Aus dem Lokalteil

3. Mai 1806: Gefangen in der Jägerstraße

Dieser Beitrag ist Teil 3 von 3 der Beitragsserie "Aus dem Lokalteil"

Am 3. Mai des Jahres 1806 erschien in der kleinen Zeitschrift „Berlin oder der preußische Hausfreund“ ein Bericht, der in der darauffolgenden Nummer fortgesetzt wurde und folgendermaßen beginnt:

Der Anfang des Artikels von J. A. Mercy in der Zeitung "Berlin oder der preußische Hausfreund" vom 3. Mai 1806

Mit dem Abwägen der Vor- und Nachtheile des großstädtischen Lebens beschäftigt, saß ich so eben auf meinem Sorgenstuhle in der Jägerstraße zu Berlin, als mit einem Male Jemand ungestüm an die Thüre klopfte. Es war ein Polizei-Kommissar, der mir einen Straßenarrest ankündigte. Ich konnte ihn nicht willkommen, viel weniger sich setzen heißen, so sehr hatte mich das Sonderbare dieser Ankündigung überrascht, die mir unter dem gewöhnlichern Namen eines Stubenarrestes nicht so aufgefallen wäre. Doch faßte ich bald das Wohlthätige dieser Strafe, und ergab mich, mir keiner Schuld bewußt, in diese Verfügung der geheimen Polizei.[1]J. A. Mercy: Meine Gefangenschaft in der Jägerstraße zu Berlin im Jahre 1806, In: Berlin oder der preußische Hausfreund – Eine patriotische Zeitschrift für gebildete Leser jedes Standes, Jahrgang 1, Verlag Wilhelm Dieterici, Berlin, 1806. Teil 1 erschien in der Ausgabe 10 vom 3. Mai 1806, Seiten 42 bis 44, Teil 2 in der Ausgabe 11 vom 6. Mai 1806, Seiten 48 und 49. Digitalisiert durch die Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2017.

Es war zu jener Zeit nichts Ungewöhnliches, daß die Polizei des preußischen Staates Hausarreste gegen unbotmäßige Bürger verhängte. Daß man dies willkürlich tat und ihnen den Grund dafür nicht nannte, muß angesichts des feudalen Staates jener Zeit nicht unbedingt verwundern. Ein Straßenarrest war hingegen eine außergewöhnliche Maßnahme. Im heutigen sprachvergessenen Neu-Deutsch würde er wohl als persönlicher Lockdown bezeichnet werden.

Auch dem Verfasser, der seinen Bericht „Meine Gefangenschaft in der Jägerstraße zu Berlin im Jahre 1806“ überschrieben und mit J. A. Mercy unterzeichnet hat, kommt dies merkwürdig vor. Wir können wohl davon ausgehen, daß es sich bei ihm um den in Überlingen am Bodensee geborenen Juristen und Königlichen Geheimen Sekretär Joseph Aloys Mercy handelt, der von 1764 bis 1833 lebte und als Registrator bei der Königlichen Lotterie in Berlin angestellt war[2]Lebensdaten und berufliche Angaben wurden dem Eintrag für Joseph Aloys Mercy im Portal journals@UrMEL der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena (ThULB) entnommen, abgerufen am 16. November 2020.[3]Daß Mercy Königlicher Geheimer Sekretär war, wird in der Rezension der zweiten Auflage des Buches Joseph Aloys Mercy: Reise einer Französischen Emigrantin durch die Rhein-Gegenden im Jahre 1793. In Briefen an einen deutschen Domherrn“, Franke, Berlin, 1798 erwähnt, die in der Allgemeinen Literatur-Zeitung, Jahrgang 14, Jena und Leipzig, 1799, Nummer 48, Seite 383, erschien.[4]Die Tätigkeit Mercys wird in dem Buch Claudia Opitz, Ulrike Weckel, Elke Kleinau (Herausgeber): Tugend, Vernunft und Gefühl – Geschlechterdiskurse der Aufklärung und weibliche Lebenswelten, Waxmann Verlag GmbH, Münster, New York, München, Berlin, 2000, ISBN 3-89325-844-2, in Fußnote 59 auf Seite 242 erwähnt.. Und wenn er sich auch die gegen ihn verhängte Maßnahme nicht recht erklären kann, so fügt er sich doch in sein Schicksal und beginnt zu überlegen, welche Konsequenzen für sein persönliches Leben die Beschränkung seines Aufenthaltes auf die Jägerstraße mit sich bringen wird. Und weil die Darstellung dieser Überlegungen ihm in seinem Bericht zu einem recht anschaulichen Lebensbild dieser damals recht zentralen Berliner Straße gerät, das im Vergleich mit deren heutigem Zustande überaus interessant ist, wollen wir diesen hier wiedergeben, hier und da ergänzt um einige kommentierende Worte und Erläuterungen.

Zunächst grübelt der Verfasser noch ein wenig darüber nach, welche Empfindungen diese freiheitsbeschränkende Maßnahme in ihm auslöst:

In der Freiheit, frische Luft zu genießen, und in der langen und breiten Jägerstraße nach Gefallen zu promeniren, nicht eingeschränkt, nahm ich dennoch eine Empfindung in mir gewahr, die der jenes Greises ähnlich seyn mochte, welcher unter Ludwig XIV. zu Paris sich über das Verbot, vor eins der Thore zu gehen, zu Tode härmte, obwohl er siebenzig Jahre lang und freiwillig nie, eines berührt hatte, und der König ihn nur der Seltenheit wegen, als ein Beispiel lebenswieriger Enthaltsamkeit von allen Promenaden außerhalb der Stadt, verewigen wollte.

Mein Schreckensmann von der Polizei war kaum wieder auf seiner Rückkehr, als ich beide Fensterflügel aufriß, nicht, um ihm nachzusehen, sondern den Spielraum meiner Freiheit, die ganze Jägerstraße von einem Ende zum andern, von Sonnenaufgang bis Niedergang mit gierigen Augen zu durchmessen. Gleich einem Kaufmanne berechnete ich, im Fenster liegend, alle Bedürfnisse des Lebens, das Nützliche und Angenehme desselben von allen Seiten, neugierig, ob ich bei dem heute beginnenden Straßenarreste viel oder wenig würde entbehren müssen.

Diese Berechnungen werden sogleich in sehr konkrete Richtungen gelenkt, veranlaßt durch die eine oder andere kleine Mißlichkeit, wie sie einem zu jeder Zeit des Tages immer wieder passieren können, ohne daß man ihnen unter normalen Umständen besonders viel Aufmerksamkeit schenkte. Ist man jedoch in seiner Bewegungsfreiheit plötzlich eingeschränkt, können sie von einem an Komfort gewöhnten Zeitgenossen unverhofft als Problem empfunden werden, was auch der Autor an sich bemerkt:

In demselben Augenblicke ging nicht nur mein Pfeifchen, sondern auch mein ganzer Vorrath von Rauchtaback zu Ende; dies ängstigte mich bei dem Gefühl der verlornen Freiheit, ich rollte meine Augen gewaltig die Jägerstraße entlang, und entdeckte glücklicher Weise No. 57. die vortreffliche Tabackshändlerin, Wittwe Pahl. Nun war guter Rath nicht mehr theuer, weder für Rauch- noch Schnupftaback.

Vor einer halben Stunde noch frei, war ich es auch ziemlich von den kleinen Bedürfnissen des Tages; mein jetziger Zustand aber regte eins nach dem andern auf, und machte dringend, was ich als ein ganz freier Mensch vergessen, oder leicht vermißt haben würde. Die Lust zu lesen erwachte mit dem Verbote, in der Stadt, oder vor dem Thore umherzugehen; ich sah wieder aus dem Fenster, suchte von Haus zu Haus, und fand Nr. 18. in der Jägerstraße eine deutsche, französische, englische und italienische Lesebibliothek; Nr. 25. Krabousky’s Leihbibliothek; Nr. 36. Simonssohn’s Ein- und Verkauf gebundener Bücher; Nr. 43. Unger’s Buchhandlung und Druckerei; Nr. 62. den Buchbinder Laqnac, und unter dem Bogengange der Jägerbrücke, neben dem französischen Spritzen- oder Wasserhause, Quien’s Buchbandlung, Nr. 48.

Als Leser und Büchermacher war ich also berathen, mit in- und ausländischen Journalen und Zeitungen auf ein halbes Jahrhundert in Salvo.

Die erwähnte Tabakshändlerin hatte ihren Laden auf der nördlichen Seite der Jägerstraße, genau an der Ecke zur Charlottenstraße. Daß nur diese eine Quelle für Tabakwaren erwähnt, demgegenüber aber vier mit dem Buchwesen befaßte Geschäfte und zwei Leihbibliotheken genannt werden, spiegelt die Rolle wider, die der Literatur in der Zeit der Aufklärung zukam. Weil aber nur wenige Menschen das Geld besaßen, das nötig war, um Bücher für den eigenen Besitz erwerben zu können, erlangten Leihbibliotheken zu jener Zeit enorme Bedeutung. Hier konnte man die zum Studieren benötigte Literatur ausleihen, doch für die breite Öffentlichkeit viel wichtiger war, daß es hier auch die beliebte belletristische Literatur gab, die sie so sehr begehrte zu lesen. 1830 zählte man in Berlin 36 dieser privaten Leihbibliotheken, zwanzig Jahre später waren es mit 61 fast doppelt soviele[5]Marie Haller-Nevermann: Mehr ein Weltteil als eine Stadt – Berliner Klassik um 1800 und ihre Protagonisten, Verlag Galiani, Berlin, 1. Auflage, 2018; ISBN 978-3-86971-113-3, Seite 372/373.. Doch die Anfänge dieser vielgeschätzten Einrichtungen lagen viel früher, wie wir der Schilderung Mercys entnehmen können. In der Jägerstraße gab es 1806 offenbar gleich zwei Bücherverleiher. Krabousky’s Leihbibliothek in Nummer 25, die Mercy erwähnt, gibt dabei hinsichtlich des Namens ein kleines Rätsel auf, denn es dürfte sich dabei um keine andere als die an dieser Adresse ansässige Leihbücherei von Friedrich Wilhelm Joseph Kralowski (oder auch Kralowsky) handeln, die dieser 1796 gegründet hatte und die mit 40.000 Bänden schon bald zu einer der größten Leihbibliotheken Berlins zählte. Zu ihren Lesern gehörte einige Jahre später auch der Dichter, Maler, Komponist und Kammergerichtsrat E. T. A. Hoffmann[6]Marie Haller-Nevermann: Mehr ein Weltteil als eine Stadt – Berliner Klassik um 1800 und ihre Protagonisten, Verlag Galiani, Berlin, 1. Auflage, 2018; ISBN 978-3-86971-113-3, Seite 372/373.. Sie befand sich auf der südlichen Straßenseite östlich der Markgrafenstraße, etwa dort, wo man heute in das Gebäude der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften gelangt.

Ein ganzes Stück weiter auf der Straßenseite gegenüber, nahe an der Ecke zur Oberwallstraße, war die erwähnte Buchhandlung Unger zu finden. Diese gehörte Johann Friedrich Gottlieb Unger, der 1753 in Berlin geboren worden war. 1779 hatte er das Recht zur Einrichtung einer eigenen Buchdruckerei beantragt – ein Privileg, das ihm im darauffolgenden Jahr gewährt wurde. Er erwies sich als recht geschäftstüchtig, denn schon bald konnte er sein Unternehmen um einen Verlag erweitern, zu dessen Programm wenig später die Herausgabe regelmäßig erscheinender Periodika gehörte – in seinen besten Zeiten mindestens zweiundzwanzig verschiedene. Doch auch Bücher veröffentlichte Unger. So gehörten unter anderem die Werke Goethes, Schillers und Schleiermachers sowie der Brüder Schlegel zu seinem Repertoire. Als Akademischer Buchhändler war Johann Friedrich Gottlieb Unger für den Verlag der Schriften verantwortlich, die die Akademie der Wissenschaften herausgab. 1790 wurde er, der auch auf dem Gebiet des Holzschnitts tätig war, überdies Mitglied in der Akademie der Künste. 1794 entwickelte er mit der nach ihm benannten „Unger-Fraktur“ eine eigene Druckschrift, die noch im 20. Jahrhundert weithin verwendet wurde. Seit 1785 war Unger mit Helene Friederike von Rothenburg verheiratet, die als Friederike Helene Unger eine bekannte Schriftstellerin wurde. Bereits seit 1780 war sie publizistisch tätig gewesen. Ihr Roman „Julchen Grünthal“, der 1784 erschienen war, hatte sie weithin berühmt gemacht. Das Haus in der Jägerstraße 43 hatten die Ungers, die zuvor in der Brüderstraße gewohnt hatten, im Jahre 1789 bezogen. Nachdem Unger im Jahre 1804 verstorben war, führte seine Witwe das Unternehmen weiter. In der wirtschaftlichen Krise, die auf die Niederlage Preußens gegen Napoléon folgte, konnte sie das Unternehmen jedoch nicht am Leben halten, so daß es im Jahre 1811 schließlich in Konkurs ging[7]Sebastian Panwitz: Forschungen zum Berliner Verlagswesen um 1800, erschienen 2001 auf der Website Berliner Klassik. Eine Großstadtkultur um 1800, herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 5. Dezember 2020..

Die Jägerstraße - Ausschnitt aus einem Stadtplan von 1772
Der gesamte Verlauf der Jägerstraße auf einem Stadtplan von Berlin aus dem Jahre 1772. Zu dieser Zeit existieren der Grüne Graben und mit ihm die Jägerbrücke noch.
Quelle: Neuer geometrischer Plan der gesammten Königlich-Preußischen und Churfürstlich-Brandenburgischen Haupt- und Residentzstadt Berlin, Lotter, Augsburg, ca. 1772 – Digitalisiert durch die Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2011.
Bearbeitet: Alexander Glintschert
Gemeinfrei, da urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen.

Wer schon einmal die heutige Jägerstraße entlanggegangen ist, mag sich über die erwähnte Jägerbrücke verwundern, denn eine solche ist weit und breit nirgends zu entdecken. Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts hat es diese Brücke jedoch gegeben. Sie führte die Jägerstraße über den Grünen Graben, der einst für die ab 1658 nach Plänen des Baumeisters Johann Gregor Memhard auf Anordnung des Großen Kurfürsten errichteten Festungsanlagen als westlicher Teil des diesen vorgelagerten Wassergrabens angelegt worden war, welcher den Ober- mit dem Unterlauf der Spree verband. Weil er die Stadt Cölln und den Friedrichswerder umschloß, erhielt er den Namen Cöllnischer Festungsgraben. Später bezeichnete man ihn jedoch einfach nur noch als Grünen Graben.

Eine lange Existenz war den Festungswerken nicht vergönnt. Mit dem Anwachsen der Vorstädte ging ihre militärische Bedeutung mehr und mehr zurück, so daß sie bereits zur Zeit der Regentschaft des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. völlig überflüssig geworden waren. Nicht einmal hundert Jahre nach ihrer Errichtung riß man sie 1732 wieder ab. Nur die beiden Teile des Festungsgrabens – im Westen der Grüne und im Osten der Königsgraben, blieben zurück, über die man, um den Verkehr zu fördern, nun Brücken schlug. So entstand auch an der Jägerstraße eine solche – zunächst aus Holz. Das war 1736. Als Friedrich II. sein Projekt zur Verschönerung Berlins einleitete, beauftragte er 1782 Georg Christian Unger mit dem Bau einer neuen, steinernen Brücke, auf der er genau wie auf der Spittel- und der Königsbrücke Kolonnaden errichten ließ, die jedoch im Vergleich mit ihren Schwesterbauten vergleichweise schlicht ausfielen, denn wirklich bedeutend war die Jägerstraße nicht. Und wieder blieb es nicht lange bei diesem Zustand. Bereits in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts riß man die Kolonnaden wieder ab, und die Brücke teilte ihr Schicksal, als man 1883 den Grünen Graben verfüllte. Heute kann man den Ort, an dem sie sich einst befand, nurmehr an dem merkwürdigen, dem Straßenverlauf nicht angemessenen Knick erahnen, den die südliche Straßenfront der Jägerstraße zwischen Oberwall- und Markgrafenstraße vollzieht[8]Eine kurze Geschichte des Grünen Grabens, in der auch die Jägerbrücke mit ihren Kolonnaden erwähnt wird, findet sich in Frank Eberhardt: Aufstieg und Fall des Grünen Grabens – Zur Geschichte des Festungsgrabens um Cölln, Berlinische Monatsschrift Heft 7-2/2001, Edition Luisenstadt..

Widmen wir uns nun wieder unserem Königlichen Geheimen Sekretär, den wir mit unseren Betrachtungen eine kleine Weile aufgehalten haben. Und wie es scheint, doch ein wenig zu lange:

Jetzt kam das Schlimmste zum Schlimmen, – ich hatte mir in dem offnen Fenster eine Erkältung zugezogen. Wo finde ich armer Gefangener eine gute Apotheke?

Sieh, da residirt – noch ungestört in seiner langen Regierung – der König Salomo, und zeigt mir, statt seiner Kebsweiber des alten Testaments, tausend moderne Büchsen der neuen Pandora – Flitner Nr. 51. Krank kann ich also während meines Arrestes, aber nicht hülflos seyn.

Es ist dieser Passus nicht ganz leicht zu verstehen, doch wird er sogleich klarer, wenn man weiß, daß der Apotheker Christian Gottfried Flittner sein Arzneiengeschäft „Apotheke zum König Salomo“ genannt hatte. Er lebte von 1770 bis 1828, hatte Medizin, Pharmazie und Philosophie in Leipzig studiert und besaß die Apotheke seit 1797. Sie befand sich nahe der Jägerbrücke auf der nördlichen Straßenseite. Als Hilfslehrer der Pharmazie war er an der Tierarzneischule tätig und wurde im Jahre 1808 Ober-Medizinal- und Sanitäts-Assessor am Collegium Medico-Chirurgicum in Berlin, der Aufsichtsbehörde für das preußische Gesundheitswesen. 1809 übernahm er den Friedrichs-Gesundbrunnen, ein an einer Heilquelle nahe der Panke errichtetes Bad, das dem Berliner Stadtteil Gesundbrunnen seinen Namen gab. Er taufte es Luisenbad – wofür er von der populären Königin Luise höchstpersönlich die Zustimmung erhielt – und blieb bis 1816 dessen Inhaber[9]Leopold von Ranke: Briefwechsel. Historisch-kritische Ausgabe. Band 1: 1810-1825. Neu bearbeitet von Dietmar Grypa. Walter de Gruyter GmbH, Berlin, Boston, 2016, ISBN 978-3-486-59005-0. Die Informationen zu Flittner finden sich auf Seite 359 in Fußnote 33 zu einem Brief, in dem Ranke Flittner erwähnt – als Eigner einer Buchhandlung, die er besuchte. Flittner war ein umtriebiger Geschäftsmann und besaß auch einige Buchhandlungen in Berlin, Cottbus und Frankfurt an der Oder..

Der Gesundbrunnen um das Jahr 1770 - Prospekt von Johann Daniel Schleuen
Prospekt des Gesundbrunnens bei Berlin um das Jahr 1770. Im Jahre 1809 übernahm der in der Jägerstraße ansässige Apotheker Christian Gottfried Flittner dieses Areal und machte daraus sein Luisenbad.
Kupferstich von Johann Daniel Schleuen.
Quelle: Wikimedia Commons,
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Während dieser kurzen Betrachtung hat sich unser Delinquent bereits wieder leidlich erholt und Pläne für etwas Aktivität ins Auge gefaßt:

Unterdessen ward es Zeit auszugehen, ich sah nach der Uhr, die Kette war zersprengt; ich schlug den Adreßkalender nach, und fand Nr. 55 den Uhrmacher Ravené und Nr. 38 den Uhrmacher Richard. Beide wohnen in dem Bezirke meiner Freiheit.

Ich wollte mich ankleiden, Rock und Weste waren zerrissen, die letztere ganz unbrauchbar. In der Meinung, daß ich den äußern Menschen eben so wenig, als den innern, über meine Freiheitsgrenze schicken dürfte, besann ich mich des Kleidermachers Müller auf der Jägerbrücke und Zulchert’s Nr. 55, die zu jeder beliebigen Stunde fertige Kleider anziehen, und Leute machen.

Bei dem hier so beiläufig erwähnten, im Haus Nummer 55 ansässigen Uhrmacher handelt es sich um Samuel Frederic Ravené, der es in seinem Geschäft immerhin zum Hofuhrmacher König Friedrich Wilhelms III. von Preußen brachte[10]Eintrag zu Samuel Frederic Ravené im Watch-Wiki – Das große Uhrenlexikon, Herausgeber: Faszination Glashütte, Dresden. Version vom 27. Oktober 2016, 14:03, abgerufen am 21. November 2020.. Das Berliner Stadtmuseum besitzt in seiner Uhrensammlung heute einige Stücke seiner Firma. 1799 war sein Geschäft noch in der Nummer 20 zu finden[11]Zu entnehmen ist dies in dem Adreßbuch Karl Neander von Petersheiden: Anschauliche Tabellen von der gesammten Residenz-Stadt Berlin, worin alle Straßen, Gassen und Plätze in ihrer natürlichen Lage vorgestellt, und in denenselben alle Gebäude oder Häuser wie auch der Name und die Geschäfte eines jeden Eigenthümers aufgezeichnet stehen. Dargestellt von Neander 2ten Königl. Preuss. Lieut. beim Artillerie-Corps, Verlag von Karl Neander von Petersheiden, Berlin, 1799 auf den Seiten 59 ff.. Bereits zwei Jahre später, 1801, gab das Adreßbuch die erwähnte Nummer 55 als Adresse an[12]Dies verzeichnet die Neuausgabe des Adreßbuchs Karl Neander von Petersheiden: Neue anschauliche Tabellen von der gesammten Residenz-Stadt Berlin, oder Nachweisung aller Eigenthümer, mit ihrem Namen und Geschäfte, wo sie wohnen, die Nummer der Häuser, Straßen und Plätze, wie auch die Wohnungen aller Herren Officiere hiesiger Garnison, zum zweitenmale dargestellt von Neander v. Petersheiden, Königl. Preuß. PremierLieutenant im Artillerie-Corps, Verlag von Christian Friedrich Ernst Späthen, Berlin, 1801, Seiten 68 ff. Auf diesem Adreßbuch basieren die meisten der Positionsangaben in diesem Text.. Allerdings hatte sich das Geschäft, das sich auf der nördlichen Straßenseite der Jägerstraße nahe der Ecke zur Markgrafenstraße befand, in der Zwischenzeit keinen Meter bewegt. Schuld an der Veränderung war eine Neuvergabe der Hausnummern in der Jägerstraße, die in der Zwischenzeit stattgefunden hatte[13]Weil es zur damaligen Zeit wegen der überschaubaren Größe Berlins noch üblich war, in den Adreßbüchern die Straßenzüge bildhaft wiederzugeben und mit den Hausnummern und den Namen der Ansässigen zu versehen, kann man dies durch einen direkten Vergleich der beiden Ausgaben des Berliner Adreßbuchs von Karl Neander von Petersheiden anschaulich nachvollziehen. Von besonderem Interesse ist dabei die Tatsache, daß dem Adreßbuch von 1799 zufolge die Jägerstraße in diesem Jahr die Hausnummern 1 bis 37 jeweils zweimal aufwies. Begründet war das darin, daß man am Anfang der Jägerstraße (an der Mauerstraße) auf der rechten Straßenseite mit 1 zu zählen begann. Die Numerierung lief die gesamte rechte Straßenseite entlang bis zum Ende der Jägerstraße am Werderschen Markt, wo die Hausnummer 37 zu finden war. Dort begann man auf der gegenüberliegenden Straßenseite wieder von 1 an zu zählen. Die Hausnummern liefen zurück bis zur Mauerstraße, wo sich die Nummer 40 befand. An der Ecke der Jägerstraße zur Markgrafenstraße lagen sich so zwei Hausnummern 21 direkt gegenüber. Offenbar war diese Zählweise auf die Dauer dann aber doch zu verwirrend, so daß man sie bis 1801 so änderte, daß man nach wie vor an der Mauerstraße bei 1 begann, am Werderschen Markt bei nunmehr Nummer 36 anlangte und auf der gegenüberliegenden Straßenseite mit Nummer 37 fortsetzte. Die Numerierung lief dann bis zur Mauerstraße zurück, wo sich nun die Nummer 76 befand.. Die Ravenés waren eine aus Metz in Lothringen nach Berlin geflüchtete Hugenotten-Familie, deren Mitglieder insbesondere in Berlin mehrere Unternehmen aufbauten. Das bekannteste war die im Eisenwarenhandel tätige Firma Jacob Ravené Söhne, die 170 Jahre bestand[14]Felix Escher: Ravené (Eisenindustrielle), In: Neue Deutsche Biographie, Band 21, Duncker & Humblot GmbH, Berlin, 2003, ISBN 3-428-11202-4, Seiten 220 f.. Einem ihrer Nachfahren, Jacob Louis Fréderic Ravené, ist es zu verdanken, daß die Reichsburg Cochem an der Mosel heute noch als vollständig intakte Burganlage erhalten ist, denn er erwarb die damals nur noch als Ruine existierende Burg im Jahre 1868, um sie wiederaufbauen zu lassen und als Sommersitz zu nutzen[15]Webseite der Reichsburg Cochem, Seite „Die Burg“ mit einer Darstellung der Geschichte der Burg. Abgerufen am 21. November 2020.. Eben diesem Ravené setzte im übrigen Theodor Fontane mit der Figur des Ezechiel van der Straaten in seinem Roman „L’Adultera“ ein literarisches Denkmal, dessen Handlung er ein tatsächliches Geschehnis im Hause Ravené zugrundelegte[16]Therese Wagner-Simon: Das Urbild von Theodor Fontanes „L’Adultera“, Stapp Verlag, Berlin, 1992, ISBN 3-87776-350-2..

Ist man in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt, rückt alsbald das leibliche Wohl in Form von Speis und Trank ins direkte Blickfeld. Das stellt auch der Arrestant unserer Geschichte sehr bald fest:

Mit der Mittagssonne rückte meine größte Verlegenheit heran; mein bisheriges Speisehaus lag weit jenseits der Jägerstraße, ich sann hin und her, endlich stieg ein viel versprechender Rauch Nr. 15. aus dem Bölkeschen Schornsteine, und mir war geholfen, so lange ich nicht meine Zuflucht in gemeine Speisehäuser dieser Gegend zu nehmen brauchte.

Bei Tische verlangte mich nach Wein, und es war mein Glück, Nr. 28. Rosiefska, Nr. 37. den stadt- und landbeliebten Hippel, Nr. 4o. Lamartinière, und Nr. 56. Thiermann zu meinen Nachbarn in der Jägerstraße zu haben.

Zur Verdauung bedurfte ich frischen Kaffee, und mir standen unzählige Materialhandlungen an allen Ecken meiner Straße, besonders die von Dieterich, Pahl und Thiermann offen.

Der „stadt- und landbeliebte Hippel“, den Mercy als Einzigen in seiner Aufzählung derart heraushebt, war die Weinhandlung „J. F. Hippel“, die sich zu jener Zeit an der Mündung der Jägerstraße auf den Werderschen Markt befand, über ein angeschlossenes Weinlokal verfügte und für ihre außerordentlich guten Weine beliebt war. Als Otto Neurath viele Jahre später seine biographische Betrachtung von „Ludwig Hermann Wolframs Leben“ verfaßte, dessen „Faust“-Dichtung er neu herausgab und der einst in der Weinstube Hippel verkehrt hatte, beschrieb er darin dieses stadtbekannte Lokal:

An der Ecke von der **Straße und dem Münzplatze befindet sich ein Weinkeller. In diesem schenkt man weit und breit in der Residenz den besten Burgunder. Dessen ungeachtet ist der Keller nur spärlich besucht und man sucht lieber renommirtere Häuser, wo es schlechteren Burgunder gibt. Aber eine kleine Zahl Andersgesinnter, die der wahrhaftigen Rebe von Burgund noch ihre gebührende Ehre erweist, und es verschmäht, sich an dem Gewächs, das nur aussieht wie Wein, zu begeistern – diese kleine Zahl von Stammgästen ist dem freundlichen Herrn H…, der auch einst bessere Tage gesehen, treu geblieben. So kommt es, daß man auch oft noch zu später Abendstunde einige stille Gäste in den beiden traulichen Kellerzimmerchen antrifft, die bei ihrem Glas Wein nicht allzuviel Redens machen, und höchstens, wenn sie einmal vom herrlichen Gott Dionysos so recht innig angeglüht sind, eine lebhafte gemüthliche oder phantastische Unterhaltung anstimmen. Aber, wie bemerkt, der Burgunder-Dionysos, den Herr H… spendet, läßt nichts zu wünschen übrig, und Herr H… selbst ist ein genießbarer, charmanter Weinwirth, der gerade soviel Poesie und Weltbetrachtung besitzt, um einen stillen Gast, der sich bei ihm „montiren“ will, Anregung zu geben und Anlaß, sich auszusprechen.[17]Otto Neurath: Ludwig Hermann Wolframs Leben, In: F. Marlow (Ludwig Hermann Wolfram): Faust – Ein dramatisches Gedicht in drei Abschnitten. Neu herausgegeben und mit einer biographischen Einleitung versehen von Otto Neurath, Band 1, Ernst Frensdorff, Berlin, 1906, Seiten E70 f.

Der Werdersche Markt um 1810 - Zeichnung von Friedrich August Calau
Der Werdersche Markt um 1810 mit der Königlichen Münze. Links steht im Hintergrund die alte Friedrichswerdersche Kirche – der Vorgängerbau der heutigen Schinkel-Kirche. In der linken unteren Bildecke ist gerade noch die Weinhandlung „J. F. Hippel“ zu sehen, erkennbar an den beiden großen Weinfässern.
Zeichnung von Friedrich August Calau.
Quelle: Wikimedia Commons,
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Als die Weinhandlung Hippel später weitere Lokale im gesamten Stadtgebiet eröffnete – es gab Filialen in der Landsberger Straße 42 nahe dem Alexanderplatz, in der Friedrichstraße 94, in der Dorotheenstraße und in der Poststraße -, blieb die Weinstube in der Jägerstraße dennoch die bekannteste[18]Ebenda, Seite E70.. E. T. A. Hoffmann erwähnte sie in seiner Erzählung „Die Brautwahl“[19]Johannes Glintschert: E. T. A. Hoffmann: Eine Spurensuche in Berlin, erschienen am 22. August 2020 auf Anderes.Berlin. und der für sein außerordentliches Talent ebenso wie für seine Trinkfestigkeit bekannte Schauspieler Ludwig Devrient verkehrte hier regelmäßig[20]Otto Neurath: Ludwig Hermann Wolframs Leben, In: F. Marlow (Ludwig Hermann Wolfram): Faust – Ein dramatisches Gedicht in drei Abschnitten. Neu herausgegeben und mit einer biographischen Einleitung versehen von Otto Neurath, Band 1, Ernst Frensdorff, Berlin, 1906, Seiten E62 und E70.. 1816 erhielt die Weinstube eine der ersten Gasbeleuchtungsanlagen der Stadt[21]Ilja Mieck: Preußische Gewerbepolitik in Berlin 1806-1844 – Staatshilfe und Privatinitiative zwischen Merkantilismus und Liberalismus, Walter de Gruyter & Co., Berlin, 1965, Seite 118..

Die „Italiänische Handl[ung] bey Thiermann“ nennt E. T. A. Hoffmann das Geschäft in der Nummer 56 auf seiner berühmten Federzeichnung, dem sogenannten „Kunzischen Riß“[22]Hoffmanns Wohnung in der Taubenstraße und Umgebung (der sog. Kunzische Riss), auf der Website des E.-T.-A.-Hoffmann-Archivs bei der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, abgerufen am 22. November 2020. Eine Darstellung in besserer Auflösung findet sich bei Wikipedia. Das Geschäft ist in der linken oberen Bildecke vermerkt.. Sie befand sich direkt neben dem Geschäft des Uhrmachers Ravené nahe der Markgrafenstraße. Hier konnte man Extrafeinen Rum ebenso erstehen wie eine Vielzahl erlesener Kostbarkeiten, die man als italienische Waren bezeichnete – beispielsweise Austern und Caviar, Maronen, Lachs und Kapern[23]Wegweiser für Fremde und Einheimische durch Berlin und Potsdam und die umliegende Gegend, enthaltend eine kurze Nachricht von allen daselbst befindlichen Merkwürdigkeiten. Fünfte gänzlich umgearbeitete und verbesserte Auflage 1821, Nicolaische Buchhandlung, Berlin, Seiten 108 f.. In Hoffmanns Berlin-Geschichte „Die Abenteuer der Sylvester-Nacht“ ist die „Materialhandlung“ ein bedeutender Handlungsort und wird von ihm eindrücklich gerühmt[24]Johannes Glintschert: E. T. A. Hoffmann: Eine Spurensuche in Berlin, erschienen am 22. August 2020 auf Anderes.Berlin.. Hier wurden die Waren nicht nur verkauft, sondern es gab hinter dem Verkaufslokal auch eine sogenannte Wein- und Austernstube, von der gesagt wird, Prinz Louis Ferdinand habe sie mit seinen Freunden oft und gern aufgesucht. 1865 gab es das Geschäft immer noch, und es lieferte mittlerweile sogar an den königlichen Hof[25]J. A. Bünger: Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger nebst Adreß- und Geschäftshandbuch für Berlin, dessen Umgebungen und Charlottenburg auf das Jahr 1865. Aus amtlichen Quellen zusammengestellt durch J. A. Bünger, Jahrgang 10, Verlag von A. W. Hayn, Berlin, 1865, Seite 70.. Gegründet hatte es Adam Gottlieb Thiermann, der nicht nur ein erfolgreicher Geschäftsmann war, sondern auch eine bedeutende Gemäldegalerie und Kupferstichsammlung besaß. Als Lehrling des Italienerwarenhändlers und Verlegers Jean Morino war er oft ins Haus von Daniel Chodowiecki gesandt worden, mit dem Morino eine rege geschäftliche Beziehung pflegte. So bereits in seiner Jugend mit der Kunst in Kontakt gekommen, entwickelte er früh eine Liebe zu ihr und zu den Werken Chodowieckis im Besonderen, die er später, nachdem er sich als selbständiger Geschäftsmann mit seiner Handlung für italienische Waren etabliert hatte, neben vielen anderen Werken für seine Kunstsammlung erwarb, welche er in der oberen Etage seines Hauses in der Jägerstraße unterbrachte. Nach seinem Tode erstanden die Königlichen Museen einen Teil der Sammlung, der Rest wurde über Auktionen in die Welt verstreut[26]Adolph Donat: Psychologie des Kunstsammelns, 3. vermehrte Auflage 1920, Verlag Richard Carl Schmidt & Co, Berlin, Seiten 119 f..

Nach dem Mittagsmahle hinreichend gesättigt, sieht sich unser Delinquent der nächsten kleinen Mißlichkeit gegenüber, die er glücklicherweise jedoch schnell lösen kann, denn nun steht ihm Besuch ins Haus:

Allein meine blecherne Kanne fing an zu rinnen, und ich schenkte dem Klempner Kraft Nr. 69. schon seines Namens wegen, vor andern mein Vertrauen, sie wieder zu ergänzen.

Von der Nachricht meiner Gefangenschaft herbeigelockt, besuchten mich bald darauf einige meiner Freunde. Ich schickte über Hals und Kopf zu dem Kuchenbäcker Schauß Nr. 39. und in die Bier-Niederlagen Nr. 18. und 42, um sie zu überzeugen, daß ich, Trotz meines Arrestes, an der Quelle alles Guten, Nothwendigen und Überflüssigen säße.

Wo aber so viele Gläser hernehmen? – Die Glashandlung Huck Nr. 58. war ganz nahe.

Die Langeweile in meiner Garçonwirthschaft zu tödten, wünschten sie Musikalien und ein Fortepiano zu haben. Detroit an der Jäger- und Friedrichsstraßen-Ecke, Rellstab Nr. 18. und Werkmeister Nr. 33. wurden als Verkäufer und Vermiether derselben gleich in Requisition gesetzt, und die Wünsche meiner Gesellschaft erfüllt.

Es fehlte uns bei einbrechender Nacht an Leuchtern, und die Bronzefabrik Werner und Mieth, Nr. 64. schaffte für Geld und gute Worte das Nöthige gleich herbei.

Der erwähnte Klempner macht es dem, der in den einschlägigen Adreßbüchern jener Jahre nach ihm Ausschau hält, einigermaßen schwer. 1799 findet man ihn unter dem Namen Krafft in der Hausnummer 24, zwei Eingänge neben dem Tabakladen der Witwe Pahl, also nahe der Charlottenstraße[27]Zu entnehmen ist dies dem Adreßbuch Karl Neander von Petersheiden: Anschauliche Tabellen von der gesammten Residenz-Stadt Berlin, worin alle Straßen, Gassen und Plätze in ihrer natürlichen Lage vorgestellt, und in denenselben alle Gebäude oder Häuser wie auch der Name und die Geschäfte eines jeden Eigenthümers aufgezeichnet stehen. Dargestellt von Neander 2ten Königl. Preuss. Lieut. beim Artillerie-Corps, Verlag von Karl Neander von Petersheiden, Berlin, 1799 auf den Seiten 59 ff.. Zwei Jahre später weist das Verzeichnis ihn unter verändertem Namen – nämlich Kraft – und mit anderer Hausnummer aus. Die bereits erwähnte Neunumerierung in der Jägerstraße hat aus der 24 die 59 werden lassen[28]Dies verzeichnet die Neuausgabe des Adreßbuchs Karl Neander von Petersheiden: Neue anschauliche Tabellen von der gesammten Residenz-Stadt Berlin, oder Nachweisung aller Eigenthümer, mit ihrem Namen und Geschäfte, wo sie wohnen, die Nummer der Häuser, Straßen und Plätze, wie auch die Wohnungen aller Herren Officiere hiesiger Garnison, zum zweitenmale dargestellt von Neander v. Petersheiden, Königl. Preuß. PremierLieutenant im Artillerie-Corps, Verlag von Christian Friedrich Ernst Späthen, Berlin, 1801, Seiten 68 ff. Auf diesem Adreßbuch basieren die meisten der Positionsangaben in diesem Text.. Ihn jedoch in der von Mercy erwähnten Nummer 69 zu finden, erfordert einen Blick in das Adreßbuch von 1812, das ihn dann allerdings wieder unter dem Namen Krafft führt. Er ist nun tatsächlich umgezogen, so daß sich seine Werkstatt jetzt hinter der Friedrichstraße, nahe der Canonierstraße befindet, die heute Glinkastraße heißt[29]Salomo Sachs: Allgemeiner Straßen- und Wohnungs-Anzeiger für die Residenzstadt Berlin, J. E. Hitzig, Berlin, 1812, Seite 160..

Wenn vom „Kuchenbäcker Schauß“ – oder auch Schaus – die Rede ist, so darf man sich darunter nicht etwa ein Backwarengeschäft vorstellen, wie wir es heute kennen – etwas, das meist Back-Shop heißt und in dem es lediglich industriell vorgefertigte Backwaren gibt, die das Verkaufspersonal vor Ort bestenfalls noch in einem Schnellbackofen auf- oder fertigbäckt. Damals verstanden sich die Bäcker auch in der Stadt noch auf ihr Handwerk. Schauß in der Jägerstraße war darüber hinaus aber auch eine Konditorei – etwas, das in Wien Kaffeehaus heißt und das man im heutigen Berlin in weiten Teilen meist auch vergeblich sucht. Sie war vor allem bei der Damenwelt beliebt. Frauen suchten in Berlin Konditoreien meist nur ausnahmsweise auf, und wenn, dann in Herrenbegleitung. Die Schauß’sche Konditorei bildete jedoch eine Ausnahme, denn die Damen der Stadt besuchten sie als einzige auch ohne Begleitung und bewegten sich dort „ziemlich ungeniert“[30]Robert Springer: Berlin’s Strassen, Kneipen und Clubs im Jahre 1848, Verlag Friedrich Gerhard, Berlin, 1850, Seite 32.. So jedenfalls wurde die Konditorei in der Mitte des 19. Jahrhunderts charakterisiert. Ob dies damit zusammenhing, daß der Inhaber Johann Gottlieb Ferdinand Schauß am 26. Juni 1832 zum Stadtverordneten für den sogenannten Zeughaus-Bezirk gewählt worden war[31]Manfred A. Pahlmann: Anfänge des städtischen Parlamentarismus in Deutschland – Die Wahlen zur Berliner Stadtverordnetenversammlung unter der Preußischen Städteordnung von 1808, Akademie Verlag GmbH, Berlin, 1997, Seite 249. und somit als ehrbarer Bürger angesehen wurde, ist nicht überliefert. Wie viele andere Kaffeehäuser hielt auch das von Schauß für seine Gäste Tageszeitungen und Zeitschriften bereit, die diese hier in Ruhe bei einem Kaffee lesen konnten[32]Wolfgang Rasch: STEHELY, Konditorei und Lesekabinett in der Berliner Charlottenstraße, im Vormärz der bekannteste Treffpunkt Intellektueller, Schriftsteller und Journalisten Berlins, auf der Website Editionsprojekt Karl Gutzkow, Version vom 30. September 2001, abgerufen am 22. November 2020.. Im Jahre 1870, als der alte Schauß schon lange tot war, existierte die stadtbekannte Konditorei unter seinem Namen immer noch. Ihr nunmehriger Inhaber, Theodor Weiß, war inzwischen zum Hofkonditor Ihrer Majestät der Königin aufgestiegen. So jedenfalls steht es im Berliner Adreßbuch jenes Jahres[33]J. A. Bünger: Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger nebst Adreß- und Geschäftshandbuch für Berlin, dessen Umgebungen und Charlottenburg auf das Jahr 1870. Aus amtlichen Quellen zusammengestellt durch J. A. Bünger, Jahrgang 15, Verlag von A. W. Hayn’s Erben, Berlin, 1870, Seite 795..

Das Café Stehely im Jahr 1827 - Aquarell von Leopold Ludwig Müller
Ein Blick ins Café Stehely am Gendarmenmarkt im Jahr 1827. So könnte man sich die Konditorei Schauß auch vorstellen, nur daß sie eher von der Damenwelt besucht wurde.
Aquarell von Leopold Ludwig Müller.
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Das Haus Jägerstraße Nummer 39, in dem die Konditorei Schauß ansässig war, befand sich direkt zwischen dem Weinlokal Hippel und der von Mercy ebenfalls bereits erwähnten Weinhandlung Lamartinière, nahe dem Werderschen Markte und der Kurstraße. An diesem Ende der Jägerstraße war man also, was kulinarische Genüsse betraf, bestens versorgt. Heute ist man dagegen in dieser Hinsicht als Stadtspaziergänger ziemlich verloren. Zwar gibt es ein Restaurant und ein Café, doch allein schon deren konsequente Wahl ausschließlich englischsprachiger Bezeichnungen läßt darauf schließen, daß man sich hier eher hipp und modern geben möchte als auf die heutzutage irgendwie aus der Zeit gefallene selbstvergessene Gemütlichkeit entspannter Genüsse zu setzen. Das Restaurant „Foreign Affairs“ dient sich dabei bereits im Namen dem nahen Außenministerium an und das sich „Lunch Time“ nennende Etablissement kann sich offenbar nicht so recht entscheiden, ob es nun Café oder Mittagsrestaurant sein möchte. Ein Frühstückscafé, das hier ebenfalls eine Zeitlang existierte und sich „Chipps“ nannte, setzte als Frühstückslokal mit offener Showküche eher auf „eventgesteuertes“ Publikum. Das Konzept ging offenbar nicht auf, denn es schloß bald wieder seine Pforten. Nun will ein Restaurant mit asiatischer Küche sein Glück an dieser Stelle versuchen. Tagsüber sind hier fast ausschließlich geschäftige Angestellte der nahen Ministerien und Unternehmen bei der Einnahme eines schnellen Mittagessens anzutreffen. Sobald diese aber nach Feierabend heimgegangen sind, ist in dieser Gegend nichts mehr los. Den „freundlichen Herrn H…“, der ein genießbarer, charmanter Weinwirth“ ist, sucht man hier heute jedenfalls ebenso vergeblich wie ein gemütliches Kaffeehaus.

Der Begriff der „Bier-Niederlage“ ist heute nicht mehr gebräuchlich. Zur damaligen Zeit bezeichnete man so kleine Zweigstellen der Berliner Brauereien, von denen es in der Stadt und vor ihren Toren einige gab. Aber auch stadtfremde Brauereien richteten manchmal eine Bier-Niederlage ein, um ihr Produkt an den Berliner oder die Berlinerin bringen zu können. Man könnte also bei einer „Bier-Niederlage“ von einer Brauereifiliale sprechen. Im Falle der hier erwähnten namenlosen Bier-Niederlagen waren diese offenbar so klein oder existierten nur so kurz, daß sie in den Berliner Adreßbüchern jener Jahre gar nicht erst aufgeführt werden.

Mit der Glashandlung Huck in der Nummer 58 gibt Mercy uns an der Jägerstraße Interessierten wieder ein kleines Rätsel auf, das sich jedoch bei einem Blick ins Adreßbuch von 1812[34]Salomo Sachs: Allgemeiner Straßen- und Wohnungs-Anzeiger für die Residenzstadt Berlin, J. E. Hitzig, Berlin, 1812, Seite 160. schnell löst. Denn in Nummer 58 gibt es zwar tatsächlich einen Glashändler, doch lautet sein Name Huot. Es handelt sich um Charles Auguste Huot, der am 11. August 1774 geboren wurde und am 18. Juli 1823 verstarb[35]Richard Béringuier: Die Stammbäume der Mitglieder der französischen Colonie in Berlin, Verlag des Vereins für die Geschichte Berlins, Berlin, 1887, Seite 32.. Seine hugenottischen Vorfahren stammten aus Château-Thierry in der Champagne und waren wie so viele ihrer Glaubensgenossen im 18. Jahrhundert aus Frankreich nach Preußen geflohen. Sein Geschäft befand sich im Jahre 1799 noch an der Jägerbrücke, doch zog er später in die Nummer 58 um und residierte nun direkt neben der bereits erwähnten Tabakhandlung der Witwe Pahl.

Für die Klavierhandlung Daniel Detroit gibt Mercy als eines der wenigen Geschäfte keine Hausnummer an, sondern begnügt sich mit einer Ortsbeschreibung, die allerdings recht eindeutig ist: „Jäger- und Friedrichsstraßen-Ecke“. Schaut man in Gaedickes „Lexicon von Berlin“ von 1806, wird schnell klar, warum: die Fortepiano-Handlung hatte die Adresse Friedrichstraße 76[36]Johann Christian Gaedicke: Lexicon von Berlin und der umliegenden Gegend. Enthaltend alles Merkwürdige und Wissenswerthe von dieser Königsstadt und deren Gegend. Ein Handbuch für Einheimische und Fremde, Gebrüder Gaedicke, Berlin, 1806, Seiten 405 f.. Diese ist zwar genau an der Ecke zur Jägerstraße gelegen, gehört aber eben nicht zu dieser und liegt damit formal eigentlich außerhalb des unserem Delinquenten erlaubten Aufenthaltsgebiets.

Die Musikalienhandlung Rellstab in der Jägerstraße 18 handelt laut Gaedicke ebenfalls mit Klavieren[37]Johann Christian Gaedicke: Lexicon von Berlin und der umliegenden Gegend. Enthaltend alles Merkwürdige und Wissenswerthe von dieser Königsstadt und deren Gegend. Ein Handbuch für Einheimische und Fremde, Gebrüder Gaedicke, Berlin, 1806, Seiten 405 f., aber eben auch, wie Mercy richtig beschreibt, mit Musikalien aller Art. Es war das Geschäft des Buchdruckers und Musikalienhändlers Johann Carl Friedrich Rellstab. Dieser, musikalisch sehr interessiert, hatte zunächst die Laufbahn eines Musikers einschlagen wollen und war von Johann Friedrich Agricola, später von Carl Friedrich Christian Fasch, dem Begründer der Berliner Singakademie, unterrichtet worden. Anschließend ging er zu Carl Philipp Emanuel Bach nach Hamburg. Als sein Vater plötzlich verstarb, mußte er jedoch das elterliche Buchdrucker-Geschäft übernehmen, wofür er nach Berlin zurückkehrte. Um seiner Leidenschaft, der Musik, dennoch treu bleiben zu können – er betätigte sich auch als Komponist -, gründete er die Musikalienhandlung in der Jägerstraße[38]von L.: Johann Karl Friedrich Rellstab, In: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 28, 1889, Seiten 780-781 – Online-Version, Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 22. November 2020.. Nachdem er im Zuge der Besetzung Berlins durch die Truppen Napoléons einen großen Teil seines Vermögens verlor, begann er 1806 für die Vossische Zeitung zu arbeiten – als der erste Musikkritiker überhaupt. Diese Tätigkeit übte er bis zu seinem Tode im Jahre 1813 aus. Sein Sohn Ludwig Rellstab wurde später ein bedeutender deutscher Journalist, Musikkritiker und Dichter[39]Gertrud Maria Rösch: Heinrich Friedrich Ludwig Rellstab, In: Neue Deutsche Biographie, Band 21, 2003, Seiten 407-408 – Online-Version, Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 22. November 2020.. Johann Carl Friedrichs Schwester, Henriette Juliane Louise Charlotte Haering, geb. Rellstab, war übrigens die Mutter des Dichters Willibald Alexis, der als Kind nach der Besetzung seiner Geburtsstadt Breslau durch napoleonische Truppen mit seiner Mutter in das Haus ihres Bruders in der Jägerstraße übersiedelte, wo er wenig später zusammen mit seinem Cousin Ludwig Rellstab das Friedrichswerdersche Gymnasium besuchte[40]Walter Heynen: Willibald Alexis, In: Neue Deutsche Biographie, Band 1, 1953, Seiten 197 f. – Online-Version, Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 22. November 2020..

Porträt Ludwig Rellstabs um 1860
Porträt Ludwig Rellstabs um 1860.
Lithographie eines unbekannten Künstlers.
Quelle: Wikimedia Commons,
Lizenz: gemeinfrei, da urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen.

Die Bronzefabrik Werner & Mieth (manchmal auch Werner & Miethe) in der Jägerstraße 64, die unserem Arrestanten die so dringlich benötigten Leuchter zur Nacht herbeischaffte, bestand seit 1792[41]Ilja Mieck: Preußische Gewerbepolitik in Berlin 1806-1844 – Staatshilfe und Privatinitiative zwischen Merkantilismus und Liberalismus, Walter de Gruyter & Co., Berlin, 1965, Seite 171. und befand sich nahe der Friedrichstraße. Bereits fünf Jahre später beschäftigte sie rund 30 Handwerker. Auf der Basis des ihr bereits 1794 verliehenen Titels „Manufacture privilégiée de la Cour“, der ihr nahezu alle bedeutenden Adligen Berlins als Kunden sicherte, stellte sie vorwiegend bronzene Leuchter mit Verzierungen in Gold, Silber, Glas, Kristall und Messing her, die alsbald in den Schlössern Sanssouci, Monbijou und Charlottenburg, aber auch in vielen Adelsresidenzen zu finden waren[42]Diese Informationen stammen aus dem Buch Käthe Klappenbach: Kronleuchter – Mit Behang aus Bergkristall und Glas sowie Glasarmkronleuchter bis 1810, Akademie Verlag, Berlin, 2001, Seiten 96-103, wurden aber den Angaben zu einer am 30. März 2017 durchgeführten Auktion auf der Website Koller International Auctions entnommen, abgerufen am 22. November 2020.. Die Fabrik, die später unter dem Namen Werner & Neffen firmierte, arbeitete auch mit Karl Friedrich Schinkel zusammen, der sie beispielsweise für Arbeiten im Zuge des Umbaus der durch Johann Boumann erbauten Domkirche am Lustgarten beauftragte[43]Birgit Kropmanns: Beschreibung zu Schinkels Entwurf zur Altarschranke für den Dom am Lustgarten in Berlin, 2012, auf der Website museum-digital:staatliche museen zu berlin, abgerufen am 22. November 2020..

Wenden wir uns nun wieder unserem Bedauernswerten zu, der noch immer nicht weiß, warum ihm das Los des in seiner Bewegungsfreiheit Beschränktseins zuteilgeworden ist, der seinen frohen Mut aber dennoch nicht verloren hat, wie es scheint:

So neigte sich der allererste Tag meiner Gefangenschaft zu Ende, und es war auch nicht Ein Bedürfniß des Geistes oder Körpers, welches bei meinem Arreste unbefriedigt blieb. Ich schlief die folgende Nacht so gut, als ein freier Mensch. Nur mit dem frühesten Morgen störte mich meine Wärterin, und klagte über Mangel an Baumwolle und Strickgarn, fragte auch ängstlich nach einem Schuhmacher, weil ich mit meinen Bedürfnissen nicht über das mir selbst vorgesteckte Ziel der Jägerstraße hinausrücken wollte.

„Baumwolle und Strickgarn findet Sie die Menge in unsrer Straße bei Köpke Nr. 33. und sogar englische Schuhe und Stiefeln bei Degen an der Jäger- und Friedrichsstraßenecke; Schuhflicker fast in allen Dachstübchen, und auf allen Höfen der Jägerstraße.“

Es waren ihr aber auch Kartoffeln, Speck, Würste, Heringe, Obst u. dgl. m. ausgegangen. Dafür wußte ich Rath, und verwies sie in Schlesings Kartoffelmehl-Fabrike Nr. 73. und zu Bagler unter der Jägerbrück-Kolonnade in Betreff der übrigen Artikel.

Unzertrennlich von mir, wollte sie auch mit und bei mir in der Jägerstraße gefangen leben und sterben. Ihr zweiter Wunsch aber war ein Damenschneider, den ich ihr in der Nachbarschaft an Frige Nr. 66. empfehlen konnte.

Die Schuhflicker, die es „fast in allen Dachstübchen“ gab, waren arme Leute, die sich gerade mal ein zugiges Zimmer unter dem Dach oder eines auf einem düsteren Hinterhof leisten konnten und sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser hielten. Die Schuhflickerei war dabei bei weitem nicht das einzige dieser Gewerbe, mit denen ein kärglicher Lebensunterhalt verdient werden mußte. So waren in der Jägerstraße – wie auch andernorts in der Stadt – alle Schichten der städtischen Gesellschaft vertreten, lagen Armut und Reichtum dicht beieinander.

Mit der Kartoffelmehl-Fabrik von C. H. Schlesing[44]Johann Christian Gaedicke: Lexicon von Berlin und der umliegenden Gegend. Enthaltend alles Merkwürdige und Wissenswerthe von dieser Königsstadt und deren Gegend. Ein Handbuch für Einheimische und Fremde, Gebrüder Gaedicke, Berlin, 1806, Seite 314. wird hier bereits die zweite Fabrik erwähnt, die es in der Jägerstraße gab. Sie befand sich zwischen der Canonierstraße – der heutigen Glinkastraße – und der Mauerstraße. Genau wie die Bronzefabrik Werner & Mieth lag sie also nahe dem westlichen Ende der Jägerstraße. Heute scheint es kaum noch vorstellbar, daß dort in dieser Straße überhaupt Fabriken existiert haben sollen, so mitten im Stadtzentrum, wie sie liegt. Das war allerdings zur damaligen Zeit gar nicht der Fall. Das westliche Ende der Jägerstraße lag um 1806 dicht an der Stadtgrenze[45]Gut zu sehen ist das auf einem alten Stadtplan von Berlin aus dem Jahre 1810: Daniel Gottlob Reymann: Neuester Grundriss von Berlin, gestochen von Carl Stein, Berlin, 1810..

Nun, am zweiten Tage seiner Gefangenschaft, beginnt unser Erzähler, sich mit seiner Festsetzung eingehender zu beschäftigen und insbesondere die Konsequenzen zu überlegen, die es haben würde, wenn diese länger anhalten sollte:

Wie aber, wenn ich aus diesem, zwar geräumigen Kerker zeitlebens nicht heraus dürfte, und doch aus meinem Geschlechte wollte, um mich mit dem andern zu verehelichen: wo würde ich die Geschenke, die Trauringe und den Brautschmuck herholen?

O, da reichten Krösus Schätze kaum hin bei Reclam, Nr. 23. Runicke, 24. Schoppe, 27. Jordan, 32. und Lebrun, 56.

Die Rauchhandlung Löwe an der Jägerbrücke würde mich schon im ersten Ehestandswinter zum bettelarmen Manne an meiner theuren Hälfte machen, und die Moden- und Galanterie-Händler Conrad, Nr. 25. und Herrlich, 54. mir lange vor der Hochzeit den Angstschweiß auspressen. Wollte sich aber mein künftiges Weibchen mit ein Paar Handschuhen bei Cottel, Nr. 36. oder Nicolas, an der Jägerbrücke, und höchstens mit einem kleinen Scherflein in der Wittwenkasse, Nr. 22. begnügen, so hätte ich nicht Lust, dem Elephanten nachzuahmen, der, wie die Naturforscher behaupten, seinen Begattungstrieb in der Gefangenschaft verliert.

In der Nummer 23 hatte der Hofjuwelier Jean François Reclam d. J. sein Domizil. Geboren 1732 als Sohn von Jean François Reclam d. Ä., war er wie schon sein Vater Juwelier am Hofe Friedrichs II.[46]Sepp-Gustav Gröschel: Winckelmann und Frédéric Reclam – Italien und Rheinsberg, In: Jahrbuch Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Band 6, 2004.. Sie lieferten diesem vorwiegend die begehrten Tabatièren – Schnupftabakdosen[47]Nina Simone Schepkowski: Johann Ernst Gotzkowsky –  Kunstagent und Gemäldesammler im friderizianischen Berlin, Akademie-Verlag, Berlin, 2009, ISBN 978-3-05-004437-8, Seite 22, Fußnote 70.. Als sich Jean François Reclam d. J. aus seinem Geschäft zurückzog, führte es sein Vetter Jean Philippe Reclam noch einige Jahre weiter, löste es aber auf, als der alte Inhaber 1817 schließlich verstarb[48]Friedrich Sarre, Die Berliner Goldschmiedezunft von ihrem Entstehen bis zum Jahre 1800 – Ein Beitrag zur Kunst- und Gewerbe-Geschichte Berlins, Verlag von J. A. Stargardt, Berlin, 1895, Seite 100..

Gemeinhin werden die Reclams als alte Hugenottenfamilie angesehen, doch da sie ursprünglich aus der Umgebung von Genf stammten, ist diese Zuordnung durchaus umstritten. Genf pendelte zwar in der Geschichte immer wieder einmal zwischen Frankreich und der Schweiz, doch als ein Zweig der Familie im 17. Jahrhundert nach Deutschland übersiedelte, konnte von einer Flucht vermutlich nicht die Rede sein[49]Frédéric Barbier: Une page d’anthropologie familiale, erschienen auf der Website Histoire du livre, Version vom 25. April 2020, abgerufen am 23. November 2020.. Im 18. Jahrhundert waren sie als französischsprachige Familie dennoch recht gut in die Gemeinschaft der hugenottischen Flüchtlinge integriert.

Der Maler Jean Frédéric Reclam war der Bruder Jean François Reclams d. J.[50]Sepp-Gustav Gröschel: Winckelmann und Frédéric Reclam – Italien und Rheinsberg, In: Jahrbuch Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Band 6, 2004.. Dessen Sohn Carl Heinrich Reclam wiederum, der von 1776 bis 1844 lebte, hatte in der Schulbuchhandlung Campe in Braunschweig eine Lehre absolviert und schließlich 1802 in Leipzig eine Buchhandlung eröffnet. Ein Jahr später heiratete er Wilhelmine Campe, die Tochter des Buchhändlers Friedrich Heinrich Campe, bei dem er gelernt hatte. Aus der Ehe gingen acht Kinder hervor, darunter Anton Philipp Reclam, welcher später den berühmten Reclam-Verlag gründete, der für seine „Universal-Bibliothek“ weltbekannt wurde[51]Frédéric Barbier: Une page d’anthropologie familiale, erschienen auf der Website Histoire du livre, Version vom 25. April 2020, abgerufen am 23. November 2020..

Die Jägerstraße mit dem Französischem Dom um 1812 - Zeichnung von Friedrich August Calau
Die Jägerstraße um 1812 mit Blick in Richtung der Markgrafenstraße, hinter der der Französische Dom aufragt.
Feder- und Tuschezeichnung von Friedrich Calau.
Quelle: Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz – SMB-digital, Kupferstichkabinett
Fotograf: Jörg P. Anders
Bearbeitet: Alexander Glintschert
Creative Commons Lizenzvertrag

In dem Abschnitt der Jägerstraße zwischen der Markgrafen- und der Oberwallstraße, in dem Reclam sein Geschäft hatte, waren auch alle anderen von Mercy genannten Geschäfte – Runicke, SchoppeJordan und Lebrun – zu finden; die ersten vier auf der Südseite der Straße, der letztere auf der Nordseite. Doch auch die Rauchhandlung Löwe sowie die Galanterie-Händler Conrad und Herrlich hatten sich hier etabliert. Man könnte also diesen Straßenabschnitt mit Fug und Recht als das damalige Einkaufsparadies der Damen bezeichnen. Denn bei Rauchwaren handelt es sich nicht etwa um Tabakprodukte, sondern gegerbte Tierfelle. Bei Löwe gab es also Pelze zu kaufen, denn die Bezeichnung „Rauchhandlung“, die Mercy verwendet, ist auch nicht ganz richtig. Im Adreßbuch ist Löwe als Kürschner aufgeführt. Den Geschäftsmann Conrad verzeichnet es hingegen als „Putzhändler“. Eine interessante Bezeichnung, die heute vollkommen vergessen ist, aber die den Damen angebotene Ware sehr schön beschreibt: sie dient dazu, sich herauszuputzen. Die von Mercy gewählte Benennung als Galanterie-Händler klingt natürlich viel bedeutender. Heute ist sie aber ebenfalls nicht mehr gebräuchlich für jemanden, der mit all den Accessoires und Gebrauchsgegenständen handelt, die die Damen dieser Welt für ihren „Putz“ eben so benötigen – die Fächer, die Tücher und die Schals, die Parfümfläschchen, Puderdosen und vielerlei mehr.

Unter dem Namen Herrlich verzeichnet das Adreßbuch übrigens nicht nur einen Händler, sondern eine „Galanteriewaarenfabrik“. Hier wurden die Waren also offenbar auch gleich hergestellt. Jacques Cottel in der Nummer 36, an der Ecke Jägerstraße und Kurstraße der Weinstube Hippel genau gegenüber, war Handschuhmacher. Im Allgemeinen Industrie-Adreßbuch von 1811 werden unter dieser Rubrik zwei Kategorien geführt: „Französische“ und „Deutsche oder Beutler“. Cottel gehörte zu den ersteren, ebenso wie der Handschuhmacher Nicolas, der zu jener Zeit sein Geschäft jedoch bereits in die Königstraße 50 verlegt hatte[52]Allgemeines Industrie-Addreßbuch der Königlich Preußischen Haupt- und Residenzstadt Berlin auf das Jahr 1811. Nebst einem Anhang von kaufmännischen, Kunst- und wissenschaftlichen Anzeigen und einem Waaren-Anzeiger. Für Einheimische und Fremde. Berlin, 1811, Seite 103..

Die erwähnte Witwenkasse in der Jägerstraße 22 war die unter Friedrich II. am 1. April des Jahres 1776 gegründete Allgemeine Witwenkasse. Die Initiative und Planung ging vom Staatsminister Graf von der Schulenburg aus, der ihr auch vorstand. Wie das bereits erwähnte „Lexicon von Berlin“ vermerkt, wurde sie „unter solidarische Garantie der Königl. Haupt-Banko und der Churmärkischen Landschaft gesetzt, so daß sie also so sicher steht, als eine Anstalt der Art stehen muß.“ Über diese Kasse konnten Männer jeden Standes eine Versicherung abschließen, die ihren Ehefrauen eine Pension auf Lebenszeit garantierte. Für das Jahr 1805 gibt das Lexikon an, daß 6588 Ehemänner in diese Kasse einzahlten und 1249 Witwen aus ihr mit einer Pension versorgt wurden. Die Regeln zur Teilnahme waren jedoch harsch. So vermerkt das Lexikon:

Nur Männer über 60 Jahre, ingleichen Seefahrer von Profession, und solche, die mit Schwindsucht, Wassersucht und andern chronischen Krankheiten behaftet sind, auch diejenigen Männer von 45 Jahren und darüber, deren Frauen viel jünger sind, sind davon ausgeschlossen. […] Auch muß der Mann ein Zeugniß eines approbirten Arztes über seine vollkommene und dauerhafte Gesundheit beybringen, welches Zeugniß 4 Mitglieder der Societät[53]Gemeint ist die Witwenkasse., oder 4 andere redliche und bekannte Männer, jedoch keine Anverwandten, ebenfalls bekräftigen müssen.

Die Kasse hatte ihr Büro in der Jägerstraße 22, wo sich auch ihre Generaldirektion und ein Versammlungsort befanden. Sie war täglich jeweils drei Stunden am Vormittag und zwei Stunden am Nachmittag geöffnet[54]Johann Christian Gaedicke: Lexicon von Berlin und der umliegenden Gegend. Enthaltend alles Merkwürdige und Wissenswerthe von dieser Königsstadt und deren Gegend. Ein Handbuch für Einheimische und Fremde, Gebrüder Gaedicke, Berlin, 1806, Seiten 645 ff..

Nachdem unser Delinquent sich also um den Unterhalt für seine zukünftige, allerdings erst noch ausfindig zu machende Ehefrau ausreichende Gedanken gemacht hatte, fährt er, einmal in Schwung gekommen, mit den aus der phantasierten Ehe hervorgehenden Kindern fort:

Unsre Kinder schickten wir dann Nr. 63 in die école de charité, und späterhin in das französische Waisenhaus an der Jäger- und Charlottenstraßen-Ecke, und beschenkten sie um Weihnachten mit wohlfeilen Sachen aus Hartwig’s, Nr. 27. und Geist’s, 42. Futteral- und Lederfabriken, mit Bilderchen aus der Kunsthandlung, Nr. 4o. oder Kunstausstellung an den Mauern der Königlichen Bank, Nr. 34.

Die École de Charité in der Jägerstraße 63 befand sich auf der nördlichen Straßenseite nahe der Ecke zur Friedrichstraße. Sie bestand seit dem Jahre 1747. Zu jener Zeit war aufgrund der gerade zu Ende gegangenen beiden ersten Schlesischen Kriege – der dritte war später der Siebenjährige Krieg – der Notstand in der preußischen Hauptstadt sehr groß. Viele Menschen waren verarmt, was zur Folge hatte, daß arme Familien ihre Kinder kaum oder auch gar nicht mehr durchbringen konnten. Für sie eine gute Erziehung sicherzustellen, stand erst recht völlig außer Frage. Um dieser Situation zu begegnen, hatte der Prediger d’Anières angeregt, eine Armenschule zu gründen. Unter anderem durch Kirchenkollekten war es gelungen, diesen Plan in die Tat umzusetzen und am 12. September 1747 in der Jägerstraße eben jene École de Charité, die „Schule der Barmherzigkeit“, zu eröffnen. Mit der in dieser Zeit bereits existierenden Charité hatte sie also nichts zu tun, wenn man einmal von dem Leitbild der Nächstenliebe und Wohltätigkeit absieht, dem beide Einrichtungen folgten.

Die Schule konnte durch die Mildtätigkeit der Mitglieder der Berliner französischen Gemeinde und durch geschicktes Wirtschaften lebensfähig gehalten werden, so daß Friedrich II. ihr 1752 die königliche Bestätigung erteilte. Als man das Gebäude in den Jahren 1769 bis 1774 vollständig umbaute und es dabei in bedeutendem Umfang vergrößerte, bewilligte er überdies die dafür nötigen Baumaterialien[55]Eduard Muret: Geschichte der Französischen Kolonie in Brandenburg-Preußen, unter besonderer Berücksichtigung der Berliner Gemeinde. Aus Veranlassung der Zweihundertjährigen Jubelfeier am 29. Oktober 1885, W. Büxenstein, Berlin, 1885, Seite 67..

Das Französische Waisenhaus in Berlin im Jahre 1874
Das Französische Waisenhaus an der Ecke Charlottenstraße und Jägerstraße in Berlin im Jahre 1874, fotografiert von F. Albert Schwartz.
Quelle: Wikimedia Commons,
Lizenz: gemeinfrei, da urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen.

Das französische Waisenhaus war noch ein wenig älter als die École de Charité. Seine Gründung ging auf die Initiative des Leipziger Kaufmanns Jacques Gailhac, eines früheren Mitglieds der Berliner französischen Gemeinde, zurück, der die Anregung dafür von einem holländischen Freund bekam, dessen Name heute leider nicht mehr feststellbar ist[56]Gerhard Wenzel: Das Waisenhaus und die Armenschule der Hugenotten in Berlin (18. Jh.), Auszug aus der Dissertation „L’église est la Mère des Pauvres. Das diakonische Engagement der Hugenotten in Berlin 1672-1772 (unter besonderer Berücksichtigung ihrer Vorgeschichte und Tradition). Diakonie zwischen Ohnmacht, Macht und Bemächtigung“ des Autors, präsentiert auf der Website Hugenotten-Forschung, abgerufen am 24. November 2020.. Gailhac unterstützte das Vorhaben auch aktiv, und so konnte der Bau 1724 vollendet und das Maison des Orphelins, das Waisenhaus, am 16. Mai 1725 eröffnet werden. Auch hier hatte der König – zu jener Zeit noch Friedrich Wilhelm I. – die Baumaterialien bewilligt[57]Eduard Muret: Geschichte der Französischen Kolonie in Brandenburg-Preußen, unter besonderer Berücksichtigung der Berliner Gemeinde. Aus Veranlassung der Zweihundertjährigen Jubelfeier am 29. Oktober 1885, W. Büxenstein, Berlin, 1885, Seiten 60 f..

Im Jahre 1836 kam der Plan auf, das Waisenhaus, die École de Charité und das Kinderhospital in einer einzigen Anstalt zu vereinen. Einerseits wollte man natürlich Einsparungen erzielen, anderseits strebte man aber auch eine größere Einheitlichkeit in der Erziehung und der Unterrichtung der Kinder an. Die Idee fand allgemeine Zustimmung, und so ging die Zusammenlegung der drei Einrichtungen zum sogenannten Hospiz bzw. Hospice pour les enfants de l’église du Refuge am 21. April 1844 feierlich vonstatten. Dieses befand sich auf dem Gelände des Hospitals der Gemeinde in der Friedrichstraße[58]Ebenda, Seiten 77 f..

Wenn wir uns die Erwartungen ansehen, die unser Arrestant, die Zukunft seiner Familie in der Gefangenschaft in der Jägerstraße betreffend, entwickelt, so müssen wir feststellen, daß eine Ausbildung und Erziehung seiner erwarteten Kinderschar in einer Armenschule und in einem Waisenhaus nicht gerade optimistische Perspektiven darstellen. Ob dies aus seiner Erwartung, als Dauergefangener nur über knappe finanzielle Mittel zu verfügen, resultiert oder aber einfach der Tatsache geschuldet ist, daß es in der Jägerstraße andere Bildungs- und Erziehungseinrichtungen zu jener Zeit nicht gab, läßt er offen.

Die Königliche Bank in Nummer 34 stand auf der südlichen Straßenseite der Jägerstraße, an der Ecke zur Oberwallstraße. Friedrich Nicolai widmete dem Gebäude knapp zwanzig Jahre zuvor in seiner „Beschreibung der königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam“ den folgenden Absatz:

Die Königliche Banko, welche 1765 hierher gelegt worden. Das Haus, zwey Geschoß hoch, dessen Portal mit einer ionischen Säulenstellung gezieret ist, wurde 1690 nach Nerings Rissen gebauet, und war sonst die Wohnung des Königl. Oberjägermeisters. In dem Erdgeschosse sind jetzt die verschiedenen Komtore der Königl. Bank. Im obern Geschosse versammlet sich das Oberbaudepartement, und die Haupt-Nutz- und Brennholzadministration. Dies Haus hängt mit dem Jägerhofe zusammen, wovon es vorher ein Theil war.[59]Zitiert aus: Friedrich Nicolai: Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, aller daselbst befindlicher Merkwürdigkeiten, und der umliegenden Gegend, Erster Band, Friedrich Nicolai, Berlin, 1786, Seite 156.

Das Jahr 1765, das Nicolai angibt, ist gleichzeitig das Gründungsjahr der Bank. Denn am 17. Juni 1765 hatte Friedrich II. durch ein Königliches Edikt die Giro- und Leihbanken in Berlin und Breslau geschaffen. Ein reichliches Jahr später, am 29. Oktober 1766, erteilte er dem neuen Geldinstitut das Recht, Banknoten auszugeben, sogenanntes „Bankogeld“ in Form von Bankopfunden, Bankogroschen und Bankopfennigen. Damit wurde die Bank quasi zur Zentralnotenbank Preußens.[60]Friedrich Nicolai: Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, aller daselbst befindlicher Merkwürdigkeiten, und der umliegenden Gegend, Zweiter Band, Friedrich Nicolai, Berlin, 1786, Seite 452..

Die Preußische Bank in der Jägerstraße um 1850
Die Preußische Bank in der Jägerstraße 34-35 um 1850.
Zeichnung von einem unbekannten zeitgenössischen Künstler.
Quelle: Wikimedia Commons,
Lizenz: gemeinfrei, da urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen.

Bankenviertel blieb die Gegend eine ziemlich lange Zeit. Aus der Königlichen Bank wurde 1847 die Preußische Bank, die bis 1876 die Zentralnotenbank erst Preußens, dann des Deutschen Reiches war. Sie wurde von der Reichsbank abgelöst[61]Rudolf P. Geisler: Notenbankverfassung und Notenbankentwicklung in USA und Westdeutschland – Eine vergleichende Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung des Problems der Zentralisation und Dezentralisation und des Verhältnisses von Staat und Notenbank, Duncker & Humblot, Berlin, 1953, Seiten 68 ff.. Alle hatten sie ihren Hauptsitz an der Jägerstraße. Doch mit der Auflösung der Reichsbank im Jahr 1945 kam dann auch das Ende der hiesigen Bankengeschichte[62]Ebenda, Seiten 79 f.. Die ursprünglichen Bankgebäude existieren heute nicht mehr. Lediglich der in den 1930er Jahren als Haus am Werderschen Markt errichtete Erweiterungsbau der Reichsbank ist noch vorhanden und heute vielleicht eher als der einstige Sitz des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands – SED – bekannt. Aber der befindet sich eigentlich auch schon gar nicht mehr an der Jägerstraße…

Widmen wir uns wieder unserem Gefangenen. Der ist immer noch damit beschäftigt, sich die Zukunft seiner erträumten Familie auszumalen:

Für Messing, Stahl und Eisen in dem heiligen Ehestande ließen wir Beyersdorff, Nr. 41. sorgen; den Trödler an der Jägerbrücke für die nöthigen Meublen; die Hebamme Sommer, Nr. 3. für leibliche Zufälle im Herbst, Winter, oder Frühjahr; den Wechsler Wolff, Nr. 41. für die Schwänzelpfennige von dem Aufgelde an Gold, Kourant und Tresorscheinen; den Destillateur George, Nr. 53. für Hausbranntweinkuren, und endlich die Ärzte, Justizkommissarien und Prediger dieser Straße für die Tilgung zeitlicher und ewiger Übel.

Beyersdorff in der Nummer 41 wird in den Adreßbüchern jener Zeit als Eisenwarenhändler geführt[63]Allgemeines Industrie-Addreßbuch der Königlich Preußischen Haupt- und Residenzstadt Berlin auf das Jahr 1811. Nebst einem Anhang von kaufmännischen, Kunst- und wissenschaftlichen Anzeigen und einem Waaren-Anzeiger. Für Einheimische und Fremde, Berlin, 1811, Seite 52., das heißt, das Geschäft handelte mit Werkzeugen, Schneidwaren, Beschlagteilen, Schrauben, verschiedenen landwirtschaftlichen Geräten wie Hacken und Sensen – kurz: mit allem, was in Haus und Hof benötigt wurde und aus Eisen hergestellt war. Später wird explizit Eisenwarenhändlerin angegeben[64]J. W. Boicke: Allgemeines Adreßbuch für Berlin, Verlag J. W. Boicke, Berlin, 1820, Seite 33., und Friedrich Nicolai vermerkt 1835 in seinem „Wegweiser für Fremde und Einheimische durch Berlin und Potsdam“, daß die Inhaberin Witwe sei[65]Friedrich Nicolai: Wegweiser für Fremde und Einheimische durch Berlin und Potsdam, und die umliegende Gegend, enthaltend eine kurze Nachricht von allen daselbst befindlichen Merkwürdigkeiten, 6. Auflage 1835, Nicolai’sche Buchhandlung, Berlin, Seite 102..

Der Begriff „Schwänzelpfennig“ ist heute wahrscheinlich völlig unbekannt. Dabei kennt ein jeder das, wofür er steht. Schauen wir zur Erklärung einmal in das Deutsche Wörterbuch der Gebrüder Grimm:

SCHWÄNZELPFENNIG, m.
bezeichnung kleiner geldbeträge, die man bei aufgetragenen einkäufen u. dergl. heimlicher weise für sich behält. [nach] Adelung: schwäntzel-pfennge heissen diejenigen geld-brocken und restlein, so denen weibern von dem übrig behaltenen marckt-gelde und ausgaben in ihre beutel fallen, wird auch offtermals von denen mägden, so zu marckte gehen, practiciret […][66]Zitiert aus: Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, abgerufen am 25. November 2020.

So schön Träumereien von einem künftigen Familienleben auch sein mögen, so verstärken auch diese Überlegungen unseres Erzählers mehr und mehr den Eindruck, daß er zwar froh ist ob der vielfältigen Möglichkeiten, die sich ihm zur Unterhaltung eines Haus- und Familienstandes in der Jägerstraße bieten, jedoch gleichzeitig recht sorgenvoll in die Zukunft blickt. Möbel vom Trödler und Schwänzelpfennige vom Wechsler sind sicher nichts, was man sich freudig ausmalt, wenn man überlegt, wie ein gesicherter Lebensunterhalt aussehen könnte. Und so überrascht es nicht, daß sich unser Delinquent nun anderen Betrachtungen zuwendet:

Unter diesen topographischen Träumereien verstrich der zweite Vormittag meiner Gefangenschaft, und Nachmittags machte ich mir das Vergnügen, von dem Marktplatze meines Jägerlebens in die übrigen Nebenstraßen meiner verlornen Freiheit zu schauen. Von jeher gewohnt, mit der unangenehmen Zeit fortzulaufen, und nur die angenehme sitzend zu genießen, schlenderte ich an die Jäger- und Kanonierstraßen-Ecke, von wo ich aber bald wieder zurückkehrte, weil ich dort Ärgerniß nahm an dem erbärmlichen Gegenstück von Nahls berühmtem Grabmahle der Frau Langhans auf dem Hindelbank bei Bern – an Silberschlags Monument vor der Dreifaltigkeitskirche, welches an der öffentlichen Straße gelegen, und im Widerspruche, daß er mit seiner Gattin den schweren Grabstein durchbricht, die Inschrift: Pax in terris* trägt.
*Friede auf Erden[67]Die Anmerkung ist bereits im Original enthalten.

Die Dreifaltigkeitskirche im 18. Jahrhundert nach einem Stich von Matthäus Seutter
Die Dreifaltigkeitskirche im 18. Jahrhundert, nach einem Stich von Matthäus Seutter gezeichnet von Leopold Ludwig Müller.
Quelle: Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz – SMB-digital, Kupferstichkabinett
Fotograf: Dietmar Katz
Bearbeitet: Alexander Glintschert
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Von der Ecke Jäger- und Kanonierstraße war die Dreifaltigkeitskirche nicht allzuweit entfernt – sie befand sich lediglich zwei Querstraßen weiter nahe dem Zietenplatz, wo die Mauer- und die Kanonierstraße nicht nur aufeinander, sondern auch noch auf die Mohrenstraße trafen. Diese evangelische Kirche war auf Veranlassung König Friedrich Wilhelms I. in den Jahren 1737 bis 1739 in der Friedrichsstadt, die zu jener Zeit schnell wuchs, errichtet worden. Zwei Jahre nach dem Erscheinen von Mercys Bericht über seine Gefangenschaft in der Jägerstraße wurde 1808 Daniel Friedrich Schleiermacher Prediger an der Dreifaltigkeitskirche – eine Stelle, die er bis zu seinem Tode 1834 innehatte. Heute ist diese Kirche nicht mehr vorhanden, denn sie wurde im Jahre 1943 ein Opfer des Zweiten Weltkriegs. Die Faschisten bauten die Keller der völlig vernichteten Kirche noch zu einem Luftschutzbunker aus, der drei Jahre nach dem Ende des Krieges dann zusammen mit den noch vorhandenen Resten des Gotteshauses gesprengt wurde. Heute erinnert nichts mehr an das einstige Vorhandensein dieser Kirche. Nur ihr Pfarrhaus in der nahegelegenen Taubenstraße ist heute noch in Teilen existent[68]Artikel zur Dreifaltigkeitskirche auf der Website des Evangelischen Kirchenkreises Berlin Stadtmitte, veröffentlicht am 2. Oktober 2017, abgerufen am 27. November 2020..

Johann Esaias Silberschlag war im Jahre 1769 zum zweiten Pfarrer an der Dreifaltigkeitskirche berufen worden. Am 16. November 1721 in Aschersleben geboren, war er Prediger in Wolmirstedt und Magdeburg gewesen, bevor er nach Berlin gekommen war. Ihm wurde überdies die Stelle des Oberkonsistorialrats und Direktors der Realschule in Berlin übertragen, und ab 1770 war er auch noch als Geheimer Baurat für Maschinenwesen und Wasserbau an der Oberbaudeputation in Berlin tätig. 1787 beförderte man ihn zum Geheimen Oberbaurat[69]Johann Esaias Silberschlag: Johann Esaias Silberschlag’s, Königl. Preuß. Ober-Consistorial-Raths, Geheimen Ober-Bau-Raths, Pastors bei der Dreifaltigkeits-Kirche zu Berlin, Mitgliedes der Königl. Akademie der Wissenschaften und mehrerer auswärtigen gelehrten Gesellschaften etc., Leben, von ihm selbst beschrieben, Verlag der Königlichen Realschul-Buchhandlung, Berlin, 1792.[70]Paul Tschackert: Johann Esaias Silberschlag, In: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 34, Verlag von Duncker & Humblot, Leipzig, 1892, Seiten 314–316. Diese Quelle gibt fälschlicherweise 1716 als Geburtsjahr Silberschlags an. Dies ist um so unerklärlicher, als sie selbst auf Silberschlags Autobiographie hinweist, in der er sein Geburtsjahr mit 1721 benennt.. Bereits seit 1760 war der Theologe und Naturwissenschaftler Silberschlag Mitglied in der Preußischen Akademie der Wissenschaften, zunächst als Auswärtiges, ab 1786 auch als Ordentliches Mitglied[71]Mitgliedereintrag zu Johann Esaias Silberschlag auf der Website der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 27. November 2020..

Johann Esaias Silberschlag - 1791 (vor) - Stich von Johann Conrad Krüger
Johann Esaias Silberschlag auf einem Stich von Johann Conrad Krüger nach einem Bildnis von Christoph Friedrich Reinhold Lisiewski.
Quelle: Wikimedia Commons,
Lizenz: gemeinfrei, da urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen.

Vor seinem Tod im Jahre 1791 hatte sich Silberschlag ein Denkmal anfertigen lassen, daß an ihn erinnern sollte und mit dem er dem Publikum seinen Glauben an die Auferstehung beweisen wollte. Es zeigte ihn selbst, wie er sich am Tage der Auferstehung aus einer Steinkluft herausarbeitete. An einem darüber angebrachten Baldachin standen die Worte „In terra pax“[72]Dr. D. Korth: Neuestes Topographisch-statistisches Gemälde von Berlin und dessen Umgebungen, Schlesingersche Buch- und Musikhandlung, Berlin, 1821, Seiten 200 f.. Mercy gibt sie mit „Pax in terris“ wieder, was dasselbe bedeutet. Wie er ganz richtig bemerkt, ist diese Darstellung an das berühmte Grabmal der Maria Magdalena Langhans angelehnt, das Johann August Nahl der Ältere 1751 in dem kleinen Ort Hindelbank bei Bern geschaffen hatte. Nahl hatte zu jener Zeit bei seinem Freund, dem Pfarrer Georg Langhans, gewohnt, als dessen junge Ehefrau bei der Geburt ihres ersten Kindes verstarb. Nahl, der eigentlich mit einem Denkmal für den Schultheiß von Erlach beschäftigt war, war von diesem tragischen Ereignis so erschüttert, daß er ein Grabmal für die Verstorbene schuf. Dieses stellt die Verstorbene mit ihrem Kind auf den Armen dar, wie sie sich durch eine berstende Grabplatte drängt. Dieses Denkmal wurde schnell bekannt und unglaublich berühmt. Reisende aus ganz Europa kamen nach Hindelbank, um sich dieses Grabmal anzusehen, unter ihnen Johann Wolfgang von GoetheSophie von La Roche oder auch Hermann von Pückler-Muskau[73]Fritz Egli: Das Grabmal von Hindelbank, Artikel auf der Website der Goethe-Gesellschaft Schweiz, abgerufen am 27. November 2020.. Aus den Bemerkungen Mercys über das Denkmal für Johann Esaias Silberschlag ist unzweifelhaft erkennbar, daß er nicht viel davon hält. Mit dieser Einstellung war er offenbar nicht allein. Bereits 1821 beschrieb D. Korth in seinem „Neuesten Topographisch-statistischen Gemälde von Berlin und dessen Umgebungen“, daß dieses Denkmal „bei der immer höher steigenden Kultur, bei der Freiheit der Ansichten und Meinungen, dennoch einer gewissen Intoleranz [hat] unterliegen müssen“, denn man hatte es inzwischen abgebrochen und durch einen einfachen, an Silberschlag erinnernden Denkstein hinter einer kleinen Gittereinzäunung ersetzt[74]Dr. D. Korth: Neuestes Topographisch-statistisches Gemälde von Berlin und dessen Umgebungen, Schlesingersche Buch- und Musikhandlung, Berlin, 1821, Seiten 200 f..

Folgen wir unserem auf und ab gehenden Spaziergänger weiter durch sein langgezogenes Gefängnis:

Dafür zeigte mir die Jäger- und Friedrichsstraßen-Ecke in der geradesten Linie, und in einer Entfernung von einer halben Stunde diesseits das Hallische, jenseits das Oranienburger Thor, hier die lebhafte Lindenpromenade, und dort die scharfe Ecke des Freimüthigen neben dem ewigen Feuer auf dem Berlinischen Bernhardsberge.

Nun, das Hallische und Oranienburger Tor – diese beiden einstigen Stadttore in der Berliner Akzisemauer – sind heute nicht mehr vorhanden. Sie leben nur noch in den Namen zweier Bahnhöfe der U-Bahnlinie U6 fort. Die Entfernung von der Jägerstraße zu ihnen hat Mercy durchaus richtig angegeben – mit einem nicht einmal allzu geschwinden Fußmarsch kann man ihre ehemaligen Standorte durchaus in jeweils einer halben Stunde erreichen. Allerdings mußte man auch schon damals recht gute Augen haben, um die beiden Tore von hier aus sehen zu können, auch wenn man in Rechnung stellen muß, daß die Häuser an der Friedrichstraße zur damaligen Zeit sicher noch nicht durchgängig so hoch wie heute waren.

Der „Berlinische Bernhardsberg“, den Mercy hier erwähnt, gibt wieder einige Rätsel auf. Eine Erhebung, und sei sie noch so klein, gibt es in der Friedrichstraße schließlich nicht. Schaut man sich die Adreßbücher jener Zeit an, stößt man in jenem von 1801 in der Friedrichstraße 63 auf den Namen Bernhardt, der lediglich mit dem Vermerk „Witwe“ versehen ist[75]Dies verzeichnet die Neuausgabe des Adreßbuchs Karl Neander von Petersheiden: Neue anschauliche Tabellen von der gesammten Residenz-Stadt Berlin, oder Nachweisung aller Eigenthümer, mit ihrem Namen und Geschäfte, wo sie wohnen, die Nummer der Häuser, Straßen und Plätze, wie auch die Wohnungen aller Herren Officiere hiesiger Garnison, zum zweitenmale dargestellt von Neander v. Petersheiden, Königl. Preuß. PremierLieutenant im Artillerie-Corps, Verlag von Christian Friedrich Ernst Späthen, Berlin, 1801, Seiten 68 ff. Auf diesem Adreßbuch basieren die meisten der Positionsangaben in diesem Text.. Im Adreßbuch von 1812 wurde die Witwe Bernhardt dann als „Wirthschaftshalterin“ geführt[76]Salomo Sachs: Allgemeiner Straßen- und Wohnungs-Anzeiger für die Residenzstadt Berlin, J. E. Hitzig, Berlin, 1812, Seite 212.. Das war allerdings nur eine beschönigende Umschreibung für das „Maison der Madame Bernard“, wie ihr Etablissement, daß sie unter dieser Adresse führte, auch genannt wurde – ein Etablissement der käuflichen Liebe. Dieses erlangte in eben jenem Jahre 1806, in dem Mercys Text über seine Gefangenschaft in der Jägerstraße erschien, einige Berühmtheit in Berlin, als der Kaiser Napoléon Bonaparte nach seinem Sieg über die preußischen Truppen in Berlin einzog und auf das Bordell aufmerksam wurde. Er ließ es kurzerhand für eine Nacht requirieren und verbrachte, so erzählt es die Legende, einige vergnügte Stunden darin[77]Bertrand’sches Haus, In: Tom Wolf: Das spanische Medaillon, berlin.krimi.verlag im be.bra verlag GmbH, Berlin-Brandenburg, 2012. Es ist nicht ganz klar, warum der Eintrag mit „Bertrand’sches Haus“ übertitelt ist. Der Text gibt die Geschichte jedoch richtig wieder.. Weil überdies Napoléon während seines Italienfeldzuges im Jahre 1800 die Alpen am Großen St. Bernhard überquert hatte, wäre es jetzt sicher einfach, diese beiden Ereignisse miteinander zu verknüpfen und daraus zu schließen, daß Mercy mit der Bezeichnung „Berlinischer Bernhardsberg“ eine Anspielung auf eben jenes Etablissement der Witwe Bernhardt machen wollte. Nun, vielleicht wollte er das tatsächlich, aber wenn dem so ist, dann kann die Geschichte von Napoléons Einzug in dieses Etablissement dafür keinesfalls der Hintergrund sein. Die Daten passen nicht zusammen. Mercys Artikel erschien, wie wir wissen, am 3. Mai des Jahres 1806, der zweite Teil, in dem die betreffende Passage enthalten ist, am 6. Mai. Napoléon aber zog mit seinen Truppen erst im Oktober 1806 in Berlin ein. Es bleibt also ungewiß[78]Falls Sie eine andere Idee für oder gar Hinweise darauf haben, was mit „dem ewigen Feuer auf dem Berlinischen Bernhardsberge“ und insbesondere auch mit der scharfen Ecke des Freimüthigen“ gemeint sein könnte, würde ich mich sehr freuen, wenn Sie mir eine entsprechende Nachricht an alexander(at)anderes-berlin.de zukommen lassen würden. Vielen Dank!.

Spazieren wir weiter an der Seite unseres in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkten Flaneurs durch die Jägerstraße:

Erfreulicher war die Jäger- und Markgrafenstraßen-Ecke wegen der tröstlichen Aussicht auf das Kammergericht, und wegen der Möglichkeit, dort von einer Gattin geschieden zu werden, die sich mit mir nicht vertrüge. – Weniger erbaulich auf dem nämlichen Standpunkte zur Linken das Lotterieamt mit dem personifizirten Heißhunger nach dem ewigen Hoffnungs- und Reuespiel.

Das Kammergericht, dessen Anblick unser Delinquent, der sich noch vor kurzem eine Zukunft mit Ehe und Familie ausgemalt hatte, nun plötzlich so erfreulich findet, befand sich zu jener Zeit in der Lindenstraße, dort, wo die Markgrafenstraße auf sie trifft. Das Gebäude existiert noch und beherbergt jetzt das Jüdische Museum Berlin. Heute ist es wegen der Unterbrechung der Markgrafenstraße zwischen der Leipziger und der Krausenstraße von der Jägerstraße aus nicht mehr zu sehen, doch auch damals wird man dafür einen recht scharfen Blick benötigt haben, ist die Entfernung doch beträchtlich. Der Dichter, Maler, Komponist und auch Jurist E. T. A. Hoffmann dürfte einige Jahre später die Markgrafenstraße auf seinem Weg von seiner Wohnung an der Ecke Tauben- und Charlottenstraße zu eben jenem Kammergericht regelmäßig entlanggegangen sein, war er dort doch als Kammergerichtsrat in seinen letzten Lebensjahren tätig[79]Johannes Glintschert: E. T. A. Hoffmann: Berliner Jahre, erschienen am 11. August 2020 auf Anderes.Berlin..

Das Alte Kammergericht
Das Alte Kammergericht in der Berliner Lindenstraße. Heute ist hier das Jüdische Museum untergebracht.
Fotograf: Alexander Glintschert (2020)
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Das Königliche Lotterieamt, das Mercy hier etwas abschätzig erwähnt, obwohl er doch selbst darin angestellt war, befand sich seit 1791 in der Markgrafenstraße 47, direkt an der Ecke zur Jägerstraße. Bereits seit 1740 gab es in Berlin eine „Classenlotterie“, die in den 1760er Jahren erweitert und durch eine Zahlenlotterie ergänzt wurde. Anfänglich waren auch andere Arten derartiger Glücksspiele entstanden, die von privaten Betreibern angeboten wurden, doch hatte Friedrich II. in den 1750er Jahren ein strenges Verbot gegen das Einsetzen in diese verhängt. Im Königlichen Lotterieamt saßen unter anderem die Königliche General-Lotterie-Administration, die das gesamte Lotteriewesen im preußischen Staat verwaltete, die „Königlich-Churmärkische Zahlen- und Classen-Lotterie-Direction“ und das Ober-Lotterie-Gericht[80]Johann Christian Gaedicke: Lexicon von Berlin und der umliegenden Gegend. Enthaltend alles Merkwürdige und Wissenswerthe von dieser Königsstadt und deren Gegend. Ein Handbuch für Einheimische und Fremde, Gebrüder Gaedicke, Berlin, 1806, Seiten 361 f.. Gedacht waren die Lotterien in erster Linie zur Finanzierung sozialer Einrichtungen und zur Unterstützung der Armen. 1795 vergab man die Lotterie an den Bankier und Münzproduzenten Liepmann Meyer Wulff, der von da an ihr Generalpächter war. Auch wenn verschiedene soziale Einrichtungen in der Folge von der Lotterie profitierten, so machte der Bankier dabei dennoch ein Vermögen. Bald schon war er in der Stadt unter dem Beinamen „Berliner Krösus“ bekannt. Während des Krieges gegen Napoléon brach die Lotterie 1806 zusammen. Zwar versuchten die Franzosen eine Wiederbelebung, die jedoch mißlang. Nach dem Ende der französischen Besetzung kam es zu keiner Neuauflage mehr, obwohl man Liepmann Meyer Wulff ein entsprechendes Angebot unterbreitete. Doch er lehnte es ab. So wurde die Lotterie 1809 schließlich aufgelöst[81]Gernot Ernst & Ute Laur-Ernst: Die Stadt Berlin in der Druckgrafik, Band I: 1570–1870, Teil II, 1. Auflage 2009, Lukas Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte, Berlin, ISBN 978-3-86732-055-9, Seiten 388 f..

Eine Straßenecke weiter entdeckt unser Spaziergänger wieder etwas Interessantes:

Die Jäger- und Wallstraßen-Ecke gewährte mir von der einen Seite die herzerhebende Ansicht der streng bürgerlichen Wohnung eines Königlichen Ehepaares, und von der andern den lehrreichen Anblick der Hausvogtei, dieses Hauptsitzes der Gallschen Schwängerungs-, Industrie-, Diebs-, Sauf-, Rauf- und Mord-Organe.

Mit der „streng bürgerlichen Wohnung eines Königlichen Ehepaares“ ist das Palais an der Ecke Oberwallstraße – die Mercy hier kurz einfach als Wallstraße bezeichnet – und Unter den Linden gemeint, das heute gemeinhin als Kronprinzenpalais bekannt ist. Hier lebten seit ihrer Heirat im Jahre 1793 der König Friedrich Wilhelm III. und seine Ehefrau Luise Auguste Wilhelmine Amalie Herzogin zu Mecklenburg, eher bekannt als Königin Luise. Diese war beim Volke außerordentlich beliebt, galt sie doch stets als bürgernah und in ihren Umgangsformen eher bürgerlich als aristokratisch. Dies drückt sich auch in Mercys kurzer Erwähnung dieses Wohnsitzes aus, dessen Ansicht er als herzerhebend beschreibt. Allein die Tatsache, daß das anfangs kronprinzliche, seit 1797 königliche Paar das Palais als Wohnort gegenüber dem Schloß bevorzugte, wurde in der Bevölkerung offenbar wohlwollend als Hang zur Einfachheit und Bürgerlichkeit interpretiert, auch wenn die Einrichtung des Palais einer Beschreibung von Paul Seidel aus dem Jahre 1907 zufolge nicht sonderlich bürgerlich war[82]Paul Seidel: Zur Geschichte des Kronprinzen-Palais in Berlin, insbesondere der ehemaligen Wohnung der Königin Luise, In: Hohenzollern-Jahrbuch – Forschungen und Abbildungen zur Geschichte der Hohenzollern in Brandenburg-Preußen, herausgegeben von Paul Seidel, Jahrgang 1907, Seiten 206-257..

An der Jägerstraße stehend, wendet unser Spaziergänger nun den Blick in die andere Richtung und entdeckt dort etwas arg Gegensätzliches: die Hausvogtei, der der anliegende Platz seinen Namen verdankt. Die Hausvogtei war ein Untersuchungs-, Straf- und Schuldgefängnis für Eximierte und befand sich seit 1750 am Hausvogteiplatz. Sie besaß zwei Höfe, die von Gefängnisbauten umgeben waren, in denen man Dunkelzellen eingerichtet hatte, deren Fenster mit schrägen Blechblenden versehen waren, die von unten herauf bis auf die Höhe der Fenster aufragten. Das sorgte für einen vergleichsweise schmalen Spalt, durch den nur wenig Tageslicht in die Zelle gelangte, das dort dann lediglich auf ein sehr kleines Bodenareal fiel. Die Zelle lag also den ganzen Tag in einem Halbdunkel, in dem der Gefangene auszuharren hatte[83]Jan Eik: Schaurige Geschichten aus Berlin – Die dunklen Geheimnisse der Stadt, Jaron Verlag GmbH, 2013.. Interessant ist die Charakterisierung, die Mercy für die Hausvogtei vornimmt, indem er sie als „Hauptsitz der Gallschen Schwängerungs-, Industrie-, Diebs-, Sauf-, Rauf- und Mord-Organe“ bezeichnet. Er bezieht sich dabei auf Franz Joseph Gall, einen im Schwabenland gebürtigen Arzt aus Wien, der im Jahre 1796 damit begann, Vorträge über eine von ihm entwickelte Lehre über den Bau und die Funktion des menschlichen Gehirns zu halten, die später als Phrenologie bekannt wurde. Weil ihm diese Vorträge in Österreich schließlich untersagt wurden, trat er 1805 eine zwei Jahre andauernde Vortragsreise an, die ihn durch Deutschland, die Schweiz, Holland und Dänemark führte. Diese Vorträge erregten großes Aufsehen, nicht zuletzt dadurch, daß Gall in ihnen die These von insgesamt 27 „Organen“ vertrat, mit denen er die Grundeigenschaften der menschlichen Natur zu erklären suchte. So glaubte er beispielsweise, die für den Fortpflanzungstrieb, die Besitzgier oder auch den Gottesglauben verantwortlichen Organe identifiziert zu haben, die sich überdies an der Schädelform ertasten ließen[84]Erwin H. Ackerknecht: Franz Joseph Gall, In: Neue Deutsche Biographie, Band 6, 1964, Seite 42 – Online-Version, Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 29. November 2020.. Zu seinen Vorträgen strömten zahllose Menschen, um dabei zuzusehen, wie er Gehirne sezierte und Schädelformen interpretierte[85]Ute Eberle: Phrenologie, In: GEO kompakt – Die Grundlagen des Wissens, Heft Nr. 15 – 06/2008.. Auch Johann Wolfgang von Goethe und Christoph Wilhelm Hufeland gehörten unter anderen dazu[86]Erich Ebstein: Franz Joseph Gall, In: Ärzte-Briefe aus vier Jahrhunderten, Verlag von Julius Springer, Berlin, 1920, Seite 60.. Viele seiner Untersuchungen stellte Gall bei Gefängnisinsassen an und versuchte dabei, deren Verhalten mit seiner Theorie zu erklären[87]Ute Eberle: Phrenologie, In: GEO kompakt – Die Grundlagen des Wissens, Heft Nr. 15 – 06/2008. – ein Umstand, auf den sich Mercy mit seiner Bemerkung bezieht, der vielleicht ebenfalls einen der Vorträge Galls besucht haben mag. Auch wenn sich Galls Thesen im Laufe der Wissenschaftsgeschichte nicht als haltbar erwiesen, hatte er doch entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung der Hirnforschung. So gilt er heute als der Vater der modernen Lokalisationslehre im Gehirn, hat wichtige Erkenntnisse über die Gehirnanatomie gewonnen und die Lehre begründet, daß Geisteskrankheiten Erkrankungen des Hirns sind[88]Erwin H. Ackerknecht: Franz Joseph Gall, In: Neue Deutsche Biographie, Band 6, 1964, Seite 42 – Online-Version, Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 29. November 2020..

Franz Josef Gall - 1832 (vor) - Lithography von Josef Lanzedelly
Franz Josef Gall in einer Lithographie von Josef Lanzedelly.
Quelle: Wikimedia Commons,
Lizenz: gemeinfrei, da urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen.

Von der Oberwallstraße ist es für unseren Spaziergänger nur noch ein kleines Stück bis zur nächsten Straßenecke, an der die Jägerstraße endet:

Die Jäger- und Kurstraßen-Ecke überraschte mich, Rechts durch das deutsche Adreßhaus, und links durch den halb griechischen Kälber-Markt. In dem warmen Gefühl der Möglichkeit, mir selbst aus der Noth zu helfen, hielt ich mich mehr – Rechts.

Die Fronte der Jägerstraße von dieser Seite bot mir vor dem Kriegskollegium die schönste Gelegenheit dar, alle politische Neuigkeiten, den Aus- und Rückmarsch unsrer Truppen während meiner Gefangenschaft gleich zu erfahren.

Was stellt man sich unter einem Adreßhaus vor? Vielleicht ein institutionalisiertes riesiges Adreßregister? Naheliegend, und leider doch falsch. Eine andere Bezeichnung für ein Adreßhaus ist: Leihhaus. Das hier von Mercy erwähnte befand sich in der Kurstraße Nummer 1. Entstanden war es bereits zu Zeiten der Regierung Friedrichs I. Das Privileg, dieses Leihhaus ins Leben zu rufen, wurde einer „refugirten Familie“ verliehen, wie in Gaedickes „Lexicon von Berlin“ nachzulesen ist. Als „Refugirte“ bezeichnete man gemeinhin die aus Frankreich geflohenen Hugenotten. Es war die Familie des Nikolaus Ganget. Am 26. April 1692 wurde das erste Reglement – wir würden heute vielleicht Geschäftsbestimmungen oder Satzung dazu sagen – für das Leihhaus erlassen. Seine Besonderheit bestand darin, daß es zwar in privater Hand war, sein Bestand jedoch vom Staat garantiert wurde, was seinen Kunden die Sicherheit gab, ihre dort verpfändeten Gegenstände auch später wieder auslösen zu können, wenn ihnen das finanziell möglich war. 1717 konnte Ganget sein Privileg erneuern lassen. In späterer Zeit ging es dann in die Hände einer Familie Humbert über[89]Johann Christian Gaedicke: Lexicon von Berlin und der umliegenden Gegend. Enthaltend alles Merkwürdige und Wissenswerthe von dieser Königsstadt und deren Gegend. Ein Handbuch für Einheimische und Fremde, Gebrüder Gaedicke, Berlin, 1806, Seiten 14 f. Die Namen der Eigner werden in diesem Lexikon allerdings nicht genannt. Sie sind jedoch zu finden in dem Buch Georg Lenzen: Das deutsche Pfandleihrecht – Kommentar zum preußischen Pfandleihgesetz unter Berücksichtigung der außerpreußischen Gesetze, Walter de Gruyter & Co., Berlin und Leipzig, 1929, Seite 4., die es noch führte, als unser Delinquent seine Gefangenschaft in der Jägerstraße zu ertragen hatte[90]Dies läßt sich den Adreßbüchern jener Zeit entnehmen, in denen der „Geheime Rath Humbert“ beziehungsweise der „Director Humbert“ unter der fraglichen Adresse aufgeführt wird..

Der „halb griechische Kälber-Markt“, von dem Mercy hier spricht, fand zu jener Zeit an bestimmten Wochentagen auf dem Werderschen Markt statt, von dem Wilhelm Mila 1829 schrieb:

[…] im gemeinen Leben hieß er lange Zeit auch der Kälbermarkt, als auf dem Platze zwischen der Kirche und den Häusern No. 1 – 4 Kälber auf Wagen mit herunterhängenden Köpfen und durch ihr jämmerliches Blöcken [sic!] die Aufmerksamkeit und das Mitleiden der Vorübergehenden erregend, an gewissen Tagen der Woche dort feil geboten wurden.[91]Zitiert aus Wilhelm Mila: Berlin oder Geschichte des Ursprungs, der allmähligen Entwickelung und des jetzigen Zustandes dieser Hauptstadt, in Hinsicht auf Oertlichkeit, Verfassung, wissenschaftliche Kultur, Kunst und Gewerbe, nach den bewährten Schriftstellern und eigenen Forschungen, Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin, 1829, Seite 202.

Etwas mehr als zwanzig Jahre nach dem Spaziergang unseres Delinquenten gehört der Kälberhandel auf dem Werderschen Markt offenkundig bereits der Vergangenheit an.

Das „Ober-Kriegs-Collegium“ befand sich an der Ecke, an der die Kurstraße auf den Werderschen Markt traf, genau gegenüber dem hiesigen Ende der Jägerstraße. Gestiftet wurde es von König Friedrich Wilhelm II., der es durch ein Patent, datiert auf den 25. Juni 1787, ins Leben rief. Diesem Kollegium oblagen sämtliche Entscheidungen in allen Angelegenheiten, die das Kriegswesen Preußens betrafen, wovon nur die Kriegsoperationen ausgenommen waren. Man könnte also sagen, es hatte das Kriegswesen zu organisieren, die Kriege aber nicht zu führen. Unter König Friedrich Wilhelm III. wurde das Kollegium dann in verschiedene Departments unterteilt, denen die Verantwortlichkeit für einzelne Bereiche des Kriegswesens übertragen wurde[92]Johann Christian Gaedicke: Lexicon von Berlin und der umliegenden Gegend. Enthaltend alles Merkwürdige und Wissenswerthe von dieser Königsstadt und deren Gegend. Ein Handbuch für Einheimische und Fremde, Gebrüder Gaedicke, Berlin, 1806, Seiten 335 f.. Nach der militärischen Niederlage Preußens gegen Napoléon wurde im Jahre 1808 das Militärwesen des Staates neu organisiert und das Oberkriegskollegium ging im neugeschaffenen Preußischen Kriegsministerium auf[93]Kurt Metschies: Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Teil II – Sonderverwaltungen der Übergangszeit 1806-1815, Zentralbehörden ab 1808, Preußische Parlamente 1847-1933, Preußische Armee (bis 1866/1867), Provinzialüberlieferungen, Provinzial- und Lokalbehörden, Nichtstaatliche Provenienzen u. Archivische Sammlungen, K. G. Saur Verlag GmbH & Co. KG, München, 2000, ISBN 3-598-22445-1, Seite 4128..

Adreßhaus, Kälbermarkt und Kriegskollegium sind jedoch nicht die einzigen Institutionen von Bedeutung, die sich an diesem Ende der Jägerstraße befinden. Die Königliche Bank hatte unser Spaziergänger vorher bereits einmal in seine Zukunftsplanungen einbezogen. Nun steht er hier direkt davor:

So gleichgültig, als in den Tagen meiner Freiheit, war mir Gefangenen jetzt der Anblick der Königlichen Hauptbanko, Nr. 34 und der Seehandlung, Nr. 21, weil ich auf keiner von beiden ein Kapitälchen zu liegen habe. Doch verweilte ich dieses Mal ein wenig länger vor denselben, in der süßen Hoffnung, daß sie mir bald mein bischen Papiergeld versilbern werden.

Die Banquiers Nathan Liepmann, Nr. 20. und Cohen, Nr. 51. konnten mich nicht einmal in dieser Beziehung interessiren.

Hier nun widmet er sich in seinen Überlegungen – wenn auch mit mehr als mäßigem Interesse – den Institutionen, die in jener Zeit das Finanzviertel um die Jägerstraße begründeten. Auf die Königliche Hauptbank müssen wir nicht erneut eingehen. Die Königliche Seehandlungs-Societät, an der Ecke zur Markgrafenstraße gelegen, war am 14. Oktober 1772, veranlaßt durch König Friedrich II., gegründet worden und in der Jägerstraße 21 in einem Gebäude aus dem Jahre 1737 untergebracht. Ihre Aufgabe war der Seehandel, zu welchem Zwecke sie Aktien ausgab, deren Besitz allerdings zu keiner Mitsprache in der Direktion der Seehandlung berechtigte[94]Johann Christian Gaedicke: Lexicon von Berlin und der umliegenden Gegend. Enthaltend alles Merkwürdige und Wissenswerthe von dieser Königsstadt und deren Gegend. Ein Handbuch für Einheimische und Fremde, Gebrüder Gaedicke, Berlin, 1806, Seite 565.. Die Anlage von Kapital zum Zwecke von dessen Vermehrung war so aber möglich. Schon bald wurden die von der Seehandlung betriebenen Geschäfte nicht mehr nur auf den Handel zur See beschränkt, sondern alle in- und ausländischen Waren einbezogen. Auch durfte sie Wechselgeschäfte machen, Schiffe bauen, als Reederei auftreten und Kontore im Ausland eröffnen[95]Die Königlich Preussische Seehandlung, ihr Wirken und die dagegen erhobenen Beschwerden, Verlag der Vossischen Buchhandlung, Berlin, 1845, Seite 2.. Eine Kabinettsorder wandelte 1820 die Seehandlung in ein unabhängiges Geld- und Handelsinstitut des Staates um, das über unbeschränkte Vollmachten verfügte. Weil die Großindustriellen in ihr mehr und mehr einen staatlichen Konkurrenten sahen, mußte die Seehandlung nach und nach ihre industriellen Unternehmungen, die sie aufgebaut hatte, aufgeben. Das beschränkte sie immer mehr auf reine Bankgeschäfte, so daß sie sich im Laufe des 19. Jahrhunderts in ein staatliches Geldinstitut verwandelte[96]Eintrag zur Seehandlung, In: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 18, Leipzig, 1909, Seiten 253-254, online verfügbar auf zeno.org..

Die Königliche Seehandlungs-Societät vor 1901
Das im Jahre 1901 abgebrochene Dienstgebäude der Königlichen Seehandlungs-Societät an der Ecke Jäger- und Markgrafenstraße.
Quelle: Atlas zur Zeitschrift für Bauwesen, Jahrgang 52, Blatt 43 – Digitalisiert durch die Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2010.
Bearbeitet: Alexander Glintschert
Gemeinfrei, da urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen.

Der Bankier Abraham Nathan Liepmann hatte das Haus in der Jägerstraße Nummer 20, ein Eckhaus zur Charlottenstraße, im Jahre 1795 für die stolze Summer von 11.300 Reichstalern erworben[97]Hannah Lotte Lund: Der Berliner „jüdische“ Salon um 1800 – Emanzipation in der Debatte, Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, Berlin, Boston, 2012, Seite 162.. Ein Jahr später heiratete er Fradchen Marcuse, die Tochter des jüdischen Kaufmannes Abraham Marcuse. Im Jahre 1809 ließen die beiden sich taufen und führten fortan den Familiennamen Liman. Aus Fradchen wurde Friederike. Das Paar ließ sich allerdings bald darauf scheiden. Friederike, die eine Freundin Rahel Levins, der späteren Rahel Varnhagen von Ense war, lebte einige Jahre danach mit der Schauspielerin Friederike Unzelmann zusammen[98]Hannah Lotte Lund: Der Berliner „jüdische“ Salon um 1800 – Emanzipation in der Debatte, Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, Berlin, Boston, 2012, Seiten 548 f..

Nun kehrt unser Spaziergänger wieder um – die Jägerstraße darf er ja nicht verlassen. An der Oberwallstraße wird ihm seine Gefangenschaft erneut schmerzlich bewußt:

Desto mehr aber beneidete ich die würdigsten Männer verschiedener Stände, die ich nach Nr. 33. in den Schachklub eilen sah, und denen ich nicht dabei folgen durfte, weil ich noch nicht wußte, ob das juridische Axiom: Favorabilia sunt amplianda, odiosa restringenda[99]Strafgesetze, die für den Angeklagten günstig sind, werden rückwirkend in Kraft gesetzt. – auf meinen Straßenarrest anwendbar wäre.

Ein Schachclub an der Ecke Jägerstraße und Oberwallstraße, wo sich die Hausnummer 33 damals befand, ist in anderen Quellen bisher nicht zu finden. Ob es sich um einen richtigen Verein mit Satzung handelte oder nur um eine lose Spielgemeinschaft, geht aus Mercys Bemerkung nicht hervor. Daß „die würdigsten Männer verschiedener Stände“ dort mitspielten, läßt ersteres vermuten. Belegt ist es nicht. Viele Schachclubs gab es damals jedenfalls noch nicht. Deutschlands ältester, der sogenannte „Alte Club“, war gerade einmal drei Jahre zuvor ins Leben gerufen worden: 1803. Weil der Bildhauer Johann Gottfried Schadow darin Mitglied war, wird er oft auch als „Schadow-Club“ bezeichnet. Doch Schadow war nicht der einzige Prominente auf der Mitgliederliste. Darauf fanden sich so illustre Namen wie der Christian Wilhelm Hufelands, der Arzt an der Charité und Professor an der Berliner Universität war. Der Name des Königlichen Astronomen Christian Ludwig Ideler stand ebenso darauf wie der des Malers Johann Erdmann Hummel. Im Laufe seiner Existenz, die bis 1847 dauerte, war der Club auch mehrmals an verschiedenen Orten in der Jägerstraße ansässig[100]Uta Motschmann (Hrsg.): Handbuch der Berliner Vereine und Gesellschaften 1786–1815, Walter de Gruyter GmbH & Co KG, Berlin, München, Bosten, 2015, ISBN 978-3-05-006015-6.[101]Johannes Fischer: Auf der Suche nach einem verkannten Club – Eine Exkursion in das Berliner Kulturleben der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Artikel auf der Website des kulturellen Schachmagazins Karl, Karl-Verlag Harry Schaack, Frankfurt/Main, abgerufen am 2. Dezember 2020.. Ob die Jägerstraße 33 auch dabei war? Wir wissen es nicht. Und so können wir auch nicht sagen, ob Mercy hier den Alten Club erwähnt. Möglich ist es allemal.

Unser Spaziergänger setzt seinen Weg fort und gelangt zum Gendarmenmarkt, den die Jägerstraße überquert. Mit ihm erreicht er den bedeutendsten Platz der Friedrichstadt:

Am liebsten und längsten hielt ich mich an der Seitenfronte des Komödienhauses auf. Hier ist eigentlich der Standpunkt, der den Berlinischen Stromgang der Ebbe und Fluth von Vergnügungen mit großen Strichen bemerkbar macht; denn es neigt sich, wie die physische Kraft, hier alles nach dem Mittelpunkte – in dem Komödienhause zwischen den leeren Kirchen. Auch habe ich als Arrestant den Vortheil, hier die meisten meiner Bekannten und Freunde, alle Schauspielerinnen und Tänzerinnen, tagtäglich zu sehen und zu sprechen. Die laute Stimme des Publikums beim Herausgehn aus dem Theater, von Konzerten und Bällen, enthebt mich der Mühe, die parteiischen Rezensionen darüber in den Zeitungen nachzulesen.

Wer heute über den Gendarmenmarkt spaziert, sieht sich in dessen Zentrum dem Konzerthaus Berlin gegenüber – einem Hause, in dem, wie es der Name schon verrät, Konzerte vornehmlich klassischer Musik gegeben werden, mit eigenem großem Orchester. Doch reines Konzerthaus ist dieses Gebäude noch gar nicht so lange – erst seit seinem wegen der Kriegszerstörungen notwendigen Wiederaufbau in den 1980er Jahren. Errichtet wurde es eigentlich als Theater, als Schauspielhaus. Mit diesem Namen wird es heute manchmal noch bezeichnet. Als unser Gefangener seinen Spaziergang die Jägerstraße auf und ab absolviert, hat er das Gebäude in seiner heutigen Form allerdings noch nicht vor sich. Im Jahre 1806 stand an seiner Statt noch das Nationaltheater, ein Bau, der im April des Jahres 1800 auf Befehl König Friedrich Wilhelms III. begonnen wurde und für den Carl Gotthard Langhans die Pläne entworfen hatte. Doch auch er hatte einen Vorgängerbau, der auf dem Platz direkt vor ihm gestanden hatte und von Johann Boumann errichtet worden war. Darin hatte bis 1778 ein französisches Theater seine Spielstätte, weswegen es auch Französisches Komödienhaus hieß. Nachdem dieses seinen Betrieb eingestellt hatte, ging das alte Theater an den Schauspieldirektor Karl Theophil Döbbelin, der jedoch 1787 entlassen wurde, woraufhin König Friedrich Wilhelm II. das Theater übernahm und es Nationaltheater nannte.

Gendarmenmarkt - 1788 - Gemälde von Carl Traugott Fechhelm
Der Berliner Gendarmenmarkt mit Französischem Dom und Französischem Komödienhaus im Jahre 1788.
Gemälde von Carl Traugott Fechhelm.
Quelle: Wikimedia Commons,
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Das neue Gebäude des Nationaltheaters konnte bereits am 1. Januar 1802 eröffnet werden. Es hatte die Form eines länglichen Vierecks, dessen Ostseite ein vorstehender Säulengang zierte. Um das ganze Gebäude lief ein Fries, der mit einem Arabeskenzug verziert war. Insgesamt zwölf Türen boten an allen vier Seiten des Gebäudes Zugang. Das Bogendach war oben mit Kupfer und im unteren Teil mit Dachsteinen gedeckt. Von Johann Gottfried Schadow entworfene Reliefs zierten alle Seiten des Baus und zeigten Szenen aus der griechischen und römischen Mythologie. 2.000 Zuschauer fanden im großen Theatersaal des Hauses Platz, das darüber hinaus noch über einige weitere große Säle verfügte, die vorwiegend Konzertzwecken dienten. Der große Konzertsaal bot – das Orchester eingerechnet – rund 1.000 Personen Platz. Direktor des Hauses war zu jener Zeit August Wilhelm Iffland[102]Johann Christian Gaedicke: Lexicon von Berlin und der umliegenden Gegend. Enthaltend alles Merkwürdige und Wissenswerthe von dieser Königsstadt und deren Gegend. Ein Handbuch für Einheimische und Fremde, Gebrüder Gaedicke, Berlin, 1806, Seiten 407 ff..

Das Nationaltheater auf dem Gendarmenmarkt 1800
Das Nationaltheater auf dem Gendarmenmarkt, gezeichnet 1800 von Karl Friedrich Schinkel. Quelle: Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz – SMB-digital, Kupferstichkabinett
Foto: Kupferstichkabinett
Bearbeitet: Alexander Glintschert
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Im Juli des Jahres 1817 kam es zu einem großen Brand, der das Theatergebäude komplett zerstörte. Zwei Jahre später begann man nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel, ein neues zu errichten, das bereits 1820 fertiggestellt werden konnte und das die äußere Form und Erscheinung besaß, die wir heute am Konzerthaus auf dem Gendarmenmarkt vorfinden[103]Wegweiser für Fremde und Einheimische durch Berlin und Potsdam und die umliegende Gegend, enthaltend eine kurze Nachricht von allen daselbst befindlichen Merkwürdigkeiten. Fünfte gänzlich umgearbeitete und verbesserte Auflage 1821, Nicolaische Buchhandlung, Berlin, Seiten 214 f..

Mit den „leeren Kirchen“ sind die Französische und die Neue Kirche gemeint. Die Französische Kirche, in den Jahren 1701 bis 1705 für die aus Frankreich eingewanderten Hugenotten errichtet, erhielt ebenso wie neue Kirche, die zwischen 1701 und 1708 entstand, in den Jahren 1780 bis 1785 einen prächtigen Turmbau nach Plänen des Baumeisters Carl Philipp Christian von Gontard, der auch die Spittel- und die Königskolonnaden entwarf. Unser Spaziergänger sieht sie also bereits genauso vor sich, wie sie sich uns heute präsentieren, obwohl sie ebenso wie das Schauspielhaus in den 1980er Jahren nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges wiederaufgebaut werden mußten. Die Türme, die sich aus jeweils eigenen, an die Kirchen angebauten Gebäuden erheben, haben selbst keine geistliche Funktion[104]Friedrich Nicolai: Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, aller daselbst befindlicher Merkwürdigkeiten, und der umliegenden Gegend, Erster Band, Friedrich Nicolai, Berlin, 1786, Seiten 200 ff.. Ob sich Mercy mit seiner Bemerkung von den „leeren Kirchen“ wohl darauf bezog?

Der Gendarmenmarkt 1833 - Zeichnung von Johann Heinrich Hintze
Der Gendarmenmarkt im Jahr 1833 mit Deutschem Dom und dem von Karl Friedrich Schinkel entworfenen neuen Schauspielhaus.
Stahlstich von Joseph Vincent Barber nach einer Zeichnung von Johann Heinrich Hintze.
Quelle: Wikimedia Commons,
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Unserem Arrestanten scheint sein Eingesperrtsein auch am nunmehrigen zweiten Tag nicht so recht etwas auszumachen, denn er fährt fort:

Wer war glücklicher, als ich, in den zwei ersten Tagen meines Arrestes? Der dritte entschied mein Glück vollends; es ward mir von Seiten der Polizei erlaubt, alle bisher genannte, öffentliche und Privathäuser in der ganzen Jägerstraße, während meines Arrestes, zu besuchen; nur sollte ich mich bei Strafe nicht aus dieser Straße entfernen, oder eine andere seitwärts berühren. Welche neue, herrliche Aussicht in das Schauspielhaus, auf Reibedani’s Billard, und in die Konditorei desselben? Alle Bewohner der Provinzialstädte werden mich um diesen himmlischen Umfang meiner Freiheit, um diesen goldnen Kerker beneiden, der so reich und mannigfaltig an Vortheilen und Annehmlichkeiten des Lebensgenusses ist!

Nun, da hat er wohl nicht ganz unrecht. Und die Sache mit dem Neid betrifft, setzen wir seine Aussage einmal zu unserer heutigen Zeit in Beziehung, nicht nur die Bewohner der Provinzialstädte. Auch wir Berliner finden in der heutigen Jägerstraße längst nicht mehr die reichen und mannigfaltigen Vorteile und Annehmlichkeiten vor, die er uns bisher so ausgiebig beschrieben hat. Nun, der prächtige und wunderschöne Gendarmenmarkt ist noch – oder wieder – da, ebenso die beiden Kirchen und das Schauspielhaus. Und auch wenn man dort kein Theater mehr spielt, so wird dieses von der Musik doch mehr als würdig ersetzt. Wo aber sind all die Weinstuben, die Cafés und die vielen kleinen Läden, die einen mit dem zum Leben Notwendigen versorgen, es angenehm machen und den Bummel durch die Jägerstraße zum Vergnügen? Heute können wir an den Fassaden mehr oder weniger prächtiger Häuser vorübergehen, die Botschaften, Akademien oder Büros beherbergen, aber uns die Einkehr weder wünschenswert machen noch erlauben. Zwar findet sich hier und da noch ein Restaurant oder Café, doch gibt es entweder schnelles Essen auf den Weg oder allbekannte Systemgastronomie. Der Charme des Individuellen, des Persönlichen, der fehlt. Heute möchte man in der Jägerstraße wohl lieber nicht arrestiert werden.

Doch auch unseren eben noch so glücklichen Delinquenten überfallen unverhofft düstere Gedanken:

Unbekümmert, wodurch ich dieses wunderbare Schicksal veranlaßt haben, oder wie lange es wohl dauern möchte, fing ich schon an, mein kleines Haus zu bestellen, und alle Maaßregeln zu einem lebenslänglichen Aufenthalte in dieser Straße zu treffen. Ich ging deshalb noch an demselben Tage in H. E. Müller’s Niederlage aller nur möglichen Sorten fertiger Särge, Nr. 3. an der Jäger- und Maurerstraßen-Ecke, auf den Fall, daß die Polizei mich nach und nach auf einen engern Raum meiner Freiheit beschränken würde, mich zum Voraus mit dem allerengsten und letzten bekannt zu machen.

Ich läugne es nicht, dieses unsern schlechten Zeiten angemessene Magazin* – ein Gegengift, oder vielmehr stummes Resultat des herrschenden Luxus – brachte mich aus aller Fassung; der Schlösser, der in dem nämlichen Hause wohnt, stand wie ein Todesbote vor mir, und nur die Hebamme, auch Bewohnerin desselben Hauses, zeigte mir noch einen milden Rückblick auf das Leben. Ohne den Kauf geschlossen, oder Handgeld gegeben zu haben, eilte ich aus diesem furchtbaren Walde von Grabesstämmen hinweg; wie Furien lagen die privilegirten Lieferantinnen dieses tragischen Großhändlers und Industrieritters von der traurigen Gestalt, die sogenannten Fr–mädchen in den Raubhöhlen gegenüber, und verdoppelten meine zitternden Schritte.

*Ein stattlicheres Magazin dieses unterirdischen Luxus findet man auch in der Mohrenstraße seit 1805-6.[105]Die Anmerkung ist bereits im Original enthalten.

Offenbar beginnt die Gefangenschaft an ihrem dritten Tage doch, unserem Arrestanten zuzusetzen. Und so kommt er in seiner Schilderung dieses eben noch so hoffnungsfroh und voller Glückseligkeit begonnenen dritten Tages zu einem unvermittelten, etwas abrupten Ende:

Von diesen Schreckbildern umgeben, legte ich mich nieder, und schlief zum ersten Mal, während meines Arrestes, mit Unruhe ein. Beim Erwachen aber fühlte ich mich dennoch erquickt, die Binde fiel mir von den Augen, und ich erinnerte mich sichtbar, statt in der Jägerstraße, in meiner gewöhnlichen Behausung in der letzten Straße eingeschlafen zu seyn, und mit diesem arrestdrohenden Polizei-Alpe mich selbst so lange gequält zu haben.

So war also letztlich alles nur ein unseliger Traum. Doch auch wenn alles, was geschah, so gar nicht wirklich war – welch Glück für den Protagonisten dieser kleinen Erzählung -, gilt dies keineswegs für all die darin vorkommenden Personen und Orte. Dieser Traum, so phantasievoll er auch war, liefert uns eine reale Beschreibung der Jägerstraße jener Zeit und damit eines bedeutenden Teils der Friedrichstadt im Jahre 1806.

Wer die Jägerstraße heute kennt, mag vielleicht einige ihrer bekannten und geschichtlich interessanten Orte in Mercys Schilderung vermißt haben. Vorwerfen können wir ihm das jedoch nicht, da er sie zu seiner Zeit schlicht noch nicht kennen konnte oder sie noch nicht die Bedeutung hatten, die wir ihnen heute beimessen. Das ehemalige Bankhaus der Mendelssohns in der Jägerstraße 51 beispielsweise, in dem sich heute die Mendelssohn-Remise befindet, wurde erst im Jahre 1815 von dem bereits 1795 gegründeten Geldinstitut bezogen[106]Bankhaus Mendelssohn & Co, In: Berliner Bezirkslexikon, Mitte, Edition Luisenstadt, 2002, Stand vom 10. Juli 2009, abgerufen am 3. Dezember 2020.. Das Haus mit der Nummer 51 wird von Mercy übrigens erwähnt – zu seiner Zeit sind hier ihm zufolge sowohl der Bankier Cohen als auch der Apotheker Flittner ansässig.

Wilhelm und Alexander von Humboldt, deren Elternhaus sich in der Jägerstraße 22 befand, waren Zeitgenossen Mercys. Daß er sie nicht erwähnt, mag einfach daran liegen, daß sie als Gelehrter bzw. Naturforscher für das Leben eines in einer Straße Festgesetzten nicht unbedingt von Bedeutung waren. Vielleicht ist der Grund aber auch darin zu suchen, daß das Haus in der Jägerstraße 21 seit 1797 schon gar nicht mehr im Besitz der Humboldts war[107]Sebastian Panwitz: Das Humboldt-Mendelssohn-Haus Jägerstraße 22 – Ein Quellenfund, In: HiN – Humboldt im Netz. Internationale Zeitschrift für Humboldt-Studien, Jahrgang 15, Nummer 29, Potsdam, Berlin, 2014, Seiten 134-139, ISSN 1617-5239..

Die Akademie-Uhr des Christian Möllinger konnte Mercy zwar kennen, denn sie wurde 1787 am Gebäude der Akademie der Wissenschaften angebracht, doch befand sich dieses zu jener Zeit noch in der Straße Unter den Linden. In die Jägerstraße, wo sie heute im Foyer des Gebäudes der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften steht, kam die Uhr erst 2013[108]Johannes Glintschert: Die Akademie-Uhr und ihr Schöpfer Christian Möllinger, erschienen am 28. Januar 2018 auf Anderes.Berlin.. Zu Mercys Zeiten befanden sich hier noch die Königliche Seehandlungs-Societät und einige Wohnhäuser.

Ob Mercy den literarischen Salon der Rahel Levin, den sie 1790 begründet hatte und ab 1793 in der Jägerstraße 54 betrieb, besucht oder überhaupt gekannt hat, ist ungewiß. Erwähnt hat er ihn jedenfalls nicht. Wenige Monate nach dem Erscheinen von Mercys Artikel zog Napoléon in Berlin ein und die Besetzung der Stadt durch die französischen Truppen begann. Weil das gesellschaftliche Leben in Berlin dadurch weitestgehend zum Erliegen kam, war Rahel schließlich gezwungen, ihren Salon zu schließen. Als sie ihn im Jahre 1819 schließlich wiederöffnet, wohnt sie nicht mehr in der Jägerstraße[109]Marie Haller-Nevermann: Mehr ein Weltteil als eine Stadt – Berliner Klassik um 1800 und ihre Protagonisten, Verlag Galiani, Berlin, 1. Auflage, 2018; ISBN 978-3-86971-113-3, Seiten 253 ff.. In der Hausnummer 54 erinnert heute eine Gedenktafel an sie und ihren Salon, mit dem sie das gesellschaftliche Leben der Stadt im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert maßgeblich prägte.

Das Alte Kammergericht
Im Hauseingang der Jägerstraße Nummer 54 erinnert diese Tafel daran, daß Rahel Levin in diesem Hause ihren ersten Salon eröffnete.
Fotograf: Alexander Glintschert (2018)
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Der kleine Artikel des Joseph Aloys Mercy, ausgegraben und ans Licht gebracht aus den Untiefen zahlloser historischer Zeitungsblätter, erlaubt uns einen Blick zurück in der Zeit, als Berlin noch nicht die große Metropole war, die es heute ist und in der so oft so groß gedacht und auch gebaut wird, daß das alltägliche Leben dabei nahezu vergessen und an den Rand gedrängt wird. Vielleicht ist er in seiner Aufzählung und Aneinanderreihung all der kleinen und großen Läden, Etablissements und Einrichtungen jener Zeit nicht gerade ein literarisches Meisterwerk, doch zeigt er uns mit dem Blick auf all diese Details eine Jägerstraße voller Leben, mit Licht ebenso wie Schatten, die um ein Vielfaches städtischer, lebendiger und abwechslungsreicher war als ihr heutiges Pendant. Vielleicht kann uns diese Erinnerung anhalten, dieses Urwüchsige, Städtische dort, wo wir es heute noch finden können, zu hegen und zu pflegen und so die Stadt – unsere Stadt – lebenswert zu erhalten.


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Anmerkungen:

1. J. A. Mercy: Meine Gefangenschaft in der Jägerstraße zu Berlin im Jahre 1806, In: Berlin oder der preußische Hausfreund – Eine patriotische Zeitschrift für gebildete Leser jedes Standes, Jahrgang 1, Verlag Wilhelm Dieterici, Berlin, 1806. Teil 1 erschien in der Ausgabe 10 vom 3. Mai 1806, Seiten 42 bis 44, Teil 2 in der Ausgabe 11 vom 6. Mai 1806, Seiten 48 und 49. Digitalisiert durch die Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2017.
2. Lebensdaten und berufliche Angaben wurden dem Eintrag für Joseph Aloys Mercy im Portal journals@UrMEL der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena (ThULB) entnommen, abgerufen am 16. November 2020.
3. Daß Mercy Königlicher Geheimer Sekretär war, wird in der Rezension der zweiten Auflage des Buches Joseph Aloys Mercy: Reise einer Französischen Emigrantin durch die Rhein-Gegenden im Jahre 1793. In Briefen an einen deutschen Domherrn“, Franke, Berlin, 1798 erwähnt, die in der Allgemeinen Literatur-Zeitung, Jahrgang 14, Jena und Leipzig, 1799, Nummer 48, Seite 383, erschien.
4. Die Tätigkeit Mercys wird in dem Buch Claudia Opitz, Ulrike Weckel, Elke Kleinau (Herausgeber): Tugend, Vernunft und Gefühl – Geschlechterdiskurse der Aufklärung und weibliche Lebenswelten, Waxmann Verlag GmbH, Münster, New York, München, Berlin, 2000, ISBN 3-89325-844-2, in Fußnote 59 auf Seite 242 erwähnt.
5, 6. Marie Haller-Nevermann: Mehr ein Weltteil als eine Stadt – Berliner Klassik um 1800 und ihre Protagonisten, Verlag Galiani, Berlin, 1. Auflage, 2018; ISBN 978-3-86971-113-3, Seite 372/373.
7. Sebastian Panwitz: Forschungen zum Berliner Verlagswesen um 1800, erschienen 2001 auf der Website Berliner Klassik. Eine Großstadtkultur um 1800, herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 5. Dezember 2020.
8. Eine kurze Geschichte des Grünen Grabens, in der auch die Jägerbrücke mit ihren Kolonnaden erwähnt wird, findet sich in Frank Eberhardt: Aufstieg und Fall des Grünen Grabens – Zur Geschichte des Festungsgrabens um Cölln, Berlinische Monatsschrift Heft 7-2/2001, Edition Luisenstadt.
9. Leopold von Ranke: Briefwechsel. Historisch-kritische Ausgabe. Band 1: 1810-1825. Neu bearbeitet von Dietmar Grypa. Walter de Gruyter GmbH, Berlin, Boston, 2016, ISBN 978-3-486-59005-0. Die Informationen zu Flittner finden sich auf Seite 359 in Fußnote 33 zu einem Brief, in dem Ranke Flittner erwähnt – als Eigner einer Buchhandlung, die er besuchte. Flittner war ein umtriebiger Geschäftsmann und besaß auch einige Buchhandlungen in Berlin, Cottbus und Frankfurt an der Oder.
10. Eintrag zu Samuel Frederic Ravené im Watch-Wiki – Das große Uhrenlexikon, Herausgeber: Faszination Glashütte, Dresden. Version vom 27. Oktober 2016, 14:03, abgerufen am 21. November 2020.
11. Zu entnehmen ist dies in dem Adreßbuch Karl Neander von Petersheiden: Anschauliche Tabellen von der gesammten Residenz-Stadt Berlin, worin alle Straßen, Gassen und Plätze in ihrer natürlichen Lage vorgestellt, und in denenselben alle Gebäude oder Häuser wie auch der Name und die Geschäfte eines jeden Eigenthümers aufgezeichnet stehen. Dargestellt von Neander 2ten Königl. Preuss. Lieut. beim Artillerie-Corps, Verlag von Karl Neander von Petersheiden, Berlin, 1799 auf den Seiten 59 ff.
12, 28, 75. Dies verzeichnet die Neuausgabe des Adreßbuchs Karl Neander von Petersheiden: Neue anschauliche Tabellen von der gesammten Residenz-Stadt Berlin, oder Nachweisung aller Eigenthümer, mit ihrem Namen und Geschäfte, wo sie wohnen, die Nummer der Häuser, Straßen und Plätze, wie auch die Wohnungen aller Herren Officiere hiesiger Garnison, zum zweitenmale dargestellt von Neander v. Petersheiden, Königl. Preuß. PremierLieutenant im Artillerie-Corps, Verlag von Christian Friedrich Ernst Späthen, Berlin, 1801, Seiten 68 ff. Auf diesem Adreßbuch basieren die meisten der Positionsangaben in diesem Text.
13. Weil es zur damaligen Zeit wegen der überschaubaren Größe Berlins noch üblich war, in den Adreßbüchern die Straßenzüge bildhaft wiederzugeben und mit den Hausnummern und den Namen der Ansässigen zu versehen, kann man dies durch einen direkten Vergleich der beiden Ausgaben des Berliner Adreßbuchs von Karl Neander von Petersheiden anschaulich nachvollziehen. Von besonderem Interesse ist dabei die Tatsache, daß dem Adreßbuch von 1799 zufolge die Jägerstraße in diesem Jahr die Hausnummern 1 bis 37 jeweils zweimal aufwies. Begründet war das darin, daß man am Anfang der Jägerstraße (an der Mauerstraße) auf der rechten Straßenseite mit 1 zu zählen begann. Die Numerierung lief die gesamte rechte Straßenseite entlang bis zum Ende der Jägerstraße am Werderschen Markt, wo die Hausnummer 37 zu finden war. Dort begann man auf der gegenüberliegenden Straßenseite wieder von 1 an zu zählen. Die Hausnummern liefen zurück bis zur Mauerstraße, wo sich die Nummer 40 befand. An der Ecke der Jägerstraße zur Markgrafenstraße lagen sich so zwei Hausnummern 21 direkt gegenüber. Offenbar war diese Zählweise auf die Dauer dann aber doch zu verwirrend, so daß man sie bis 1801 so änderte, daß man nach wie vor an der Mauerstraße bei 1 begann, am Werderschen Markt bei nunmehr Nummer 36 anlangte und auf der gegenüberliegenden Straßenseite mit Nummer 37 fortsetzte. Die Numerierung lief dann bis zur Mauerstraße zurück, wo sich nun die Nummer 76 befand.
14. Felix Escher: Ravené (Eisenindustrielle), In: Neue Deutsche Biographie, Band 21, Duncker & Humblot GmbH, Berlin, 2003, ISBN 3-428-11202-4, Seiten 220 f.
15. Webseite der Reichsburg Cochem, Seite „Die Burg“ mit einer Darstellung der Geschichte der Burg. Abgerufen am 21. November 2020.
16. Therese Wagner-Simon: Das Urbild von Theodor Fontanes „L’Adultera“, Stapp Verlag, Berlin, 1992, ISBN 3-87776-350-2.
17. Otto Neurath: Ludwig Hermann Wolframs Leben, In: F. Marlow (Ludwig Hermann Wolfram): Faust – Ein dramatisches Gedicht in drei Abschnitten. Neu herausgegeben und mit einer biographischen Einleitung versehen von Otto Neurath, Band 1, Ernst Frensdorff, Berlin, 1906, Seiten E70 f.
18. Ebenda, Seite E70.
19, 24. Johannes Glintschert: E. T. A. Hoffmann: Eine Spurensuche in Berlin, erschienen am 22. August 2020 auf Anderes.Berlin.
20. Otto Neurath: Ludwig Hermann Wolframs Leben, In: F. Marlow (Ludwig Hermann Wolfram): Faust – Ein dramatisches Gedicht in drei Abschnitten. Neu herausgegeben und mit einer biographischen Einleitung versehen von Otto Neurath, Band 1, Ernst Frensdorff, Berlin, 1906, Seiten E62 und E70.
21. Ilja Mieck: Preußische Gewerbepolitik in Berlin 1806-1844 – Staatshilfe und Privatinitiative zwischen Merkantilismus und Liberalismus, Walter de Gruyter & Co., Berlin, 1965, Seite 118.
22. Hoffmanns Wohnung in der Taubenstraße und Umgebung (der sog. Kunzische Riss), auf der Website des E.-T.-A.-Hoffmann-Archivs bei der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, abgerufen am 22. November 2020. Eine Darstellung in besserer Auflösung findet sich bei Wikipedia. Das Geschäft ist in der linken oberen Bildecke vermerkt.
23. Wegweiser für Fremde und Einheimische durch Berlin und Potsdam und die umliegende Gegend, enthaltend eine kurze Nachricht von allen daselbst befindlichen Merkwürdigkeiten. Fünfte gänzlich umgearbeitete und verbesserte Auflage 1821, Nicolaische Buchhandlung, Berlin, Seiten 108 f.
25. J. A. Bünger: Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger nebst Adreß- und Geschäftshandbuch für Berlin, dessen Umgebungen und Charlottenburg auf das Jahr 1865. Aus amtlichen Quellen zusammengestellt durch J. A. Bünger, Jahrgang 10, Verlag von A. W. Hayn, Berlin, 1865, Seite 70.
26. Adolph Donat: Psychologie des Kunstsammelns, 3. vermehrte Auflage 1920, Verlag Richard Carl Schmidt & Co, Berlin, Seiten 119 f.
27. Zu entnehmen ist dies dem Adreßbuch Karl Neander von Petersheiden: Anschauliche Tabellen von der gesammten Residenz-Stadt Berlin, worin alle Straßen, Gassen und Plätze in ihrer natürlichen Lage vorgestellt, und in denenselben alle Gebäude oder Häuser wie auch der Name und die Geschäfte eines jeden Eigenthümers aufgezeichnet stehen. Dargestellt von Neander 2ten Königl. Preuss. Lieut. beim Artillerie-Corps, Verlag von Karl Neander von Petersheiden, Berlin, 1799 auf den Seiten 59 ff.
29. Salomo Sachs: Allgemeiner Straßen- und Wohnungs-Anzeiger für die Residenzstadt Berlin, J. E. Hitzig, Berlin, 1812, Seite 160.
30. Robert Springer: Berlin’s Strassen, Kneipen und Clubs im Jahre 1848, Verlag Friedrich Gerhard, Berlin, 1850, Seite 32.
31. Manfred A. Pahlmann: Anfänge des städtischen Parlamentarismus in Deutschland – Die Wahlen zur Berliner Stadtverordnetenversammlung unter der Preußischen Städteordnung von 1808, Akademie Verlag GmbH, Berlin, 1997, Seite 249.
32. Wolfgang Rasch: STEHELY, Konditorei und Lesekabinett in der Berliner Charlottenstraße, im Vormärz der bekannteste Treffpunkt Intellektueller, Schriftsteller und Journalisten Berlins, auf der Website Editionsprojekt Karl Gutzkow, Version vom 30. September 2001, abgerufen am 22. November 2020.
33. J. A. Bünger: Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger nebst Adreß- und Geschäftshandbuch für Berlin, dessen Umgebungen und Charlottenburg auf das Jahr 1870. Aus amtlichen Quellen zusammengestellt durch J. A. Bünger, Jahrgang 15, Verlag von A. W. Hayn’s Erben, Berlin, 1870, Seite 795.
34. Salomo Sachs: Allgemeiner Straßen- und Wohnungs-Anzeiger für die Residenzstadt Berlin, J. E. Hitzig, Berlin, 1812, Seite 160.
35. Richard Béringuier: Die Stammbäume der Mitglieder der französischen Colonie in Berlin, Verlag des Vereins für die Geschichte Berlins, Berlin, 1887, Seite 32.
36, 37. Johann Christian Gaedicke: Lexicon von Berlin und der umliegenden Gegend. Enthaltend alles Merkwürdige und Wissenswerthe von dieser Königsstadt und deren Gegend. Ein Handbuch für Einheimische und Fremde, Gebrüder Gaedicke, Berlin, 1806, Seiten 405 f.
38. von L.: Johann Karl Friedrich Rellstab, In: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 28, 1889, Seiten 780-781 – Online-Version, Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 22. November 2020.
39. Gertrud Maria Rösch: Heinrich Friedrich Ludwig Rellstab, In: Neue Deutsche Biographie, Band 21, 2003, Seiten 407-408 – Online-Version, Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 22. November 2020.
40. Walter Heynen: Willibald Alexis, In: Neue Deutsche Biographie, Band 1, 1953, Seiten 197 f. – Online-Version, Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 22. November 2020.
41. Ilja Mieck: Preußische Gewerbepolitik in Berlin 1806-1844 – Staatshilfe und Privatinitiative zwischen Merkantilismus und Liberalismus, Walter de Gruyter & Co., Berlin, 1965, Seite 171.
42. Diese Informationen stammen aus dem Buch Käthe Klappenbach: Kronleuchter – Mit Behang aus Bergkristall und Glas sowie Glasarmkronleuchter bis 1810, Akademie Verlag, Berlin, 2001, Seiten 96-103, wurden aber den Angaben zu einer am 30. März 2017 durchgeführten Auktion auf der Website Koller International Auctions entnommen, abgerufen am 22. November 2020.
43. Birgit Kropmanns: Beschreibung zu Schinkels Entwurf zur Altarschranke für den Dom am Lustgarten in Berlin, 2012, auf der Website museum-digital:staatliche museen zu berlin, abgerufen am 22. November 2020.
44. Johann Christian Gaedicke: Lexicon von Berlin und der umliegenden Gegend. Enthaltend alles Merkwürdige und Wissenswerthe von dieser Königsstadt und deren Gegend. Ein Handbuch für Einheimische und Fremde, Gebrüder Gaedicke, Berlin, 1806, Seite 314.
45. Gut zu sehen ist das auf einem alten Stadtplan von Berlin aus dem Jahre 1810: Daniel Gottlob Reymann: Neuester Grundriss von Berlin, gestochen von Carl Stein, Berlin, 1810.
46. Sepp-Gustav Gröschel: Winckelmann und Frédéric Reclam – Italien und Rheinsberg, In: Jahrbuch Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Band 6, 2004.
47. Nina Simone Schepkowski: Johann Ernst Gotzkowsky –  Kunstagent und Gemäldesammler im friderizianischen Berlin, Akademie-Verlag, Berlin, 2009, ISBN 978-3-05-004437-8, Seite 22, Fußnote 70.
48. Friedrich Sarre, Die Berliner Goldschmiedezunft von ihrem Entstehen bis zum Jahre 1800 – Ein Beitrag zur Kunst- und Gewerbe-Geschichte Berlins, Verlag von J. A. Stargardt, Berlin, 1895, Seite 100.
49, 51. Frédéric Barbier: Une page d’anthropologie familiale, erschienen auf der Website Histoire du livre, Version vom 25. April 2020, abgerufen am 23. November 2020.
50. Sepp-Gustav Gröschel: Winckelmann und Frédéric Reclam – Italien und Rheinsberg, In: Jahrbuch Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Band 6, 2004.
52. Allgemeines Industrie-Addreßbuch der Königlich Preußischen Haupt- und Residenzstadt Berlin auf das Jahr 1811. Nebst einem Anhang von kaufmännischen, Kunst- und wissenschaftlichen Anzeigen und einem Waaren-Anzeiger. Für Einheimische und Fremde. Berlin, 1811, Seite 103.
53. Gemeint ist die Witwenkasse.
54. Johann Christian Gaedicke: Lexicon von Berlin und der umliegenden Gegend. Enthaltend alles Merkwürdige und Wissenswerthe von dieser Königsstadt und deren Gegend. Ein Handbuch für Einheimische und Fremde, Gebrüder Gaedicke, Berlin, 1806, Seiten 645 ff.
55. Eduard Muret: Geschichte der Französischen Kolonie in Brandenburg-Preußen, unter besonderer Berücksichtigung der Berliner Gemeinde. Aus Veranlassung der Zweihundertjährigen Jubelfeier am 29. Oktober 1885, W. Büxenstein, Berlin, 1885, Seite 67.
56. Gerhard Wenzel: Das Waisenhaus und die Armenschule der Hugenotten in Berlin (18. Jh.), Auszug aus der Dissertation „L’église est la Mère des Pauvres. Das diakonische Engagement der Hugenotten in Berlin 1672-1772 (unter besonderer Berücksichtigung ihrer Vorgeschichte und Tradition). Diakonie zwischen Ohnmacht, Macht und Bemächtigung“ des Autors, präsentiert auf der Website Hugenotten-Forschung, abgerufen am 24. November 2020.
57. Eduard Muret: Geschichte der Französischen Kolonie in Brandenburg-Preußen, unter besonderer Berücksichtigung der Berliner Gemeinde. Aus Veranlassung der Zweihundertjährigen Jubelfeier am 29. Oktober 1885, W. Büxenstein, Berlin, 1885, Seiten 60 f.
58. Ebenda, Seiten 77 f.
59. Zitiert aus: Friedrich Nicolai: Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, aller daselbst befindlicher Merkwürdigkeiten, und der umliegenden Gegend, Erster Band, Friedrich Nicolai, Berlin, 1786, Seite 156.
60. Friedrich Nicolai: Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, aller daselbst befindlicher Merkwürdigkeiten, und der umliegenden Gegend, Zweiter Band, Friedrich Nicolai, Berlin, 1786, Seite 452.
61. Rudolf P. Geisler: Notenbankverfassung und Notenbankentwicklung in USA und Westdeutschland – Eine vergleichende Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung des Problems der Zentralisation und Dezentralisation und des Verhältnisses von Staat und Notenbank, Duncker & Humblot, Berlin, 1953, Seiten 68 ff.
62. Ebenda, Seiten 79 f.
63. Allgemeines Industrie-Addreßbuch der Königlich Preußischen Haupt- und Residenzstadt Berlin auf das Jahr 1811. Nebst einem Anhang von kaufmännischen, Kunst- und wissenschaftlichen Anzeigen und einem Waaren-Anzeiger. Für Einheimische und Fremde, Berlin, 1811, Seite 52.
64. J. W. Boicke: Allgemeines Adreßbuch für Berlin, Verlag J. W. Boicke, Berlin, 1820, Seite 33.
65. Friedrich Nicolai: Wegweiser für Fremde und Einheimische durch Berlin und Potsdam, und die umliegende Gegend, enthaltend eine kurze Nachricht von allen daselbst befindlichen Merkwürdigkeiten, 6. Auflage 1835, Nicolai’sche Buchhandlung, Berlin, Seite 102.
66. Zitiert aus: Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, abgerufen am 25. November 2020.
67, 105. Die Anmerkung ist bereits im Original enthalten.
68. Artikel zur Dreifaltigkeitskirche auf der Website des Evangelischen Kirchenkreises Berlin Stadtmitte, veröffentlicht am 2. Oktober 2017, abgerufen am 27. November 2020.
69. Johann Esaias Silberschlag: Johann Esaias Silberschlag’s, Königl. Preuß. Ober-Consistorial-Raths, Geheimen Ober-Bau-Raths, Pastors bei der Dreifaltigkeits-Kirche zu Berlin, Mitgliedes der Königl. Akademie der Wissenschaften und mehrerer auswärtigen gelehrten Gesellschaften etc., Leben, von ihm selbst beschrieben, Verlag der Königlichen Realschul-Buchhandlung, Berlin, 1792.
70. Paul Tschackert: Johann Esaias Silberschlag, In: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 34, Verlag von Duncker & Humblot, Leipzig, 1892, Seiten 314–316. Diese Quelle gibt fälschlicherweise 1716 als Geburtsjahr Silberschlags an. Dies ist um so unerklärlicher, als sie selbst auf Silberschlags Autobiographie hinweist, in der er sein Geburtsjahr mit 1721 benennt.
71. Mitgliedereintrag zu Johann Esaias Silberschlag auf der Website der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 27. November 2020.
72, 74. Dr. D. Korth: Neuestes Topographisch-statistisches Gemälde von Berlin und dessen Umgebungen, Schlesingersche Buch- und Musikhandlung, Berlin, 1821, Seiten 200 f.
73. Fritz Egli: Das Grabmal von Hindelbank, Artikel auf der Website der Goethe-Gesellschaft Schweiz, abgerufen am 27. November 2020.
76. Salomo Sachs: Allgemeiner Straßen- und Wohnungs-Anzeiger für die Residenzstadt Berlin, J. E. Hitzig, Berlin, 1812, Seite 212.
77. Bertrand’sches Haus, In: Tom Wolf: Das spanische Medaillon, berlin.krimi.verlag im be.bra verlag GmbH, Berlin-Brandenburg, 2012. Es ist nicht ganz klar, warum der Eintrag mit „Bertrand’sches Haus“ übertitelt ist. Der Text gibt die Geschichte jedoch richtig wieder.
78. Falls Sie eine andere Idee für oder gar Hinweise darauf haben, was mit „dem ewigen Feuer auf dem Berlinischen Bernhardsberge“ und insbesondere auch mit der scharfen Ecke des Freimüthigen“ gemeint sein könnte, würde ich mich sehr freuen, wenn Sie mir eine entsprechende Nachricht an alexander(at)anderes-berlin.de zukommen lassen würden. Vielen Dank!
79. Johannes Glintschert: E. T. A. Hoffmann: Berliner Jahre, erschienen am 11. August 2020 auf Anderes.Berlin.
80. Johann Christian Gaedicke: Lexicon von Berlin und der umliegenden Gegend. Enthaltend alles Merkwürdige und Wissenswerthe von dieser Königsstadt und deren Gegend. Ein Handbuch für Einheimische und Fremde, Gebrüder Gaedicke, Berlin, 1806, Seiten 361 f.
81. Gernot Ernst & Ute Laur-Ernst: Die Stadt Berlin in der Druckgrafik, Band I: 1570–1870, Teil II, 1. Auflage 2009, Lukas Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte, Berlin, ISBN 978-3-86732-055-9, Seiten 388 f.
82. Paul Seidel: Zur Geschichte des Kronprinzen-Palais in Berlin, insbesondere der ehemaligen Wohnung der Königin Luise, In: Hohenzollern-Jahrbuch – Forschungen und Abbildungen zur Geschichte der Hohenzollern in Brandenburg-Preußen, herausgegeben von Paul Seidel, Jahrgang 1907, Seiten 206-257.
83. Jan Eik: Schaurige Geschichten aus Berlin – Die dunklen Geheimnisse der Stadt, Jaron Verlag GmbH, 2013.
84, 88. Erwin H. Ackerknecht: Franz Joseph Gall, In: Neue Deutsche Biographie, Band 6, 1964, Seite 42 – Online-Version, Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 29. November 2020.
85, 87. Ute Eberle: Phrenologie, In: GEO kompakt – Die Grundlagen des Wissens, Heft Nr. 15 – 06/2008.
86. Erich Ebstein: Franz Joseph Gall, In: Ärzte-Briefe aus vier Jahrhunderten, Verlag von Julius Springer, Berlin, 1920, Seite 60.
89. Johann Christian Gaedicke: Lexicon von Berlin und der umliegenden Gegend. Enthaltend alles Merkwürdige und Wissenswerthe von dieser Königsstadt und deren Gegend. Ein Handbuch für Einheimische und Fremde, Gebrüder Gaedicke, Berlin, 1806, Seiten 14 f. Die Namen der Eigner werden in diesem Lexikon allerdings nicht genannt. Sie sind jedoch zu finden in dem Buch Georg Lenzen: Das deutsche Pfandleihrecht – Kommentar zum preußischen Pfandleihgesetz unter Berücksichtigung der außerpreußischen Gesetze, Walter de Gruyter & Co., Berlin und Leipzig, 1929, Seite 4.
90. Dies läßt sich den Adreßbüchern jener Zeit entnehmen, in denen der „Geheime Rath Humbert“ beziehungsweise der „Director Humbert“ unter der fraglichen Adresse aufgeführt wird.
91. Zitiert aus Wilhelm Mila: Berlin oder Geschichte des Ursprungs, der allmähligen Entwickelung und des jetzigen Zustandes dieser Hauptstadt, in Hinsicht auf Oertlichkeit, Verfassung, wissenschaftliche Kultur, Kunst und Gewerbe, nach den bewährten Schriftstellern und eigenen Forschungen, Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin, 1829, Seite 202.
92. Johann Christian Gaedicke: Lexicon von Berlin und der umliegenden Gegend. Enthaltend alles Merkwürdige und Wissenswerthe von dieser Königsstadt und deren Gegend. Ein Handbuch für Einheimische und Fremde, Gebrüder Gaedicke, Berlin, 1806, Seiten 335 f.
93. Kurt Metschies: Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, Teil II – Sonderverwaltungen der Übergangszeit 1806-1815, Zentralbehörden ab 1808, Preußische Parlamente 1847-1933, Preußische Armee (bis 1866/1867), Provinzialüberlieferungen, Provinzial- und Lokalbehörden, Nichtstaatliche Provenienzen u. Archivische Sammlungen, K. G. Saur Verlag GmbH & Co. KG, München, 2000, ISBN 3-598-22445-1, Seite 4128.
94. Johann Christian Gaedicke: Lexicon von Berlin und der umliegenden Gegend. Enthaltend alles Merkwürdige und Wissenswerthe von dieser Königsstadt und deren Gegend. Ein Handbuch für Einheimische und Fremde, Gebrüder Gaedicke, Berlin, 1806, Seite 565.
95. Die Königlich Preussische Seehandlung, ihr Wirken und die dagegen erhobenen Beschwerden, Verlag der Vossischen Buchhandlung, Berlin, 1845, Seite 2.
96. Eintrag zur Seehandlung, In: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 18, Leipzig, 1909, Seiten 253-254, online verfügbar auf zeno.org.
97. Hannah Lotte Lund: Der Berliner „jüdische“ Salon um 1800 – Emanzipation in der Debatte, Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, Berlin, Boston, 2012, Seite 162.
98. Hannah Lotte Lund: Der Berliner „jüdische“ Salon um 1800 – Emanzipation in der Debatte, Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, Berlin, Boston, 2012, Seiten 548 f.
99. Strafgesetze, die für den Angeklagten günstig sind, werden rückwirkend in Kraft gesetzt.
100. Uta Motschmann (Hrsg.): Handbuch der Berliner Vereine und Gesellschaften 1786–1815, Walter de Gruyter GmbH & Co KG, Berlin, München, Bosten, 2015, ISBN 978-3-05-006015-6.
101. Johannes Fischer: Auf der Suche nach einem verkannten Club – Eine Exkursion in das Berliner Kulturleben der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Artikel auf der Website des kulturellen Schachmagazins Karl, Karl-Verlag Harry Schaack, Frankfurt/Main, abgerufen am 2. Dezember 2020.
102. Johann Christian Gaedicke: Lexicon von Berlin und der umliegenden Gegend. Enthaltend alles Merkwürdige und Wissenswerthe von dieser Königsstadt und deren Gegend. Ein Handbuch für Einheimische und Fremde, Gebrüder Gaedicke, Berlin, 1806, Seiten 407 ff.
103. Wegweiser für Fremde und Einheimische durch Berlin und Potsdam und die umliegende Gegend, enthaltend eine kurze Nachricht von allen daselbst befindlichen Merkwürdigkeiten. Fünfte gänzlich umgearbeitete und verbesserte Auflage 1821, Nicolaische Buchhandlung, Berlin, Seiten 214 f.
104. Friedrich Nicolai: Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, aller daselbst befindlicher Merkwürdigkeiten, und der umliegenden Gegend, Erster Band, Friedrich Nicolai, Berlin, 1786, Seiten 200 ff.
106. Bankhaus Mendelssohn & Co, In: Berliner Bezirkslexikon, Mitte, Edition Luisenstadt, 2002, Stand vom 10. Juli 2009, abgerufen am 3. Dezember 2020.
107. Sebastian Panwitz: Das Humboldt-Mendelssohn-Haus Jägerstraße 22 – Ein Quellenfund, In: HiN – Humboldt im Netz. Internationale Zeitschrift für Humboldt-Studien, Jahrgang 15, Nummer 29, Potsdam, Berlin, 2014, Seiten 134-139, ISSN 1617-5239.
108. Johannes Glintschert: Die Akademie-Uhr und ihr Schöpfer Christian Möllinger, erschienen am 28. Januar 2018 auf Anderes.Berlin.
109. Marie Haller-Nevermann: Mehr ein Weltteil als eine Stadt – Berliner Klassik um 1800 und ihre Protagonisten, Verlag Galiani, Berlin, 1. Auflage, 2018; ISBN 978-3-86971-113-3, Seiten 253 ff.