gebäudeteil. In den meisten Fällen reicht er über die gesamte Höhe des Bauwerks. Als Mittelrisalit bezeichnet man ihn dann, wenn er sich in der Mitte der Gebäudewand befindet. vereint ist. Sie wird von zwei ionischen Pilastern[141]Pilaster sind Wandpfeiler, das heißt, sie stehen nicht frei, sondern sind in eine Wand eingelassen. Sie können eine tragende Funktion haben oder auch nur architektonischer Schmuck sein. und einem quer darüberliegenden Frontispiz[142]Ein Giebeldreieck. Es kann auch als Schmuckelement über Türen angebracht sein. eingerahmt. Die beiden äußeren Türen verfügen nicht über solchen Schmuck, doch ist auch über ihnen je ein Fenster angeordnet[143]Diese Beschreibung der Frontseiten geht auf eine Zeichnung des Architekten Christoph Pitzler zurück, die dieser 1704 in seinem Skizzenbuch anfertigte und die alle vier Seiten des Kirchengebäudes als völlig gleichwertig zeigt. Demgegenüber ist in einer anderen Zeichnung des Gotteshauses von Johann Friedrich Walther aus dem Jahre 1737 eine leicht abweichende Darstellung der Kreuzarm-Frontseiten überliefert. Walther zeigt den Mittelrisaliten lediglich an der zum Weg zwischen alter Stadtmauer und Festungswall hin gelegenen Südseite der Kirche, die er ganz offensichtlich als Haupteingang der Kirche hervorhebt. Da weitere Unterlagen, die das Äußere der Kirche beschreiben oder bildlich darstellen, nicht existieren, ist heute leider nicht mehr abschließend zu klären, welche Darstellung die richtige ist. Siehe Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seiten 37 ff. und Seite 47..

Die äußere Erscheinung der Kirche ist sehr schlicht gehalten[144]Borrmann, Garnisonkirche, 1893, Seite 174.. Die Außenwände weiß verputzt[145]Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 606., die hohen Fenster lediglich mit runden Bögen verziert, an deren Scheitelpunkt ein Schlußstein den einzigen Schmuck bildet[146]Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 37. – der Bau, den Georg Goens als Gotteshaus in „einfachen und doch ansprechenden Formen der Renaissance“[147]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 12. beschreibt, spiegelt Bescheidenheit wider. Dies wird auch dadurch unterstrichen, daß die Kirche über keinen typischen Turm verfügt, sondern lediglich eine zierliche hölzerne Laterne – ein kleiner turmartiger Aufbau mit Wetterfahne – im Schnittpunkt der Kreuzarme auf dem Dach sitzt. Und so gibt es auch keine Kirchenglocken, die die Gläubigen zum Gottesdienst rufen könnten. Dies übernimmt in der Garnisonkirche die militärische Trommel[148]Tüsselmann, Die Garnisongemeinde in Berlin, 2010, Seite 320.[149]Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 37.. Der Kirchhof rings um die Kirche ist von einer kleinen Mauer eingefaßt, und die Wälle der Festungsanlagen tun ihr übriges, um ihn sicher abzugrenzen[150]Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 606..

Modell der ersten Garnisonkirche von Martin Grünberg
Dieses Modell zeigt die erste, von Martin Grünberg erbaute Garnisonkirche. Es ist in der Ausstellung auf dem Garnisonfriedhof in Berlin-Mitte zu sehen. Es zeigt den Zustand der Kirche nach dem Jahr 1704.
Für die freundliche Genehmigung zu diesem Foto danke ich Dr. Paul-Haimon Lins vom Förderverein Alter Berliner Garnisonfriedhof e. V.
Fotograf: Alexander Glintschert (2020)
Alle Rechte vorbehalten.

Dieser schlichte Kirchenbau, dessen nüchterne und weitgehend schmucklose Gestaltung auch anderen Kirchenbauten Martin Grünbergs eigen ist, der sich von holländischen Einflüssen inspirieren ließ, entspricht den Auffassungen der Protestanten jener Zeit, die in ihren Gotteshäusern Wert auf rein zweckgebundene Räume legen. Eine möglichst große Anzahl Gläubige soll darin Platz finden und Gelegenheit haben, ohne störende Ablenkungen, wie sie reichhaltige Verzierungen und Prunk hervorrufen könnten, die Predigt anzuhören[151]Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 34..

Der 1. Januar 1703 ist für die evangelisch-lutherische Garnisongemeinde ein festlicher Tag. Und das nicht allein, weil Neujahr ist. Nein, an diesem Tag kann sie endlich ihre neue Kirche feierlich einweihen. Über den Ablauf des Festtages haben sich bedauerlicherweise keinerlei Beschreibungen erhalten. So ist lediglich bekannt, daß König Friedrich I. höchstpersönlich erschienen ist, um an dem festlichen Akt teilzunehmen. Denn die Königliche Berlinische Garnisonkirche, so die offizielle Bezeichnung des Gotteshauses[152]Schwipps, Garnisonkirchen Berlin und Potsdam, 1964., ist schon etwas Besonderes zu jener Zeit: sie ist die erste Kirche in Preußen, die man für eine Garnison errichtet hat[153]Weigert, Miles Perpetuus, 2004, Seiten 24..

Um an das Ereignis stets zu erinnern, bringt man über der Haupttür an der zum Weg zwischen alter Stadtmauer und Festungswall gewandten Südseite der Kirche eine Tafel an, deren Inschrift in lateinischer Sprache verkündet:

Im Namen des starken Gottes, des Herrn
der Heerscharen.
Friedrich der Erste König in Preußen
Ein Vater des Vaterlandes und seiner
Armee.
Hat diese Kirche zum heilsamen Gebrauch und
Übung der Gottseligkeit
Für die hiesige Königl. Garnison
erbauen,
Und dieselbe einweihen lassen
Den 1. Januarii 1703.[154]Im lateinischen Original lautet der Text: „IN NOMINE O. M. DOMINI / EXERCITUUM, / FRIDERICUS I REX BORUSS. / PATRIAE ET EXERCITUUM PATER / HOC TEMPLUM MILITIB. / HARUM URB. PRAESID. / RELIGIOS. FREQUENT. / EXSTRUXIT / ET INAUGURARE JUSSIT. / KAL. JANUAR. SECUL. XVII. / ANNO REGNI III.“ Zitiert aus Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 21.

Im Inneren fügt man in der Wand der Sakristei einen Stein ein, in den folgende Worte gehauen sind:

MDCCI den 24. Septembris.
Bey Fundirung Berlinischer Garnison-Kirche,
war Patronus Johann Albrecht Reichs-Graf von Barfus, General-
Feld-Marschall und Gouverneur.
Commendant war Georg Abraham von Arnim,
General-Major und Obrister der Preußischen
Guarde zu Fuß.
Ernst Ludewig von Haake, Obrister.
Und Garnison-Prediger, Christoph Naumann.
Architect hierüber, der Land-Bau-Director
Martin Grüneberg.[155]Zitiert aus Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 22.

Die Einweihungsfeier ist für die zahlreichen Mitglieder der Gemeinde die erste Gelegenheit, deren Inneres in Augenschein zu nehmen. Dieses besteht aus einem mäßig großen Innenraum, dessen wichtigstes Gestaltungsmerkmal genau wie im Äußeren die Schlichtheit ist. Das ihn prägendste Merkmal sind die beiden übereinanderliegenden Emporenreihen, die sich von der südlichen über die westliche zur nördlichen Seite der Kirche ziehen und die großen Rundbogenfenster durchschneiden. Auf diese Weise wird der Raum so umfassend wie nur möglich ausgenutzt, um den Soldaten der Regimenter ausreichend Platz zu bieten[156]Borrmann, Garnisonkirche, 1893, Seite 174.[157]Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seiten 37 f.. Im östlichen Kreuzarm ist der Kanzelaltar plaziert, hinter dem sich die Sakristei befindet[158]Borrmann, Garnisonkirche, 1893, Seite 174.. So wie außen auf dem Dach durch die Laterne ist auch im Inneren der Schnittpunkt der Kreuzarme des Baus verziert – ob durch Stuck oder mittels Malerei, ist heute leider nicht mehr bekannt[159]Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 39..

Der Kanzelaltar steht nahe der Raummitte. Den Platz hat man so gewählt, daß alle Gläubigen in der Kirche während der Predigt zum Prediger auf der Kanzel blicken können. Die freistehende Kanzel besitzt einen Kanzelkorb, der von einem mit Voluten[160]Voluten sind in der Architektur Verzierungen in Spiral- beziehungsweise Schneckenform. Die bekannteste Verwendung dieses Schmucks findet sich oft an den Kapitellen von Säulen. bekrönten Schalldeckel überdacht ist, über dem eine Sonne prangt. Während die Kanzel mit sie verkleidendem hölzernen Tafelwerk und goldenen Zierleisten geschmückt ist, hat man bei dem direkt angestellten Altartisch aus Holz weitgehend auf verschönerndes Beiwerk verzichtet[161]Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 606.[162]Tüsselmann, Die Garnisongemeinde in Berlin, 2010, Seite 320.[163]Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 39..

Nun, da die Gemeinde eine eigene Kirche hat, gestatten es sich ihre beiden Prediger, eigene Wohnhäuser errichten zu lassen, die sie teils aus eigenen Mitteln und teils aus der Summe von zweihundert Talern finanzieren, die sie von der Gemeinde als Abschlagssumme erhalten. Vermutlich auch vom Baumeister Grünberg entworfen, werden die beiden Gebäude ebenfalls im Bereich der Bastion XII errichtet, nahe dem Wall in einer Hauszeile, die senkrecht auf die Rückfront der neuen Kirche zuläuft[164]Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 43.[165]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 15.[166]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 27 f.. Beide verfügen über je einen Hof und einen Garten[167]Reinhard Lüdicke: Geschichte der Berliner Stadtgrundstücke seit der Einführung der Grundbücher Ende des 17. Jahrhunderts – Band 1: Berlin Nr. 1-276 = Stralauer, Königs-, Neue Friedrichs- und Burgstraße, Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin, 1933, Seite 390..

Gemeinsam mit der Kirche hatte man 1701[168]Nicolai, Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, Erster Band, 1786, Seite 22. begonnen, auch für die Garnisonschule ein neues Gebäude zu schaffen, indem man den Umbau des alten Stalls, den man beim Abriß der alten Gebäude verschont hatte, in Angriff nahm. Ungefähr ein Dreivierteljahr nach der Einweihung der Kirche, im Herbst 1703, wird das neue Schulhaus eröffnet[169]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 27 f., das südlich an die Kirche anschließt[170]Borrmann, Garnisonkirche, 1893, Seite 174. und somit ebenfalls an dem zwischen alter Stadtmauer und Festungswall verlaufenden Weg steht. Neben drei Schulräumen ist darin eine Dienstwohnung für einen der Lehrer untergebracht. Der andere kommt im Haus des Garnisonpredigers unter[171]Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 43..

Auch Kirchen kosten Geld

Eine Kirche und ein neues Schulgebäude – für die Gemeinde sind das große Anschaffungen. Und die sind nicht billig. Zwischen 8.000 und 9.000 Taler betragen die Baukosten für die beiden Gebäude am Ende. Eine immense Summe Geldes in der damaligen Zeit. Und doch wird sie ohne jegliche Zuschüsse von seiten des Staates oder der zivilen Landeskirche aufgebracht. Drei Geldquellen sind es letztendlich, die der Gemeinde ihre Neubauten finanzieren. Zum einen sammelt man Geld in den Regimentern der gesamten Armee, aber insbesondere in der Berliner Garnison. Zum zweiten zieht nach der Aufforderung des Königs an die Bürger der Stadt, ihren Beitrag zur Errichtung der Garnisonkirche zu leisten, der Garnisonprediger Naumann gemeinsam mit zwei Oberoffizieren von Straße zu Straße, von Haus zu Haus, um diesen einzusammeln. Und zum dritten lassen sich auch der König und sein Hof nicht lumpen und spenden Geld für den Bau[172]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 24.[173]Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 43.. Dennoch bleibt am Ende ein Teil der Summe übrig, den die Gemeinde durch die Aufnahme von Schulden finanzieren muß[174]Dies wird in keiner Quelle direkt so erwähnt, läßt sich aber aus Angaben schließen, die insbesondere Georg Goens in Bezug auf die Rechnungsbücher und die laufenden Kosten der Kirche für die Folgezeit macht. Wir kommen im weiteren Verlauf der Darstellung darauf zurück.. Das hält Georg Goens jedoch nicht davon ab, in seiner „Geschichte der Königlichen Berlinischen Garnisonkirche“ von einem „Weihegeschenk des Heeres an seinen Gott, der ‚mit ihm‘ gewesen war“ zu sprechen, seien die Kosten doch „durch freiwillige Gaben des obersten Kriegsherrn und seiner Soldaten“ aufgebracht worden. Die mehr oder minder freiwilligen und nicht unerheblichen Beiträge der Berliner, die er kurz zuvor noch erwähnt, läßt er bei dieser Würdigung allerdings dezent unter den Tisch fallen…[175]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 13.

Doch Kosten verursacht nicht nur der Bau einer Kirche, sondern auch deren Unterhalt. Und dieser erweist sich schnell als ein Problem, das noch gravierender ist als die Errichtung des Gotteshauses. Denn abgesehen vom Kirchengrundstück besitzt die Gemeinde keine anderen Landstücke oder Immobilien, mit denen sie Zins oder Pacht zu erwirtschaften in der Lage wäre. Und für die Baukosten hatte man die Freigebigkeit der Gemeinde schon so in Anspruch genommen, daß von ihr nicht noch mehr zu verlangen ist. Da aber die Gemeinde und ihre Beamten von Beginn an auf sich selbst gestellt sind und auch hier von Staat und Landeskirche keine Unterstützung erwarten können, müssen sie, allein gestützt auf Gewissenhaftigkeit und höchste Sparsamkeit, die Kirche unterhalten[176]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seiten 13 f.. Georg Goens beschreibt 1897, wie das aussah:

Es ist bezeichnend genug, daß in jener Zeit geringen historischen Sinnes die aktenmäßige Darstellung der Anfänge unserer Kirche auf wenige, zufällig hingeworfene Notizen beschränkt ist, aber – von den Kirchenrechnungen fehlt keine einzige. Da stehen sie in der Registratur des heutigen Pfarrhauses nebeneinander, sauber in Leder gebunden, von gleicher Größe, ja, wie eine Kompagnie gleich uniformirter [sic!] Soldaten, sogar mit gleichfarbigem Buntpapier beklebt, als ein ehrwürdiges Zeugniß [sic!] der Gewissenhaftigkeit unserer Väter. Und darin zwischen den mit Bleifeder gezogenen Linien in schönen, klaren Schriftzügen eine Rechenschaft über Groschen und Pfennige, so genau, als habe man sich über Tod und Leben zu verantworten; und Grafen und General-Feldmarschälle halten sich nicht für zu gut, diese Hunderte von kleinen Posten nachzurechnen und hier und dort eigenhändig dem Pfarrer, als Rendanten, kleine Rechenfehler zu verbessern.[177]Zitiert aus Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 14.

Und doch – Gewissenhaftigkeit und Sparsamkeit allein schaffen kein Geld heran. Dazu bedarf es handfester Einnahmen. Doch woher kommen diese? Nun, im wesentlichen stammen sie zunächst aus der sonntäglichen Kollekte im Gottesdienst. Die von Goens erwähnten Rechnungsbücher weisen für das erste Jahr nach der Einweihung der Kirche eine Sammlungseinnahme von 299 Talern aus. Die Hälfte davon muß man zur Begleichung von aus dem Kirchenbau entstandenen Schulden verwenden. Und weil man noch keinen Taufstein in der Kirche hat, plant man die Ausgabe von ganzen zwei Talern ein, um ein Taufbecken aus Zinn anzuschaffen[178]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 14..

Nun, da die Gemeinde über eine eigene Kirche verfügt und auch ein zweiter Prediger zur Verfügung steht, beschließt das Gouvernement, die bereits sonntags für den Vormittagsgottesdienst etablierte Kirchenparade auch des nachmittags einzuführen. Der Grund für diese Maßnahme ist die Beobachtung, das viele Soldaten es vorziehen, nachmittags gar nicht in die Kirche zu gehen, sondern statt dessen in liederlichen Gesellschafften sich finden liessen und allerley Unfug trieben“, wie Johann Friedrich Walther schreibt. Um dem endgültig einen Riegel vorzuschieben, werden die Soldaten trotz anfänglicher Widerstände nun auch nachmittags in Parade in die Kirche geführt[179]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 37 f..

Seit der Zeit der Gründung der Garnisongemeinde hat sich die Gegend, in der sich nun ihre Kirche erhebt, stark verändert. Der Abriß der alten Stadtmauer, die durch die Festungsanlagen funktionslos geworden war, ist weitestgehend vollendet[180]Brecht, Die Garnison-Kirche, 1872, Seite 4.. Im Jahre 1703 entsteht dort, wo sich heute die Friedrichsbrücke über die Spree schwingt, der erste Flußübergang an dieser Stelle. Er verbindet das Heilig-Geist-Viertel mit dem Orangenhaus in den Schloßanlagen auf der anderen Seite des Flusses, das nach den darin gezüchteten Bitterorangenbäumen auch Pomeranzenhaus genannt wird. Folgerichtig erhält der neue Übergang den Namen Große Pomeranzenbrücke. Um nun aber an diese auch einen Verkehrsweg anschließen zu können, werden die einst hier für den Festungsbau errichteten niedrigen Häuser 1704 samt und sonders abgebrochen. Davon betroffen ist insbesondere auch das zu dem Weg zwischen einstiger Stadtmauer und Festungswall querstehende, einst für den Festungsbaukommissar errichtete Haus[181]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 5.. Der auf diese Weise frei werdende Weg entwickelt sich in der Folgezeit immer mehr zu einer Straße, an der nun nach und nach neue Häuser entstehen[182]Brecht, Die Garnison-Kirche, 1872, Seite 4.. Von der alten Stadtmauer bleiben lediglich das alte Spandauer Tor und der nebenstehende Turm noch immer von den Abrissen und Umbauten verschont. Sie schließen weiterhin die Spandauer Straße ab[183]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 6..

Die Gemeinde richtet ihre Kirche ein

Bereits 1704, dem Folgejahr nach der Einweihung, kommt es zu einem ersten kleineren Umbau der Kirche. Vermutlich wegen sich schnell herausstellenden Platzmangels erweitert man im östlichen Arm des die Grundfläche des Gotteshauses bildenden Kreuzes die Sakristei. Sie soll nun statt der nordöstlichen Ecke die gesamte Breite des Kreuzarmes einnehmen. Weil dadurch aber die in der gegenüberliegenden südöstlichen Ecke befindliche Treppe entfällt, über die man auf dieser Seite hinauf zu den Emporen gelangen konnte, verlegt man diese als Wendeltreppe in einen neu errichteten äußeren Anbau, der eine nur geringfügig kleinere Höhe als die Kirche selbst besitzt[184]Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 43.. Weil er allerdings den mittleren der auf dieser Seite befindlichen drei Eingänge in die Kirche verschließt, gibt es nun insgesamt nur noch deren elf[185]In der Literatur zur Garnisonkirche ist weitgehend einhellig stets von elf Eingängen, die die Kirche gehabt habe, die Rede. Da sie jedoch von Anfang an gleichseitig und symmetrisch angelegt war und jeder Kreuzarm somit drei Eingänge besitzen mußte, kann es erst durch diesen Anbau zu dieser „unsymmetrischen“ Anzahl gekommen sein. Da dieser jedoch bereits im ersten Jahr nach der Einweihung der Kirche errichtet wurde, hat jene tatsächlich die meiste Zeit ihrer Existenz diese Zahl von Eingängen besessen. Siehe zum Beispiel Tüsselmann, Die Garnisongemeinde in Berlin, 2010, Seite 320 und Falk, Holtz, Alte Berliner Garnisonkirche, 1995..

Plan und Fassade der Berlinischen Garnisonkirche im Jahre 1701 von Johann Friedrich Walther.
Eine Ansicht der Fassade sowie der Grundriß der ersten Garnisonkirche, wie sie im Jahre 1704 ausgesehen hat.
Gezeichnet von Johann Friedrich Walther und in Kupfer gestochen von Georg Paul Busch 1737.
Quelle: Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 20 f.
Lizenz: gemeinfrei, da urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen.

Im selben Jahr bekommt die Kirche ihre erste Orgel. Diese ist zwar nur gemietet – den fälligen Betrag begleicht man von dem Geld, das die Sonntagskollekte im ersten Jahr eingebracht hat – und auch nur ein kleines Positiv[186]Als Positiv bezeichnet man kleine, meist sogar transportierbare Orgeln, die nur wenige Register besitzen. – viel Geld ist schließlich nicht vorhanden -, für die Gemeinde ist sie aber ein großer Gewinn, wertet sie doch das Gotteshaus bedeutend auf[187]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seiten 14 f.. Sie bekommt ihren Platz auf der Empore im östlichen Kreuzarm, direkt hinter dem Kanzelaltar[188]Völlig gesichert ist dieser Aufstellungsort für die erste, noch gemietete Orgel nicht. Es ist jedoch anzunehmen, daß man für sie denselben Aufstellungsort wählte wie für die nur wenig später errichtete größere Orgel. Siehe Barbara Kündiger: Bildwelten und Klangbilder, In: Barbara Kündiger & Dieter Weigert: Der Adler weicht der Sonne nicht – 300 Jahre Berliner Garnisonkirche, 1. Auflage 2004, Berlin Edition in der Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin, ISBN 3-8148-0128-8, Seite 153.. Es vergeht nur wenig Zeit, da muß die kleine Orgel schon aufwendig – und kostenintensiv – repariert werden. Der Hoboist[189]Ein Hoboist oder auch Hautboist war ursprünglich ein Oboenbläser. Im Militär wurde der Begriff aber allgemein für einen Militärmusiker in einem Musikkorps verwendet. Dümler, dem man sie anvertraut hat, um sie bei Gottesdienst und Andacht zu spielen, ist so wacker zu Werke gegangen, daß er sie mit seinen Fäusten entzweigeschlagen hatte. Allerdings trifft ihn, den im Orgelspiel wahrscheinlich nicht sehr Erfahrenen, wohl nur eine mäßige Schuld, denn wie es heißt, ist das Instrument so schwergängig, daß man zum Spiel nichts weniger als die Fäuste einsetzen muß…[190]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seiten 14 f.

Eine weitere Veränderung, von der heute nicht mehr ganz genau nachzuvollziehen ist, wann genau sie vorgenommen wird, ist der Einbau von vier Deckenstützen – zwei im östlichen und zwei im westlichen Kreuzarm, wo diese auf den Raum um den Mittelpunkt des die Grundfläche der Kirche bildenden Kreuzes treffen[191]Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 39..

Der sehr rege Garnisonprediger Naumann, der völlig in seiner Arbeit für die Gemeinde und das Garnisonkirchenwesen aufgeht, verfaßt in diesem Jahr 1704 ein eigenes Militärgesangbuch, das in einer Auflage von 2.000 Exemplaren gedruckt wird. Es ist das erste Militärgesangbuch überhaupt. Die Kosten dafür übernimmt das Königshaus. Jeweils im Abstand von vier Jahren – 1708 und 1712 – erlebt es Nachauflagen in jeweils derselben Stückzahl. Weil von dem Geld, das das Königshaus zur Verfügung stellt, etwas übrigbleibt, werden noch 6.000 Exemplare des Neuen Testaments und des Psalters[192]Der Psalter ist das Buch der Psalmen im Alten Testament, eine Sammlung von 150 Psalmen, also Gebeten und Liedern., ergänzt um ein ebenfalls von Naumann verfaßtes Traktat mit dem Titel „Anweisung der Kriegsleute, so da wollen gottesfürchtig sein“, gedruckt und in der ganzen Armee verteilt, also insbesondere auch in auswärtigen Regimentern[193]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 31 f.[194]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 21..

Nach und nach nimmt man in der Kirche weitere Verbesserungen vor, die allerdings – und das wird wahrlich niemanden verwundern – vorwiegend den oberen militärischen Rängen zugutekommen. So stattet man die Sitzgelegenheiten im sogenannten „Kapitains-Chor“, einem Emporenbereich, der bestimmten Offizieren vorbehalten ist, mit einer Polsterung aus Juchtenleder aus. Die Generäle und Obristen erhalten acht eigene Stühle, die mit Taft überzogen sind. Und für Generalfeldmarschall Alexander Hermann Reichsgraf von Wartensleben, der mittlerweile Generalfeldmarschall Johann Albrecht Reichsgraf von Barfus als Gouverneur von Berlin abgelöst hat, richtet man eine eigene, abgeschlossene Loge mit Fenstern und einem bequemen Lehnsessel darin ein[195]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 15..

Die vielleicht bedeutendste Erweiterung des Kircheninventars in jener Zeit stellt jedoch die Erwerbung des Taufsteins dar. Wann genau dieser in Auftrag gegeben wird, ist heute ebensowenig genau bekannt wie der Zeitpunkt seiner Fertigstellung. Daß er ein Werk des Hofbildhauers Andreas Schlüter ist, gilt zwar als sehr wahrscheinlich, ist aber leider auch nicht wirklich nachweisbar. Sicher gesagt werden kann lediglich, daß der Stein irgendwann in der Zeit zwischen 1704 und 1713 geschaffen wird[196]Die Schaffung vor 1704 ist wenig wahrscheinlich. In den ersten Darstellungen der Garnisonkirche, die der Architekt Christoph Pitzler 1704 in seinem Skizzenbuch anfertigte, gibt es keinen Taufstein. Und Georg Goens erwähnt, wie wir bereits beschrieben haben, die Anschaffung eines „zinnernen Taufbeckens“ von der ersten Jahreseinnahme der Sonntagskollekte, was nicht erforderlich gewesen wäre, wenn doch 1704 bereits der Taufstein existiert hätte. Eine Schaffung nach 1713 kommt, wenn man der Zuschreibung des Taufsteins als Werk Andreas Schlüters folgt, ebenfalls nicht in Frage, da in diesem Jahr Schlüter Berlin verließ und nach Petersburg ging. Siehe Kündiger, Bildwelten und Klangbilder, 2004, Seite 135.. Von der Gemeinde wird er als bedeutendes Inventarstück angesehen, denn er erhält seinen Platz in der Mitte des Raumes, direkt vor dem Kanzelaltar[197]Dies kann man einer Darstellung des Kircheninnenraums entnehmen, die Johann Friedrich Walther in seine Darstellung der Geschichte der Garnisonkirche aufgenommen hat. Siehe Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 20 f..

Der Taufstein ist ein großer, sauber ausgehauener Sandsteinblock, der an allen vier Seiten mit bildhauerischen Arbeiten reich verziert ist. Rosengirlanden winden sich an den Kanten aufwärts, Engelchen, die Gesichter von dicken Locken eingerahmt, strecken ihr aufgeplustertes Gefieder einander entgegen und blicken den Betrachter von den Ecken an. Zwischen ihnen präsentieren an den Seiten des Taufsteins vier Bildreliefs Szenen aus dem Leben des Jesus Christus. Auf dem ersten ruft Jesus die von den Jüngern abgewiesenen Kinder zu sich, umarmt und segnet sie und belehrt so die Jünger über die Unvoreingenommenheit der Kinder. Links daneben stellt Jesus ein Kind in die Mitte der Jünger, womit er sie in Demut und Einfalt unterweist, die Voraussetzungen, die es braucht, um in den Himmel zu gelangen. Wiederum links davon und dem ersten Bild genau gegenüber zeigt das dritte inmitten einer umstehenden Schar von Leuten den Heiland, wie er einen besessenen Jungen vom unreinen Geist befreit.  Während diese drei Bilder Darstellungen der Liebe des Heilands geben, ist auf dem vierten seine Taufe im Jordan durch Johannes zu sehen. Voluten mit stilisiertem, üppigem Laub bilden schließlich am unteren Ende den Fuß des Steins. Es ist diese künstlerische Gestaltung, die dem Taufstein eine große Ähnlichkeit zu der von Schlüter geschaffenen Kanzel der nahen Marienkirche verleiht. In ihr liegt der Grund dafür, daß dem Bildhauer auch hier die Urheberschaft zugeschrieben wird[198]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 75 f.[199]Kündiger, Bildwelten und Klangbilder, 2004, Seiten 134 f..

Ein Gemeindewesen entsteht

Der Garnisonprediger Christoph Naumann ist ein sehr reger Hirte der ihm anvertrauten Gemeinde, der seine Aufgabe nicht allein in der Militärseelsorge sieht. Und so ist die Einrichtung und Ausstattung der neuen Kirche nur ein Teil seiner umfangreichen Tätigkeit, die er in den Anfangsjahren des 18. Jahrhunderts entfaltet. Vielmehr ist er um den Aufbau eines umfangreichen Gemeindewesens bemüht, das sich der Wohltätigkeit und der Sorge um die Armen und Schwachen verschreibt.

Weil die gerade erst neu eingerichtete Garnisonschule nur groß genug ist, daß man neben den Schulräumen noch eine Wohnung für einen der beiden Lehrer darin unterbringen kann, das Unterkommen des zweiten Lehrers im Hause des Garnisonpfarrers allerdings von Anfang an nur eine vorübergehende Lösung sein konnte, bemüht sich die Gemeinde um den Erwerb eines weiteren Gebäudes. Man faßt ein Haus ins Auge, das sich in der Straße am Wall nahe der Ecke zur Spandauer Straße und damit ganz in der Nähe des alten Spandauer Tores und der Kirche befindet. Daß es zudem über einen großen Garten verfügt, macht es für die Gemeinde doppelt attraktiv. Die Besitzerin dieser Immobilie, die Jungfer Sophie Dorothea Dieckmann, muß allerdings erst zum Verkauf überredet werden, obwohl man ihr die stolze Summe von 1.520 Talern[200]Georg Goens gibt als Kaufsumme 5.020 Taler an. Das erscheint wenig glaubhaft, zumal ältere Quellen übereinstimmend die 1.520 Taler bezeugen. Insofern ist auch fraglich, ob die von Goens geäußerte Vermutung stimmt, der König habe die Kaufgelder zur Verfügung gestellt. Siehe Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 25 und Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 17. und – wegen darüberhinausgehender fehlender finanzieller Mittel – eine der alten Festungsbaracken anbietet, die bisher von der Schule genutzt wird. Erst das Versprechen, an dieser noch einen Erker anzubauen, überzeugt die Dame, den Handel einzugehen, der am 24. Juni 1705 abgeschlossen wird. In dem erworbenen Gebäude erhält nun der zweite Lehrer endlich seine ersehnte Wohnung. Den Garten kann er allerdings nicht nutzen, denn diesen widmet die Gemeinde in einen Bauplatz um[201]Wilhelm Jakob Wippel: Kurzer Bericht von den Veränderungen, welche die Berlinische Garnisonschule von ihrer Stiftung an, bis auf die jetzige Zeit erlitt. Hiermit ladet zu der 2ten öffentlichen Prüfung, welche mit der Garnisonschule am 29sten Junius 1787, in der Garnisonkirche vorgenommen werden soll, die ehrfurchtwürdigen Patronen, wie auch eine hochverordnete Garnison-Kirchen- und Schulcommission, und alle Freunde und Beförderer der Schule ehrerbietig ein der Rektor W. J. Wippel., Johann Friedrich Unger, Berlin, 1787, Seiten 8 f.[202]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seiten 15 ff..

Man beginnt auch sofort mit den Bauarbeiten und errichtet das erste Hospital für die Garde – ein Krankenhaus für aktive und gleichzeitig ein Siechenhaus für „abgediente“ Soldaten. Die Baukosten schlagen mit 695 Talern, 23 Groschen und 7 Pfennigen zu Buche[203]Johann Friedrich Walther hebt hervor, daß die Gemeinde dafür 100 Taler aus einem ihr im Jahre 1699 von einem unbekannten Wohltäter vermachten Legat entnimmt, dessen Zinsen zur Unterstützung der Garnisonschullehrer verwendet werden sollen. Georg Goens erwähnt dies auch, behauptet jedoch, dies sei zur Finanzierung des Ankaufs des Dieckmannschen Hauses verwendet worden, während die Gemeinde für den Bau des Lazaretts 30 Taler aus der Kirchenkasse dazugegeben habe. Siehe Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 12 und Seite 25 sowie Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 17.. Bei all diesen Ausgaben ist es der Gemeinde mehr als nur willkommen, daß in diesem Jahre der Gouverneur Reichsgraf von Wartensleben sich entschließt, ihr in jedem Monat 10 Taler als wohltätigen Beitrag für die Kirche und die Schule zukommen zu lassen. Bis zu seinem Tode 29 Jahre später kommt er dieser selbst auferlegten Verpflichtung regelmäßig nach[204]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 104 f..

Porträt des Alexander Hermann Reichsgraf von Wartensleben von Antoine Pesne, 1706.
Porträt des Reichsgrafen Alexander Hermann von Wartensleben, 1706, von Antoine Pesne.
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Doch nicht nur die Garnisongemeinde entfaltet in dieser Zeit eine rege Bautätigkeit. Wie bereits erwähnt, entstehen auch entlang der umliegenden Straßen mehr und mehr neue Häuser. Eines davon wird ebenfalls im Jahre 1705 errichtet. Rechts neben der Garnisonkirche entsteht, finanziert aus königlichen Geldern, ein neues Gebäude für das Festungsbaukommissariat, das im Zuge des Ausbaus der Straße entlang des Walls sein bisheriges Dienstgebäude verloren hatte[205]Johann Friedrich Walther beschreibt dies rückblickend im Zusammenhang mit einem Ereignis des Jahres 1720, wobei er das Haus als dasjenige des Obersts Caspar Otto von Glasenapp erwähnt. C. Brecht weist in seiner Beschreibung jenes Ereignisses darauf hin, daß es sich bei diesem Haus um das ehemalige Baukommissariatshaus handelt. Siehe Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 84 und Brecht, Die Garnison-Kirche, 1872, Seite 7..

Weil das Leben nun einmal endlich ist, benötigt jede Gemeinde einen Begräbnisplatz, um ihre Dahingegangenen bestatten zu können. Das ist auch in der Garnisongemeinde nicht anders. In ihren Anfangsjahren hatte sie dafür den Friedhof des Heilig-Geist-Hospitals mitgenutzt, doch ist sie in der Zwischenzeit derart stark angewachsen, daß dies nun nicht mehr möglich ist. Aus diesem Grunde erwirbt König Friedrich I. im Jahre 1706 einen bereits existierenden Begräbnisplatz an der Linienstraße und übergibt ihn in das Eigentum der Garnisongemeinde, damit diese ihn als Militärkirchhof nutze[206]Heinz Berg: Vom Diesseits zum Jenseits des Spandauer Tores: Zur Geschichte des Alten Berliner Garnisonfriedhofs, In: Der Alte Berliner Garnisonfriedhof im Spannungsfeld zwischen Scheunenviertel und Monbijou, herausgegeben vom Förderverein Alter Berliner Garnisonfriedhof, 1. Auflage, Haude & Spenersche Verlagsbuchhandlung GmbH, Berlin, 1995, ISBN 3-7759-0399-2.. Den damit geschaffenen Garnisonfriedhof teilt man in zwei Teile. Während ein kleinerer Bereich als Begräbnisstätte für Offiziere hergerichtet wird, bestattet man auf dem größeren Teil verstorbene Unteroffiziere und Soldaten der Mannschaften der Garnison sowie deren Angehörige[207]Dieter Weigert: Garnisongemeinde und Garnisonschule, In: Barbara Kündiger & Dieter Weigert: Der Adler weicht der Sonne nicht – 300 Jahre Berliner Garnisonkirche, 1. Auflage 2004, Berlin Edition in der Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin, ISBN 3-8148-0128-8, Seite 88.. Zusätzlich zu diesem Friedhof entsteht zu jener Zeit in der neuen Garnisonkirche ein kleines Gruftgewölbe, das jedoch nur besonders hochrangigen Militärangehörigen der Garnison vorbehalten bleibt[208]Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 40..

Nicht nur während der Trauerfeiern, auch im regulären Gottesdienst ist eine passende musikalische Untermalung notwendig. Weil das gemietete kleine Positiv stete Kosten verursacht und überdies keine sonderlich große Klangfülle entwickelt, entschließt man sich, ein eigenes kleines Orgelwerk für die Garnisonkirche zu erwerben. Es ist wohl der Berliner Hoforgel- und Instrumentenmacher Christoph Werner, der eine kleine Orgel mit acht Stimmen baut, die über ein einziges Manual gespielt werden können, so daß ein Pedal nicht vonnöten und auch nicht vorhanden ist[209]Ganz gesichert ist die Urheberschaft Werners in Bezug auf die erste eigene Orgel der Garnisonkirche nicht. Die einschlägigen Quellen treffen dazu praktisch keine Aussage. Als Hoforgelbauer, der nachweislich an den Orgeln von St. Marien, St. Nikolai und St. Georg sowie an der Domorgel Reparaturen ausführte, hat er jedoch, wie angenommen werden darf, auch für verschiedene Berliner Kirchen Orgeln gebaut, darunter die Garnisonkirche. Siehe Kündiger, Bildwelten und Klangbilder, 2004, Seite 153.. Das rein mechanische Instrument[210]Man spricht beim Übertragungssystem von den Betätigungselementen des Spieltisches zum Ventilsystem der Orgel von der Traktur, die bei dieser ersten Orgel der Garnisonkirche rein mechanisch funktioniert. wird 1706 auf der östlichen Empore hinter dem Kanzelaltar aufgestellt, also dort, wo bisher das kleine Positiv untergebracht war.[211]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 25 f.[212]Kündiger, Bildwelten und Klangbilder, 2004, Seite 153.. Zunächst muß wieder der Hoboist Dümler an dem Instrument für die Töne sorgen[213]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 26.. Weil man ihm jedoch, aus Schaden klug geworden, die neue Orgel nicht mehr dauerhaft anvertrauen möchte, sieht man sich nach einem Musiker vom Fach um. Noch im selben Jahr hat man Erfolg und stellt den Studiosus Johann Baudringer an, der damit der erste Organist der Garnisonkirche wird. Weil er überdies als außerordentlicher Lehrer an der Garnisonschule unterrichten muß, gibt man ihm noch den Küster zur Seite, dem man ein Monatsgehalt von einem Taler zahlt[214]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 46.[215]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 15..

Daß die Gemeinde nun über eine eigene Kirche verfügt und unter der Regie des Garnisonpredigers Naumann mehr und mehr ein Gemeindewesen aufbaut, führt dazu, daß ihre Mitglieder enger zusammenrücken und sich, wie Georg Goens es nennt, eine „Gemeinschaft des Geistes“ herausbildet. Ausdruck dessen sind nicht nur die außerordentlich gut besuchten Gottesdienste in jener Zeit, was sich unmittelbar an den gesammelten Kollektengeldern ablesen läßt, sondern auch die steigende Attraktivität des Christlichen Abendmahls. Zu Hunderten sollen sich die Soldaten gemeinsam mit ihren Vorgesetzten an jedem Sonntag um den Altar gedrängt haben[216]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 26.. Vielleicht liegt darin der Grund, daß der Kommandant der Grenadiergarde, Generalmajor Daniel von Tettau, sich entschließt, der Garnisonkirche eine silberne Kommunionskanne zu schenken. In das mit zierlicher Vergoldung versehene Gefäß, das seinen Platz auf dem Altartisch findet, sind die Worte eingraviert:

Mein Gott, ich bitt‘ durch Christi Blut,
Mach’s nur mit meinem Ende gut.

Der Gemeinde bleibt der großzügige Spender dieser Gabe allerdings verborgen, denn der Generalmajor verfügt, daß sein Name nicht bekanntgegeben werde[217]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 30..

Im Folgejahr, 1707, erweitert sich – erneut auf eine persönliche Initiative des Garnisonpredigers Naumann – der um die Garnisonkirche entstandene Gemeindecampus um ein Waisenhaus, das auf dem neuen Bauplatz errichtet wird, der aus dem Grundstück des ehemaligen Dieckmannschen Hauses entstanden war. 539 Taler, 19 Groschen und 5 Pfennige kostet der Bau der neuen Heimstatt für dreißig Soldatenwaisen beiderlei Geschlechts, die hier auch mit Essen und Trinken sowie Kleidung versorgt werden. Die Gemeinde stellt eine Waisenmutter an, die sich um die Kinder kümmert und die Mädchen gemeinsam mit anderen Soldatenmädchen im Lesen und Nähen unterrichtet, während die Knaben in der Garnisonschule Bildung erfahren. Auch ein Krankenwärter gehört zum Personal, dessen Aufgabe die Pflege kranker Waisen ist[218]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 26.[219]Wippel: Berlinische Garnisonschule, 1787, Seiten 9 f..

Weil die Soldaten zu dieser Zeit noch immer in der Stadt in Privathäusern wohnen – Kasernen gibt es nach wie vor noch nicht – und daher oft auch Familienväter sind, wächst die Zahl der Soldatenkinder immer weiter an. Schon bald sind es dreihundert Kinder, die in der Garnisonschule unterrichtet werden müssen[220]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 18.. Das erfordert auch eine größere Zahl an Lehrern. So sorgen im Jahr 1707 bereits sechs Personen für die Unterweisung der Kinder: der Rektor, der Kantor, der Organist, zwei außerordentliche Lehrer[221]Damit sind Lehrer gemeint, die keine feste Anstellung besitzen und auch nicht – wie die sogenannten ordentlichen Lehrer – von der Gemeinde eigene Wohnungen erhalten. und die Waisenmutter. Kurz darauf stellt man noch einen weiteren außerordentlichen Lehrer an. Mit der Zahl der Lehrer und der Kinder wächst auch die thematische Breite des erteilten Unterrichts[222]Wippel: Berlinische Garnisonschule, 1787, Seiten 9 f.. Anspruch der Schule ist es nun, begabten Armen die Möglichkeit einer späteren wissenschaftlichen, meist theologischen Laufbahn zu eröffnen[223]Mentzel, Feldprediger als Lehrer, 1987..

Ein Jahr später errichtet man auf dem Bauplatz am Dieckmannschen Hause ein weiteres Lazarettgebäude, das die Soldaten der Grenadiergarde aufnehmen soll. Diese zahlt daher auch die 542 Taler, die der Bau kostet[224]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 26.[225]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 17.. Das Garnisonhospital, wie die Einrichtung auch genannt wird, kann nun gleichzeitig bis zu zwanzig Kranke und Sieche aufnehmen. Geleitet wird es vom Regimentsfeldscher Bechthold, während die unmittelbare Aufsicht über die Kranken einem Krankenwärter zugewiesen ist. Um den Insassen des Hospitals auch eine gute Seelsorge angedeihen zu lassen, wird diese Johann Peter Holthoier übertragen, der zu dieser Zeit noch Studiosus der Theologie ist[226]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 18..

Auf diese Weise sind auf dem Areal, auf dem noch vor kurzer Zeit die beim Festungsbau eingesetzten Pferde weideten, innerhalb nur weniger Jahre erst die Garnisonkirche und dann rings um sie herum ein soziales Gemeindezentrum entstanden, das sich sehen lassen kann. Allein, all das zu unterhalten, kostet Geld, und das nicht unerheblich. Um dieses zur Verfügung zu haben, hat die Garnisongemeinde für ihre Kirchen- und Armenkasse mittlerweile einige Einnahmequellen erschließen können. Da sind zunächst die monatlichen Beiträge, die die Berliner Regimenter – im einzelnen sind das die Grenadier- und die Füsiliergarde sowie das Königliche Leibregiment – ihr zahlen. Für das Jahr 1705 ist belegt, daß die aus zwei Bataillonen bestehende Grenadiergarde 39 Taler und 14 Groschen zahlt, die aus drei Bataillonen bestehende Füsiliergarde 70 Taler gibt und das Leibregiment mit seinen zehn Kompanien 42 Taler und 16 Groschen beisteuert. Und das jeweils monatlich[227]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 28 f.. Weil sich das in den Folgejahren fortsetzt, fließen der Kasse der Gemeinde in jedem Quartal zwischen 450 und 500 Taler zu, die die Regimenter, jeweils abhängig von ihrer Mannstärke, bezahlen[228]Georg Goens gibt die von Johann Friedrich Walther vorgenommene Aufstellung nicht wieder, sondern führt lediglich die auf das Quartal gerechneten Beiträge der Regimenter an. Mit seiner dabei geäußerten Vermutung, daß das Leibregiment „zum 10. Oktober 1707 formirt sein muß“, gerät er allerdings in Konflikt mit Walthers Angaben, der auch für das Leibregiment bereits Beiträge im Jahre 1705 auflistet. Siehe Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 28 f. und Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 19.. Doch das sind nicht die einzigen Einnahmen. Aus verschiedenen Kollekten kommt ebenfalls Geld herein. So bringt im Jahre 1705 der Klingelbeutel allein zwanzig bis dreißig Taler im Monat ein. Weitere vier bis fünf Taler monatlich, in guten Zeiten auch etwas mehr, liefert die Sammlung des Armenbeckens. Am nahegelegenen Spandauer Tor hat man überdies eine Sammelbüchse angebracht, deren Inhalt ebenfalls der Kirchenkasse zugutekommt, was nochmals zwanzig bis dreißig Taler im Monat einbringt. So kommen im Jahr ungefähr 2.500 Taler an Einnahmen zusammen, die der Garnisonprediger Naumann verwaltet[229]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 28 f.[230]Brecht, Die Garnison-Kirche, 1872, Seite 6..

Auch wenn das nach sehr viel Geld klingt, so stehen diesen Einnahmen durch das gut ausgebaute Gemeindewesen aber doch erhebliche Ausgaben gegenüber. Zunächst sind das die Gehälter der Kirchenangestellten, allen voran der Garnisonprediger Naumann, der Feldprediger Krüger, der Prediger im Hospital, Holthoier, und ein Armenprediger, gefolgt vom Rektor der Garnisonschule, dem Kantor, dem Organisten, den drei außerordentlichen Lehrern, der Waisenmutter und dem Krankenwärter im Lazarett. Für die Kinder des Waisenhauses müssen Lebensunterhalt, Bekleidung und Bettwäsche bezahlt werden[231]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 29 f.[232]Brecht, Die Garnison-Kirche, 1872, Seiten 6 f..

Außerdem hat sich eingebürgert, daß die Gemeinde alle zehn Tage ein Almosen an Invaliden und arme Soldatenfrauen und -witwen zu deren Unterstützung zahlt[233]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 30.. Und diese ist dringend notwendig! Zu jener Zeit gibt es in der preußischen Armee nämlich keinen Ehrensold. Um die Höhe der Almosen festzulegen, schätzt man die sonstige Erwerbsfähigkeit der Invaliden ein, was man zur Grundlage nimmt, um zu regeln, wer wieviel bekommt. So erhält ein alter Soldat beispielsweise viereinhalb Groschen. Hat er das Augenlicht eingebüßt oder ist gar bewegungsunfähig, bekommt er das Doppelte. Die Almosen für die Witwen oder oft kinderreichen Soldatenfrauen unterliegen ähnlichen Regeln, die sich vor allem nach der Größe der Familie richten. Weil die Regimentskommandeure kurz darauf beginnen, zu ihrer eigenen Entlastung ihre Untergebenen dieser wohltätigen Einrichtung zuzuweisen, wächst die Zahl der Almosenempfänger in der Folgezeit schnell an. Sind es anfangs etwa 120 Bedürftige, so empfangen nur wenige Jahre später bereits dreihundert die Almosen – Grund genug für den Gouverneur, hier einzugreifen und diese Praxis seiner Kommandeure zu unterbinden[234]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 19..

Auch die Errichtung all der Gebäude, die neben der Kirche zum Gemeindewesen nun dazugehören, schlägt auf der Liste der Ausgaben, die die Gemeinde zu bestreiten hat, zu Buche. Neben dem Ankauf des Dieckmannschen Hauses mit seinem Garten, dem Bau des Waisenhauses und der beiden Hospitalgebäude kommt noch die Errichtung eines Totengräberhäuschens auf dem Garnisonfriedhof hinzu, der darüberhinaus auch noch einen Zaun erhält[235]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 29..

Bei der Finanzierung all dieser Ausgaben ist die Garnisongemeinde auf sich selbst gestellt, was insbesondere auch den gesamten Unterhalt des Garnisonkirchenwesens betrifft[236]Tüsselmann, Die Garnisongemeinde in Berlin, 2010, Seite 320.. Sie steht dabei allerdings stets unter der Direktion des Gouvernements der Stadt[237]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 29.. Der Garnisonprediger Naumann kann als Verwalter der Gemeindekasse daher nicht völlig selbständig über die Verwendung der darin enthaltenen Gelder bestimmen. Das ist allerdings nicht nur von Nachteil, denn im Gouverneur Reichsgraf von Wartensleben hat Naumann, wie Georg Goens feststellt, einen starken Verbündeten, der ihn maßgeblich dabei unterstützt, all die wohltätigen Einrichtungen zu unterhalten. Und so ist dessen „Beharrlichkeit im Bitten“ für die Gemeinde ebenso essentiell wie „die Güte des Königs im Gewähren“[238]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 17..

Dennoch bleibt die Finanzierung des Gemeindewesens kein leichtes Unterfangen, was dazu führt, daß man bei der Geldbeschaffung mitunter recht kreativ wird. So schlägt man den Torzoll, den zu später Stunde am Spandauer Tor eintreffende Passanten zu zahlen haben, der Kirchenkasse zu. Auch werden Strafgelder, die Soldaten für diverse begangene militärische Unarten zu entrichten haben, an die Kirche gegeben. Man sammelt Geld auf Hochzeiten und beginnt, die Obst- und Kuchenfrauen, die ihren Platz am Spandauer Tor haben, für diesen zu besteuern[239]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 20..

Und weil das immer noch nicht reicht, werden – insbesondere für die Baukosten – auch Kredite aufgenommen. Ab dem Jahr 1708 beginnt man sogar damit, Teilflächen des Garnisonfriedhofs, die noch nicht belegt sind, zunächst zu verpachten und später gar zu verkaufen[240]Berg, Geschichte der evangelischen Garnisongemeinde, 1995.. Zwar sind dies durchaus ernst zu nehmende Schwierigkeiten, letzten Endes aber doch nur Stolpersteine auf einem insgesamt recht erfolgreichen Weg, den die Gemeinde und ihr Garnisonprediger Naumann, gefördert[241]Duntze, Kriegsleute, 2004, Seite 10. von Generalmajor Ernst Ludwig von Hacke[242]In älteren Quellen ist er stets unter dem Namen von Haake zu finden. Siehe beispielsweise Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 27., dem Kommandanten Berlins, und Gouverneur Reichsgraf von Wartensleben, in dieser Zeit einschlagen.

Plan des Heilig-Geist-Viertels 1720.
Plan des Heilig-Geist-Viertels im Jahr 1720 von Johann Friedrich Walther.
Quelle: Georg Goens, Geschichte der Königlichen Berlinischen Garnisonkirche, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Königliche Hofbuchhandlung, Berlin, 1897, Seite 16 in Reproduktion der entsprechenden Abbildung in Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 50 f.
Bearbeitet: Alexander Glintschert.
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Aus dem Gemeindeleben

1708 ist das Jahr, in dem der Organist Johann Baudringer nach nur zwei Jahren die Gemeinde verläßt und nach Perleberg geht, um dort den gleichen Posten anzutreten. Sein Nachfolger ist wieder ein Studiosus, Johann Christoph Koch mit Namen. Auch er betätigt sich nebenbei als außerordentlicher Lehrer an der Garnisonschule[243]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 46..

Im selben Jahr fügt der Kommandant der Grenadiergarde, Generalmajor Daniel von Tettau, seinem ersten Geschenk an die Kirche ein zweites hinzu. Ein Paar großer, silberner Altarleuchter, besonders zierlich gefertigt, können von der Gemeinde vor dem Altar aufgestellt werden, wiederum ohne daß sie erfährt, wer der edle Spender ist[244]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 30 f.[245]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 26.. Dies gelangt erst im Jahr darauf zu ihrer Kenntnis, nachdem der Generalmajor, der im Auftrag des Königs mit 8.000 preußischen Soldaten am Spanischen Erbfolgekrieg teilnimmt[246]Daß Preußen sich an diesem Krieg überhaupt beteiligt, geht auf ein Zugeständnis zurück, das Friedrich I. dem Kaiser hatte machen müssen, damit dieser seiner Krönung zum König in Preußen seine Zustimmung erteilte. Siehe A. Heinze: Ruhestätten, 1886, Seite 234., in der Schlacht von Malplaquet am 11. September 1709 zu Tode kommt und über einen Monat später, am 17. Oktober, im Gewölbe der Garnisonkirche beigesetzt wird. Es ist eine der ersten Beisetzungen in der Kirche, und von Tettau, der an sechzehn Schlachten teilgenommen hatte, ist der erste in der Kirche bestattete General überhaupt[247]Weigert: Garnisongemeinde und Garnisonschule, 2004, Seite 90[248]Berg, Geschichte der evangelischen Garnisongemeinde, 1995.. Der mit rotem Scharlach überzogene, mit goldenen Tressen reich besetzte und mit vergoldeten Beschlägen versehene Sarg wird in einem abendlichen, prächtigen Leichenzug zur Kirche gebracht, wo die Gemeinde bereits zur Trauerfeier versammelt ist. Der königliche Kapellmeister Stricker hat zu diesem Anlaß eigens eine Trauermusik komponiert, deren Aufführung durch die königliche Hofkapelle er höchstpersönlich leitet. Unter dem Geläut der Kirchenglocken der Stadt und mit Salutschüssen aus neun Kanonen wird der Generalmajor beigesetzt. Am Sonntag darauf hält der Garnisonprediger Naumann in der Garnisonkirche die Leichenpredigt[249]Johann Friedrich Walther hat den Leichenzug und die anschließende Trauerfeier eindrücklich und ausführlich beschrieben. Siehe Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 32 ff..

Die Brüder des Generalmajors errichten dem Dahingeschiedenen in der Kirche ein eigenes Epitaph, das links vom Kanzelaltar plaziert wird. Ein großer, gänzlich vergoldeter Stein trägt in schwarzen, eingehauenen Buchstaben die folgende Gedächtnisinschrift:

Der Hochwohlgebohrne
Herr Daniel von Tettau,

Sr. Königl. Majestät in Preussen würcklicher Cammer Herr, General-Major bey der Infanterie und Obrister über Dero Leib-Guarde Grenadiers. Erb-Herr auf Sommerfeld, Gloschenen. Ist 1670, den 6. April in Königsberg in Preussen gebohren, hat in steten Krieges-Diensten gestanden, und nach rühmlichst abgelegten Sechzehen Feld-Zügen in der Sieg-reichen zwischen Mons und Bavai am 11. Sept. 1709, befochtenen Bataille von einem, am rechten Arm empfangenen Flinten-Schuß, der ihm die Brand-Ader zerrissen, sogleich den Geist selig aufgegeben. Sein Körper wurde anhero geführet, und selbiges Jahr den 17. Octobr. in Begleitung Königl. und Hochfürstlicher Abgesandten, unter Abfeuerung Neun Canonen und dreymaliger Salve der Königl. Leib-Guarde Grenadiers, allhier beygesetzt.

Auf der einen Seite dieser Inschrift ist eine Darstellung von Chronos, der Zeit, zu sehen, während die andere eine Abbildung des Mars zeigt, beide gemalt vom Direktor der Preußischen Akademie der Künste, Samuel Theodor Gericke[250]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 34 f..

Dieses Epitaph bleibt nicht das einzige. Im ersten Jahrzehnt nach der Errichtung der Garnisonkirche gibt es immer wieder einzelne Beisetzungen in der Kirche[251]Dieter Weigert: Märker in den Grüften, In: Barbara Kündiger & Dieter Weigert: Der Adler weicht der Sonne nicht – 300 Jahre Berliner Garnisonkirche, 1. Auflage 2004, Berlin Edition in der Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin, ISBN 3-8148-0128-8, Seite 172.. So ist beispielsweise auch ein Epitaph für einen Hauptmann Ebel und seine Ehefrau belegt[252]Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 606..

Ein Jahr nach dem Weggang Baudringers hat die Gemeinde einen weiteren Abgang zu verkraften. Heinrich Krüger verläßt Berlin ebenfalls. Schon bisher war er, der als Feldprediger stets die Berliner Regimenter hatte begleiten müssen, wenn diese in Einsätze geschickt wurden, mehr unterwegs als in der Stadt gewesen. Nun geht er für immer und nimmt eine Stelle als Superintendent in Templin in der Uckermark an, wo er 1744 auch verstirbt. Seine Aufgaben übernimmt der in diesem Jahr offiziell als Hospital- und Armenprediger angestellte Johann Peter Holthoier[253]Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 613.[254]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 20., denn die Stelle des zweiten Garnisonpredigers wird nicht neu besetzt[255]Diese Schlußfolgerung geht indirekt aus den Angaben bei Georg Gottfried Küster hervor. Dieser gibt an einer Stelle an, daß zum Nachfolger des 1709 abgehenden Krügers als zweiter Garnisonprediger Lampertus Gedicke berufen wurde. An anderer Stelle datiert er dessen Berufung auf das Jahr 1713. In der Zwischenzeit hat es also keinen zweiten Garnisonprediger gegeben. Siehe Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 613 und Seite 614..

Im Jahr 1711 legt der König das „Militair-Consistorial-Reglement“ fest, das die Aufgaben und Befugnisse des Militär- beziehungsweise Kriegskonsistoriums festschreibt, und bekräftigt dabei die Regelung, daß diesem alle Feld- und Garnisonprediger unterstehen[256]Falk, Holtz, Alte Berliner Garnisonkirche, 1995..

Die Orgel soll der Kirche würdig sein

Im Jahr darauf verläßt der Organist Johann Christoph Koch die Gemeinde und geht – wie schon sein Vorgänger – nach Perleberg. So entgeht ihm eine Neuerung in der Garnisonkirche, die ihm als Organisten besonders zugutegekommen wäre und nun seinem Nachfolger Johann Martin Weiß zuteil wird[257]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 46..

In den Jahren seit der Einweihung der Garnisonkirche ist die Gemeinde wieder ein gutes Stück angewachsen. So erweist sich die kleine Orgel, die man erst vor wenigen Jahren in das Gotteshaus hatte einbauen lassen, schon bald wieder als zu klein, um bei voller Kirche einen guten, raumfüllenden Klang zu gewährleisten. So entsteht in der Gemeinde der Wunsch nach einem größeren Instrument. Diesen teilt auch der Berliner Stadtkommandant, Generalmajor Ernst Ludwig von Hacke, und so verwendet er sich beim König für dieses Ansinnen. Und tatsächlich gelingt es ihm, die Gunst des Monarchen zu gewinnen, der daraufhin im Jahre 1712 eine neue Orgel in Auftrag gibt[258]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 27..

Als es um die Frage geht, welchem Orgelbauer die Aufgabe zugehen soll, fällt die Wahl des Königs auf den jungen Johann Michael Martin Röder aus Hamburg, einen Schüler Arp Schnitgers, der einer der berühmtesten Orgelbauer seiner Zeit ist[259]Kündiger, Bildwelten und Klangbilder, 2004, Seiten 153 f.. Die Verhandlungen mit Röder obliegen dem Stadtkommandanten. Einigkeit über die Modalitäten herzustellen, fällt ihm höchstwahrscheinlich nicht sonderlich schwer, denn Röder steht zu dieser Zeit noch am Anfang seiner Karriere und will sich als junger Orgelbauer, der gerade versucht, sich in Berlin selbständig zu machen, empfehlen. So verlangt er für sein Werk einen vergleichsweise niedrigen Preis, und das Gouvernement der Stadt schließt kurz darauf mit ihm einen Vertrag. Die Kosten von 600 Talern können vollständig aus Spenden der Offiziere der Grenadier- und der Füsiliergarde sowie aus Strafgeldern der Armee finanziert werden[260]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 27.[261]Brecht, Die Garnison-Kirche, 1872, Seite 6..

Röder beginnt noch im selben Jahr mit dem Bau, bei dem er ein beeindruckendes Tempo vorlegt, denn bereits im Folgejahr 1713 ist das große Instrument fertiggestellt. Und es kann sich wahrlich sehen lassen! In ihren Proportionen exakt auf die Größe der Kirche und deren Innenraums abgestimmt, verfügt die Orgel zwar nur über zwei Manuale und ein Pedal, auf die sich insgesamt 23 klingende Stimmen verteilen[262]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 27., doch das wahrlich Aufsehenerregende ist zu jener Zeit der prächtige Orgelprospekt – die Vorder- beziehungsweise Schauseite des Instruments. Mit deren aufwendiger Gestaltung betritt Röder Neuland. Etwas Derartiges hatte man bisher noch nicht gesehen. Die Orgelpfeifen gliedern sich vertikal in fünf Türme, die vollkommen symmetrisch angeordnet sind. Um sie herum gruppiert sich ein üppiges Ensemble verschiedenster Figuren, die beim Spiel des Instruments buchstäblich in Bewegung geraten – sehr zum Vergnügen der Gottesdienstbesucher. Zwei Engel schlagen auf kupferne Pauken ein, während vier weitere Glocken in den Händen halten, die sie beim Orgelspiel mit Hämmerchen anschlagen und so den Akkord g h d g erklingen lassen. Einige kleinere Orgelpfeifen sind so angeordnet, daß sie die Strahlen zweier Sonnen bilden. Je 300 weitere Pfeifen bilden zwei große Adlerfiguren. Dazu gibt es zwei Engelsfiguren mit Ordenssternen, die, sobald die Orgel ihre gewaltigen Töne erklingen läßt, beginnen hin- und herzulaufen, wobei sie die Ordenssterne sich drehen lassen. Ergänzt wird dieses Figurenensemble durch reichhaltiges schmückendes Beiwerk aus Ornamenten, Rankenwerk und Akanthuslaub. Und weil es sich um die Orgel einer Militärkirche handelt, verzichtet Röder auch nicht auf militärische Staffage. Überall sind Fahnen, Lanzen und Streitäxte zu sehen, und natürlich tragen einige der Engel auch Helme mit Federbusch. All dies dient der Feier des preußischen Königtums. Um das gebührend zu unterstreichen, sind am Orgelprospekt auch die Insignien des von Friedrich I. noch als Kurfürst Friedrich III. gestifteten Ordens vom Schwarzen Adler zu finden – der Ordensstern mit der Ordenskette, gehalten von den Engeln und Adlern. Diverse Kronen und ein Schild mit dem preußischen Adler darauf weisen ebenso auf das Königshaus hin wie zwei große Kartuschen mit den Initialen des Monarchen[263]Carl Freiherr von Ledebur: Tonkünstler-Lexicon Berlin’s von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart, Verlag von Ludwig Rauh, Berlin, 1861, Seiten 60 f.[264]Kündiger, Bildwelten und Klangbilder, 2004, Seiten 154 ff..

Als die Orgel fertiggestellt ist und eingeweiht wird, sind diese Initialen jedoch nicht mehr die von Friedrich I. Denn dieser hat das von ihm in Auftrag gegebene Instrument nicht mehr hören können, ist er doch am 25. Februar 1713 verstorben[265]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 49.. Und so findet die Einweihung der neuen Orgel in Anwesenheit seines Nachfolgers statt – König Friedrich Wilhelm I., dessen Initialen auf den Kartuschen an der Orgel angebracht sind[266]Kündiger, Bildwelten und Klangbilder, 2004, Seiten 153 f.. Der Herrscher Preußens bekommt das Spiel eines Instruments zu hören, dessen Klang von den Zeitgenossen gemeinhin als ausgezeichnet bewertet wird[267]Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 39., während sie das Instrument als Meisterwerk preisen[268]Schwipps, Garnisonkirchen Berlin und Potsdam, 1964.. Sein Erbauer Johann Michael Martin Röder wird bis 1720 noch zwei andere Orgeln für Berliner Kirchen schaffen. Die eine ist die für die alte Schloß- und Domkirche, mit der sie aber bereits 1747 wieder abgerissen werden wird. Die andere ist das Instrument in der Dorotheenstädtischen Kirche, das im 19. Jahrhundert an die Stadtkirche Wesenberg bei Neustrelitz verkauft werden und sich dort – als wohl einziges Werk Röders – bis zum heutigen Tag erhalten wird[269]Wolfgang Hanke: Die Erben Johann Sebastian Bachs, Neue Zeit, Jahrgang 43, Ausgabe 167 vom 18. Juli 1987, Seite 4. Der verlinkte Artikel ist nur mit einem Account beim ZEFYS Zeitungsinformationssystem der Staatsbibliothek zu Berlin erreichbar..

Zuviel Geld! Zu hohe Kosten!

Als 1712 der Hospital- und Armenprediger Johann Peter Holthoier stirbt, besetzt man seine Stelle nicht neu. Statt dessen beschließt man, die Stelle des zweiten Garnisonpredigers, deren Aufgaben Holthoier seit dem Weggang Heinrich Krügers ebenfalls wahrgenommen hatte, wieder einzuführen, was im Jahr darauf auch geschieht, als man Lampertus Gedicke zum zweiten Garnisonprediger beruft[270]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 39 f.[271]Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seiten 613 f.. Der am 6. Januar 1683 geborene Gedicke stammte aus Gardelegen in der Altmark[272]Der Vater Lampertus Gedickes war Christian Gedicke, der, in Fürstenwalde geboren, dort zunächst als Rektor und Subdiakon tätig war und später in Gardelegen Superintendent wurde. Seine Mutter war eine geborene Lampert. Siehe Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 613., hatte bis 1701 das Friedrichwerdersche Gymnasium in Berlin besucht[273]Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 613. und anschließend in Halle Theologie studiert. An der Hallenser Universität machte er die Bekanntschaft des Theologieprofessors August Hermann Francke[274]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 41., der gemeinsam mit dem Konsistorialrat und Propst der Berliner Nikolaikirche, Philipp Jakob Spener, den Pietismus[275]Der Pietismus ist eine Reformbewegung, die im 17. und 18. Jahrhundert die evangelische Kirche stark prägte und bis heute wirkt. Weitergehende Informationen dazu finden sich beispielsweise in Stefanie Pfister & Matthias Roser: Pietismus, In: WiReLex – Das Wissenschaftlich-Religionspädagogische Lexikon im Internet, Februar 2017, abgerufen am 30. Januar 2021. begründete[276]Weigert, Miles Perpetuus, 2004, Seite 28.. Nach einer Tätigkeit als Hofmeister im Hause des Freiherrn Kurt Hildebrand von Loeben[277]Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 614. war Gedicke ab 1709 als Feldprediger in dessen Garderegiment tätig[278]Weigert: Berliner Feldprediger, 2004, Seiten 57 f., was noch im selben Jahr zu seiner ersten Teilnahme an einem Feldzug führte – im Rahmen des Spanischen Erbfolgekrieges gelangte er auf diese Weise unter anderem nach Brabant[279]Lothar Noack & Jürgen Splett: Gedicke, Lampert, In: Bio-Bibliographien – Brandenburgische Gelehrte der Frühen Neuzeit, Berlin-Cölln 1688-1713, Akademie-Verlag GmbH, Berlin, 2000, Seite 168.[280]Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 614.. Als Gedicke 1713 die Stelle als zweiter Garnisonprediger an der Berliner Garnisonkirche übernimmt, bleibt er jedoch weiterhin auch Feldprediger, nun jedoch im Infanterieregiment Nummer 1, das zu jener Zeit die bedeutendste militärische Einheit der Berliner Garnison ist und unter dem Kommando von Generalfeldmarschall Alexander Hermann Reichsgraf von Wartensleben steht, dem Gouverneur von Berlin[281]Daher wird das Regiment zu jener Zeit auch als Wartenslebensches Regiment zu Fuß bezeichnet. Siehe Weigert: Berliner Feldprediger, 2004, Seiten 57 f. und Noack & Splett: Gedicke, Lampert, 2000, Seite 169..

Porträt Friedrich Wilhelms I. von Preußen um 1720.
Porträt Friedrich Wilhelms I. von Preußen, um 1720 von Jacob Gole.
Quelle: Rijksmuseum Amsterdam via Wikimedia Commons.
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Die Berufung Gedickes geht mit dem Machtantritt König Friedrich Wilhelms I. einher, der nach dem Tode Friedrichs I. am Jahresanfang 1713 den Thron besteigt. Dieser Wechsel bringt für die Garnisongemeinde einschneidende Veränderungen mit sich, denn daß sie mit Friedrich I. den mächtigsten und wohlwollendsten Förderer ihres wohltätigen Werkes verloren hat, bekommt sie noch im selben Jahr zu spüren. Der neue König ist nicht gewillt, weiterhin Geld für soziale Einrichtungen auszugeben, deren Tätigkeit seiner Ansicht nach genauso gut andere, städtische Institutionen übernehmen können. Und so veranlaßt er Maßnahmen, in deren Folge das Ensemble sozialer und karitativer Einrichtungen, das die Gemeinde unter ihrem Garnisonprediger Naumann in den letzten Jahren so hingebungsvoll aufgebaut hatte, nahezu vollständig zusammenbricht. Das Hospital wird in ein Lazarett umgewandelt, das aber nicht mehr unter der Verwaltung der Gemeinde steht. Die Invaliden und Witwen, die von der Gemeinde ihre Almosen bezogen hatten, weist man kurzerhand an die städtische Armenpflege. Auch das Waisenhaus besteht in der bisherigen Form nicht mehr weiter. Die darin betreuten Kinder werden auf direkten Befehl des Königs in das Große Friedrichshospital gebracht, die Einrichtung selbst gliedert man dem Lazarett an, wodurch sie ebenfalls der Zuständigkeit der Gemeinde entzogen wird[282]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 50.[283]Kündiger: Die neue Kirche, 2004, Seite 82.. Die Garnisonschule entgeht letztlich zwar dem Schicksal der Auflösung, verliert aber einen Großteil ihres Personals. Lediglich zwei Lehrer behalten ihre Anstellung, die weiterhin vom Organisten der Kirche unterstützt werden. Die Zahl der unterrichteten Kinder wird – nicht zuletzt durch die Schließung des Waisenhauses – drastisch verkleinert und der Umfang des gelehrten Wissens stark reduziert[284]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seiten 24 f.. Entsprechend diesen Streichungen entziehen die Regimenter der Berliner Garnison der Gemeinde auch ihre Beiträge, die sie bisher für den Unterhalt all dieser sozial-karitativen Einrichtungen geleistet hatten. Beginnend 1714, reduzieren sie sie von Jahr zu Jahr, bis sie nach 1716 gar nichts mehr zahlen[285]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 20..

Für den Garnisonprediger Naumann sind die königliche Entscheidung und deren sofort beginnende Umsetzung ein herber Schlag. Daß das maßgeblich durch seine Initiative und Tatkraft entstandene Gemeindewesen vom König so abrupt zerschlagen wird, trifft ihn schwer. Georg Goens schreibt:

Daß Naumann, der 13 Jahre sein Herzblut an die Sache gesetzt hatte, den Ruin eines großen Theiles seiner Arbeit nicht mit ansehen konnte, ist nicht zu verwundern; er erbat seinen Abschied und wurde bereits zum 1. Mai desselben Jahres [gemeint ist 1713 – Anmerkung des Autors] zum Superintendenten zu Strasburg in der Uckermark ernannt[286]In Strasburg bleibt er bis zu seinem Lebensende. 1725 wird er von seinem Posten emeritiert und verstirbt am 28. Februar 1726. Siehe Falk, Holtz, Alte Berliner Garnisonkirche, 1995.. Auch seinem getreuen Mitarbeiter, dem Kommandanten Ernst Ludwig v. Hacke, der ihm so manches Mal die Rechnung nachgerechnet und mit ihm Raths gepflogen, wie das Defizit zu decken, – der aber auch mit ihm wird gebetet und gedankt haben – auch dem ist es erspart geblieben, das zu zerbrechen, was er gebaut hatte: Gott selber hat ihm die Augen zugedrückt, er leistete mit Naumann zusammen die letzte Unterschrift und ist bald darauf gestorben.[287]Zitiert aus Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 21.

Von Hacke segnet noch im selben Jahr, 1713, das Zeitliche[288]Duntze, Kriegsleute, 2004, Seite 10.. Den Niedergang des karitativen Gemeindewesens muß somit der Nachfolger Naumanns im Amte des Garnisonpredigers, der aus Wolmirstädt stammende Jakob Baumgarten, begleiten[289]Baumgarten wurde am 30. August 1668 in Wolmirstädt geboren. Nach einem Studium an der Leipziger Universität wirkte er von 1697 bis 1701 als Inspektor des Pädagogiums in Halle und wurde anschließend Prediger in seiner Geburtsstadt, von wo er schließlich 1713 nach Berlin kam. Siehe Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 613 und Falk, Holtz, Alte Berliner Garnisonkirche, 1995.. Ebenfalls 1713 erscheint die dritte Auflage des Gesangbuchs von Johann Porst, Propst zu St. Nicolai, die als erste Veröffentlichung dieses Werkes unter seinem Namen herausgegeben wird[290]l. u.: Porst, Johann, In: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 26, 1888, Seiten 444-445 – Online-Version, Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 19. Januar 2021.. Und sie bereitet dem ehemaligen Garnisonprediger Christoph Naumann einen weiteren Rückschlag, denn das Porstsche Werk löst alsbald dessen Militärgesangbuch in der Gemeinde ab. Die noch vorhandenen Exemplare verkauft diese, der Erlös von 270 Talern kommt der Kirchenkasse zugute[291]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 31 f.[292]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 39..

Eine Kirche macht Karriere

Dem neuen Garnisonprediger Jakob Baumgarten gelingt es kaum, allzu viele bedeutende Einträge im Buch der Geschichte der Berliner Garnisonkirche und ihrer Gemeinde zu hinterlassen. Der einzige nennenswerte steht gleich am Anfang seiner Zeit als Berliner Garnisonprediger. Schon bei seiner Einführung in das Amt lehnt er es ab, den sogenannten Chorrock – ein weißes Chorhemd beziehungsweise Übergewand der Pfarrer jener Zeit – zu tragen. Er bleibt standhaft und erreicht tatsächlich, daß auf diese Tradition in der Garnisonkirche künftig verzichtet wird – ganz im Gegensatz beispielsweise zur nahen Marienkirche. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger kümmert er sich allerdings nur wenig um die Verwaltungsangelegenheiten der Kirchengemeinde und der Garnisonschule[293]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 40.[294]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 21.. Zwei Jahre nach seinem Amtsantritt bittet er um einen Assistenten – aus gesundheitlichen Gründen. Man entspricht seiner Bitte, und kurz vor Ostern des Jahres 1715 tritt Johann Hermann Homann die Stelle als Adjunkt des Garnisonpredigers an, in der er diesen auch bei Predigten vertritt[295]Homann wurde am 24. Juli 1685 in Magdeburg geboren. Sein Vater, Johann Homann, war zunächst als Lehrer an der Schule zu Magdeburg beschäftigt, später Subrektor des Gymnasiums in Köln und schließlich Prediger in Blankenburg in der Uckermark. Seine Mutter war Margaretha Veronica Olmerloh. Siehe Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 613..

Auf den zweiten Garnisonprediger, Lampertus Gedicke, kann Baumgarten in dieser Zeit nicht zurückgreifen, da dieser in seiner Position als Feldprediger beim Infanterieregiment Nummer 1 im Jahr 1715 am Pommerschen Feldzug des Großen Nordischen Krieges teilnimmt. Bei der Belagerung Stralsunds, der sogenannten Stralsunder Kampagne, gelingt es ihm, mit seinem Können als Prediger hervorzutreten und ein engeres Verhältnis zum Generalfeldmarschall Reichsgraf von Wartensleben aufzubauen, dem er dabei hilft, den Verlust seines ältesten Sohnes aus zweiter Ehe zu verkraften, der ein Opfer der Kampfhandlungen wird[296]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seiten 21 f..

Während Gedicke nach der Rückkehr aus dem Feldzug Anna Barbara Ohmen von Januschofsky ehelicht[297]Georg Goens weiß zu berichten, daß Anna Barbara Ohmen von Januschofsky eine ungarische Magnatentochter ist, die wegen ihres Glaubens nach Halle geflüchtet war, wo sie Gedicke kennenlernte. Siehe Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 41., tritt Reichsgraf von Wartensleben, der nach wie vor Gouverneur von Berlin ist, von allen nicht unbedingt nötigen Geschäften zurück, um fortan die Leitung der ökonomischen Angelegenheiten von Kirche und Gemeinde persönlich zu übernehmen. Offenbar war die Lücke, die Christoph Naumann hier hinterlassen hatte, doch zu groß. Tatkräftig unterstützt wird er dabei von seinem Adjutanten Jacob Lange[298]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 24.. Nach dem für Preußen erfolgreichen Ende des Pommerschen Feldzuges erweitert man die Berliner Garnison um zwei Regimenter. Weil jedes Regiment über seinen eigenen Feldprediger verfügt, der auch in Friedenszeiten, wenn die Soldaten in der Garnison sind, seinen Schützlingen predigen soll, überläßt man den Feldpredigern den Gottesdienst am Sonntagnachmittag, den sie in der Garnisonkirche nun abwechselnd übernehmen[299]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 41..

Der alte Johann Lehmann, der der Gemeinde nun schon im 37. Jahr als Küster dient, erleidet 1715 einen Schlaganfall, der es erforderlich macht, ihm ebenfalls einen Assistenten an die Seite zu geben. Der dafür eingestellte Johann Schütze kann ihm jedoch nicht allzu lange unter die Arme greifen, denn er muß diese Welt bereits im Jahr darauf für immer verlassen. Ihm folgt, so verzeichnen es die Kirchenbücher, Johann Christoph Carl als Assistent Lehmanns[300]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 47.. Überhaupt ist das Jahr 1716 für die Gemeinde, was ihr Personal angeht, recht verlustreich, denn Schütze bleibt nicht der einzige, der sie aus dem Leben scheidend verlassen muß. Am 20. Januar erliegt der Assistent BaumgartensJohann Hermann Homann, einem heftigen Fieber[301]Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 613.. Und im Oktober segnet auch der Organist Johann Martin Weiß das Zeitliche. Ihm folgt am 16. November der schon als erster Chronist der Garnisonkirche erwähnte, gerade einmal 21 Jahre alte Johann Friedrich Walther im Amt des Organisten[302]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 46.. Und dieser ist sozusagen ein Kind der Gemeinde. Am 14. Juni 1695 hatte er in Berlin als Sohn von Andreas Walther und Ursula Walther, geborene Zimmermann, das Licht dieser Welt erblickt[303]Georg Gottfried Küster (Hrsg.): Des Alten und Neuen Berlin Vierdte Abtheilung, Auctor, Berlin, 1769, Seite 478. und war später an der Garnisonschule erzogen worden. Sein Vater hatte dort eine Stellung als ordentlicher Lehrer innegehabt, war jedoch bereits 1702 verstorben, als der kleine Johann Friedrich gerade einmal sieben Jahre alt war. An eben dieser Garnisonschule ist er nun auch als dritter Lehrer tätig[304]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Vorrede, § XII.[305]Dieter Weigert: Im Namen Gottes?, In: Barbara Kündiger & Dieter Weigert: Der Adler weicht der Sonne nicht – 300 Jahre Berliner Garnisonkirche, 1. Auflage 2004, Berlin Edition in der Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin, ISBN 3-8148-0128-8, Seite 71..

Im Jahr darauf, 1717, gibt Jakob Baumgarten die Stelle als Garnisonprediger auf und wechselt ins zivile Leben, indem er die Gelegenheit wahrnimmt, Prediger bei der protestantischen Gemeinde des Friedrichswerders und der Dorotheenstadt zu werden. Seine Wirkungsstätte ist nun die Friedrichswerdersche Kirche, an der er die zweite lutherische Pfarrerstelle übernimmt. Vier Jahre später wird er emeritiert und verstirbt am 29. Juni 1722 in Berlin[306]Falk, Holtz, Alte Berliner Garnisonkirche, 1995..

Hatte man nach den Maßnahmen, mit denen König Friedrich Wilhelm I. gleich nach seinem Machtantritt das sozial-karitative Gemeindewesen an der Garnisonkirche zerschlug, vielleicht annehmen können, daß ihm, den man später auch den Soldatenkönig nennen wird, die Gemeinde im Gegensatz zu seinem Vorgänger nicht sonderlich wichtig ist, so kommt es 1717 zu einer bedeutenden Veränderung, die dazu führt, daß die Gemeinde unter seiner Herrschaft einen bedeutenden Aufschwung erlebt. In diesem Jahr trennt der König die Feldpredigerstellen endgültig von der kirchlichen Verfassung des Landes ab. Hatten sie bereits seit 1692 dem Kriegskonsistorium als oberster militärkirchlicher Behörde unterstanden und waren so aus den zivilen Kirchenstrukturen herausgelöst worden, so werden sie nun in einem eigenen System zusammengefaßt. Militärisch unterstehen sie weiterhin dem Gouverneur oder jeweiligen Regimentschef, doch nun bekommen sie auch einen geistlichen Vorgesetzten. Dafür wird vom König eigens ein neues Amt geschaffen – das des Feldpropstes. Und dessen Stellung ist bedeutend. Nicht nur, daß er Sitz und Stimme im Kriegskonsistorium innehat, er ist als Superintendent der gesamten preußischen Militärgeistlichkeit schlichtweg deren höchstrangige Persönlichkeit. Ihm unterstehen alle Feld- und Garnisonprediger des Landes. Faktisch ist er den beiden anderen, zivilen Pröpsten der Residenz – Johann Porst zu St. Nicolai und Johann Gustav Reinbeck zu St. Petri – gleichgestellt. Der König vollendet damit eine Umgestaltung, die sein Vorgänger, Friedrich I., mit dem 1711 eingeführten „Militair-Consistorial-Reglement“ bereits begonnen hatte. In diesem wurden die Aufgaben und Rechte des Feldpropstes, den es zu jener Zeit allerdings noch nicht gab, bereits festgelegt[307]Noack & Splett: Gedicke, Lampert, 2000, Seite 170.[308]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 23.[309]Falk, Holtz, Alte Berliner Garnisonkirche, 1995.. Die preußische Militärkirche ist damit nun endgültig eine Institution, die sowohl strukturell als auch organisatorisch von den zivilen Kirchen des Landes vollkommen unabhängig ist[310]Weigert: Berliner Feldprediger, 2004, Seite 53..

In dieser wichtigen Entwicklung in der Geschichte des preußischen Heeres und seiner Militärgeistlichkeit kommt der Berliner Garnisongemeinde eine bedeutende Rolle zu. Denn das neu geschaffene und hochrangige Amt des Feldpropstes überträgt der König niemand anderem als dem Garnisonprediger der Berliner Garnisonkirche, der es nun in Personalunion ausübt[311]Weigert: Berliner Feldprediger, 2004, Seite 53.. Und dieser Garnisonprediger heißt seit diesem Jahr Lampertus Gedicke. Er erhält vom König den Auftrag, das Militärkirchenwesen auszubauen. In der Folge bekommt jedes preußische Regiment einen eigenen Feldprediger, und auch die neu gegründete Kadettenanstalt erhält einen eigenen Geistlichen[312]Duntze, Kriegsleute, 2004, Seite 10.. Und weil Gedicke alsbald dem König recht nahesteht[313]Falk, Holtz, Alte Berliner Garnisonkirche, 1995., kann er als starker Vertreter des Pietismus, dem er seit seiner Zeit in Halle anhängt, maßgeblich dazu beitragen, daß sich diese Strömung der evangelischen Kirche in der preußischen Armee als die dominante durchsetzt – ein Erfolg, den er mit den Generälen Dubislaw Gneomar von Natzmer und Freiherr Kurt Hildebrand von Loeben teilt, die zu jener Zeit die beiden einflußreichsten Pietisten im preußischen Heer und enge Vertraute des Königs sind[314]Weigert: Berliner Feldprediger, 2004, Seiten 55 ff..

Porträt des Lampertus Gedicke, unbekanntes Jahr, vermutlich um 1730.
Porträt des Lampertus Gedicke, unbekanntes Jahr, vermutlich um 1730, von Georg Paul Busch.
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Die Berliner Garnisonkirche, deren Gemeinde am 31. Oktober 1717 wie alle protestantischen Gemeinden den 200. Jahrestag der Reformation begeht, wobei eine eigens dafür komponierte Musik zur Aufführung gelangt[315]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 47 f., ist als nunmehrige Hauskirche des Feldpropstes der preußischen Armee zur wichtigsten Militärkirche des Landes aufgestiegen. Als solche und auch wegen des weiteren Anwachsens der Gemeinde ist sie mittlerweile schon zu klein geworden, so daß man sich mit dem Gedanken zu tragen beginnt, einen Erweiterungsbau errichten zu lassen. Der Gouverneur Alexander Hermann Reichsgraf von Wartensleben richtet 1718 eine entsprechende Eingabe an den König, die von diesem durchaus wohlwollend zur Kenntnis genommen wird. Er beauftragt den Reichsgrafen, einen entsprechenden Plan auszuarbeiten, das dafür notwendige Geld stellt er in Aussicht. Doch zu konkreteren Ergebnissen kommt es in dieser Sache vorerst nicht[316]Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 29..

Im folgenden Jahr 1718 erhält Gedicke als Feldpropst ein weiteres Aufgabenfeld zugeteilt. Wurden die Feldprediger bisher vor dem geistlichen Konsistorium der Stadt examiniert und dann von einem zivilen Propst ordiniert[317]Einen Prediger beziehungsweise Pfarrer zu examinieren und zu ordinieren bezeichnet in der evangelischen Kirche die Prüfung eines Kandidaten für ein Predigeramt und – nach bestandener Examinierung – dessen feierliche Einsetzung in sein Amt. – wobei sich der Propst von St. Nicolai und der von St. Petri meist abwechselten -, erteilt der König jetzt den Befehl, daß die Prüfung der Feldprediger von nun an ausschließlich dem Feldpropst obliege, der dabei allerdings die beiden zivilen Pröpste hinzuziehen kann. Die Ordinierung der frischgebackenen Feldprediger muß, so der König weiter, anschließend vom Feldpropst in der Garnisonkirche vorgenommen werden[318]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 42 f. Bei Johann Friedrich Walther findet sich auch eine Liste aller bis zum Erscheinen seines Werkes an der Garnisonkirche ordinierten Feldprediger. Siehe Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 112 ff.. Bis 1742 findet die Einführung der Kandidaten in ihr neues Amt von nun an grundsätzlich in der Garnisonkirche statt. Rund 280 Feldprediger sollen in dieser Zeit ihre Laufbahn an diesem Ort begonnen haben. Allerdings ist für viele Geistliche das Amt des Feldpredigers nicht sonderlich attraktiv. Das für sie verpflichtende Herumziehen mit den Truppen im Felde ist vielen lästig, und so sehen sie dieses Amt lediglich als eine Durchgangsstelle an, die sie ihrem Ziel, eine Zivilpfarre zu übernehmen, näherbringt. Im Schnitt bleiben auf diese Weise viele Feldprediger gerade einmal sechs Jahre beim Heer. Für den Feldpropst ist das jedoch gar keine so schlechte Situation, denn sie ermöglicht es ihm in der Folgezeit, Einfluß auf die zivilkirchliche Personalpolitik zu erlangen[319]Falk, Holtz, Alte Berliner Garnisonkirche, 1995.. Allerdings – und das ist die Kehrseite der Medaille – bedeutet das für ihn auch jede Menge zusätzlicher Arbeit in Form vieler Prüfungen, die er abzunehmen hat. Daß er selbst neben seiner Doppelfunktion als Feldpropst und Garnisonprediger auch noch Feldprediger beim Infanterieregiment Nummer 1 ist, macht die Sache nicht einfacher[320]Georg Goens spricht in diesem Zusammenhang vom „Wartenslebenschen Kavallerie-Regiment“. Vermutlich ein Irrtum. Tatsächlich war von Wartensleben Kommandeur des Wartenslebenschen Regiments zu Fuß, was nur ein anderer Name für das Infanterieregiment Nummer 1 gewesen ist. Johann Friedrich Walther bestätigt dies. Siehe Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 23 und Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 40..

Im selben Jahr gibt es im unmittelbaren Umfeld der Kirche erneut eine Änderung. Weil man die unter Friedrich I. angelegte Straße, die vom Spandauer Tor zur Spree verläuft und zur Hälfte bereits mit Häusern besetzt ist, nun vollends mit Gebäuden versehen will, muß das alte Stadttor nebst seinem großen Turm weichen. Und so macht man sich an den Abriß der beiden Bauwerke und beginnt mit dem Tor[321]Johann Friedrich Walther und einige sich auf ihn berufende Quellen datieren den Abriß des Tores auf das Jahr 1708. Dies ist allerdings nicht korrekt, wie anderen Quellen zu entnehmen ist. Bei Johann Woltersdorff findet sich beispielsweise die korrekte Angabe 1718. Siehe Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 55 f. und Johann Woltersdorff: Die grosse Macht des Zorns, der Güte und Allmacht Gottes, Bey der am 12. August 1720 von Gott verhängten Zerspringung eines Pulver-Thurms in der Königl. Preußischen Residentz Berlin, augenscheinlich genug erwiesen, und zu eigener, auch anderer, Erbauung aus der Erfahrung selbst, mit möglichstem Fleisse beschrieben von Johann Woltersdorffen, damahligen Cantore der Berlinischen Garnis. Kirche, ietzo Predigern in Kertzlin, In: Umständliche Nachricht, von dem Erschrecklichen Brande in der Königl. Residentz-Stadt Berlin. Durch welchen in der Nacht zwischen dem zweyten und dritten Pfingst-Tage dieses 1730sten Jahres nicht nur der an der St. Petri-Kirchen neuerbaute und bald fertige, aber mit seinem völligen Gerüste noch versehene Hohe Thurm, nachdem der Blitz ihn dreymahl nacheinander gerühret und entzündet hatte, sondern auch die Kirche, das Gymnasium, 2 Prediger- und mehr als 40 andere Häuser, innerhalb 4 Stunden in einen Stein- und Aschen-Hauffen sind verwandelt worden. Nebst einer Beschreibung gedachter Kirchen, Mit verschiedenen Kupffern versehen und herausgegeben von Johann Gustav Reinbeck, Consistorial-Rath, Probst und Inspector. Johann Andreas Rüdiger, Königl. privil. Buchhändler, Berlin 1730, Seite 96.. Als dieses beseitigt ist, werden die Arbeiten allerdings nicht fortgesetzt, und der Turm bleibt stehen. Die Gründe dafür sind nicht völlig klar. Möglicherweise weiß man zu diesem Zeitpunkt einfach nicht wohin mit der in ihm eingelagerten Munition, die hier seit dem ersten Pommerschen Feldzug 1675/76 lagert[322]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 56.. Dieser Umstand soll sich jedoch einige Zeit später als fatal erweisen.

Wallstraße, Walltor, Garnisonschule, Pulverturm und die alte Garnisonkirche von Leopold Ludwig Müller.
Der Pulverturm (links) und die Garnisonkirche (rechts) mit der Garnisonschule um 1718.
Quelle: Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz – SMB-digital, Kupferstichkabinett.
Zeichnung: Leopold Ludwig Müller.
Fotograf: Dietmar Katz.
Bearbeitet: Alexander Glintschert.
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Doch bis dahin gibt es für Garnisonkirche und -gemeinde noch Erfreuliches zu berichten. Am 1. Juli 1718 kann die Kirchenverwaltung vermelden, daß alle Rückstände, die Kirche und Gemeinde aus vergangenen Jahren noch zu verbuchen hatten, nunmehr bezahlt sind. Und mehr noch: es existiert sogar ein Kassenüberschuß, der sich auf 300 Taler beläuft. Dieser wird sogleich bei einem vor dem Stralauer Tor ansässigen holländischen Windmüller angelegt. Die Gemeinde ist damit erstmalig in ihrer gesamten bisherigen Geschichte nicht mehr Schuldnerin, sondern Gläubigerin. Doch diese Geldanlage hält nicht lange. Bereits am 20. April des Folgejahres wird sie wieder aufgelöst, um die hinter der Garnisonkirche gelegenen Predigerhäuser zu erwerben. In diesen Gebäuden, die sich einst die Garnisonprediger Naumann und Krüger hatten errichten lassen, möchte man Wohnungen für den Garnisonprediger und Feldpropst sowie für zwei Feldprediger einrichten. Die Kosten – 2.000 Taler für das eine und 1.500 Taler für das andere Haus – bezahlt man mit Geldern, die man aus verschiedenen Quellen förmlich zusammenkratzt. Zum einen sind das direkte Kirchengelder, die die Gemeinde selbst eingenommen hat, zum anderen löst man besagte Geldanlage beim Windmüller dafür wieder auf. Dazu kommen Strafgelder der Armee, die der Gouverneur von Wartensleben zur Verfügung stellt. Den verbleibenden Rest liefert ein Legat von 300 Talern, das ein Herr von Gundelsheim der Gemeinde vermacht hat. Der Kauf, der für die Gemeinde eine bedeutende Ausgabe darstellt, verfügt sie doch weder über Grundstücke noch andere kapitalbringende Anlagen, wird drei Jahre später vom König bestätigt[323]Über den Kaufpreis dieser Häuser gibt es in den Quellen sehr widersprüchliche Angaben. Johann Friedrich Walther gibt 2.000 und 1.300 Taler an. C. Brecht bestätigt die 2.000 Taler für das erste Haus, beziffert den Kaufpreis des zweiten allerdings auf 1.500 Taler – Angaben, die auch bei Barbara Kündiger zu finden sind. Und Georg Goens wiederum gibt keine Einzelwerte an, sondern spricht lediglich von einem Aufwand von 3.600 Talern. Siehe Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 27 und Brecht, Die Garnison-Kirche, 1872, Seite 6 sowie Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 24 und schließlich Kündiger: Die neue Kirche, 2004, Seite 82..

Ebenfalls 1719 erwirbt der König in der Krausenstraße 47 ein Hintergebäude und stellt dieses den Katholiken der Berliner Garnison zur Verfügung, damit auch sie ihre Religion ausüben können. Dafür übernimmt er sogar das Patronat. Dies ist eine nicht ganz unwichtige Geste, denn obwohl Preußen ein protestantischer Staat ist, gibt es doch eine große Zahl Gläubiger, die der katholisch-christlichen Religion anhängen. Davon ist auch die Berliner Garnison nicht ausgenommen. Gegen Ende des gerade beginnenden 18. Jahrhunderts werden immerhin ein Viertel ihrer Soldaten Katholiken sein[324]Falk, Holtz, Alte Berliner Garnisonkirche, 1995..

Am 10. September 1719 begrüßt die Berliner Garnisonkirche einen bedeutenden Gast. Der Mitbegründer des Pietismus, August Hermann Francke, hält an diesem 14. Sonntag nach Trinitatis[325]Trinitatis ist ein Fest im Kirchenjahr, das in der römischen Kirche jedes Jahr am ersten Sonntag nach Pfingsten begangen wird. Im Deutschen wird es auch als Dreifaltigkeitssonntag und Dreieinigkeitsfest bezeichnet. in der Kirche eine Predigt, der er den Titel „Die Bekehrung durch Leibliche Trübsal; Wie solche Zwar öffters scheinbar aber selten rechtschaffen sey“ gegeben hat und die er wenig später in Halle drucken läßt. Sein bereits im August begonnener Aufenthalt in der Residenz, während dessen er – vermutlich vermittelt durch Gedicke selbst – die Predigt hält, gibt ihm auch die Gelegenheit, den König Friedrich Wilhelm I. zu treffen, der ihn nach Wusterhausen einlädt.[326]Weigert: Im Namen Gottes?, 2004, Seite 67..

1719 ist auch das Jahr, in dem der erste Garnisonküster Johann Lehmann verstirbt. Er hatte dieses seit 1678 inne, also über vierzig Jahre. In dieser Zeit begleitete er die Gemeinde von der Heilig-Geist-Kapelle, in der er ihr mangels Orgel noch vorsingen mußte, in ihre eigene Kirche, in der sie nun über ein prächtiges und in seiner Zeit Aufsehen erregendes eigenes Instrument dieser Art verfügt. Seine Nachfolge als Küster tritt sein bisheriger Assistent Johann Christoph Carl an[327]Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 47..

So stehen die Dinge in der Gemeinde und der Garnisonkirche, als das Jahr 1720 anbricht. Das Jahr, das für die Garnisongemeinde eines der erschütterndsten und schwersten in ihrer bisherigen Geschichte werden sollte…


Das Banner auf dieser Seite zeigt das Uffelnsche Bollwerk, das Heilig-Geist-Spital und das (neue) Spandauer Tor.
Ausschnitt aus dem Stadtplan „Die Churfürstlich Brandenburgisch nun Königlich Preussische Residenz Statt: Berlin und Cölln an der Spree sampt Fridrichswerder und Dorotheenstatt“ von Gabriel Bodenehr.
Quelle: Digitale Landesbibliothek Berlin
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Bearbeitet: Alexander Glintschert
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Anmerkungen:

Anmerkungen:
1. Dieter Weigert: Miles Perpetuus – 350 Jahre stehendes Heer in der Mark, In: Barbara Kündiger & Dieter Weigert: Der Adler weicht der Sonne nicht – 300 Jahre Berliner Garnisonkirche, 1. Auflage 2004, Berlin Edition in der Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin, ISBN 3-8148-0128-8, Seite 24.
2. Doris Tüsselmann: Die Garnisongemeinde in Berlin und ihre „verlorene“ Kirche, In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, Jahrgang 2010, Heft 1, Seite 319.
3. Klaus Duntze: Ob auch Kriegsleute seligen Standes sein können (Martin Luther), In: Barbara Kündiger & Dieter Weigert: Der Adler weicht der Sonne nicht – 300 Jahre Berliner Garnisonkirche, 1. Auflage 2004, Berlin Edition in der Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin, ISBN 3-8148-0128-8, Seite 9.
4, 12. Tüsselmann, Die Garnisongemeinde in Berlin, 2010, Seite 319.
5. Weigert, Miles Perpetuus, 2004, Seiten 24 f.
6. Über das Jahr der Gründung sind sich die Quellen nicht hundertprozentig einig. Das Jahr 1655 wird von Dieter Weigert genannt, während Heinz Berg das Jahr 1657 nennt. Siehe Weigert, Miles Perpetuus, 2004, Seite 24 und Heinz Berg: Zur Geschichte der evangelischen Garnisongemeinde diesseits vom Spandauer Tor, In: Der Alte Berliner Garnisonfriedhof im Spannungsfeld zwischen Scheunenviertel und Monbijou, herausgegeben vom Förderverein Alter Berliner Garnisonfriedhof, 1. Auflage, Haude & Spenersche Verlagsbuchhandlung GmbH, Berlin, 1995, ISBN 3-7759-0399-2
7. Dr. Friedrich Mentzel: Feldprediger als Lehrer, Neue Zeit, Jahrgang 43, Ausgabe 126 vom 30. Mai 1987, Seite 6. Der verlinkte Artikel ist nur mit einem Account beim ZEFYS Zeitungsinformationssystem der Staatsbibliothek zu Berlin erreichbar.
8. Max Müller: Auf den Spuren des preußischen Militärs, Berliner Morgenpost vom 20. November 2019.
9, 14, 31. Weigert, Miles Perpetuus, 2004, Seite 25.
10. Weigert, Miles Perpetuus, 2004, Seite 24.
11, 20, 25, 40, 49, 51, 57, 89, 113, 124, 240, 248. Berg, Geschichte der evangelischen Garnisongemeinde, 1995.
13, 15. Duntze, Kriegsleute, 2004, Seite 9.
16, 129. Weigert, Miles Perpetuus, 2004, Seite 26.
17. Beatrice Falk & Bärbel Holtz: Das Schicksal der Alten Berliner Garnisonkirche, In: Der Alte Berliner Garnisonfriedhof im Spannungsfeld zwischen Scheunenviertel und Monbijou, herausgegeben vom Förderverein Alter Berliner Garnisonfriedhof, 1. Auflage, Haude & Spenersche Verlagsbuchhandlung GmbH, Berlin, 1995, ISBN 3-7759-0399-2.
18. Werner Schwipps: Die Garnisonkirchen von Berlin und Potsdam, Berlinische Reminiszenzen 6, 1. Auflage 1964, Haude & Spenersche Verlagsbuchhandlung GmbH, Berlin.
19. Georg Goens: Geschichte der Königlichen Berlinischen Garnisonkirche, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Königliche Hofbuchhandlung, Berlin, 1897, Seite 4.
21, 46. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seiten 4 f.
22. Weigert, Miles Perpetuus, 2004, Seiten 25 f.
23, 223. Mentzel, Feldprediger als Lehrer, 1987.
24, 38. Weigert, Miles Perpetuus, 2004, Seite 26
26, 50, 88, 137, 148, 162, 236. Tüsselmann, Die Garnisongemeinde in Berlin, 2010, Seite 320.
27. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 4.
28, 87, 103, 107, 125, 131, 139, 256, 306, 309, 313, 319, 324. Falk, Holtz, Alte Berliner Garnisonkirche, 1995.
29. Dieter Weigert: Berliner Feldprediger unter dem Soldatenkönig, In: Barbara Kündiger & Dieter Weigert: Der Adler weicht der Sonne nicht – 300 Jahre Berliner Garnisonkirche, 1. Auflage 2004, Berlin Edition in der Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin, ISBN 3-8148-0128-8, Seite 53.
30, 32, 54, 152, 268. Schwipps, Garnisonkirchen Berlin und Potsdam, 1964.
33. Sein Vater, Johann Hanisius, war Prediger in Paplitz, während sein Großvater, Caspar Hanisius, Pastor und Superintendent in Baruth gewesen war, wie Georg Gottfried Küster berichtet. Siehe Georg Gottfried Küster (Hrsg.): Fortgeseztes Altes und Neues Berlin. Darinnen die Historie der Kirchen zu Marien, Petri, im grauen Kloster, der Garnison, auf dem Friedrichswerder, Dorotheen- und Friedrichsstadt, wie auch der Hospitäler, Waysenhäuser und Gymnasiorum in Berlin von ihrem Anfang biß auf itzige Zeiten aus zuverlässigen Nachrichten erzehlet wird, Haude- und Spenerische Buchhandlung, Berlin, 1752, Seiten 607 ff.
34. Jüngere Quellen geben an, Hanisius sei in Wittenberg als Pfarrer tätig gewesen, beispielsweise Falk, Holtz, Alte Berliner Garnisonkirche, 1995 und Weigert, Miles Perpetuus, 2004, Seite 26.
35. Bei Georg Goens und sich auf ihn beziehenden jüngeren Quellen ist zu lesen, Hanisius habe in Dänemark als Garnisonprediger und Feldsuperintendent gewirkt. Woher Goens diese Information hat, ist leider nicht klar. Als Quelle gibt er selbst lediglich Georg Gottfried Küster an, wo aber nur von der Stellung eines Feldpredigers die Rede ist. Siehe Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 7 und Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seiten 607 ff.
36. Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seiten 607 ff.
37. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 7.
39. Bericht über den Vortrag von Divisionspfarrer Schildt aus Torgau „Die Garnisonkirche, ein Denkmal preußischer Geschichte“ vom 5. Mai 1893 in der Berliner Garnisonkirche, In: Mittheilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, Jahrgang 1893, Heft 5, Seiten 47 f.
41. Johann Friedrich Walther: Die gute Hand Gottes über die Garnison-Kirch- und Schul-Anstallten, in der Königlichen Preußischen Residentz Berlin, oder Historische Nachricht, Wenn und wie die Garnison-Kirche und Schule zuerst gestifftet und Deroselben Anstallten unter Göttlichem Segen bis auf gegenwärtige Zeit erhalten worden. Wobey derer Merckwürdigsten Fälle und Veränderungen so diese Anstallten von Ao. 1663 bis itzo betroffen, und insonderheit der, Ao. 1720 geschehenen Zerspringung eines alten Pulver-Thurns, umständlich gedacht wird. Als auch von denen Gebäuden, Patronen und andern Bedienten bey der Kirche und Schule, Meldung geschiehet. Endlich aber Eine genaue Verzeichniß aller, bis hieher in der Garnison-Kirche ordinirten Feld- und Garnison-Prediger bey der gantzen Königl. Armeé, auch wohin, und wozu dieselben befordert worden, mit eingeführet ist, So wol aus gewissen Uhrkunden als eigner Erfahrung aufgesetzet, auch mit Neun Kupffern erläutert von Johann Friedrich Walther, Organist und Collega Ordin. der Garnison-Kirche und Schule., Samuel König, Berlin, 1737, Seite 3.
42, 100. Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 605.
43. Barbara Kündiger: Der erste Kirchenbau für die Garnison, In: Barbara Kündiger & Dieter Weigert: Der Adler weicht der Sonne nicht – 300 Jahre Berliner Garnisonkirche, 1. Auflage 2004, Berlin Edition in der Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin, ISBN 3-8148-0128-8, Seite 32.
44. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 5.
45. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 3 f.
47. Siegfried Neumann: Sagenhaftes Berlin – Historien, Sagen und Anekdoten rund um die deutsche Hauptstadt, Heinrich Hugendubel Verlag (Diederichs), Kreuzlingen/München, 2000, ISBN 3-7205-2170-2, Seiten 125 f.
48. Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seiten 32 f.
52. Tüsselmann, Die Garnisongemeinde in Berlin, 2010, Seiten 319 f.
53. Dr. C. Brecht: Die Garnison-Kirche in Berlin. Zur Erinnerung an die 150jährige Einweihungs-Feier derselben am 2. Juni 1872, A. W. Hayn’s Erben, Berlin, 1872, Seite 1.
55. Brecht, Die Garnison-Kirche, 1872, Seite 1.
56. Friedrich Nicolai, Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, aller daselbst befindlicher Merkwürdigkeiten, und der umliegenden Gegend, Erster Band, 3. völlig umgearbeitete Auflage 1786, Friedrich Nicolai, Berlin, Seite LI.
58. Tüsselmann, Die Garnisongemeinde in Berlin, 2010, Seiten 320.
59, 64. Brecht, Die Garnison-Kirche, 1872, Seite 1.
60, 65, 181. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 5.
61. In der einschlägigen Literatur ist die Bastion XII der Festung Berlin auch unter den Namen Spandauer Bollwerk und Batterie hinter dem Schmidt erwähnt. Siehe dazu Richard Borrmann: Garnisonkirche, In: Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Verlag von Julius Springer, Berlin, 1893, Seite 174 und A. Heinze: Die Ruhestätten der Berliner Garnisonkirche, In: Illustrirte Berliner Wochenschrift Der Bär – Eine Chronik für’s Haus, Jahrgang 12, Ausgabe 19 vom 6. Februar 1886, Seite 232.
62. Georg Goens berichtet, daß von Uffeln zu jener Zeit auf Befehl des Großen Kurfürsten einen Festungsbauplan für Berlin und Cölln entwirft, der vier Jahre später, also 1662, auf der Berliner Seite und insbesondere am Spandauer Tor, dessen Bastion seinen Namen erhält, bereits ausgeführt ist. Siehe dazu Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 11 und auch Dr. Hans Jahn: Berlin im Todesjahr des Großen Kurfürsten – Erläuterungen zum Perspektivplan von Johann Bernhard Schultz aus dem Jahre 1688, Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins, Heft 55, Verlag des Vereins für die Geschichte Berlins, Berlin, 1935, Seite 14.
63, 183. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 6.
66, 132, 144, 156, 158, 170. Borrmann, Garnisonkirche, 1893, Seite 174.
67. Brecht, Die Garnison-Kirche, 1872, Seiten 1 f.
68. Hanisius verläßt Georg Goens zufolge Berlin kurze Zeit darauf. 1665 wird er beim schwedischen Grafen Magnus de la Garde als Hofprediger und Bibliothekar angestellt, zieht jedoch bereits ein Jahr später nach Wolfenbüttel weiter, wo er vom Herzog August von Braunschweig-Lüneburg als erster Bibliothekar der dortigen Bibliothek angestellt wird. In dieser Stellung, die später auch Gotthold Ephraim Lessing zeitweilig innehaben wird, unternimmt er Reisen zunächst nach Holland und dann nach England, wo er sogar in die gelehrte Gesellschaft zu London aufgenommen wird. Er behält die Stelle bis zu seinem Lebensende im Jahre 1682. Siehe Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 7 und Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seiten 608 f.
69. Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 609.
70. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 8 und Seite 37.
71, 108. Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 32.
72. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 18 f.
73. Georg Goens weiß zu berichten, daß Jordan der letzte Garnisonprediger ist, der die Kirchenbücher in lateinischer Sprache führt. Und Georg Gottfried Küster gibt an, daß Jordan nach dem Tode seiner Tochter dieser in der Heilig-Geist-Kapelle eine Grabinschrift hat setzen lassen. Siehe Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 609 und Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 7.
74. Johann Melchior Stenger wurde am 9. Oktober 1638 in Erfurt geboren. Sein Vater M. Nicolaus Stenger war Pastor an der Kaufmannskirche und Theologieprofessor an der Erfurter Universität. Seine Mutter Maria Apollonia Cappin war die Tochter von Michael Cappii, Kammerdiener von König Heinrich IV. von Frankreich und später Wachtmeister und Stadtmajor in Mainz. Johann Melchior Stenger besuchte die Universitäten von Jena, Leipzig, Wittenberg, Erfurt und Straßburg. Bevor er nach Berlin kam, hatte er die Stelle eines Diakons an der Erfurter Predigerkirche inne, die er jedoch wegen einiger Konflikte aufgeben mußte, die in seinen Schriften ihre Ursache hatten. Siehe Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seiten 609 ff. und Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 8.
75. Als Superintendent bezeichnet man den Inhaber eines Leitungsamtes in evangelischen Kirchen. Eine andere Bezeichnung, die man in Quellen jener Zeit auch gelegentlich findet, ist Inspektor.
76. Wiederum drei Jahre später, 1866, geht Johann Melchior Stenger als Pastor und Superintendent nach Wittstock, wo er am 7. März 1710 verstirbt. Siehe Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seiten 609 ff. und Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 8.
77. Berchelmann, dessen Name in manchen Quellen auch als Berckelmann wiedergegeben wird, wurde am 11. Juni 1647 in Berlin geboren. Siehe Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 9 und Falk, Holtz, Alte Berliner Garnisonkirche, 1995.
78. Theodor Martin Berchelmann wird 1688 Oberpfarrer an der Potsdamer Nikolaikirche, was er bis zu seinem Tode am 17. März 1702 bleibt. Siehe Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 611 und Falk, Holtz, Alte Berliner Garnisonkirche, 1995.
79, 80. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 13.
81, 92. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 10.
82. Diese Angabe geht auf Georg Gottfried Küster zurück, der die Aufschrift auf dem Grabstein Nagels in der Heilig-Geist-Kapelle zitiert, auf dem dieses Datum genannt ist, gemeinsam mit der Angabe, daß Nagel im Januar 1699 „im 41. Jahr seines Alters“ verstarb. Merkwürdigerweise gibt Georg Gottfried Küster an anderer Stelle als Geburtstag Nagels den 20. August 1658 an. Leider ist nicht zuverlässig zu entscheiden, welche Angabe richtig ist, denn je nach Interpretation des „41. Jahres seines Alters“ (bereits vollendet oder begonnen) kann das eine oder das andere Jahr korrekt sein (vom genauen Tag einmal abgesehen). Siehe Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 612.
83. Auch diese Angabe geht auf Georg Gottfried Küster zurück. Zwar schreibt er, der Antritt der Pfarrstelle in Rudow durch Nagel sei 1676 gewesen, doch ist das ziemlich sicher ein Druckfehler, da er die entsprechende Darstellung mit der Angabe einleitet, Nagel habe 1679 von Berlin zurück nach Preußen gehen wollen. Dann setzt er damit fort, daß Nagel durch diese Anstellung in Rudow davon abgehalten worden sei. Siehe Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 612.
84. Christoph Nagel war der Sohn des in Gudnick, einem Ortsteil von Langheim, ansässigen Schullehrers Johann Nagel und dessen Ehefrau Dorothea, geborene Fischer. Siehe Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seiten 8 f.
85. Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 611 f.
86. Weigert, Berliner Feldprediger, 2004, Seite 53.
90. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 9 f.
91. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seiten 9 f.
93, 241, 288, 312. Duntze, Kriegsleute, 2004, Seite 10.
94, 96. Zitiert nach Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 612.
95. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seiten 8 f.
97. Heinrich Lange: Adolph Menzels „alte Bekannte“, In: Berlinische Monatsschrift 9/98, Luisenstädtischer Bildungsverein e.V., Berlin, 1998, Seiten 51 f.
98. Jürgen Wetzel: Hospital zum Heiligen Geist, In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins, Jahrgang 2010, Heft 1, Seite 316.
99. Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 612.
101, 109. Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 33.
102. Bericht über den Vortrag von Divisionspfarrer Schildt, 1893, Seiten 47 f.
104. Interessant ist, daß sich die historischen Quellen bezüglich des Todestages Rosenthals nicht einig sind. Georg Gottfried Küster gibt den 15. Mai an, während Johann Friedrich Walther den 30. April benennt. Nachfolgend erschienene Literatur über die Garnisonkirche folgt mal dem einen, mal dem anderen der beiden Autoren. Leider war, wie Goens schreibt, bereits 1897 der Grabstein Rosenthals schon nicht mehr zu entziffern, so daß auch von ihm keine Aufklärung zu erwarten ist. Wir geben den 15. Mai an und orientieren uns damit an Küster, der zusätzlich den Beisetzungstag benennt. Siehe Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 612 und Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 9 sowie Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seiten 9 f.
105. Heute Kossenblatt.
106, 127. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 39.
110. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 6 f. und 19.
111, 112, 114, 119, 122. Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 35.
115. Diese entsprechen 31,4 Metern.
116. Während beispielsweise C. Brecht die drei Hammerschläge erwähnt, spricht Johann Friedrich Walther lediglich davon, der Kronprinz habe den Grundstein gelegt. Barbara Kündiger führt wenigstens eine weitere Quelle an, die den Akt des Kalkwerfens beschreibt. Siehe Brecht, Die Garnison-Kirche, 1872, Seite 2 und Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 20 sowie Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 35.
117. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 19 f.
118. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seiten 11 f.
120, 130. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 20.
121. Brecht, Die Garnison-Kirche, 1872, Seite 2.
123. Walther ist nicht nur der erste Chronist der Berliner Garnisonkirche, er hat sie auch noch selbst gekannt, wie wir noch sehen werden. Insofern darf sein Wort hier durchaus als Bezeugung der Richtigkeit dieser Aussage gelten. Doch auch Friedrich Nicolai bestätigt sie. Siehe Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 22 und Nicolai, Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, Erster Band, 1786, Seite 22.
126, 253, 273, 301. Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 613.
128. Krüger hatte in Berlin, Frankfurt an der Oder und Leipzig studiert. Im Jahr seiner Berufung nach Berlin feiert er sein zehnjähriges Jubiläum als Sub- und Conrektor in seiner Geburtsstadt. Siehe Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 613.
133. Kirchen, In: Berlin und seine Bauten – II. und III.: Der Hochbau, herausgegeben vom Architekten-Verein zu Berlin und der Vereinigung Berliner Architekten, Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin, 1896, Seite 154.
134. Barbara Kündiger: Die neue Kirche, In: Barbara Kündiger & Dieter Weigert: Der Adler weicht der Sonne nicht – 300 Jahre Berliner Garnisonkirche, 1. Auflage 2004, Berlin Edition in der Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin, ISBN 3-8148-0128-8, Seite 74.
135. Das sind etwa 9,50 Meter.
136, 146, 149. Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 37.
138, 145, 150, 161, 252. Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 606.
140. Ein Risalit ist ein horizontal aus der Hauswand beziehungsweise Fluchtlinie hervorspringender Gebäudeteil. In den meisten Fällen reicht er über die gesamte Höhe des Bauwerks. Als Mittelrisalit bezeichnet man ihn dann, wenn er sich in der Mitte der Gebäudewand befindet.
141. Pilaster sind Wandpfeiler, das heißt, sie stehen nicht frei, sondern sind in eine Wand eingelassen. Sie können eine tragende Funktion haben oder auch nur architektonischer Schmuck sein.
142. Ein Giebeldreieck. Es kann auch als Schmuckelement über Türen angebracht sein.
143. Diese Beschreibung der Frontseiten geht auf eine Zeichnung des Architekten Christoph Pitzler zurück, die dieser 1704 in seinem Skizzenbuch anfertigte und die alle vier Seiten des Kirchengebäudes als völlig gleichwertig zeigt. Demgegenüber ist in einer anderen Zeichnung des Gotteshauses von Johann Friedrich Walther aus dem Jahre 1737 eine leicht abweichende Darstellung der Kreuzarm-Frontseiten überliefert. Walther zeigt den Mittelrisaliten lediglich an der zum Weg zwischen alter Stadtmauer und Festungswall hin gelegenen Südseite der Kirche, die er ganz offensichtlich als Haupteingang der Kirche hervorhebt. Da weitere Unterlagen, die das Äußere der Kirche beschreiben oder bildlich darstellen, nicht existieren, ist heute leider nicht mehr abschließend zu klären, welche Darstellung die richtige ist. Siehe Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seiten 37 ff. und Seite 47.
147. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 12.
151. Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 34.
153. Weigert, Miles Perpetuus, 2004, Seiten 24.
154. Im lateinischen Original lautet der Text: „IN NOMINE O. M. DOMINI / EXERCITUUM, / FRIDERICUS I REX BORUSS. / PATRIAE ET EXERCITUUM PATER / HOC TEMPLUM MILITIB. / HARUM URB. PRAESID. / RELIGIOS. FREQUENT. / EXSTRUXIT / ET INAUGURARE JUSSIT. / KAL. JANUAR. SECUL. XVII. / ANNO REGNI III.“ Zitiert aus Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 21.
155. Zitiert aus Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 22.
157. Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seiten 37 f.
159, 163, 191, 267. Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 39.
160. Voluten sind in der Architektur Verzierungen in Spiral- beziehungsweise Schneckenform. Die bekannteste Verwendung dieses Schmucks findet sich oft an den Kapitellen von Säulen.
164, 171, 173, 184. Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 43.
165, 195, 215. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 15.
166. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 27 f.
167. Reinhard Lüdicke: Geschichte der Berliner Stadtgrundstücke seit der Einführung der Grundbücher Ende des 17. Jahrhunderts – Band 1: Berlin Nr. 1-276 = Stralauer, Königs-, Neue Friedrichs- und Burgstraße, Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin, 1933, Seite 390.
168. Nicolai, Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, Erster Band, 1786, Seite 22.
169. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 27 f.
172. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 24.
174. Dies wird in keiner Quelle direkt so erwähnt, läßt sich aber aus Angaben schließen, die insbesondere Georg Goens in Bezug auf die Rechnungsbücher und die laufenden Kosten der Kirche für die Folgezeit macht. Wir kommen im weiteren Verlauf der Darstellung darauf zurück.
175. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 13.
176. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seiten 13 f.
177. Zitiert aus Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 14.
178. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 14.
179. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 37 f.
180, 182. Brecht, Die Garnison-Kirche, 1872, Seite 4.
185. In der Literatur zur Garnisonkirche ist weitgehend einhellig stets von elf Eingängen, die die Kirche gehabt habe, die Rede. Da sie jedoch von Anfang an gleichseitig und symmetrisch angelegt war und jeder Kreuzarm somit drei Eingänge besitzen mußte, kann es erst durch diesen Anbau zu dieser „unsymmetrischen“ Anzahl gekommen sein. Da dieser jedoch bereits im ersten Jahr nach der Einweihung der Kirche errichtet wurde, hat jene tatsächlich die meiste Zeit ihrer Existenz diese Zahl von Eingängen besessen. Siehe zum Beispiel Tüsselmann, Die Garnisongemeinde in Berlin, 2010, Seite 320 und Falk, Holtz, Alte Berliner Garnisonkirche, 1995.
186. Als Positiv bezeichnet man kleine, meist sogar transportierbare Orgeln, die nur wenige Register besitzen.
187, 190. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seiten 14 f.
188. Völlig gesichert ist dieser Aufstellungsort für die erste, noch gemietete Orgel nicht. Es ist jedoch anzunehmen, daß man für sie denselben Aufstellungsort wählte wie für die nur wenig später errichtete größere Orgel. Siehe Barbara Kündiger: Bildwelten und Klangbilder, In: Barbara Kündiger & Dieter Weigert: Der Adler weicht der Sonne nicht – 300 Jahre Berliner Garnisonkirche, 1. Auflage 2004, Berlin Edition in der Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin, ISBN 3-8148-0128-8, Seite 153.
189. Ein Hoboist oder auch Hautboist war ursprünglich ein Oboenbläser. Im Militär wurde der Begriff aber allgemein für einen Militärmusiker in einem Musikkorps verwendet.
192. Der Psalter ist das Buch der Psalmen im Alten Testament, eine Sammlung von 150 Psalmen, also Gebeten und Liedern.
193. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 31 f.
194, 294. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 21.
196. Die Schaffung vor 1704 ist wenig wahrscheinlich. In den ersten Darstellungen der Garnisonkirche, die der Architekt Christoph Pitzler 1704 in seinem Skizzenbuch anfertigte, gibt es keinen Taufstein. Und Georg Goens erwähnt, wie wir bereits beschrieben haben, die Anschaffung eines „zinnernen Taufbeckens“ von der ersten Jahreseinnahme der Sonntagskollekte, was nicht erforderlich gewesen wäre, wenn doch 1704 bereits der Taufstein existiert hätte. Eine Schaffung nach 1713 kommt, wenn man der Zuschreibung des Taufsteins als Werk Andreas Schlüters folgt, ebenfalls nicht in Frage, da in diesem Jahr Schlüter Berlin verließ und nach Petersburg ging. Siehe Kündiger, Bildwelten und Klangbilder, 2004, Seite 135.
197. Dies kann man einer Darstellung des Kircheninnenraums entnehmen, die Johann Friedrich Walther in seine Darstellung der Geschichte der Garnisonkirche aufgenommen hat. Siehe Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 20 f.
198. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 75 f.
199. Kündiger, Bildwelten und Klangbilder, 2004, Seiten 134 f.
200. Georg Goens gibt als Kaufsumme 5.020 Taler an. Das erscheint wenig glaubhaft, zumal ältere Quellen übereinstimmend die 1.520 Taler bezeugen. Insofern ist auch fraglich, ob die von Goens geäußerte Vermutung stimmt, der König habe die Kaufgelder zur Verfügung gestellt. Siehe Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 25 und Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 17.
201. Wilhelm Jakob Wippel: Kurzer Bericht von den Veränderungen, welche die Berlinische Garnisonschule von ihrer Stiftung an, bis auf die jetzige Zeit erlitt. Hiermit ladet zu der 2ten öffentlichen Prüfung, welche mit der Garnisonschule am 29sten Junius 1787, in der Garnisonkirche vorgenommen werden soll, die ehrfurchtwürdigen Patronen, wie auch eine hochverordnete Garnison-Kirchen- und Schulcommission, und alle Freunde und Beförderer der Schule ehrerbietig ein der Rektor W. J. Wippel., Johann Friedrich Unger, Berlin, 1787, Seiten 8 f.
202. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seiten 15 ff.
203. Johann Friedrich Walther hebt hervor, daß die Gemeinde dafür 100 Taler aus einem ihr im Jahre 1699 von einem unbekannten Wohltäter vermachten Legat entnimmt, dessen Zinsen zur Unterstützung der Garnisonschullehrer verwendet werden sollen. Georg Goens erwähnt dies auch, behauptet jedoch, dies sei zur Finanzierung des Ankaufs des Dieckmannschen Hauses verwendet worden, während die Gemeinde für den Bau des Lazaretts 30 Taler aus der Kirchenkasse dazugegeben habe. Siehe Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 12 und Seite 25 sowie Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 17.
204. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 104 f.
205. Johann Friedrich Walther beschreibt dies rückblickend im Zusammenhang mit einem Ereignis des Jahres 1720, wobei er das Haus als dasjenige des Obersts Caspar Otto von Glasenapp erwähnt. C. Brecht weist in seiner Beschreibung jenes Ereignisses darauf hin, daß es sich bei diesem Haus um das ehemalige Baukommissariatshaus handelt. Siehe Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 84 und Brecht, Die Garnison-Kirche, 1872, Seite 7.
206. Heinz Berg: Vom Diesseits zum Jenseits des Spandauer Tores: Zur Geschichte des Alten Berliner Garnisonfriedhofs, In: Der Alte Berliner Garnisonfriedhof im Spannungsfeld zwischen Scheunenviertel und Monbijou, herausgegeben vom Förderverein Alter Berliner Garnisonfriedhof, 1. Auflage, Haude & Spenersche Verlagsbuchhandlung GmbH, Berlin, 1995, ISBN 3-7759-0399-2.
207. Dieter Weigert: Garnisongemeinde und Garnisonschule, In: Barbara Kündiger & Dieter Weigert: Der Adler weicht der Sonne nicht – 300 Jahre Berliner Garnisonkirche, 1. Auflage 2004, Berlin Edition in der Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin, ISBN 3-8148-0128-8, Seite 88.
208. Kündiger, Der erste Kirchenbau, 2004, Seite 40.
209. Ganz gesichert ist die Urheberschaft Werners in Bezug auf die erste eigene Orgel der Garnisonkirche nicht. Die einschlägigen Quellen treffen dazu praktisch keine Aussage. Als Hoforgelbauer, der nachweislich an den Orgeln von St. Marien, St. Nikolai und St. Georg sowie an der Domorgel Reparaturen ausführte, hat er jedoch, wie angenommen werden darf, auch für verschiedene Berliner Kirchen Orgeln gebaut, darunter die Garnisonkirche. Siehe Kündiger, Bildwelten und Klangbilder, 2004, Seite 153.
210. Man spricht beim Übertragungssystem von den Betätigungselementen des Spieltisches zum Ventilsystem der Orgel von der Traktur, die bei dieser ersten Orgel der Garnisonkirche rein mechanisch funktioniert.
211. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 25 f.
212. Kündiger, Bildwelten und Klangbilder, 2004, Seite 153.
213, 218, 224. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 26.
214, 243, 257. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 46.
216, 245. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 26.
217, 233. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 30.
219, 222. Wippel: Berlinische Garnisonschule, 1787, Seiten 9 f.
220, 226. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 18.
221. Damit sind Lehrer gemeint, die keine feste Anstellung besitzen und auch nicht – wie die sogenannten ordentlichen Lehrer – von der Gemeinde eigene Wohnungen erhalten.
225, 238. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 17.
227, 229. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 28 f.
228. Georg Goens gibt die von Johann Friedrich Walther vorgenommene Aufstellung nicht wieder, sondern führt lediglich die auf das Quartal gerechneten Beiträge der Regimenter an. Mit seiner dabei geäußerten Vermutung, daß das Leibregiment „zum 10. Oktober 1707 formirt sein muß“, gerät er allerdings in Konflikt mit Walthers Angaben, der auch für das Leibregiment bereits Beiträge im Jahre 1705 auflistet. Siehe Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 28 f. und Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 19.
230, 261. Brecht, Die Garnison-Kirche, 1872, Seite 6.
231. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 29 f.
232. Brecht, Die Garnison-Kirche, 1872, Seiten 6 f.
234. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 19.
235, 237. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 29.
239, 254, 285. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 20.
242. In älteren Quellen ist er stets unter dem Namen von Haake zu finden. Siehe beispielsweise Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 27.
244. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 30 f.
246. Daß Preußen sich an diesem Krieg überhaupt beteiligt, geht auf ein Zugeständnis zurück, das Friedrich I. dem Kaiser hatte machen müssen, damit dieser seiner Krönung zum König in Preußen seine Zustimmung erteilte. Siehe A. Heinze: Ruhestätten, 1886, Seite 234.
247. Weigert: Garnisongemeinde und Garnisonschule, 2004, Seite 90
249. Johann Friedrich Walther hat den Leichenzug und die anschließende Trauerfeier eindrücklich und ausführlich beschrieben. Siehe Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 32 ff.
250. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 34 f.
251. Dieter Weigert: Märker in den Grüften, In: Barbara Kündiger & Dieter Weigert: Der Adler weicht der Sonne nicht – 300 Jahre Berliner Garnisonkirche, 1. Auflage 2004, Berlin Edition in der Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin, ISBN 3-8148-0128-8, Seite 172.
255. Diese Schlußfolgerung geht indirekt aus den Angaben bei Georg Gottfried Küster hervor. Dieser gibt an einer Stelle an, daß zum Nachfolger des 1709 abgehenden Krügers als zweiter Garnisonprediger Lampertus Gedicke berufen wurde. An anderer Stelle datiert er dessen Berufung auf das Jahr 1713. In der Zwischenzeit hat es also keinen zweiten Garnisonprediger gegeben. Siehe Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 613 und Seite 614.
258, 260, 262. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 27.
259, 266. Kündiger, Bildwelten und Klangbilder, 2004, Seiten 153 f.
263. Carl Freiherr von Ledebur: Tonkünstler-Lexicon Berlin’s von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart, Verlag von Ludwig Rauh, Berlin, 1861, Seiten 60 f.
264. Kündiger, Bildwelten und Klangbilder, 2004, Seiten 154 ff.
265. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 49.
269. Wolfgang Hanke: Die Erben Johann Sebastian Bachs, Neue Zeit, Jahrgang 43, Ausgabe 167 vom 18. Juli 1987, Seite 4. Der verlinkte Artikel ist nur mit einem Account beim ZEFYS Zeitungsinformationssystem der Staatsbibliothek zu Berlin erreichbar.
270. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 39 f.
271. Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seiten 613 f.
272. Der Vater Lampertus Gedickes war Christian Gedicke, der, in Fürstenwalde geboren, dort zunächst als Rektor und Subdiakon tätig war und später in Gardelegen Superintendent wurde. Seine Mutter war eine geborene Lampert. Siehe Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 613.
274. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 41.
275. Der Pietismus ist eine Reformbewegung, die im 17. und 18. Jahrhundert die evangelische Kirche stark prägte und bis heute wirkt. Weitergehende Informationen dazu finden sich beispielsweise in Stefanie Pfister & Matthias Roser: Pietismus, In: WiReLex – Das Wissenschaftlich-Religionspädagogische Lexikon im Internet, Februar 2017, abgerufen am 30. Januar 2021.
276. Weigert, Miles Perpetuus, 2004, Seite 28.
277, 280. Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 614.
278. Weigert: Berliner Feldprediger, 2004, Seiten 57 f.
279. Lothar Noack & Jürgen Splett: Gedicke, Lampert, In: Bio-Bibliographien – Brandenburgische Gelehrte der Frühen Neuzeit, Berlin-Cölln 1688-1713, Akademie-Verlag GmbH, Berlin, 2000, Seite 168.
281. Daher wird das Regiment zu jener Zeit auch als Wartenslebensches Regiment zu Fuß bezeichnet. Siehe Weigert: Berliner Feldprediger, 2004, Seiten 57 f. und Noack & Splett: Gedicke, Lampert, 2000, Seite 169.
282. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 50.
283. Kündiger: Die neue Kirche, 2004, Seite 82.
284. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seiten 24 f.
286. In Strasburg bleibt er bis zu seinem Lebensende. 1725 wird er von seinem Posten emeritiert und verstirbt am 28. Februar 1726. Siehe Falk, Holtz, Alte Berliner Garnisonkirche, 1995.
287. Zitiert aus Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 21.
289. Baumgarten wurde am 30. August 1668 in Wolmirstädt geboren. Nach einem Studium an der Leipziger Universität wirkte er von 1697 bis 1701 als Inspektor des Pädagogiums in Halle und wurde anschließend Prediger in seiner Geburtsstadt, von wo er schließlich 1713 nach Berlin kam. Siehe Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 613 und Falk, Holtz, Alte Berliner Garnisonkirche, 1995.
290. l. u.: Porst, Johann, In: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 26, 1888, Seiten 444-445 – Online-Version, Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 19. Januar 2021.
291. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 31 f.
292. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 39.
293. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 40.
295. Homann wurde am 24. Juli 1685 in Magdeburg geboren. Sein Vater, Johann Homann, war zunächst als Lehrer an der Schule zu Magdeburg beschäftigt, später Subrektor des Gymnasiums in Köln und schließlich Prediger in Blankenburg in der Uckermark. Seine Mutter war Margaretha Veronica Olmerloh. Siehe Küster, Altes und Neues Berlin, 1752, Seite 613.
296. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seiten 21 f.
297. Georg Goens weiß zu berichten, daß Anna Barbara Ohmen von Januschofsky eine ungarische Magnatentochter ist, die wegen ihres Glaubens nach Halle geflüchtet war, wo sie Gedicke kennenlernte. Siehe Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 41.
298. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 24.
299. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 41.
300, 327. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 47.
302. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 46.
303. Georg Gottfried Küster (Hrsg.): Des Alten und Neuen Berlin Vierdte Abtheilung, Auctor, Berlin, 1769, Seite 478.
304. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Vorrede, § XII.
305. Dieter Weigert: Im Namen Gottes?, In: Barbara Kündiger & Dieter Weigert: Der Adler weicht der Sonne nicht – 300 Jahre Berliner Garnisonkirche, 1. Auflage 2004, Berlin Edition in der Quintessenz Verlags-GmbH, Berlin, ISBN 3-8148-0128-8, Seite 71.
307. Noack & Splett: Gedicke, Lampert, 2000, Seite 170.
308. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 23.
310, 311. Weigert: Berliner Feldprediger, 2004, Seite 53.
314. Weigert: Berliner Feldprediger, 2004, Seiten 55 ff.
315. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 47 f.
316. Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 29.
317. Einen Prediger beziehungsweise Pfarrer zu examinieren und zu ordinieren bezeichnet in der evangelischen Kirche die Prüfung eines Kandidaten für ein Predigeramt und – nach bestandener Examinierung – dessen feierliche Einsetzung in sein Amt.
318. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 42 f. Bei Johann Friedrich Walther findet sich auch eine Liste aller bis zum Erscheinen seines Werkes an der Garnisonkirche ordinierten Feldprediger. Siehe Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 112 ff.
320. Georg Goens spricht in diesem Zusammenhang vom „Wartenslebenschen Kavallerie-Regiment“. Vermutlich ein Irrtum. Tatsächlich war von Wartensleben Kommandeur des Wartenslebenschen Regiments zu Fuß, was nur ein anderer Name für das Infanterieregiment Nummer 1 gewesen ist. Johann Friedrich Walther bestätigt dies. Siehe Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 23 und Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 40.
321. Johann Friedrich Walther und einige sich auf ihn berufende Quellen datieren den Abriß des Tores auf das Jahr 1708. Dies ist allerdings nicht korrekt, wie anderen Quellen zu entnehmen ist. Bei Johann Woltersdorff findet sich beispielsweise die korrekte Angabe 1718. Siehe Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seiten 55 f. und Johann Woltersdorff: Die grosse Macht des Zorns, der Güte und Allmacht Gottes, Bey der am 12. August 1720 von Gott verhängten Zerspringung eines Pulver-Thurms in der Königl. Preußischen Residentz Berlin, augenscheinlich genug erwiesen, und zu eigener, auch anderer, Erbauung aus der Erfahrung selbst, mit möglichstem Fleisse beschrieben von Johann Woltersdorffen, damahligen Cantore der Berlinischen Garnis. Kirche, ietzo Predigern in Kertzlin, In: Umständliche Nachricht, von dem Erschrecklichen Brande in der Königl. Residentz-Stadt Berlin. Durch welchen in der Nacht zwischen dem zweyten und dritten Pfingst-Tage dieses 1730sten Jahres nicht nur der an der St. Petri-Kirchen neuerbaute und bald fertige, aber mit seinem völligen Gerüste noch versehene Hohe Thurm, nachdem der Blitz ihn dreymahl nacheinander gerühret und entzündet hatte, sondern auch die Kirche, das Gymnasium, 2 Prediger- und mehr als 40 andere Häuser, innerhalb 4 Stunden in einen Stein- und Aschen-Hauffen sind verwandelt worden. Nebst einer Beschreibung gedachter Kirchen, Mit verschiedenen Kupffern versehen und herausgegeben von Johann Gustav Reinbeck, Consistorial-Rath, Probst und Inspector. Johann Andreas Rüdiger, Königl. privil. Buchhändler, Berlin 1730, Seite 96.
322. Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 56.
323. Über den Kaufpreis dieser Häuser gibt es in den Quellen sehr widersprüchliche Angaben. Johann Friedrich Walther gibt 2.000 und 1.300 Taler an. C. Brecht bestätigt die 2.000 Taler für das erste Haus, beziffert den Kaufpreis des zweiten allerdings auf 1.500 Taler – Angaben, die auch bei Barbara Kündiger zu finden sind. Und Georg Goens wiederum gibt keine Einzelwerte an, sondern spricht lediglich von einem Aufwand von 3.600 Talern. Siehe Walther, Die gute Hand Gottes, 1737, Seite 27 und Brecht, Die Garnison-Kirche, 1872, Seite 6 sowie Goens, Geschichte der Garnisonkirche, 1897, Seite 24 und schließlich Kündiger: Die neue Kirche, 2004, Seite 82.
325. Trinitatis ist ein Fest im Kirchenjahr, das in der römischen Kirche jedes Jahr am ersten Sonntag nach Pfingsten begangen wird. Im Deutschen wird es auch als Dreifaltigkeitssonntag und Dreieinigkeitsfest bezeichnet.
326. Weigert: Im Namen Gottes?, 2004, Seite 67.